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Full text of "Zeitschrift für Numismatik"

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ZEITSCHRIFT 



FÜR 



NUMISMATIK. 



REDIGIRT 



VON 



ALFRED VON SALLET. 



ZEHNTER BAND. 



BEBUN 

WEIDlf AKNSCHfi BtJGHHANDLUNO. 

1883. 






Inhalt des zehnten Bandes. 



Alterthum. 

8«ito 

Friedlaender, J., Die Erwerbungen des Munzkabinets im Jahre 1881 (Taf. 1). 

CDmrin auch Mittelalter, Orient etc.) 1 

Bahrfeldt, M., Der Denarschatz Yon PieYe-Qainta 9 

Lambros, P., Ünedirte Münzen der Stadt Eriza 55 

Friedlaender, J., Marinianns 68 

Loebbecke, A., Griechische Mnnzen ans meiner Sammlung (Taf. III). . . 71 

Friedlaender, J., Metellos Creticus in Gortyna 119 

Sallet, A. Y., Beiträge zar antiken Münz- und Alterthumskunde .... 143 

— , — , Berichtigongen zu den Beiträgen etc 806 

fiahrfeldt, M., Der Victoriatenfund Yon Tarent 186 

Yleuten, F. Tan, Neue Erwerbungen meiner Mfinzsammlung 191 

Imhoof- Blumer, F., Zur Münzkunde Kilikiens (Taf. X) 267 

Mittelalter und geehzehntes Jalirhiuidert. 

Friedensburg, F., Schlesiens Münzen im Mittelalter (Schluss) CTaf. II) . . 20 

— , — , — , Nachtrag zu Schlesiens Münzen im Mittelalter .... 128 

Dnning, A., Der Münzfand von Waltemienburg 86 

Stroganoff, Gomte' S., Le tr^or de Nejine 112 

Friedlaender, J., Eine Schntzper sehe Medaille 174 

Oreene, E. Wh., Medal of the Rappold family by Tob. Wolff (Taf. IV) . . 176 

Tolstoi, Graf S., Der Münzfund von Njeschin (Taf. V) 177 

Sallet, A. ▼., Zwei italienische Medaillen 194 

Friedlaender, J , Gottfried Leygebe 202 

Dannenberg, H., Der Turnosenfdnd Yon Wittmund 228 

— , — , — , Münzfande 288 

Friedlaender, J., Ein Medaillon des Petrus de Domo Fani 287 

Bahrfeldt, E., Znm Münzfand Yon Daelie (Taf. IX) 240 

Friedeniburg, F., Die Heller der Stadt Neisse 262 

Dannenbeig, H., Ein namismatisches Gemälde (Taf. YIII) 262 

Sallet, A. T., Die Denare des Markgrafen Otto IL ^<m Brandenburg . • . 299 



4-0^^7/ 



• 

y lohalt des zehnten Bandes. 

Kleinere Mittheilungen. 

Seite 

Monzfund. H. D 164 

Sammlung Becker. A. t. S 66 

Athena-Nike aus Peiigramon. A. t. S 125 

Münzfuod Ton Götz. H. D 126 

Die Numismatik auf der beraldiachen Ausstellung. A. y. 8 127 

Zum Seelensdorfer Mfinzfund. J. Lange 217 

Die Dublettenauction des KgL Mnnzkabinets. A. y. S. 217 

Literatur. 

Banmbäcä, F., 67 

Joseph, P., 67, 187 

Schlickeyaen, F. W., (B. Pallmann und H. Droysen) 70 

Babrfeldt, E., 128 

Cohen, H 128 

Elfe, Th . 134 

Friedlaender, J 136 

Podschiwalow, A. M 139 

Halke, H 141 

Weyl, A . 142 

Rohde 219 

Hesa, A 308 

Vacquier, P 309 

Bergsoe, S 310 



Am Schluss des Bandes : 
YerhandluDgen der Numismatisoben Gesellsehaft zu Berlin 1882. 



• -% * 



.1 




Die ETwerbungen des Königliclieii Münzkabinets 

im Jahre 1881 

Tafel I. 



Gold 


Silber 


Bronze 


Stack 


9 


34 


94 


137 


2 


16 


13 


31 


14 


91 


62 


167 


26 


81 


60 


157 



Das Jahr 1881 war nicht fruchtbar an Erwerbungen, sie be- 
standen aus: 

Gfriechischen 

Römischen und byzantinischen 

Mittelalterlichen und neueren Münzen 

und Medaillen 
Orientalischen 

51 222 219 492 
und 145 arabischen Glas-Gewichten aus Aegypten. 

Einige Geschenke hat das Münzkabinet dankbar anzuerkennen; 

S. M. der Kaiser liess zwei ihm verehrte seltene Thaler des 17. 

Jahrhunderts überweisen, S. E. und E. H. der Eronprinz sechs 

altindische Eupfermünzen aus einem Funde von Bareilly, das 

Ministerium für Landwirthschaft, Forsten «und Domänen schenkte 

die PreismedaUle für die Fischerei- Ausstellung vom Hofmedailleur 

Schwenzer, die Stadt Eöln die MedaUle auf die Vollendung 

des Doms, die City von London die auf den Besuch des Eönigs 

Georg von Griechenland, die Stadt Lüttich die für die dortige 

historische Ausstellung. Femer erhielt das Münzkabinet eine 

unedirte Alexandrinische Münze von Herrn Geh. Rath Lepsius 

andere meist moderne von den Herren Freiberm von Hauch, 

Dr« af Ursin in Helsingfors, Prot Eiepert, ProL Euting in 

Sirassburg, Donebauer in Prag. 

Da ich die meisten der wissenschafUich interessanten Münzen 

1 



2 J. Friedlaender: 

bereits im Laufe dieses Jahres in diesen Blättern besprochen habe, 
kann ich mich jetzt kurz fassen. 

I. Griechische Münzen. Der einzige Ankauf von Wich- 
tigkeit war eine Auswahl aus der Sammlung, welche Herr 
Alexander Grant in Cheltenham, früher Staatsingenieur für 
Oberindien, dort vereinigt hatte, • 8 goldene, 21 silberne und 36 
bronzene, lauter seltene, manche sind sogar nur in diesen einzigen 
Exemplaren bekannt. Zunächst 3 syrische Königsmünzen: der 
Goldstater Antiochus des I., der Antiochus des IL mit dem Pferde- 
kopf auf der Kehrseite, und das Tetradrachmon desselben Königs 
mit dem gleichen Typus. Ferner ein Doppeldaricus mit <I> imFelde. 

Unter den indischen Münzen ist die merkwürdigste die Drachme 
des Sophytes, Taf. No. 1, welcher in der Gegend des heutigen La- 
bore herrschte und sich Alexander dem Grossen unterwarf. Das 
Bildniss des Sophytes auf der Vorderseite, mit dem Helm welcher 
Seleucus dem I. eigen ist, zeigt, dass ein griechischer Künstler 
es geschnitten. Der Hahn der Kehrseite kommt auf syrischen 
Königsmünzen nicht vor. Es folgen dann sehr schöne Exem- 
plare von Münzen des Euthydemus, Tetradrachmen des Eucratides, 
desselben mit Heliocles und Laodice, des ApoUodotus, Philoxenus, 
und Menander. Von den Königen Apollophanes und Zeionises 
waren noch keine Münzen vorhanden, 

Erwähnung verdienen auch ein sehr schönes Didrachmon von 
Cos mit dem Kopf des' jugendlichen Herakles im Dreiviertelprofil, 
und eine kleine Bronzemünze von Aphrodisias mit zwei knöchel- 
spielenden Eroten. 

Von höherem Werthe ist eine Münze von Cibyra in Phry- 
gien, unter Elagabal geprägt, mit der Jahreszahl P9 • (196) 
einer Aera, welche unter Tiberius begann, als er Cibyra und 13 
andere Städte Kleinasiens, die durch ein Erdbeben zerstört waren, 
herstellen liess, worauf sie ihm in Puteoli das Denkmal errichteten, 
dessen Basis im Museum zu Neapel steht, während die Bildsäule 
auf einer seiner römischen Münzen dargestellt ist. 

Aus Inowraclaw gelangte die keltische Goldmünze in das 



Die Erwerbungeo des Eöniglicben Münzkabinets im Jahre 1881. 3 

Kabinety welche hier abgebildet ist; sie weicht von den gewöhn- 
lichen in Baiem und Böhmen gefundenen ab, s. Taf. No. 7. 

DieabgebildeteMünzc von Side(8. Taf. No. 2)hateinenEnabenkopf 
mit der Umschrift HOY AIK KOP OVAAGPIANON KAI CGB; es ist 
wohl nicht Saloninus sondern sein älterer Bruder^ der gewöhnlich 
Cornelius Yalerianus genannte Erstgeborene des Gallienus. Die 
Aufschrift der Rs. ist AHOAAnNOC CIAHTOY NGnKOPOY. 
Diese Art den Stadtnamen zu geben ist ungewöhnlich. In Side 
fehlt überhaupt der Stadtname fast immer, nicht allein auf den 
früheren silbernen, auch auf den späteren, welche Beamtennamen 
haben; der Granatapfel scheint den Stadtnamen zu ersetzen. Erst 
auf Bronzemünzen und dann auf den Eaisermünzen finden wir 
ZIAHTHN. 

Auf unserer Münze steht der Name des Schutzgottes statt 
des Stadtnamens, so erklärt sich auch das beigefügte vswxoqoCj 
das für den Gott nicht passt. Nur in dem benachbarten Perga 
finden wir auch diese Weise, den Namen der Schutzgottheit statt 
des Stadtnamens zu setzen, dort steht APTEMIAOZ nEPFAIAZ 
und im pamphyUschen Dialekt VlANAf AI nPEIIAZ; dies wird 
Favaaaag fleQyaiag erklärt. Diese Aufschriften stehen neben 
der Artemis, in Side steht die oben angegebene neben dem 
Apoll; er kommt in genau gleicher Gestalt mit dem kurzen Chiton, 
kurzem Mantel am Kücken und mit langem Lorbeerzweig und 
Patera auf seltenen autonomen Silbermünzen vor. ^) S.Taf. No. 3 u. 4. 

Da also die griechischen Aufschi-iften von Perga: APTEMIA02 
nEPFAIAZ und die unserer Münze von Side: AnOAAnNOC 
CIAHTOY NeHKOPOY einander entsprechen, so könnte man 
fragen, ob nicht etwa ebenso die pamphylische Aufschrift von 
Perga und die bekannte von Side in unverständlicher Sprache 
denselben Sinn haben, wenn sie auch der Zeit nach weit ausein- 
ander liegen. Man möchte vermuthen, dass die ältere dieser un- 



1} Auch in dem benachbarten Aspendua ist der alte Typus der Silber- 
mänieo: die beideo Riager auf KaifiermÜDzen wiederholL 

1* 



4 J. Friedlaender: 

Terständlichen Au&chriften von Side, die aus drei Buchstaben 
bestehende, den Namen Äpollon gebe, die längere, die mit den- 
selben drei Buchstaben beginnt, etwa Apollon Sidetes bedeute. 
Dies ist freilich nichts als eine Hypothese. 

Den pamphylischen Dialekt auf den Münzen von Perga, As- 
pendus und Sillyum und in Steinschriften haben wir mehr und 
mehr verstehen gelernt, aber die Schrift und die Sprache der 
Münzen von Side entziehen sich bis jetzt dem Verstandniss, und 
bestätigen Arrian's Worte, dass die Sideten selbst ihren Nach- 
barn unverständlich waren. 

IL WerthvoUere Bereicherung als die griechische Abtheilung 
erhielt die römische. 

Den grossen Goldmedaillon des Kaisers Constans und den 
Bronze -Medaillon des Antoninus Pius habe ich bereits im Laufe 
des Jahres Th. IX Seite 17 Tafel I publicirt. 

Unter sechs schönen und wohl erhaltenen Bronze-Medaillons 
ist der des Hadrian mit der Jahrzahl ANN . DCCCLXXIIII NATali 
URBis, welche auch auf einer Goldmünze steht. In der grösseren 
Darstellung des BronzeMedaillons erkennt man, dass die bei der 
Meta am Boden sitzende Gestalt mit dem Rade nicht weiblich ist, 
wie Herr Prof. von fallet richtig bemerkt, sondern eine männ- 
liche Personification der Ludi circenses. 

Das Medaillon des Aelius mit dem Sol in der Quadriga war 
unbekannt, s. Taf. No. 6. Der Hercules auf dem des Antoninus 
Pius ist eine Kopie eines ganz ähnlichen auf einem Medaillon des 
Hadrian. Was er in der Linken halt, vermagich nicht zu erkennen. 

Ein grosser Ankauf von 17 römischen Medaillons steht bevor. 

Unter den Münzen, die sich auf Hadrians Reisen beziehen, 
sind die auf seine Musterungen der in den Provinzen stehenden 
Heere bezüglichen besonders werthvoll, und die abgebildete mit 
EXERC BRITANNICVS eine der seltensten, s. Taf. No. 5. 

Zu den erwähnenswerthen Erwerbungen gehört auch ein Silber- 
Medaillon des Trebonianus Gallus mit den drei Monetae. 



Die Erweibangen des Königlichen Mnnzkabinets im Jahre 1881. 5 

Aas einem bei Metz gemachten Funde gelangten 8 Denare 
des Augastus von Tollkomraener Erhaitong hierher, Ton denen 
mehrere selten sind und seinen Kopf in stempelfrischer Schönheit 
zeigen. 

III« Auch an mittelalterlichen Münzen war die Emdte 
gering, wenn man von den beiden Funden von Dombrowo und 
Yon Paretz absieht, über die ich im YIII. Bande ausfuhrlich be- 
richtet habe. 

YaterUmdisches Interesse hat ein Merovingischer Tremissis 
Ton Mainz mit den Aufschriften MOGONCIACUS und GARO . 
L . V., vermuthlich Graroaldus, s. Taf. No. 8. 

Drei seltene p&pstliche Zecchinen des 15. Jahrhunderts füllten 
Lücken : Calixtus des III., Pius des II. und Pauls des U. Noch 
weit seltener ist der Zecchino des Dorinus Gattilusio Herrn von 
Lesbos und Phocaea, in Metelin (Mytilene) geprägt, das Gegen- 
stück zu dem von Folia (Phocaea), den ich in den* Beitragen zur 
älteren Münzkunde S. 41 Tafel HI 4 zuerst publicirt habe, wo 
ich über die Geschichte und die Münzen dieser Genuesischen Fa- 
milie ausführlich gesprochen habe. 

Der Herzog Ernst von Baiem, ein nachgeborener Sohn 
Alberts des IV., ward 1517 Bischof von Passau und 1540 Erz- 
bischof von Salzburg, ohne die Priesterweihen empfangen zu 
haben; als er später aufgefordert wurde, die Weihen anzunehmen, 
verzichtete er 1554 auf das Erzbisthum, zog sich nach der Graf- 
schaft Glatz zurück, die ihm von den Freiherrn von Bernstein 
yerpßuidet war, und prägte dort Gold- und Silbermünzen, ohne 
die geistlichen Würden zu erwähnen. Ein Ducaten von 1554 ge- 
langte in das Münzkabinet 

Der Kaiserliche Ministerresident in den La -Plata- Staaten 
vermittelte die Erwerbung einer kleinen Anzahl älterer südame- 
rikanischer Münzen für den Metallwerth, darunter befand sich eine 
seltene Goldmünze der Argentinischen Republik von 1842 mit dem 
Bildniss des Generals Rosas. In den süd- und mittelamerikanischen 
Republiken sind die Bildnisse der Präsidenten nicht selten auf die 



6 J. Frie<11aendpr : 

Münzen gesetzt worden, In den Vereinigten Staaten ist dies nur 
ein Mal geschehen, 1792, während Washington's erster Präsident- 
schaft; ein Halbdollar mit seinem Bildniss wurde erworben, er 
gilt für sehr selten. 

Eine grössere Anzahl modemer Medaillen kam aus des Bild- 
haaers Rauch Nachlass in die Sammlung. 

Künstlerisch schöne italienische und deutsche Medaillen, die 
der Sammlung fehlen, zu erlangen, bietet sich bei der grossen 
Seltenheit und den übermässig hohen Preisen solcher Stücke, 
selten Gelegenheit. Doch wurde ein vollkommen ciselirtes fironze- 
Exemplar des Medaillons Julius des II., von Caradosso, angekauft, 
auf dessen Kehrseite Bramante's Entwurf für die Peterskirche 
dargestellt ist. 

Ueber die orientalischen Münzen berichtet Herr Directorial- 
Assistent Dr. Erman. 

IV. Die 'morgenländischen Münzen wurden im Bericht- 
jahre nicht unbeträchtlich bereichert, besonders gelang es bei der 
ersten Auswahl aus einer grösseren Privatsammlung eine Anzahl 
vnchtiger Stücke zu erwerben. Unter den älteren Münzen hebe 
ich die Goldmünzen der Samaniden Ahmed I. (Samarqand, H. 295) 
und Nasr IL (H. 330) hervor. Besonders wichtigen Zuwachs 
erhielten aber die afrikanischen Dynastien. 

Von hohem Interesse ist eine Silbermünze (Kairo, H. 653) 
des ersten Mamlukensultans Eibek. Bis jetzt war nur eine 
sichere Münze dieses Fürsten, ein Dinar im British Museum be- 
kannt. Lane Poole vermuthete, dieser sei aus einem alten 
Stempel des letzten Aijubidensnltans es Salih Aijub geprägt, auf 
den nachträglich Eibeks Name gesetzt wäre. Aber bei unserer 
Silbermünze ^), die ebenfalls den Namen des es Salih Aijub 
trägt, kann von einer derartigen Benutzung eines alten Stempels 
nicht die Bede sein; vielmehr müssen wir annehmen, dass 
Eibek im Namen seines vor mehreren Jahren verstorbenen Herren 



1) £in anderes Exemplar dieser Münze ist übrigens bereits bei Soret, Se- 
conde letue p. 56 pnblieirt, aber nicht richtig bestimmt, da die Jahreszahl fehlt. 



Die Enrerbangen des KoaiglicheD Hänskabinets im Jahre 1881. ^ 

geprägt hat, vielleicht weil er sich nur als Verwalter seines 
Erbes, nicht als legitimen Herrscher betrachtete. 

Ebenfalls zum ägyptischen Münzwesen gehören die söge- 
nazmten „Glasmünzen^, von denen das Eabinet eine grössere 
Sammlung erworben hat. Wie aus den Aufschriften der älteren: 

Gewicht eines Dinar 

Gewicht eines halben Dinar 

Gewicht eines Fuls 

Gewicht eines Fuls von 24 Charuben 
hervorgeht, sind es meist Münzgewichte; einige wenige grössere 
scheinen anderweitige Gewichte zu sein. Die älteren sind zudem 
noch durch Namen von Statthaltern und Fürsten interessant, die 
späteren haben oft barbarisirte Legenden. 

Merkwürdig sind zwei Goldmünzen des Fürsten von Tunis 
Abu Amr Osman (1435 — 1488 n. Chr.), die spätesten bekannten 
Prägungen des berühmten Hafsidenreiches, das ein halbes Jahr- 
hundert später den Türken unterlag. 

Ein Gegenstück zu diesen Münzen bietet vielleicht eine tür- 
kische Goldmünze. Es ist, wie es scheint, eine Münze Selims 11.^ 
etwas barbarisch und verkehrt geschnitten; die Jahreszahl ist un- 
leserlich, der Stadtname ist Eossantineh, d. h Konstantine in Algier. 
Ist dies nicht etwa nur (wie man sich freilich des Verdachtes 
kaum erwehren kann) ein Fehler für Eostantinijah d. h. Eon- 
stantinopel, so dürfte die Münze gelegentlich einer Belagerung 
dieser algierischen Stadt geschlagen sein. 

Von neuen spanisch arabischen Münzen ist besonders be- 
merkenswerth ein grosser Dinar des Fürsten von Granada, Mo- 
hammed XU. Unser Dinar und die bekannten kleinen Kupfer- 
münzen seines Vorgängers und Nachfolgers Mohammeds XI. 
(Boabdil) bilden die letzten Denkmäler der arabischen Herrschaft 
in Spanien. 

Zwar nicht neu, wie die bisher besprochenen Münzen, aber 
doch ein Stück von der höchsten Seltenheit ist die Münze des 
ephemeren Ilchan Arpa Chan, von der bisher nur das Exemplar 



g J. Friedlaender: Die Erwerbangen des Königlichen Hünzkabinets ete. 

der SammluDg Bartholomaei bekannt war. Es sind nunmehr 
sammtliche Herrscher dieser berühmten Dynastie in der König- 
lichen Sammlung vertreten, denn auch eine Kupfermünze des 
Musa, des Gegners des Arpachan, hat sich unlängst unter den 
Incerten des alten Bestandes gefunden. Sie durfte ein Unicum sein. 
Auch interessante indische Münzen wurden erworben, die 
wichtigste eine der alten südindischen Münzen mit figurenreicher 
Darstellung. Sodann Goldmünzen der Guptas und eine grössere 
Zahl schöner Exemplare der Silbermünzen der Senadynastie. 
Auch eine alte indische Goldmünze von Dschangala auf Java sei 
hier genannt. 

J. Friedlaender. 



Der Senarschatz von Pieve- Quinta. 

Von 

M. Bahrfeldt. 



Im Februar 1879 wurde bei der Kirche Pieve-Quinta, 8 Kilo- 
meter östlich Yon Forll in der Romagna, von Arbeitern beim Be- 
ackern des Feldes in ca. 70 cm Tiefe ein Gefass mit römischen 
Denaren der Republik entdeckt, welcher Schatz fast in seiner 
Totalitat vom Magistrat in Forli in dankenswerther Liberalität für 
das dortige Museum angekauft wurde. Yon diesem neuen Münz- 
fund erhielt ich erst ganz kürzlich durch die anscheinend nicht 
in den Buchhandel gekommene Beschreibung desselben von 
Antonio Santarelli Kenntniss^) und nehme Veranlassung hier 
auf ihn einzugehen, um seine grosse Bedeutung für die Chrono- 
logie der in den ersten Jahren nach Caesars Tode geschlagenen 
Münzen darzulegen. — 

Die in den Besitz des Museums in Forli gelangten 840 De- 
nare — Quinare etc. fehlten gänzlich, dagegen war ein Stempel- 
frischer Denar des Königs Juba vorhanden — beschreibt San- 
tarelli in alphabetischer Ordnung, bezieht sich dabei auf den 
Katalog der Turiner Sammlung '), notirt die Stückzahl und endlich 

1) Notisia di nn ripostiglio di denari coDsolari troTato a Pieve^QniDta nel 
ForlW«se. Forii (Tipo^nifia democratlca) 12 Oiagao 1879. 8% 48 Seiten. 

2) Ariodante Fabretti. Baoeolta nnmismatica del R. maseo di antichita 
di Torioo. Monete eonsolari. Turin 1876. ^ Yergl. auch Wiener niun. Zeit- 
sehriA, Bd. YIU, S. 889-845. 



10 M. Bfthrfeldt: 

bei den Denaren, welche nach seiner Ansicht etwa der Zeit der 
Yergrabang des Schatzes angehören, den Erhaltungsgrad, bezüg- 
lich dessen aber detaillirtere Angaben bei den einzelnen Sorten 
nach Stückzahl erwünscht gewesen wären. Er unterscheidet die 
drei Grade detriti, appena detriti und fior di conio, die hier mit 
vemutzt, wenig vemutzt und stempelfrisch wiedergegeben sind. 

Plattirte Denare fanden sich nicht, dagegen bemerkt Santa- 
relli pag. 7, dass einige wenige Stücke der Familien Garisia, 
Marcia und Rubria mit Eupferoxyd bedeckt gewesen seien^ der 
wohl auf einen geringeren Feingehalt dieser Denare hindeute. 
Sehr wünschenswerth wäre es, wenn durch eine chemische Unter- 
suchung dieser Denare festgestellt werden könnte, in wie weit 
die Yermuthung sich bestätigt 

Denare mit incuser Rs., entstanden durch fehlerhafte Prägung, 
kommen einige Male vor, das Nähere findet man im Yerzeichniss. 

Hier die umgearbeitete und nach Blacas geordnete chrono- 
logische Liste der gefundenen Münzen: 



Blacas Mänzmeister 
No. 


Anzahl 


Erhaltang and Bemerliungen. 


2. Dioscuren ohne 


Wappen 


3 


davon 1 mit Roma incusum 
f^criture mixte) 


3. Desgl. Wappen: 


; Hund 


1 




7 Diana in der Biga ohne 






Wappen 




4 




28. Tod. 








31. Mat. 








46. Sx. Q. 








49. L. CoiL 








59. Victoria in der 


Biga 






63. Sar. 








64. Pur. 








65. Flaus. 








69. L. Sauf. 








71. Q. Marc. Libo 









Der Denarachats Ton PieTe-Qainta. 



n 



Blacw 


Höntmeister 


Anzahl 


Mo. 






72. 


M. Atü. Saran. 


1 


74. 


C. Antesii. 


2 


76. 


L. Cup. 


3 


77. 


Cn. Luer. Trio 


4 


93. 


Cn. Gel. 


3 


99. 


C. Vol. C. f. Flac. 


1 


100. 


C. Rem. 


3 


101. 


C. Cur. f. Triff. 


1 j 


102. 


M. Baein. Q. /. Tampil. 


5 


104. 


M. Carba 


3 


106. 


C. Cato 


5 


107. 


Q. Minu. Ruf. 


1 


108. 


M. Fan. C. f. 


8 


110. 


Sex. Po. Fortlus 


2 


111. 


Ti. Vet. 


1 


122. 


L. Minuci. 


4 


124. 


C. Servern. M. /. 


1 


126. 


M. Aburi. M. f. Gem. 


1 


127. 


P. Mae, Ant. 


2 


128. 


M. Pore. Laeea 


2 


132. 


M. Varg. 


2 


133. 


Cn. Dom. 


1 


134. 


M. Marc. 


3 


135. 


T. Q. 


1 


137. 


Ti. Minuei. C. f. Augurini 2 


138. 


M'. Aeili. BaUms 


?o 


140. 


L. Opeimi. 


2 


146. 


C. Serveil. 


1 


147. 


Q. Fabi. Labeo 


4 


155. 


(M'. Aemilio Lep.) 


3 



Anzahl Erhaltung and Bemerknngen. 



stempel£risch 



1) Fehlt die Angabe der StäekiaU im Originale, wahneheinlich wohl im 
Sats anageiallen. 



12 



M. Bahrfeldt 



Blacas Münsmeister 

No. 

156. L, Phüippus 

157. C. Ca88%. 

161. M. dpi. M, f. 

162. Q. Lutati. Cerco q, 

163. C«. Blasio Cn. f. 

164. C. Z'on«. 

166. M, Calid,, Q. MeteL, Cn. 

Folv. und umgekehrt 

167. b. M. Sila., Q. Curt. 

168. M, Sergi, Silus q. 
170. a. M. Äureli Scann 

y, b. Li. Cosco, M, f. 

y, c. C. Malle, C, /. 

^ d. L. Pomponi, Cn. f. 

173. L. Flaniini. Cilo 

175. L. Memmi. 

176. C. AfcAi?/' 
180. iV. FaH. Pictor 

182. ilf. f omK L. f. Ph(i)li 

183. T. ClovlL 
186. TV. Q. 

188. L. Thorius Balbua 

190. a. L. Saturn. 

191. a. L. MeteL, A. Albin. S./., 

C. JlfaH. 



Anzahl £rhaltaog nnd Bemerkungen. 

2 
1 



6 
3 
4 
1 

2 

2 

4 

2 

1 

2 

1 

4 

4 

2 

1 

2 

1 

2 

1 

1 



davon 1 stempelfrisch 



davon 1 mit Rs. incus 



4 davon 1 stempelfrisch 



1) Hier steckt ein Versehen. Verf. schreibt pag. 26: T. de Filippo V. di 
Hacedonia; dietro f I. — Bs. Q. FiKpui, Filippo a cavallo ; nel campo a. s. nn elmo; 
Roma. — Nun gehören aber diese Hs. und Rs. nicht zusammen, jene ist Hs. des 
Denars Blacas 166 L. Philippns, diese dagegen Rs. des Denars Blacas 142 
Q. Pilipns. Eine StempelTertanschang scheint ansgeschlossen, da 2 Exemplare 
Torliegen, Tielmebr wird der Schatz, da Verf. sieh auch aaf Nr. 3266 des Fv 
brettischen Eataloges besieht, twei Denare dea L. Philippas, Blacas 166 ent- 
halten haben. 



Der Denanehatc ron Pi»Te-QainU. 



18 



BlacM HfiDzmeuter 


Anzah 




No. 








191. c. C. Mal. 




2 




y, d. i4. Albinua S. f. 




3 




j, e. A. Albinus S. /. 




1 




194. Ap. CL, T. Mal, 


J. t/r. 






und umgekehrt 




7 


davon 1 stempelfrisch 


195. a. a CoiL Cald. 




1 




j, b. Cald. 




1 




196. C. Fundan. q. 




1 


stempelfrisch 


197. M. Herenni. 




4 




198. L. Juli. 




2 




199. L. Juli. L. f. Caesar 


4 




205. L. Memmi. Gal. 




3 




206. C. Sulpici. C. f. 




1 




207. Lent. Mar. f. 




1 




212. L. Püo L. f. Frugi 


13 




213. D. SUanus L. f. 


: 


11 
1 




214. Q. Titi. 


\ 
g 

a 

< 

b 


4 
10 






(* 


4 


davon 2 stempelfrisch 


215. L. Titvri. Sabin. 


^ 


6 


• 3 




Ic 


12 




216. C. Vibius C, f. Pansa { * 


23 
2 




226. L. C. Memie^ L. f. 




4 




227. b. L. Censorin.^ C. Lime^ 






tan.y P. Creptuti. 




5 




„ c. L. Censar. 




8 




„ d. P. Crepuhi. 




9 






- b 


9 




228 L. /2ti6rt. Z)om^. 


6 






c 


5 





14 



tf. Bahrfeldt; 



BlacM 
No. 

229. 

230. 

231. 
232. 



Häozmeister 

Cn, LentuL 
C, Censori. 



Anzahl Erhaltung und Bemerkungen. 
11 



I 



233. 
234. 
235. 
236. 
237. 



a 3 

b 9 

Ti. Claud. Ti. f. Ap. n. 2 
L. Stäla imp., L. Manli. 

proq. 1 

AT. Föntet. C. f. 11 darunter 2 mit ex. a. p. 



L. Juii. Bursio 
M. Fan., L, Crit. aed. pl. 
Q. Anto, Balb. pr, 
C. Val. Flac. imperat. 

238. b. C. Tarquiti. P. f. q. 

239. g. Ohne Namen (Ver. Gar. 

Ocul.) 
241. C. Norbantts. 

248. a. Q. a M, R i. 

249. C. Mari. C. f. Capit. 
A. Post. A. f. S. n. I a 



250. 

251. 
252. 
253. 
254. 
255. 



Albin. 
L. Rutili. Flac. 
L. Ccusi. Q. J. 
C. Nae. Bai. 
L. Papi. 
C. Poblici. Q. /, 



{ 



256. L. Prodli. f. 

257. M. Voltei. M. f. 

258. Kaleni, Cordt. 

259. a. Cn. Len. q. 



1 
4 
2 
3 
1 
5 
2 
4 



davon 2 stempelfrisch 



etwas vematzt 



4 
1 
6 
1 
1 

12 
2 
3 
4 
2 
4 
7 
1 

13 davon 1 stempelfrisch 
4 



davon 1 stempelfrisch, 1 etwas 

vemutzt 



Der Denanchfttz Ton Pieye-Quinta. 



15 



BUcas MoiuiiMister 

No. 

261. c. C. EgnatiuB Cn. f. 

Cn, n, Max8umti8 

262. L. Farsulei. Mensor 

263. L, Lucreti, Trio 

266. P. Galb. ae/curr 

267. M, Plaetorius M. f. (a 

aed, cur, Ceatianus \ b 
269. b. Fatiatus 

271. Svfenaa 

272. a. (Bratus, Ahala) 
„ b. (Brutus) 



Aaiah] Erhaltnng ond Bemerkungen 



2 
3 
5 
3 
3 



273. 



M. Scaur. aed. cur.y 
P. Hupsaeus aed. cur, 23 

a 1 

b 1 

2 

1 

4 



274. P. Ypsae, 



275. Faust. (Mon.) 



{ 
{ 



a 
b 



276. a. Cn. Plaudus aed. cur. 

278. Caesar 

279. M\ Acutus III vir 

280. a. FauUtiM Lepidua 
^ b. Paullus Lepidus^ Libo 
„ c. Libo 

281. c. (A/. Lepidus) 

282. M\ Aqua., M\ f. M\ 

n. III vir 

284. c. Q. Camus 

285. Longin. III v. 

' a 

b 
288. L. Cossuti. C. f. &Umla 



stempelfrisch 



8 dayon 1 stempelfrisch 
1 

3 davon 1 stempelfrisch 

5 , 1 

4 . 1 



286. Caldu« ni vir 



{ 



9» 



22 davon „einige^ stempelfrisch 
9 davon 2 stempelfrisch 
7 
3 
6 

1 

4 davon 1 stempelfrisch, 2 et- 
was vem. 

2 

8 davon 1 stempelfrisch 

1 
1 
2 



A 



IQ H. Bahrleldt: 

Blacas H anzmeister Anzahl Erhaltung and Bemerkongen. 

No. 

290. a. F. Fonteiua P. f. Capüo 

HI vir 3 

291. L. Fürt Cn. f. Brocchi 

III vir 4 davon 2 stempelfrisch 

292. C. Eosidi. C. f. Geta 

III vir 7 » 2 „ 

295. Philippus U davon „emige" stempelfnsch 

296. b. C. Memmi. C. f. 2 davon 1 stempelfrisch 

297. a. Q. Pom. Rvfi. 1 
^ b. Q. Pompei. Ruf. 5 

298. Q. Pomponi. Müsa 5 davon 2 stempelfrisch 



1 etw. vem. 



299. C. Postumi. Ta. 4 

300. L. Ro8ci. Fabati. 4 

301. C. ServeiL C. f. 3 

307. M. Piso M. /. Frugi 1 

308. Marcellinus 1 



Caesar Aeneas und Anchises 25 davon „einige" stempelfrisch 

„ Tropaeum, theils mit JJI 8 

Magn. proco8,y Varro proq. 1 stempelfrisch 
C. Coponius proq,^ Q. Sicinius 

III vir 5 davon 1 stempelfrisch 

Q. Sicinius III vir 1 

Jkf. Ca<o propr. 2 

Q. Jfc^e/. Pitt« Scipio imp. 3 davon 1 stempelfrisch 
C. Caesar imp. cos. iter^ A. Allie- 

nu8 procos. 1 etwas vemutzt 
Cos. tert. dict iter, augur ponL 

maw, 8 



Der Denanchttz Yon PieTe-Quinta. 



17 



Hünzmeister 



Anzahl Erhaltung nnd Bemerkungen 



Gl. Magnus imp,^ M. Poblici. leg. 

propr. 2 

C Aniius C. f. Reatio 1 

T. Carisius III vir 31 



C. CansiduiS Paetvs 

M\ Cordius Ruftia III vir 

L. Ho9tiliuB Saserna 

A. Licinius Neroa III vir 

L. Papiua Celsus III vir 

L. PUiutius Plancua 

L, Valerius Aciaculus 

L. Bucüy Caesar dict perpetuo 

M. Mettius^ Caesar imp. 

P. Sepulliua Macer^ Caesar die. 

perp. 
C. Cossutius Maridianus a. a. a. 

f. /., Caesar parens patriae 
Albinus Bruti /. 
Albinus Bruti f.y C Pansa 
C. Vibius C. f. C. n. Pansa 
C, Cassi. imp.y LerUulus SpüU. 
P, Accoleius Lariscobts 
Caesar dic.^ M. Anton, imp. 
L. Livineius Regulus 



20 

28 

9 
3 
2 
9 
6 
1 
1 



1 
9 
1 
9 
1 
1 
1 
13 



L. Mussidius Lcmgus 
P. Clodius M. f. 
C. Vibius Varus 



5 
2 

4 



stempelfrisch 

davon 1 stempel£risch 

2 etwas vemutzt 
davon „einige^ stempelfrisch 
davon 1 stempelfrisch 

1 mit Rs. incos 
davon 1 stempel£risch 



davon 1 stempelfirisch 



stempelfrisch 



etwas vemutzt 
davon 1 stempelfrisch 



stempelfrisch. 

vemutzt 

davon 3 stempelfrisch, 8 we^ 

nig vemutzt, 1 mit Rs. 

incns 
etwas vemutzt 
stempelfrisch 
davon 2 stempelfrisch 

2 wenig vemutzt. 



lg H. Bfthrfeldt: 

Die Yorcasarianischen Denare bieten im Wesentlichen nichts 
Neues, der Werth des Schatzes von Pieve-Quinta beruht vielmehr 
auf dem Vorhandensein der zuletzt aufgeführten Stucke, durch 
welche die Resultate des Schatzes von Yigatto in trefiPlicher Weise 
bestätigt und ergänzt werden. Aus den Funden von Cordova, 
Santa Anna und Vigatto folgert Mommsen (Zeitschr. für Num. 
n. S. 67 fg., dass der Denar mit Caesar dicXM, Anton, imp. vor 
dem Triumvirat im Herbste des Jahres 711 während des Muti- 
nensischen Krieges geprägt sei und dass die Denare des L. Livi- 
neius Regulus und des L. Mussidius Longus ebenfalls in das Jahr 
711 gehören, v. Sallet a. a. O. IV, S. 135 fg. führt diese Re- 
sultate weiter aus, weist die Datirung Borghesis, welcher die 
Münzen des P. Glodius M. f. für das Jahr 716 in Anspruch 
ninmit, aus überzeugenden Gründen zurück und vereinigt diesen 
vielmehr mit L. Livineius Regulus, L. Mussidius Longus ^und 
einem vierten^ zu einem Quattuorvim Gollegium des Jahres 711 ^). 
Dies wird nun in vollem Umfange durch unsem Schatz bestätigt, 
der nicht allein Denare der Monetäre P. Accoleius Lariscolus, 
L. Livineius Regulus und L. Mussidius Longus, sowie den Denar 
des Antonius imp. mit Caesar die. enthält, sondern auch stempel- 
frische Denare des Quattuorvir Glodius und vor Allem Denare 
jenes unbekannten „Vierten^ des Collegiums, des C. Vibius 
Varus. — Ich verhehle mir nicht, dass dieser Datirung der Mün- 
zen des Varus mancherlei Bedenken entgegenstehen — vor Allem 
nennt er sich auf den Münzen meines Wissens nie IIII vir a. p. f. 
wie Regulus, Longus und Glodius dies übereinstimmend thun — 
legt man aber diesem Schatze von Pieve-Quinta vollgültige Be- 
weiskraft bei, so zwingt uns derselbe die Münzthätigkeit des 
C. Vibius Varus weiter hinaufzurücken, und die Verbindung des- 
selben mit den Genannten zu einem Gollegium ist dann lediglich 
nothwendige Folge. 

Stade im März 1882. 



Der Denaracbatz yod Pieye-Qainta. 19 

Nachdem Vorstehendes im Manuscript an den Herausgeber 
dieser Zeitschrift gesandt war, erhielt ich von demselben die Mit- 
theilong, dass das Collegium des Jahres 711 bereits durch den 
Fund von Cajazzo gesichert sei. (Yergl. Duhn in der Zeitschr. 
f. Num. y, 232 fg. und A. v. Sallet in: Gomment. etc. in hon. 
Th. Mommseni, den Zusatz zu dem Aufsatz über Caesar hinter 
S. 824). — Ich nehme gern Veranlassung dies hier hinzuzufügen, 
um so mehr als der Fund von Pieve-Quinta dadurch nichts an 
Bedeutung einbüsst. Wird durch ihn nun auch das Collegium 
von 711 nicht zuerst festgestellt, so giebt er doch eine sehr er- 
wünschte Bestätigung der bisher gewonnenen Resultate. 

Stade, im Mai 1882. 

M. Bahrfei dt. 



Schlesiens Münzen im Mittelalter. 

Schluss. 
(Tafel II.) 



Die Heller, 

Wir haben gesehen, dass in der vorigen Periode bereits mehr- 
fache Verpfandungen des Münzrechts an Städte stattgefunden 
und wir haben auch hervorgehoben^ dass verhältnissmässig äusserst 
wenig Erzeugnisse dieser Verleihungen sich bestimmt nachweisen 
lassen. Um so zahlreicher finden wir seit den letzten Jahrzehnten 
des XIV., besonders aber im XV. Jahrhundert Münzen rein 
stadtischen Ursprungs und Gepräges vor, sogar von solchen Ort- 
schaften, deren Münzrecht sich urkundlich nicht erweisen lasse. 

Doch ist bezüglich dieser nunmehr die Sachlage eine andere, 
wie in der vorigen Epoche, wo eine ähnliche Erscheinung registrirt 
wurde : es sind in denselben jetzt nicht mehr herzogliche, sondern 
wirklich städtische Münzen zu erblicken, sei es nun, dass das 
Münzprivileg der betr. Stadt verloren ging oder das Münzrecht 
von derselben usurpirt wurde. Die Herzogsmünzen treten von 
jetzt an für die nächste Zeit in den Hintergrund. 

Es ist dies nicht wunderbar. Die schon vorher, wie wir ge- 
sehen, gesunkene Fürstenmacht geräth in den folgenden Jahrzehnten 
immer mehr in Verfall. Ein Theil der plastischen Linien stirbt 
aus, andere Geschlechter, darunter späterhin die Familie Podiebrad, 
erhalten deren Lande. Wirren und Ejiege sind noch immer an 
der Tagesordnung, die Hussitenkriege, während welcher Schlesien 
in Folge seiner Nachbarschaft mit Böhmen durch zahlreiche Baub- 



F. Friedensbnrg: Schlesiens Hänzen im Hittelalter. 21 

Züge besonders arg zu leiden hatte, bringen viel Elend ins Land 
namentlich über Dörfer und Bargen, deren eine ganze Anzahl 
untergeht Auch das Lehensverhältniss mindert das Ansehen und 
die Kraft der übriggebliebenen Fürsten. Trotz alledem hebt sich 
die Macht der Städte: ihr Handel blüht ungeachtet der grenzenlosen 
Unsicherheit der Strassen. Wolle, Leinwand, Bier bilden die 
Hauptverkehrsartikel,^ welche reiche Schätze in den Städten an- 
häufen. Die Pracht vieler Rathhäuser und Kirchen^ die zahlreichen 
Ordnungen und Erlasse gegen Luxus und Verschwendung, die 
grossen Spenden, welche nach den Chroniken die Städte den 
Fürsten bei Besuchen oder Familienereignissen überreichen, legen 
beredtes Zeugniss ab von der Blüthe der Städte. Wenn ein Ereuz- 
zug zur Abwehr der damals immer brennender werdenden Türken- 
gefahr unternommen werden sollte, so schrieb der Papst besonders 
an die Bürger von Breslau, die immer bereitwillig Mannschaften 
und Wagen zu diesem Zwecke stellten. Ja, die Stadt Breslau 
wagte es^ dem mächtigen König Georg Podiebrad zu widerstehen 
und es gelang ihr, sich seiner Oberherrschaft zu entziehen: sie 
stellte sich auf die Seite seines Rivalen Matthias Corvinus. — 

Seit dem Yerschwinden der Denare ist das Münzbild Schlesiens, 
was die Geldsorten anlangt, bis zum Auftreten der Thaler, welches 
bei uns erst sehr spät, 1541 erfolgt, ein sehr buntes aber wenig 
wechselndes, wie später noch auszuführen sein wird. Wir haben 
Goldmünzen zu 20 Groschen, Groschen zu 12 Hellem und Heller. 
Die Bechnungsmünze sind auch femer noch Mark, sowie Schock- 
Groschen und Pfund-Heller.^) Mit den Hellem beschäftigen wir 
uns zunächst 

Von denselben haben wir zwei Arten zu unterscheiden: ein- 
seitige oder besser hohle, und zweiseitige, welche später auftreten. 



1) Das WertliYerbältoiss dieser Mänssorten unter eiander, wie la der Mark 
wechselt fortwährend nnd entspricht im Verkehr nicht immer den Festsetanngen 
der Mnnsgesetae. Aoafnhrliches hierüber habe ich jedoch im Rahmen dieses 
Auftatses nicht geben ra dorfen geglaubt. 



22 F« Frledensbnrg: 

Zu letzteren gehören der Gleichförmigkeit des Aussehens wegen 
einige Arten einseitiger, aber nicht hohler Heller. 

1. In den Hohlpfennigen kann man so zu sagen eine schwäch- 
liche Auferstehung der seit etwa 80 Jahren verschwundenen Brak- 
teaten erblicken, eine Erscheinung, welche zur selben Zeit auch 
in anderen Ländern, z. B. Sachsen, Thüringen, Pommern etc., 
später in Brandenburg, auftritt. Dass diese Münzen nicht mehr 
als eigentliche Brakteaten zu betrachten sind, ist bekannt: ihr 
urkundenmässiger Name ist „Heller^ ^) und sie konnten daher 
sowohl nach der chronologischen Ordnung als nach ihrer Be- 
nennung nur hier ihre Besprechung finden. Von dieser Münz- 
gattung ist im Allgemeinen nur anzuführen, dass die Arbeit der- 
selben meist eine wenig zierliche ist. Das Durchschnittsgewicht 
eines solchen Hohlpfennigs beträgt 0,22 — 0,23 g^ der Durchmesser 
14—16 mmi. Wir kennen eine kleine Anzahl dieser Stücke, von 
denen die meisten eine sichere bestimmte Zutheilung ermöglichen. 
Es kommen vor: 

Batiborer mit halbem Rad und Adler, dem alten Wappen 
der Stadt. 

Schweidnitzer mit dem Schweinskopf^ der bald nach rechts, 
bald nach links sieht^ über ihm erscheint zuweilen S oder 8. Es 
giebt auch eine spätere Gattung dieser Münze, sie zeigt einen 
links sehenden Schweinskopf und ist von Kupfer. Ihr Styl zeigt, 
dass diese Münzen weit jünger als die andern Eberkopfheller, 
vielleicht gar in neuerer Zeit geprägt sind. Ein Fund ist mir 
nicht bekannt, der sie enthalten hätte, ich kenne sie nur aus den 
städtischen Sammlungen zu Breslau. Die grosse Zahl dieser 
(alten) Heller legt die Yermuthung nahe, dass in ihnen die 
alleinige^) Frucht der Verleihung, welche jene obenerwähnte Ur^ 



1) Der Name „Pfennige*, den Mader einige Male gebraucht, ist somit zn 
yermeiden, auch schon deshalb, weil einzelne Schriftsteller die Denare so be- 
zeichnen. 

2) Besser .haupstsächliche''. Denn es ist kaum anzunehmen, dass diese 
Heller bis 1361 zaröckreichen, vielleicht sind bald nach Erlass jenes Privilegs 



Sebleeiens Hanzen im Mittelalter. 23 

kande von 1361 enthält, zu erblicken ist. Ich glaube also, dass 
wie die gemeinschaftliche Münzstätte der in jenem Privileg be- 
gnadeten Städte in Schweidnitz sein sollte, auch das Gepräge für 
sie alle gemeinschaftlich, nämlich das Schweidnitzcr, gewesen ist. 
Einen ähnlichen Fall der Ausmünzung verschiedener Stände unter 
einem gemeinsamen Gepräge bietet der später erwähnte Vertrag 
von 1511. So erklärte es sich, dass wir nicht von allen in jener 
ersten Urkunde benannten Städten Münzen besitzen, und dass die 
von einzelnen derselben vorhandenen einer weit späteren Zeit 
angehören als diese Heller. Möglich übrigens auch, dass jene 
unten noch zu erwähnenden Heller, mit dem Adler, ebenfalls dieser 
oder einer andern ähnlichen Verleihung ihre Entstehung ver- 
danken, die Ebe^kopfheller sind jedoch die früheren. Dass die 
Greltung des Privilegs von 1361 wiederholt verlängert worden, ist 
bekannt. Was die von De werdeck Taf. 31, 15 und 16 abgebildeten 
einseitigen Heller mit dem ganzen Schwein betrifft, so sind sie, 
wie ich bestimmt glaube, apokryph. Vielleicht lag dem Autor 
eine ähnliche Marke oder dergl. vor^ die er, der in Bezug auf 
das Alter der Münzen häufig die schwersten Irrthümer begeht, 
für eine Antiquität hielt. Jedenfalls habe ich sonst keine Spur 
dieser Stücke ermitteln können, und im Rathsarchiv von Schweid- 
nitz, wo noch ziemlich viele Hellerstempel aufbewahrt sind, fehlen 
gerade diese zwei. 

Oppelner mit halbem Ejreuz und halbem Adler. Diese 
Brakteaten sind von Vossberg nach Preussen verwiesen 
worden, während schon De wer deck sie richtig an Oppeln giebt. 
Ich sage: „richtig^; denn zahlreiche Funde dieser Stücke in 
Schlesien, welche oft nur sie und die Adlerheller zu Hunderten 
enthalten, lassen diese Provenienz als die einzig anzunehmende 
erscheinen, selbst wenn man davon absehen will, dass die Ordens- 
münzen jener Zeit kleiner und von weicherem Blech sind als diese 
Schlesier. 

noch ein Paar Denare geprägt worden, die jedoch ihrer Seltenheit und UndeÜ- 
nirbtrkeit wegen weniger in Betracht kommen können. 



24 F- Friedensbnrg: 

Bischöflich Breslauische. Zwei Arten mit dem Johannis- 
kopf als Typus. Diese Stucke können nur bischöflich nicht 
stadtisch sein, denn den städtischen Hellem, die damals überhaupt 
erst aufkamen, und die unten werden beschrieben werden, war 
ein anderes Gepräge vorgeschrieben. 

Heller mit dem Adler, der zuweilen eine durch drei Punkte 
angedeutete Krone trägt. Dieses Stück ist trotz der beim schle- 
sischen Adler eigentlich nicht üblichen, aber auch schon in der 
Brakteaten- und Denarzeit vorkommenden Krone sicher schlesisch, 
die Fabrik spricht zu klar gegen jede andere Zutheilung. Sie werden 
häufig mit den Oppelnem zusammen gefunden, und es ist über 
ihren Ursprung oben eine Yermuthung ausgesprochen worden. Es 
giebt noch ein paar andere seltenere Arten Adlerheller von besserem 
Styl, deren Herkunft noch mehr im Dunkeln schwebt. 

Heller mit Muschel, ein Münzbild, dem wir bereits in der 
Brakteatenzeit begegneten, das leider nicht aufgeklärt ist. 

Heller mit Buchstaben: T, die gewöhnlich, jedoch ohne 
bessere Begründung als dasr T Initiale sei, nach Trebnitz ver- 
legt werden, wobei ich nochmals des sog. Trebnitzer Denars 
gedenken will, der das T im Schilde zeigt, dessen Zutheilung 
ich wiederholt als zweifelhaft bezeichnet habe. Es scheint mir 
nicht glaublich, dass die Initiale der Stadt, in der sich die 
herzogliche Münze befand, zur alleinigen Darstellung auf dem 
herzoglichen Gepräge — denn dass ein anderes nicht erwartet 
werden kann, wurde bereits oben gesagt — gewählt worden 
•St. Daneben dürfte der Umstand zu Yergleichszwecken vielleicht 
nicht ausser Acht zu lassen, sein, dass allerdings weit spätere, 
Breslau er Heller aus den 1420 er Jahren ein eben solches, ebenso 
unerklärtes T als Münzzeichen haben. Femer kommt SR vor, 
also Münsterberg oder Freistadt, welches letztere ein SU im Wappen 
führt. Schliesslich sind noch Heller mit einem P zu erwähnen, 
an das links seitwärts eine Krone angefügt ist. Diese Darstellung 
stimmt mit der überein, welche sich auf den zweiseitigen Hellern 
: Przemislaus I v. Troppau, 1366 — 1433, Rs. das Troppauer Wappen 



Schlesiens Mönzen im Mittelalter. 25 

(Wellenh. 12 400) findet. Uaher dürfte es geringem Zweifel unter- 
liegen, dass genannter Herzog auch diese Münze, also ein- und 
zweiseitige Stucke, hat prägen lassen. Hatte man doch auch in 
Breslau bischöfliche Hohlmunzen und zweiseitige stadtische Heller. 

II. Die zweiseitigen Heller sind die bei Weitem zahlreicheren. 
Sie treten in ihrer Hauptmasse erst später auf, wenn auch die 
ältesten unter ihnen gleich nach der böhmischen Inkorporation 
geprägt worden sind. So ist die obige vergleichende Bemerkung 
wegen des Alters beider Arten zu verstehen. Es haben also ein- 
und zweiseitige Stücke, wie wir gesehen, auch in demselben 
Herzogthum und in derselben Stadt, eine Zeit lang nebeneinander 
kursirt. Die Funde lehren das Verschwinden der einseitigen 
Stücke gegen Ende des 3. Jahrzehnts des XV. Saekulums, wo 
die Massenprägung der zweiseitigen eigentlich erst ihren Anfang 
nimmt. Am längsten haben sich von ersteren die Schweidnitzer 
im Umlauf erhalten, daher die Erscheinung zu erklären ist, dass 
so wenig zweiseitige Schweidnitzer Heller vorhanden sind. 

Von den zweiseitigen Hellem ist einiges Allgemeine zu be- 
merken, zunächst, dass die Meisten von ihnen recht zierlich ge- 
prägt sind, besonders verdienen als wirklich hübsche Typen dieser 
Miniaturmünzen hervorgehoben zu werden, der arbeitende Berg- 
mann auf Beuthnem und des heiligen Petrus Brustbild auf Lieg- 
nitzem. Zuweilen kommt man durch die Art der Anbringung 
der Darstellung auf die Vermuthung, dass zwischen einzelnen 
Städten gewisse Verträge über gemeinsame Prägung, wenn auch 
unter eigenen Typen, existirt haben. So finden wir auf mehreren 
Sorten von Hellern ein Viereck, darin der Adler, darüber und 
darunter $D, zur Seite zwei Mal die Initiale des Stadtnamens. 
Wir haben in dieser Art Münzen von Teschen mit S und von 
Glogau mit 6, die Rückseite enthält dann nochmals die Initiale. 
Daraus, dass die Stadt Glogau von 1383 — 1482 zur Hälfte den 
teschener Herzögen gehörte, lässt sich vielleicht dieser immerhin 
auffällige Umstand erklären. Eine unscheinbare aber doch kennt- 
liche Nachahmung haben sich auch die Wohlauer erlaubt: sie 



26 F. Friedensbnrjf: 

prägten die Hauptseite der Breslaner Heller mit Johanniskopf 
im Kreis am Rande zweimal Sß — W oder Jß — ♦ — W nach, wobei 
sie statt des Hauptes des Täufers ihren Stierkopf setzten. Man 
muss auf alle diese Kleinigkeiten achten, sie bringen manchmal 
doch etwas mehr Licht in die dunklen Partien xmserer Münz- 
geschichte. Was die Aufschriften betrifEb, so wird durch dieselben 
die obige Bemerkung, die Heller seien richtige Städtemünzen, 
erwiesen. Die Aufschriften, zuweilen auf beiden Seiten identisch^ 
lauten SaOÜ&TK QIVITATIS (meist bloss Q, das auch manch- 
mal ganz fehlt) RHTIBOR, BITOfitt (Beuthen), CBSSRaß u. ä. 
Die Münzen bezeichnen sich also ausdrücklich selbst als Städte- 
münzen, was in der vorigen Periode noch nicht vorkam, indem 
Inschriften wir WHRTaUBaRG, oder selbst 6R0SSI 6L060- 
VIQßSQS, wie wir gesehen, doch nur die herzogliche Münzstätte 
nennen. Zuweilen ist die Aufschrift auf beiden Seiten fortlaufend 
zu lesen: SaOU&TR Hs. OPPÄVIB (Troppau) Rs. In andern 
Fällen besteht sie nur aus einzelnen Buchstaben SB. oneta Q ivitatis 
Bitom, 3pi8Copalis(Neisse)etc. Solche Siglenbezeichnen manchmal 
auch den Münzer, wofür Augsburg und Wien Analogieen bieten, ohne 
dass es uns Schlesiem bis jetzt gelungen wäre^ die Namen selbst 
zu ergänzen resp. zu rekonstruiren. Leider haben diese durch 
einzelne Buchstaben ausgedrückten Buchstaben viel Unglück an- 
gerichtet, indem sie zu willkürlichen und falschen Lesungen und 
Zutheilungen Anlass boten. Die Stadt Münsterberg besonders 
stellt eine stattliche Reihe solcher Münzmeisternamen auf, welche 
hier folgen möge zur Widerlegung der Ansicht Maders (S. 148), 
dass es dergl. damals noch nicht gegeben habe, und zur Ab- 
weisung aller Deutungsversuche wie Bolkonis Privilegio u. ä.: 
l— ♦, S— 6, H— Ä, 0— L, B— P, p— 0. Ebenso kommen auf 
Wohlauer Münzen die Buchstaben H und I — H vor, welche den 
dortigen Münzmeister lohann Holu... (mehr wissen wir von 
seinem Namen nicht, vielleicht lautete erHolau), bedeuten. Uebrigens 
finden sich neben diesen Münzmeistemamen auch Münzzeichen, 
z. B. Lilie, Stern, Mond, Ringel etc., offenbar zum Zweck der 



Schlesiens Münzen im Mittelalter. 27 

Unterscheidung der verschiedenen Emissionen angebracht. Er- 
wähnt sei hier noch die interessante Aufschrift auf dem von Fried- 
iaender Bd. Y S. 288 v. Sallets Zeitschrift publizirten Heller: 
RGflSSR bSIiLer, doppelt interessant als Werthbezeichnung wie 
als ältestes Beispiel deutscher Aufschriften in Schlesien, dem erst 
um 1500 ein VLRICH GROF CZV GLOCZ nachfplgt Dagegen 
beruht die Werthbezeichnung OBVLVS, welche Dewerdeck auf 
dem von ihm Taf. 31 No. 17 abgebildeten Heller zu sehen glaubt, 
auf Irrthum (cf. die Bemerkung unten). Uebrigens waltet bei 
diesen Hellem ein ziemlich auffalliger Unterschied in Grösse und 
Gewicht ob, für dessen Entwicklung im Allgemeinen sich jedoch 
keine Hegeln aufstellen lassen, indem sowohl ältere als neuere 
Stucke in beiden Beziehungen unter einander varüren. Das Durch- 
schnittsgewicht schwankt von 0,2 0,23, 0,27, 0,28 bis 0,33 g, der 
Durchmesser von 12—14 mm und zwar auch bei Stücken der- 
selben Gattung. Grenauere Angaben im Einzelnen sammt Datirungs- 
▼ersnchen müssen späteren ins Spezielle gehenden Arbeiten vor- 
behalten werden. 

Das Gabinet der schlesischen Heller ist — und zwar nicht 
blos aus dem vorhin erwähnten Grunde — ein wahrer Augiasstall 
von Irrthümem und Phantasien, daher es gestattet sein möge, 
dasselbe einmal rasch durchzugehen und ein wenig aufzuräumen, 
damit wenigstens ein paar der ärgsten Irrthümer abgethan 
werden. 

Unter den herzoglichen Hellem stehen von Rechtswegen 
voran die der obersten Herzoge, d. i. der Könige von Böhmen. 
Es sind natürlich unter „oberstherzoglichen'' Hellem, Groschen etc. 
nur die Münzen zu verstehen, welche die Könige von Böhmen 
als solche nicht als augenblickliche Inhaber erledigter Herzog- 
thümer geprägt und als welche sie ihr Gepräge auch, soviel wir 
wissen, nur mit auf diese bezüglichen Typen versehen haben. 
Dies lehren die Glatzer Münzen und auch der Jägemdorfer 
Groschen; eine Analogie bietet auch der Glogauer Groschen 
König Sigismunds von Polen, auf dem der Königstitel fehlt. Hätten 



28 P* Friedeiubanir: 

wir Münzen auch anderer Herzogtbfimer aas der Zeit, da sie 
direkt anter den Königen standen, so würden dies auch nur 
Herzogs- nicht Eönigsmünzen sein. Aber auch ohne solchen 
Besitz konnten die Könige im Lande münzen, und wenn Mader 
in dem Heller von Jauer eine Münze König Johanns aus der Zeit, 
wo diesem Glogau gehörte, erblicken will, so spricht seine Zu- 
theilung des absolut nicht Königstypen tragenden Stücks nur für 
die hier ausgesprochene Ansicht. 

Wir besitzen erst von Matthias Cprvinus zwei Arten zwei- 
seitige Heller mit zweifeldigem Wappen^ daneben und darüber 
5I2(atthias) B(ohemiae) R(ex), und Adler, welch letzterer auf 
einer anderen Gattung durch den heiligen Wenzel mit Adler- 
schild ersetzt wird. Schon Wladislaus prägt dami nur noch 
einseitige Heller (nicht zu verwechseln mit den Hohlhellem!) mit 
seiner gekrönten Namensinitiale. Diese Münzsorte (mit der ge- 
krönten Initiale) ist von den folgenden Königen dann Jahrhunderte- 
lang weitergeprägt worden, wir besitzen noch von Ferdinand HI. 
ein solches Stück aus dem Jahre 1647. Dass sie speziell schlesisch, 
nicht böhmisch ist, steht urkundlich fest (vergl. Dewerd. S. 125), 
auch sind sie nicht städtischen Gepräges wie unten bei den Bres- 
lauer Hellern erörtert werden wird. Die seit Ludwig^) neben der 
Initiale vorkommenden Buchstaben R— P sollten wohl zuerst Rex 
Primus bedeuten, schon von Rudolph an erscheint R B (ohemiae.) 
An dieser Stelle ist zu gedenken der Urkunde vom Jahre 1511 
(abgedr. b. Dewerd. S. 816 fg.), in welcher sich eine grosse An- 



1) Das L auf dessen Hellem ist meist geschnorkelt, höchst selten grad- 
linig. Man darf nach den Fanden diese Stücke ja nicht, anch nicht theilweis 
an LadislauB geben. Es wäre zu auffallend, wenn schon Ladislans Münzen mit 
R — P geprägt h&tte and diese Buchstaben erst wieder auf den Stücken 
Ludwigs nnd dann in unanterbrochener Reihe fort erschienen. Zudem sind 
alle diese Heller Ton Tdlligster Gleichheit des Styls. Der Heller Maders (No. 5Q 
mit Löwen nnd 'L^ ist mir noch nicht yorgekommen; vielleicht ein Zwitter 
wie mir bekannte Stücke mit gekröntem W Rs. WLADISLAYS etc. um den 
Löwen, welche also eine Gombination der einseitigen böhmischen und schle- 
sischen Heller des WL darstellen. 



Schledens Mänzon im IGttelalter. 29 

zahl scUesischer Forsten und Stande mit dem König verbinden, 
auf 6 Jahre lang in der königl. Münze zn Breslau Heller mit 
königlichem Gepräge far ihre Rechnung schlagen zu lassen. Hier- 
aus erklart sich die Häufigkeit der königL Heller, während 
herzogliche aus dieser Zeit nicht existiren. Vielleicht ist auch 
dieser Vertrag in seiner Giltigkeit verlängert worden, die eben 
erwähnte Erscheinung spricht dafür. 

Femer finden wir Heller mit Adler und Schachbrett und so 
allgemein diese Zeichen auch sind, so glaube ich doch in diesen 
St&cken Liegnitz-Briegische Gepräge vermuthen zu dürfen, da ja 
auf den bekannten Hedwigsgroschen Friedrichs H. auf der H^upt- 
Seite das Wappen aus Adler und Schach quadrirt erscheint. 
Aelter sind die Heller mit St. Hedwig und Adlerschild im Drei- 
pass, in dessen Ecken die Buchstaben LDH erscheinen, welche 
richtig Isudowicus Dux Bregensis gelesen werden und die Zu- 
theilnng an Ludwig H. f 1436, oder an Ludwig III. f 1441 
(Grotef. IX. 19 resp. 23) begründen. Die Heilige ist nicht St. 
Barbara^ wie Dew. falschlich annimmt, es ist die auch auf den 
Groschen erscheinende, das Bild des von ihr gestifteten Klosters 
Trebnitz tragende Hedwig. Maders Zweifel an dem Alter dieses 
Hellers, der nach seiner durch mehrere gute Exemplare gesicherten 
Au&chrift eine relativ bestimmte Zutheilung ermöglicht, sind 
sicher unbegründet. Auch Beuthner und Wohlauer Heller aus 
jener Zeit haben das Bild im Dreipass. Statt des Adlerschildes 
im Dreipass findet sich auch der blosse Adler und die Um- 
schrift ß (ummus) BRG66mSIS>). Des Troppauer Hellers ward 
oben gedacht Von Teschen^) kennen wir zwei sehr seltene Heller 
Kasimir IV. (1477 — 1528) von denen dereine schriftlos ist, der andere 
die Inschrift SaOüGJR (Hs.) DVOIS KAZISDIRI (Rs.) hat, beide 



1) Man brachte den Unterschied dieser Aufschrift von z. B. SttOUfiTK 

a BITOffi! 

2) Das Stock Hader No. 68 ist ein Teschener Dreier von 1611 nicht von 
1611, wie es deren von mehieren Jahrgängen giebt 



30 F- Friddensburg;: 

aber als Typen die Initiale Iflf und den Adler tragen. Von Sagan haben 
wir ein sehr seltenes Stück, welches ebenfalls noch unter die Heller 
zu zählen ist obwohl sein Gewicht 0,43 ^, sein Durchmesser 15 inm 
beträgt. Es hat die Umschrift Hh lOIiHQS um einen Adler Rs. 
HH SA6ÄßI um ein S. Es scheint nach Schrift etc. zu urtheilen von 
Johannes I. y. Sagan (Grotef. II, 27) herzustammen. An diese 
Herzogsmünzen schUesst sich der bekannte bischöfllich bres- 
lauische Heller yon Rudolph von Rüdesheim (1468 — 82) mit 
R — 6 — W um das Bisthumswappen Rs. St. Johannes im Felde. 
Lilie. Es folgen jetzt noch die Heller der Grafschaft Glatz, deren 
Münzen yod den schlesischen nicht zu trennen sind. Deren 
Hellem ist es schlecht ergangen, wie überhaupt allen mit einem 
G bezeichneten. Ihre Zutheilungen schwanken fortwährend zwischen 
Glatz, Glogau und Görlitz. Nach Glatz gehören zunächst sicher 
alle, welche ein und einen Löwen zeigen. Dieses nämlich, 
welches sich auf Glatzer, nie aber auf Glogauer Siegeln findet^ 
bildet noch 1628 das Zeichen der dortigen Münzstätte auf Thalem 
und Groschen Ferdinands IH. Bald erscheint das hinter dem 
Löwen auf einseitigen Stücken, bald sind Thier und Buchstabe 
auf beide Seiten zweiseitiger Heller vertheilt. Die Görlitzer Heller 
sind schwerer und von ganz anderem Aussehen als die schlesischen. 
Die Glatzer Münze verdankt der Tradition (Leitzm. S. 32) nach 
ihre Einrichtung Georg Podiebrad, der genannte Grafschaft 1454 
erwarb, und alsbald mit des Königs Ladislaus Genehmigung 
Heller zu prägen anfing, über die sich, da sie sehr geringhaltig 
waren, grosses Lamento erhob. Diese Nachrichten sind dahin zu 
erweitern, dass schon von 1437 zwei Urkunden vorhanden sind, 
in denen König Sigismund den Breslauem gebietet, dass sie die 
von ihm resp. später seinem Pächter, einem Edeln von Czaste- 
lovdtz in Glatz geprägten Heller nehmen und gehen lassen sollten. 
Daraus folgt, dass diese Heller ebenfalls geringhaltig gewesen 
sind. Dass übrigens in Glatz auch sonst einseitige Münzen geprägt 
sind, beweisen die Heller von Ulrich von Hardeck, der von 1500 
bis 1522 Glatz besass, (publizirt v. Dbg. in Berl. Bl. HI S. 285). 



L 



Schlesiens Münzen im Hittelalter. 31 

Sie sind sämmtlich einseitig, die einen mit dem böhmischen Löwen, 
um welchen die obenerwähnte deutsche Inschrift, die andern mit 
2 Wappen bezeichnet. 

Bei den städtischen Hellem beginnen wir billig mit den 
Breslauem. £s giebt eioe kurze, aber sehr übersichtliche und 
genaue Zusammenstellung der Breslauer Münzen mit guten 
Abbildungen, welche von H. Freiherm v. Saurma in Schlesiens 
Vorzeit in Wort und Bild, Bd. II Heft 9 veröffentlicht worden 
ist. Auf sie sei hier hingewiesen. Auch Dewerdeck hat sich 
natürlich ausführlich mit denselben beschäftigt, aber wie gewöhnlich 
viel Irrthümer aufgetischt. In Kürze ist folgendes zu merken. 
Im Jahre 1334 erkaufte Breslau den sogenannten Brenngaden^) 
und soll hierbei das Münzrecht mit erworben haben. Eine 
handschriftliche Nachricht berichtet daher von einem Heller 
mit Namen und Titel König Johanns, unter dessen Herrschaft 
Breslau schon 1327 kam Dieser Heller soll das Gepräge der- 
jenigen von Karl IV. tragen. Sichere urkundliche Nachrichten 
und Münzen haben wir erst aus der Zeit König Karls: eine Ur- 
kunde von 1362, die ausdrücklich der Stadt das Recht der Heller- 
prägung verleiht und dementsprechend Heller mit dem in dem 
Privileg vorgeschriebenen Gepräge, Löwe und Adler sammt den 
Umschriften f KROL' • BOIi <> RQX u. ißOßeTR o WKKT. 
Hätte die Stadt schon früher gemünzt, so würde die Urkunde das 
wohl erwähnt haben, also ist jener Heller Johanns gewiss nicht 
authentisch. 'Noch von Wenzel besitzen wir solche Heller mit 
analoger Umschrift, später fällt diese weg, es wird nur mit Löwe 
und Adler gemünzt. Beide Wappenthiere erscheinen auch in 
einem Viereck, an dessen Seiten zweimal W — R resp. JB — W 
gesetzt ist; dies sind die angeblich viereckigen Breslauer Heller, 
auf denen Dew. falschlich auch Karls FV. Initiale zu sehen glaubt, 



1) d. i. Die Anstalt aod Einrichtung xar Ausschmelzong des für die Manze 
bestimmten Edelmetalls und die daimas flies^enden Einkünfte. 



32 F. FriedensbuTg: 

während nur Wenzel genannt ist Bald darauf folgt einkorzer Versuch, 
in der Prägung die Autonomie der Stadt mehr hervortreten zu lassen, 
man prägt (sehr seltene) Heller mit Johanniskopf und Adler. 
Dann kommen nach 1420, wahrscheinlich seit 1422 die bekannten 
häufigen Heller mit Johanniskopf und Löwe auf, unter letzterem 
erscheinen zuweilen Münzzeichen z. B. Stern, Mond, Ringel etc., wie 
zugleich auch zwischen den Buchstaben SU — W iß — W der 
Hauptseite. Es sind dies die sog. „Rempelheller" wegen des 
grossen Barts des Täufers &lschlich auch „Erempelbart" oder 
„Judenbartheller" genannt. Der richtige Ursprung ihres Namens 
ist darin zu suchen, dass damals im Rath zwei gewaltthätige 
Männer Namens Beda, („sed non venerabilis" sagt der Chronist) 
und Rempel sassen, mit Bezug auf welche und das Gepräge der 
gedachten Heller der Yolkswitz reimte: 
Die Bresler haben funden einen newen Fund, 
Sie schlahen uff die Heller Rempels Bart und Beden Hund etc. 
(Rositz Chronicon ad a. 1422 in Sommersberg Ss. I 74.) Dies 
ist der wahre auch durch die Namensregister des Breslauer Raths 
bestätigte Sachverhalt, an den sich wunderliche Fabeln und 
Namensverdrehungen angelehnt haben, wie Dewerd. S. 736 fg. 
beweist. Es folgen sodann die während der Regierung des 
Königs Matthias Corvinus geprägten Heller, deren Haupt- 
seite die der beschriebenen königlichen Heller ist, während 
die Rs. den Täufer wie auf den bischöflichen Hellem, doch 
ohne Lilie zeigt. Hieran reihen sich die Heller mit W oder 
V auf der Hs., Rs. der böhmische Löwe, darunter zuweilen H. 
Dass diese Heller städtisch sind, folgt mit Nothwendigkeit daraus, 
dass sonst Breslau für die Zeit der Regierung des Wladislaus 
keine Münzen zugewiesen werden könnten, was nicht anzunehmen 
st, zu dem auch durch die Funde und den Umstand widerlegt 
wird, dass im Besitz des Breslauer Magistrats sich noch die 
Stempel, welche zur Prägung dieser Heller gedient haben, be- 
finden. Die vorhin unter den oberstherzoglichen Hellern er- 



Scbl«Bien8 Münsen im Mittelalter. . 33 

w&hnten einseitigen Stücke mit W sind abgesehen davon, dass 
nur die Könige, nicht die Stadt^ auch sonst einseitige Heller ge- 
prägt haben^ schon mn desshalb als königlich za erachten, weil 
sie das W gekrönt, also als Anfangsbuchstaben des Königsnamens 
zeigen, hier ist dieser Buchstabe jedoch Initiale des Stadtnamens 
und daher angekrönt, wie er auch im Wappen erscheint. Ich 
hoffe, dass diese Erwägungen endlich den Irrungen und Zweifeln, 
die seit Dewerdeck und Vogt über diese Stücke bestehen, ein 
Ende machen werden. Endlich sind noch zu erwähnen die Heller 
ans der Zeit Ludwigs mit gekröntem L R, Rs. der Löwe. Damit 
jedoch der Name der Stadt und ihre Münzhoheit sichtbar werde, 
liess der Rath, wahrscheinlich bald nach Beginn dieser Prägung, 
ein W unter den Löwen setzen. Auch von diesen beiden Stücken' 
befinden sich die Stempel im Breslauer Rathsarchiv, sodass Maders 
Zweifel an demselben (S. 249 Anm. 1) sich erledigen. Wir sehen 
aus dieser Zusammenstellung^), dass das Hervortreten der spe- 
cifisch städtischen Typen gegenüber den königlichen auf den 
Münzen der Stadt Breslau sich nicht nach einer bestimmten Regel 
vollzieht, bald trägt das Gepräge mehr autonomen^ bald mehr 
königlichen Charakter. Uebrigens sei hervorgehoben, dass streng 
genommen ') Breslau die einzige Stadt Schlesiens ist, deren Mün- 
zen Königsnamen und königliche Embleme tragen. Dies ist nicht 
etwa ein Zeichen der geringeren Autonomie Breslaus gegenüber 
den kleinen Städten, vielmehr zeugt es von dem höheren Ur- 
sprünge seines Münzrechts, welches der freien Hauptstadt die 
Könige dauernd verliehen, den kleinen Herzogsstädten aber die 



1) Den Yoa Mader S. 172 snr erwähnten .Pfemug" mit öfeldigem Wappen 
and schlesischeo Adler halte ich far apokryph, es ist wohl ein Groschen Yon 
1621, dessen Umschriften man abgesägt hat. Solche Mnnsen kommen manch- 
mal vor. 

2) Mit Schweidnitx nnd Jägerndorf, auf deren Mxn. auch Könige genannt 

werden, ist die Sachlage eine andre, die Königsnamen haben dort eine ganz 

andre Bedeatnng, wie bei Besprechung der Groschen nachgewiesen werden wird. 

Ueber den Neisser Heller siehe unten. 

8 



34 * P- Fiiedenibuig: 

Herzoge nur verpfändet haben. Breslaa m&nzt aus eigenem Recht, 
die andern Städte aas der zeitweisen Yerleihang. Etwas analoges 
bieten die deutschen Reichs- undProvinzial-Städte in ihren Geprägen. 

Wir besitzen femer Heller von; 

Auschwitz, Thurm zwischen 0— S und Adler mit der In- 
schrift auf beiden Seiten: fflOßaTff • OSSVRaiß.-. 

Beuthen 1) Arbeitender Bergmann und Adler, 2) B und 
Adler, 3) B im Dreipass und Adler. 

Bolkenhain Adlerschild darüber SU (oneta) Rs. Herzogskopf^ 
darüber h. Das Stück ist trotz des Herzogskopfs bestimmt 
städtisch; es ist der fJQcag imivvfiog, sozusagen, der Stadt, der 
hier dargestellt ist. Freibnrg Initiale F zwischen den Münz- 
buchstaben I — E. Keine andre Stadt passt zu diesem F als 
Freiburg, von dem^) urkundlich feststeht, dass ihm das Münz- 
recht verliehen worden. 

Freistadt. Hs. SU Rs. Thurm. Das 512 ist, wie schon er- 
wähnt, Theil des Freistädter Wappens. Dass diese Heller hier- 
her, nicht nach Münsterberg, gehören, bezeugen handschriftliche 
Nachrichten. Auch wäre, wollte man alle Heller mit SU an 
Münsterberg geben, die Münzreihe dieser Stadt zu gross, während 
Freistadt, das, wie zahlreiche Urkunden beweisen, geprägt hat, 
leer ausginge. Wahrscheinlich gehören hierher auch die Heller 
mit 512 im Schilde, Rs. S und es bedeutet S, wie auf dem er- 
wähnten Heller Herzog Johanns, Sagan. Danach fiele das Stück in 
dieZeit von 1476 — 88, wo Freistadt zugedachtem Herzogthum gehörte. 

Glogau. Von dieser Stadt giebt es viele Arten Heller: 
1) St. Nikolaus und Adlerschild, 2) Maria mit Kind, bald 
mit bald ohne Nimbus, Rs. Adler, für welche Dewerdeck S. 118 
die absolut unsinnige Zutheilung an Wladislaus I. und seinen 
Sohn aufgebracht hat, worin ihm leider Mader nicht unbedingt 
Unrecht giebt, obwohl doch die Darstellung eines Fürsten mit 
seinem Sohne auf dem Arme in jenen Zeiten unerhört und ohne 



8) Nicht Friedeberg wie Leitimann S. 32 glaubt 



Schlesiens Münzen im Mittelalten 35 

Beispiel wäre. 3) wie vorhin, im Felde der Hs. ein gothischer 
Minoskel-Bachstabe, den ich eher far h als mit Yossberg für 
g halten möchte, ohne jedoch seine Bedeutung nachweisen zu 
können. 4) G und der Adler im Viereck, an dessen Seiten 
Jß— G — iß — G, wovon oben gesprochen wurde; Yossberg hat 
auf seinem schlecht erhaltenen Stuck SD 6 gelesen (no. 29 d. 
Textes), eine solche Abkürzung kommt nicht vor. 5) und 6) G 
und Adler resp. Adlerschild in vielen Varietäten. Dass diese 
Heller nach Glogau nicht nach Görlitz gehören, beweist der Um- 
stand, dass Glogau ein G im Wappen führt, sowie ihre Ueber^ 
einstimmung mit den andern Glogauem in Gewicht und ELabitus. 
Die Bemerkung von Vossberg über ihre Zeitbestimmung, welche 
er aus dem Vorkommen der Adlerschilde entnimmt, ist unzu- 
treffend, da wir überhaupt keine Glogauer Heller mit dem Löwen 
kennen. Vielleicht hat der „königliche'' Theil von G. unter den 
Königen selbst nicht gemünzt. 

Welche Heller man dem herzoglichen, welche dem könig-^ 
liehen Theil zuschreiben soll, bleibt zweifelhafi;. 

Ober-Glogau: Wappen und Adler. 

Jauer: ^ daneben G — G oder SU — SU. Rs. Adlerschild. 
Diese Heller sind mehrfach, auch von Mader, falsch zugetheilt 
worden, indem man sie bald nach Glatz bald nach Glogau legte. 
Viele Analogien ergeben, dass 3 Initiale eines Stadtnamens ist, 
da ähnliche Herzogsmünzen fehlen, und dass die Buchstaben 
G G und SQ. SQ. Münzmeisterzeichen sind. Nim wissen wir aus 
Urkunden, dass Jauer das Münzrecht besass und dass es dasselbe 
ausgeübt hat, die Zutheilung an Jauer ergiebt sich also von selbst. 

Kosel. HeUer mit K und Adler, über welchen zu vergleichen 
die Bemerkung in Sallets Zeitschrift IX. S. 78. 

Erossen. Dass dieser Stadt die Heller Weidhas XIV. 29 
zozutheilen sind, ist von Fr. Bardt in Sallets Zeitschr. IV. S. 
200 unier Bemfong auf das Stadtwappen richtig nachgewiesen 
worden. Das dort citirte Buch von Philippi ist mir leider nicht 



36 F. Friedensboig: 

zur Hand, und ich kenne daher das Privileg Joachims I. v. 1509 
nicht. Es sei erwähnt^ dass schon 1470 der Münzbrief des 
Matthias „Ejrossener^ Heller anführt, die als guthaltig weiter um- 
laufen sollen. Ob diese alteren Stücke verschwanden, unbekannt 
oder mit den nach dem erwähnten Privileg geprägten identisch 
sind, ist mir nicht gewiss. 

Liegnitz. St. Petras. Rs. Adler i) oder statt des Heiligen 
zwei gekreuzte Schlüssel. 

Löwenberg. Heller mit L zwischen K und L. Rs. Adler- 
schild dürften hierher zu verlegen sein, einestheils der Initiale 
wegen, andrerseits weil Löwenberger Heller urkundlich erwähnt 
werden. 

Lüben. Madonna mit Eind aus einem halben Adler heraus- 
wachsend (das Wappenbild) und Adler. 

Münsterberg. SQ. und Adlerschild mit vielen Münzbuchstaben 
und Münzzeichen, theils auf der Hs. theils auf der Rs. 

Namslau. 1) H und E^rone. 2) Erone und E[reuz, in dessen 
Winkeln 2 Kronen H und S. 3) Krone and böhmischer Löwe. 
Das von Dewerdeck Taf. 41, 15 abgebildete Stück mit Krone 
und Adler scheint der bekannte Heller von Wladislaus Yamensis 
zu sein. Er giebt seine Zutheilang ohne jede Begründung, die 
um so nothwendiger wäre, als die Krone im Namslauer Wappen 
nicht erscheint. Wir gründen die unsere auf die Initiale und die 
urkundliche Erwähnung der Namslauer Münze. Das Stück ad 3 
ist übrigens keinesfalls görlitzisch. Leider ist die sehr schwache 
Umschrift auf den mir vorliegenden schönen Ex. dieser Münze 
nicht völlig lesbar, doch scheint sie den Namen Namslau zu 
enthalten. 

Neisse. Ausser dem in dieser Abhandlung bereits erwähnten, 
von Friedlaender ausführlich beschriebenen mit ßSISSRbSLL 



1) Vgl. hier die ganz thorichte, der aagenscheinlichen Altersbestimmang 
dieses Stackes spottende Geschichte toh den Peterspfennigen, die mit diesem 
Heller absolut nichts zu thnn haben bei Dew. 8. 806 lg 



Schlesiens Monzen im Hittelalter. 37 

mit Lilie und Monogramm aus ttx^) spätere Heller mit Adler- 
schild ond Lilie, statt welcher aach ein Schild mit 3 Lilien er- 
scheint, auf letzterem Stack beiderseits SQoneta Q • Bpiscopalis 
Dass diese Stücke keinesfalls bischöflich sind, beweist ihr ganzer 
Charakter. 

Oels. Adler St. Johanns mit Spruchband und Nimbus n. 
L Rs. Adlerschild. Beiderseits die Buchstaben ifi — — L (meh- 
rere Varietäten. Dieser Heller wird noch heut meistens an Ohlau 
gegeben und zwar auf Grund der Autorität Dew erdeck s, welcher 
in dem ganz deutlichen typischen, übrigens auch auf den seltnen 
Oelser Groschen und Halbgroschen von Karl und Albert von 
Münsterberg ebenso dargestellten, Adler den Ohlauer Hahn und 
in dem Spruchbande einen den Namen der Stadt andeutensollenden 
Aal zu erblicken glaubte (!), obwohl auf den alten Ohlauer Siegeln 
nie ein Aal erscheint, den erst kritiklose Zeiten auf Grund dieser 
unglücklichen Zntheilung des Hellers dem Ohlauer Wappen zu 
oktroyiren versucht haben (y. Saurma Wappen der schles, Städte 
S. 234). 

Ratibor. Hehn Rs. Adler. 2) Helm Rs. halber Adler und 
halbes Rad in mehreren Varietäten. Die Lischrift WOßÖnTK 
RÄTIBORie oder Q- RATIBORIG schliesst die durch den Helm 
hervorgerufene Annahme Maders, dem ein schlecht erhaltenes 
Stück vorlag; dass dies eine herzogl. Mze. sei, aus. Das Er- 
scheinen des Helmes in schlesischen Städtewappen ist nichts ab- 
sonderliches; es giebt davon mehrere Beispiele. 

Schweidnitz. Als auffallend ist der Umstand zu registriren, 
dass wir von dieser Stadt wenig zweiseitige Heller kennen. Wir 



1) Dieser Heller dfirfte doch wohl nicht königlich sein, wie FriedUender 
gknbt. Urknndliche Nachrichten über die HänsTerhiltnisse von Neisse in jener 
Zeit htbe ich bis jetzt nicht erlangen können, tber es ist wohl anzunehmen, 
dass in den damaligen Wirren der Rath, wo nicht gar das Domcapitel von 
Breslau, diese Münze geprfigt hat. Der König hatte fär seine Person gar keine 
Yeranlassong hieno, sein Name sollte wohl nur das Gepräge decken, ihm Um- 
laof Schäften. Die eminente Seltenheit dieses Stücks spricht dafür, dass es nnr 
eine Art Oelegenheitsmünse ist 



3g F. Friedensbnrf;: 

besitzen nur einen sehr seltenen mit Greif und Eber, am welchen 
die anf meinem sehr schönen Exemplar deutliche Umschrift 
S — V — Q — I — D steht, in welcher Dewerdeck das unerhörte 

OBVLVS las. 

Teschen. Drei Thürme, über dem mittelsten S und Adler; 
femer @ und Adlerschild, eine ältere und mehrere neuere Arten, 
sowie G und Adler im Viereck, um welches SO. — S — iß — G. 

Troppau. Wappen und Löwenschild. Zwei Arten. 

Wohlau. Stierkopf und Adler oder Adlerschild in vielen 
Yarietäten auch mit Münzbuchstaben. Aus dem doppelten $ß -^W 
liest Dewerdeck p. 775 falschlich WVlaria heraus. 

Dies sind die Zutheilungen der schlesischen Heller^ wie sie 
wohl mit Recht als begründet erscheinen. Man soll die auf die 
Initialen gegründeten nicht um desshalb als unsicher anfechten 
und etwa einige als herzogliche ansprechen. Ihr Gepräge ist, wie 
die Yergleichung ausweist, so bestimmt stadtisch, der Gebrauch 
der Initiale des Stadtnamens auf Münzen, Siegeln und im Wappen 
ein so allgemeiner, die herzoglichen Heller dagegen so vereinzelt 
und von ganz andrem Typus, dass man füglich die mitgetheilten 
Zuweisungen nicht als Conjekturen sondern als Ergebnisse einer 
Beihe aufmerksamer Beobachtungen und folgerichtiger Schlüsse 
erachten darf. 

Die Groschen. 
Diese Münzsorte erscheint in Schlesien auffallend spät, wenn 
man erwägt, dass^ obwohl in Böhmen schon seit ca. 1300 Gro- 
schen auftreten, in Schlesien solche erst von König Matthias 
Gorvinus geprägt sind. Dabei sehen wir natürlich von den Halb- 
groschen-Denaren ab, und es sind hier nur die eigentlichen, 
breiten und flachen, Groschen gemeint. Im Ganzen ist die Gro- 
schenprägung bei uns anfangs als eine recht schwache zu be- 
zeichnen, nur zwei Arten sind mit des Königs Namen in Schlesien 
geprägt und nach dessen Tode prägt sie allein Stadt Breslau 
weiter. Erst gegen Ende des XV. und Anfang des XVL Jahr- 



Schiene D8 Höasen im Mitte] tlter. 39 

hnnderts werden ihrer mehr. Dafür haben sie sich aber auch 
sehr lange im Verkehr erhalten. Eine kurze Uebersicht über die 
einzelnen Gepräge mag hier genügen, im Allgemeinen ist nichts 
zu bemerken, ausser dass bei den ganzen Grroschen das Durch» 
Schnittsgewicht 2,13 bis 2,38 gr (Turzo) 2,11 bis 2,25 gr (Breslau, 
Matthias) 2,05 bis 2,16 gr (Breslau Wladislaus) beträgt 

Von oberstherzoglichen Groschen ist keiner bekannt. Der bei 
Dewerdeck aus einem älteren Autor erwähnte „Matthieser^ mit 
der Madonna schien schon diesem sonst wenig zweiflerischen 
Schriftsteller bedenklich, auch ich glaube, dass hier eine Ver- 
wechslung mi dem Jägemdorfer oder einem specifisch ungarischen 
Groschen vorliegt. Hingegen kennen wir Groschen von 

Liegnitz-Brieg. 2 Arten von Friedrich IL (1488—1547) 
(Grotef. X. 2) und zwar Hs. Adler oder das vierfeldige Wappen, 
Rs. St Hedwig (Dew. Taf. 6, no. 36 u. 37). Von ersterer Art 
giebt es zahllose Varietäten, von letzterer ebenfalls mehrere. 

Mit diesen Groschen hat man sich lange nicht zurecht finden 
können. Dew. giebt beide an Friedrich I., obwohl ihm bereits 
die Beschreibung eines Groschens mit Wappen und der Jahres- 
zahl 1505 vorlag, welche er ohne Grande verwirft; Mader sucht 
auf Grund des Schriftcharakters beide Arten an Friedrich I. u. II. 
zu ertheüen, erst Dannenberg, der in den Berl. BL 3 S. 287) 
wieder einen Groschen mit der Jahrzahl 1505 — eine andre kommt 
nicht vor — publizirte, erkannte das Richtige. Denn obwohl 
allerdings der Schriffccharakter der Wappengroschen meist ein 
älterer scheint, so finden sich unter den Adlergroschen, deren mir 
sehr viele verschieden vorliegen, ebenfalls solche mit älter aus- 
sehenden Buchstaben und umgekehrt kenne ich Wappengroschen 
mit modemer Schrift An eine Vertheilung oder andre Zutheilung 
ist daher nicht zu denken. 

Auch Halbgroschen mit dem Wappen giebt es, doch tragen 
sie keine Jahreszahl, ebensowenig wie die Adlergroschen solche 
haben. 

Münsterberg-Oels. Dieses Herzogthnm entstand aus der Ver- 



40 ?• Friedensburg: 

einigang der Herzogthümer Münsterberg und Oels, welche 
nach dem Aassterben der dortigen piastiscben Linien, 1429 resp. 
1495, in den Besitz der Familie Podiebrad gelangten. Georg 
Podiebrads, des Böhmenkönigs, zweiter Sohn Heinrich eröffnet 
die Reihe dieser Herzöge. Von seinen Söhnen Albrecht und 
EarH) besitzen wir Gemeinschaftsmünzen, die ersten') Münzen 
des neuen Herzogthums, und zwar ausser den später zu be- 
sprechenden Goldgulden Groschen und Halbgroschen. Die eine 
Art dieser Groschen ist bekannt, es ist der von Mader unter 
no. 62 beschriebene und abgebildete Reichsteiner Groschen mit 
dem Kreuz, in dessen "Winkeln 4 Wappen, Rs. der Adler mit 
dem kunstad-podiebradischen Stammwappen als Brustschild. Von 
diesem giebt es mehrere Varietäten. Den Oelser Groschen, an 
den sich ein ganz gleicher Halbgroschen anschliesst, hal)en wir 
bereits kurz erwähnt: ei' zeigt auf der Hs. den Adler ohne das 
Brustschild, auf der Rs. den Adler St. Johanns. Merkwürdig ist 
die wechselnde Bezeichnung der Herzoge in den Umschriften 
desselben: 
HLBQRTVS QT KÄRLVS DV • Sß (unsterbe^enses) und 

ffionsTH Dvavffi OLSHOiiensivffi 

Nach Albrechts Tode (1511), prägt Karl allein weiter, und 
zwar, wie die Inschriften seiner Münzen erweisen, nur mehr in 
Reichenstein. Er ändert das Gepräge, indem er auf die Hs. den 
heiligen Jakob, selten in ganzer Figur^ meist im Brustbild, auf 
die Rs. den Adler mit Brustschild setzt. 

Sagan. Von diesem Herzogthum kennen wir keinen Groschen. 
Man hat ihm irrthümlich deren drei beilegen wollen, von denen 
der sog. Margarethen- Groschen (Böhm. Groschencabinet XIH. 
Fach S. 31 flg.) der bekannteste ist, dessen zwangslose und rich- 



1) Fin dritter Sohn Georg, der zweite dem Alter nach, starb 1602. Ihn 
nennen keine Münzen, denn die erste, kaiserliche, Verleihung des Mänzrechts 
an genannte Uerzogslinie datirt Tom Oahre 1502. (s. Dew. S. 749). 

2) Geber das fabelhafte Stück Dew. tab. 48,2 vergleiche das bei Sagan 
Gesagte: 



Seblesiei» Hansen im Mittelalter. 41 

tige, übrigens scharfsinnige und elegante, Deatung die Herren 
Erbstein in dem Hefbchen gegeben haben, welches bei Gelegen- 
heit des zweiten Münzforschertages in Dresden yertheilt wurde. 
Sie lesen TMargaretha Dei Gratia Dacissa »Xo Bm (Brnns- 
wicensis) Nata de Sagen, wobei das Zeichen oX», das soviel Yer- 
wiming gestifbet hat, einfach als Münzzeichen angesehen wird, als 
welches es auch auf Hellem erscheint. Margaretha ist die Wwe. 
Heinrichs HI. y. Braunschweig Grubenhagen, Tochter Johanns I. 
▼on Sagan. Das Hervorhehen des Saganer Titels auf dem braun- 
schweigischen Groschen erklärt sich hinlänglich durch die Fa- 
milienzwistigkeiten der letzten Herzoge dieses Stammes, insbe- 
sondere durch das räuberische Vorgehen Herzog Hans H. gegen 
seine Geschwister, dem Margaretha ihre Praetensionen wenigstens 
auf den Münzen entgegensetzen wollte. Auf irriger Lesung, wo 
nicht gar dazu noch auf einer Fälschung, beruht auch der Gro- 
schen Dew. tab. 13, no. 2 und ein ähnliches Stück mit demselben 
Löwen und einem Kreuz, wie auf den Meissener Fürstengroschen, 
aus dessen Umschrift man den Namen einer Herzogin „Elisabeth*^ 
herauslesen wollte, von deren Beziehungen zu Sagan die Ge- 
schichte schweigt Dass beide Stücke auch von Seeländer pu- 
blizirt sind, ist natürlich dem Glauben an ihre Authentizität nicht 
eben f5rderlich. Die mir vorliegenden, gar nicht stylgerechten 
Zeichnungen derselben sprechen auch nur gegen sie. 

Glogau. Dieses Herzogthum war von 1480—1526 im Besitz 
der Krone Polen. Sigismund I., welcher daselbst von 1500 bis 
1507 regierte, liess mit dem Titel als Glogauer Herzog unter 
Weglassung seiner Kdnigswürde, doch unter Hervorhebung, dass 
er des Polenkonigs Kasimir Sohn sein, jene bekannten Groschen 
(Götz V. 8320) von 1506 und ohne Jahrzahl prägen, die auf der 
Hauptseite den polnischen gekrönten Adler, auf der Rückseite 
den litthanischen Adler zeigen und in mehreren Yarietäten vor- 
kommen. 

Herzogthum Grossen gehört seit 1482 zu Brandenburg und 
es sind von Kurf&rst Joachim, zuweilen gemeioflohafUich mit 



42 P- Friedeostnn^: 

seinem Brader Albrecht, daselbst in den Jahren 1511, 12, 13, 14 
Groschen geprägt worden, die dSs allgemein bekannt hier nur 
kurz zu erwähnen waren. 

Bisthom Breslau. Erst Johannes V. Tnrzo 1506 — 1520 übt 
wieder das Münzrecht ans, welches nach Rudolphs Hellerprägang 
während der Regierung Johannes lY. geruht hatte. Er prägt 
gleich im ersten Jahr seines Regimentes drei Arten Groschen, die 
alle auf der Hs. das infiolirte Bischofswappen, welches auf den 
beiden selteneren Arten die Umschrift theilt, zeigen. Auf der 
Rs. erscheint zuerst St. Johannes in ganzer Figur mit Ejreuzstab, 
sein Gewand zusammenhaltend, vor ihm ebenfalls das Schild mit 
den drei Lilien, später wird nur der Kopf in der Schüssel dar- 
gestellt. Die beiden ersten Arten sind in nur wenig Exemplaren, 
wahrscheinlich probeweis ausgeprägt worden, der letzte Typus 
jedoch wurde beibehalten und von ihm sind in den Jahren 1506, 
1507, 1508 und 1509, und zwar namentlich 1506 und 1507 grosse 
Massen Groschen geprägt worden. 

Stadt Breslau. Es wurde bereits oben der^sog. „Matthieser'', 
d. i. der Groschen des Königs Matthias Coryinus, kurz gedacht, 
als der ältesten schlesischen Groschen. Ihr Gepräge ist bekannt, 
das vierfeldige Wappen mit dem korvinischen Mittelschild, Rs. 
St. Johannes Baptista in ganzer Figur auf das Lamm zeigend. 
Hiervon giebt es zahlreiche Varietäten, deren einzelne im Felde 
neben dem Heiligen ein W haben, über dem zuweilen ein Klee- 
blatt erscheint, ein Zeichen, dessen wir schon bei den Denaren 
Erwähnung thaten und das hier zum letzten Male eine Rolle 
spielt. Mit diesen Groschen hat es eine eigene Bewandtniss. Der 
Münzbrief des Matthias von 1470, welcher eine allgemeine Münz- 
refonn beabsichtigte und der durch mehrere kleiner Urkunden 
ausgeführt und ergänzt wird, ordnet an, dass der König in Breslau 
durch seinen Münzmeister Geld prägen lassen wolle und zwar 
unter genauer Angabe des Gehaltes und des Werthes. Nach 
2 Jahren soll den Rathmannen der Stadt „nach eweren Gefallen 
2n münzen genrlaubet^ sein, doch soll dias unter Beibehaltung des 



Sehlasiens Mnnzen im Hittelalter. 43 

königL Wappens und Zeichens geschehen. Dass der König and 
der Rath nach diesem Briefe gemünzt, beweisen die Urkunden, 
wie aber die Münzen unter beide vertheilen? Das Gepräge ist 
gewissermassen ein kombinirtes: Das königliche Wappen und der 
Schutzheilige, es ist aus ihm also kein Anhalt zu gewinnen. 
Ob man, wie Mader will, der übrigens von dem Münzbriefe nichts 
erwähnt, die selteneren Grroschen mit W und W und Kleeblatt 
der Stadt zuweisen, die zahLreicheren ohne diese Beizeichen den 
König reserviren soll, mag in medio gestellt sein. Jedenfalls li^ 
hier ein numismatisch höchst interessantes Faktum vor. Es 
giebt übrigens in dieser Art auch verschiedene Halbgroschen. 
Es folgen sodann die Groschen aus der Zeit des Wladislaus 
mit St. Johannes im Brustbild und dem böhmischen Löwen, eben- 
falls in zahllosen Varietäten vorhanden. Zwei seltenere Arten 
tragen die Jahreszahlen 1505 und 1507'). Halbgroschen aus 
dieser Zeit giebt es nicht, auch setzt in Breslau jetzt die 
Groschenprägung bis zum Jahre 1621 aus. 

Stadt Jägemdorf. Der schon von Dewerde ck Tab. 32, 
44 pnblizirte Groschen, an den sich ein völlig gleicher Halb- 
groschen schliesst^ ist ein merkwürdiges Stück. Auffallig ist, dass 
er genau wie ein königlich ungarisches Gepräge aussieht, so dass 
die Umschrilb 6R0SSVS OTCRIlOVieilSIS, welche der auf den 
gleichzeitigen Breslauem völlig analog gebildet ist, fast befremden 
könnte. Das Fürstenthum Jägemdorf, welches um 1474 den 
Troppauer Herzögen, die es bis dahin besessen, von Matthias ent- 
rissen wurde, blieb in des Königs eigenem Besitz, woraus sich 
vielleicht das ungarisirende (sit venia verbol) Gepräge, welches 
augenscheinlich zur Erreichung einer grösseren Aehnlichkeit mit 
seinen Vorbildern neben die Madonna noch die unaufgeklärten Buch- 
staben I — S setzt, erklärt Dennoch halte ich das Gepräge nicht 
für königlich; es scheint annehmbar, dass der König der Stadt 



1) Beüftoig bemerkt sei, dMs 1606 die älteste Jahretifthl auf schlesieelieo 
Miiiiseo let, der wir schon bei den Liegnitter Hedwigsgroechea begegnet sind. 



44 P* Friedensbnr|(: 

das Recht MOnzen zu pr&gen yerlieh, auf denen jedoch, wie auf 
den Breslaaem sein Name erscheinen masste, was ganz dem 
strengen Regiment, das Matthias in Schlesien übte, entspricht 
Stadt Schweidnitz. Von dieser Stadt kennen wir einen 
seltenen Groschen mit St. Wenzel und Greif, den Hedwigsgroschen 
etwa gleichzeitig. Desto häufiger sind die kleinen Stücke mit 
Krone und Adler, welche unter dem Namen Halbgroschen bekannt 
sind, obwohl sie nicht ganz den Werth und das Gewicht eines 
halben schlesischen Groschens besitzen, sondern nur fietst genau 
1 g wiegen. Es ist in ihnen eine genaue Nachahmung der pol- 
nischen „Halbgroschen'' zu erblicken, die im XV. Jahrhundert 
üast die einzigen polnischen Münzen sind, eine Nachahmung, die 
soweit geht, dass man dem schlesischen Adler der Hs. eine Krone 
aufgesetzt hat, was in Dewerdeck allerlei weitläufig vorgetragene 
Skrupel erregt hat, an deren Ende er schliesslich das Richtige 
zu ahnen scheint. Die Krone der Rs. ist ein Theil des Schweid- 
nitzer Wappens und gestattet somit eine Nachahmung, ohne direkt 
den Typus entlehnen (besser: „stehlen'') zu müssen. Diese Münzen 
heissen in den Chroniken „Pdlchen", eine Name, der auf die 
durch sie bezweckte Nachahmung einer polnischen Münze hin- 
weist, möglicher Weise aber von dem polnischen: pol = halb ab- 
zuleiten ist, wodurch sich auch die Bezeichnung „Halbgroschen" 
erklärt Welche spezielle Absicht man übrigens gerade in 
Schweidnitz mit derselben verfolgte, ist mir unbekannt, es müsste 
denn eben nur die ganz allgemeine sein, das in Schlesien damals, 
wie Chroniken und Funde beweisen, beliebte polnische Gepräge 
auf einheimische Stücke zu setzen. Ob der [König diese unter 
seinem Namen gehende Nachahmung, auf der aber doch auch das 
Münzrecht der Stadt Schweidnitz hervorgehoben ist, genehmigt 
hat, mag zweifelhaft sein, jedenfalls ist sein Name auch nur der 
grösseren Aehnlichkeit mit den Polen wegen auf die Münzen 
gesetzt worden, da er auf Schweidnitzer Münzen sonst nicht vor^ 
kommt. Diese Stücke treten vereinzelt bereits 1517, in grossen 



SchlesieaB Hanzen im Mittelalter. 45 

Massen 1518 — 1526 auf^ ja einige wenige Exemplare haben noch 
die Jahrzahl 1527, wo Ludwig doch schon todt war.^) 

Noch eine Münzgattnng ist hier zu erwähnen, deren auch bei 
den Hellem hätte gedacht werden können, denen sie eigentlich 
näher steht als den GroschcD. Ich habe jedoch, da ihr schlesischer 
Ursprung ein wenig zweifelhaft ist, ihre Besprechung bis jetzt 
aufgespart^ die somit als Anhang zu der der sicheren Silber- 
münzen erscheinen möge. £s sind dies Münzen aus den Jahren 
1521 — 25, welche den ungarischen Denaren König Ludwigs nach- 
gebildet sind, von denen sie sich durch ihr breiteres Format, sowie 
den Mangel der Umschrifben auszeichnen. Beide Arten haben 
auf der einen Seite die Madonna zwischen 2 Buchstaben C — S, 
L — S etc., auf der andern das fünffeldige Wappen, in dessen 
Mittelschilde ein Adler. Ich will diesen Adler, den ich auch bei 
den Goldgulden desavouire und über den schon viel gestritten 
worden ist, unbeachtet lassen; aber der Umstand, dass diese Münzen 
immer und immer wieder in Funden in grossen Massen auftreten, 
bringt mich auf die Yermuthung, dass sie in Schlesien und für 
den schlesischen Verkehr geprägt seien. Sie sind meist weniger 
zierlich geprägt, als die Stücke mit Umschrift; dies und besonders 
das Fehlen der Umschrift (namentlich des PATRON A HVNGARIAE) 
sowie der spezifisch ungarischen Münzbuchstaben K — B, H — B 
und b zeigt m. £., dass zwischen beiden Arten ein Unterschied 
besteht, während bis jetzt stets beide nebeneinander gelegt werden. 
Wir haben vorhin die Nachprägung der Polen in den Schweid- 
nitzer Pölchen registrirt, wir wissen von dem lebhaften Verkehr 
mit Ungarn und dem Umlauf ungarischen Geldes in Schlesien — 
prägt doch noch Friedrich der Ghrosse ungarische Denare und 



1) Dau man aach in Wohltn, wie Dbg. Berl. BL 8 S. 288 glanben will, 
•in« ähnliche Nachprigang beabsichtigt habe, ist durch nichts bewiesen. Der 
L c. besprochene Piedfort verdankt , glaabe ich, einer Laune des Stempel- 
schneiden Semen Ursprung, snmal auf ein wirkliches Mnnsgeprige der Monier 
doeh seinen Namen nicht h&tte setsen dürfen. Vielleicht diente auch das frag- 
liche Stack als Mnasgewicht 



46 F. Friedensbarg;: 

Polturen, — die politischen Beziehungen beider Länder zu einander 
sind bekannt, da ist wohl die Annahme, dass diese Münzen schle- 
sischen Ursprunges sind, keine aus der Luft gegriffene. Ich wusste 
wahrlich nicht, wie man sonst das Vorkommen beider Arten der- 
selben Münze neben einander erklären könnte. 

Die Goldgulden. 
Diese Münzsorte ist in Schlesien nur durch einige wenige 
Gattungen, die noch dazu alle mehr oder minder selten sind, ver- 
treten. Auch bei uns erscheint zuerst das streng florentiner Ge- 
präge, welches jedoch bald aufgegeben wird und zwar allmalig, 
indem zunächst die Lilie durch das Wappen ersetzt wird. Man 
hat früher (cf. Dew. S. 112 fg. und Taf. I, 1) — und es 
geschieht dies noch jetzt zuweilen, trotzdem sich bereits Mader 
dagegen erklärt * hat — gewisse ungarische Goldgulden mit St. 
Ladislaus und Wappen an Schlesien geben wollen, weil in einem 
Felde dieses Wappens ein Adler erscheint. Es mag dahingestellt 
bleiben, ob dieser Adler der schlesische ist, und ich übergehe 

m 

absichtlich jede Erörterung über das Fehlen der Binde auf dem- 
selben und die Beweiskraft dieses Umstands für die Qualifizirung 
des Adlers. Selbst wenn dieser Adler wirklich der schlesische 
sein sollte, so ist doch der ganze Charakter dieser Münzen ein 
60 specifisch ungarischer, dass aus dem Adler allein keine Be- 
rechtigung genommen werden kann, sie aus der Reihe der anderen 
ihnen völlig gleich sehender Stücke herauszureissen und sie als 
Schlesier zu reklamiren, zumal sie alle ungarische Münzbuch- 
staben und Münzzeichen tragen. AehnUch verhält es sich mit 
den Goldgulden böhmischen Gepräges, von denen unten, bei Stadt 
Breslau, die Rede sein wird. Sollten sich — und die Möglichkeit 
dürfte nicht a priori zu bestreiten sein — Goldmünzen von 
ungarischem oder böhmischem Typus finden, welche sichere, be- 
stimmt und ausschliesslich schlesische Zeichen, nicht bloss den 
Adler aufweisen, so würde derer Verlegung nach Schlesien nichts 
im Wege stehen. Es ist wohl möglich, dass von den Königen 



Schlesiens Münzen im Kittelalter. 47 

wie Silber so auch Gold im Lande gemünzt worden ist. Ordnet 
doch der erwälinte Münzbrief des Matthias dies ausdrücklich an. 

Wir kennen folgende Goldgulden: 

Liegnitz, Herzog Wenzel I. 1348—68. WEHOESIi'.DVXP 
um die Lüie Rs. • S . IOHäNHES • B. Der Heilige in der auf 
diesen Florenen gewöhnlichen Darstellung, neben seinem Kopfe, 
am Ende der Umschrift ein Adler*). Dieser Goldgulden, welcher 
von Köhler in den Münzbelustigungen Y. S. 315 zuerst bekannt 
gemacht und nach Plock verwiesen wurde und seitdem wechselnde 
Zutheilungen erfahren hat, ist endlich durch Grote (Bl. f. Mzfrde 
1854 S. 269) richtig classificirt worden. Ich kann hier auf Grote's 
und Dannenberg's (in dem Aufsatz über die Goldgulden von 
Florentiner Gepräge) Erörterungen über denselben mich beziehen 
und will nur bemerken, dass der Adler neben dem Kopfe des 
Heiligen zuweilen die Binde trägt und dass das Stück überhaupt 
in mehreren Varietäten vorkommt, welche auf eine starke Aus- 
münzung schliessen lassen. Es kann nach den Liegnitzer Chroniken 
und den Köln-Trier'schen Münzverträgen von 1370 — 1372 nicht mehr 
der mindeste Zweifel an der Zutheilung des Stückes bestehen, 
die durch den von mir in dem Aufsatz über das Breslauer Cabinet 
(Sallet's Zeitschr. IX. S. 77) veröffentlichten Goldgulden der 
Gemahlin unseres Wenzel Anna, geb. Herzogin von Teschen, 
(Hs. HftᎠDVCISSH LGemaZQft vierfeldiges Wappen, 1 u. 
4 Adler, 2 u. 3 Schach, Rs. S . lOHÄHNGS • B. Der HeiHge 
wie gewöhnlich, neben seinem Kopf der böhmische Löwe) noch 
bestätigt wird. Denn dieser „Floren zweiten Grades** beweist, 
dass die Herzogin die Goldprägung nicht als etwas Neues ein- 
führte, sondern nur die von ihrem Gatten begonnene fortsetzte. 
Besässen wir den WENQESL' nicht, sondern nur die RßßR 
und die sogleich zu erwähnenden beiden BOIiQO, so würde diese 



1) Auch ich halte den Goldgalden mit Eberkopf als Mtzeichen von dem 
Schweitzer spricht, mit Dtnnenberg för apokryph, er wird aaf einem Irr- 
tboin des Antors, henrorgerufen durch ein schiecht erhtiteiies Stuck, bemheik 



48 F. Friedendrarg: 

Lücke gewiss allgemein als äusserst auffallend empfunden werden 
und man wäre gezwungen, sich nach dein Floren des Wenzel um- 
zusehen. 

Münsterberg. Bolko U. 1301-48 (Grotef. IV, 6). BOLQO 
DVX SLe die LUie. Rs. 8 lOTUaHHOS B der HeiUge, neben 
seinem Kopfe am Ende der Schrift der schlesische Hehn von vom. 
Kommt auch mit E statt S vor. 

Schweidnitz. Bolko U. 1326-68 (Grotef. IV, 9). BOLQO X 
DVX X SWYDo die LiUe. Rs. S • lOHÄHNES B der Heihge, 
neben seinem Kopf am Ende der Schrift Stern. 

Man kann über die genauere Zutheilung beider Stücke zweifel- 
haft sein, denn es giebt mehrere Bolkones zu dieser Zeit in 
Schlesien und die Beizeichen dieser Florene sind noch allgemeineren 
Charakters als die Titel. Allein es lässt sich auf Grund folgender 
Erwägungen ein immerhin einigermassen sicheres Resultat ge 
winnen. Um 1365 gab man in Schlesien den strengen Florentiner 
Typus auf, wie der Goldgalden der Anna von Liegnitz und auch 
der später zu erwähnende Troppauer beweisen, die Stücke der 
Bolkonen müssen also vor dieser Zeit geprägt sein. Es ist femer 
nicht anzunehmen, dass derselbe Herzog sich einmal DVX 8 WYD, 
das andere Mal DVX SL6 auf derselben Münzgattung genannt 
habe, wenigstens spricht die Wahrscheinlichkeit laut dafür, dass 
absichtlich diese verschiedenen Titulaturen, wie die differenten 
Beizeichen gewählt worden sind, um so mehr als der DVX 8WYD 
nach der Form der Buchstaben und mehr noch nach dem Styl 
und der Ausführung der Darstellungen jüuger erscheint als der 
DVX 8LS, der seinerseits dem Wenzel ziemlich nahe steht. Also 
können beide Stücke nicht von demselben Fürsten ausgegangen 
sein. Es ergiebt sich vielmehr, wenn man Alles dies in Er^ 
wägung zieht, für den DVX 8WYD die sichere Zutheilung an den 
obengenannten Bolko. Bezüglich des DVX 8L8 konkurriren 
ausser dem erwähnten Münsterberger noch die beiden Oppelner 
Bolkonen, die „Juvenes^ der Denare, während deren Vater Bolko I. 
f 1813 und Bolko HL v. Schweidnitz Münsterbezg f 1410 



SeUedenB Hfinzen im Mittelalter. 49 

(Grotel IV, 17) nicht mehr in Frage kommen können, weil der 
erstere vor, der letztere nach der Periode dieser Gepräge regierten. 
Triftige Gründe für die Ziitheilung unseres Stückes an Oppeln 
oder gegen dieselbe für Münsterberg werden sich kaum finden 
lassen, ob man aus dem Vorhandensein der silbernen Oppehier 
auch auf die Existenz goldner und umgekehrt aus dem — soweit 
uns bekannt — Nichtvorhandensein silberner Schweidnitzer auf 
die NichtexiBtenz goldener schliessen will, mag dahingestellt 
bleiben, mir scheint ein aus diesem Umstand geschöpfiber Beweis 
keineswegs stichhaltig. Dass auf den Denaren der Juvenes ebenso 
wie auf diesem Goldgulden der Helm erscheint, könnte vielleicht 
eher als Beweis geltend gemacht werden, wäre nicht das Vor- 
kommen dieses allgemein schlesischen Helmes auf Münzen etwas 
sehr Gewöhnliches. Für die Münsterberger würde wieder mehr 
der Umstand sprechen, dass ihnen Reichenstein gehörte, dessen 
Bergwerke schon 1273 erwähnt werden. Allerdings waren die- 
selben um 1340 im Besitz der Haugwitze, von denen sie 1356 
Bolko V. Schweidnitz, dessen Goldgulden somit eine nähere Da^ 
tirung erfahrt, erwarb. Es ist jedoeh die Möglichkeit, ja die 
Wahrscheinlichkeit — Sicheres ist mir nicht bekannt — nicht 
ausgeschlossen, dass die Herzöge als Landesherren stets einen 
Antheil an dem Ertrage der Gruben hatten. Bis jetzt (von 
Reichel, Schweitzer und Dann enberg) ist dieser Goldgulden 
immer an den Münsterberger Herzog gegeben worden; ich halte 
mich unter den angeführten Umständen nicht für berechtigt, diese 
Zutheilung zu ändern, sie mag einstweilen weiter bestehen. 

Münsterberg Oels. Von den Herzogen Karl und Albrecht, 
mit deren Grroschen wir uns bereits beschäftigten, giebt es auch 
hochseltene Goldgulden, von denen die Münzbelustigungen und 
das Dukatenkabinet solche aus den Jahren 151 1 und 12 beschreiben, 
ich jedoch einen bereits von 1510 besitze. Das Gepräge ist auf 
allen dasselbe: Hs. St Jakob, Rs. Kreuz mit den 4 Wappen. 
Karl prägt bis 1522 mit denselben Typen auch allein, doch 
erscheint der Heilige bald auf der Hs. bald auf der Rs. Auf- 



50 F. Friedensbnrgt 

faUig ist, dass, obwohl Albrecht 1511 starb, doch noch die Gold- 
gulden von 1512 seinen Namen nennen, und dass Earl, obwohl 
der jüngere, schon 1510 allein prägt. Im Jahre 1521 treten die 
bekannten Dukaten mit dem Wappen und St. Christoph auf. 

Von Troppau beschreiben die Kataloge Dickmann und Wam- 
bold einen Goldgulden, der mir weder im Original noch in der 
Abbildung je vorgekommen ist. Er hat zum Gepräge das vier- 
feldige Wappen und den heiligen Wenzel, und soll von Przemis- 
lans I. 1366—1433 ausgegangen sein, dessen Heller oben be- 
sprochen wurden. Mehr kann ich von diesem Stück nicht mit- 
theilen, da ich selbst nur diese Notiz besitze. 

Von der Grafschaft Glatz und zwar von Ulrich von Hardegg, 
dessen Heller wir oben erwähnten, kennen wir den von Dann en- 
berg in den Berl. Bl. Bd. 3 S. 285 publizirten Goldgulden mit 
der Inschrift VliRIQR o Q^EF 3V : RÄRQQa um die Madonna 
in ganzer Figur in der Glorie; Rs * WOJftöT o ßOVÄ o RVRö o 
3V o 6L0Q3 das podiebrad-glatzer Wappen auf einem Kreuz, von 
dem nur drei Arme sichtbar sind. Eigenthümlich ist die Sprach- 
mischung auf der Rs. 

Dem Bisthum Breslau wurde von Kaiser Maximilian 1510 das 
Recht Goldmünzen zu prägen verliehen. Johannes Turzo, der 
damals regierte, hat es noch nicht ausgeübt^ und es war ein recht 
„unglücklicher Einfall" Dewerdecks, den bekannten Floren des 
LOVOVIQI RQX für ihn in Anspruch zu nehmen, der keines 
weiteren Wortes bedarf. Erst der nächste Bischof, Jakob von Sal^a 
1520 — 39 prägte im Jahre 1524 die ersten Goldstücke, wobei er 
in der Umschrift der Rs. die kaiserliche Verleihung hervorhob, 
was seitdem bis auf Bischof Karl Styl blieb. 

Die Stadt Breslau erhielt von Karl IV. 1360 das Recht, 
Goldmünzen zu prägen, wie solche zu Prag geschlagen würden. 
Mir ist bis jetzt noch kein böhmischer Goldgulden vorgekommen, 
auf welchem irgend ein Zeichen dafür spräche, dass er ein Er- 
zeugniss der Breslauer Münzstätte sein müsste. Es ist wohl 
möglich, dass die Stadt von diesem Recht Gebrauch gemacht hat, 



Schlesiens Minzen im Mittelalter. 51 

doch ist die andere Eyentaalität um nichts weniger probabel. 
Der Umstand, dass den Münsterberg -Oelser Herzögen Georg 
Albrecht und Karl 1502 das Recht verliehen wird, Goldgalden 
„auf der Stadt Breslau Schrot und Eron'^ zu schlagen, ist noch 
kein Beweis für die wirkliche Existenz solcher Münzen. Es 
können sich diese Worte auch allgemein auf die Ausbringung 
der herzoglichen Goldgulden beziehen, wobei der angesehene Münz- 
hof der Stadt das Nonnativ für die Berechnimg abgeben soll. 
Autoren (z. B. Dewerdeck S. 745), welche gern alte Breslauer 
Goldstücke aufweisen möchten, schreiben der Stadt böhmische 
Goldgulden des Wladislaus zu, auf denen über dem Löwenschild 
der Rs. ein gekröntes W erscheint^). Abgesehen davon, dass auf 
keiner sonstigen Breslauer Münze, wie schon oben erwähnt ward, 
das W gekrönt erscheint (ausgenommen, um nichts zu übersehen, 
ein paar natürlich nicht beweiskräftige „Mühlzeichen^), ist die 
Deutung dieses ^ auf Wladislaus schon um desshalb geboten, 
weil seines Sohnes Ludwig Goldgulden ein ähnliches gekröntes L 
zeigen. Den Stadtnamen bedeutet jenes W also nicht, und es ist 
sonst nicht abzusehen, warum man gerade in Breslau das Gepräge 
mit des Königs Namensinitiale bezeichnet haben sollte. Die ersten 
wahren Breslauer Goldmünzen sind Dukaten aus dem Jahre 1517 
mit St WenzeP) und dem böhmischen Löwen, über welchem ein 



1.) Bei Dew. Tafel 33 no. 9 ist ein Stück mit ungekröntem W über dem 
Löwenscbild abgebildet, dessen Authentizität Voigt S. 344 Aon. 73 bezeugt. 
Dass aber auch hier nicht Wratislawia ergänzt werden darf, beweisen die Buch- 
staben K— B neben dem Wappen. 

2) St. Wenzel hält ein Schild, in welchem das bestrittene Bild des 4. Feldes 
des Breslaoer Wappens, Haupt St. Doretheä oder St. Johannes des Evangelisten 
erscheint, (cf. y. Saurma Wappenbuch S. 30 und die Abhandlung von Luchs 
in Schlesiens Vorzeit i. W. u. B. III. no. 46.) Auf den böhmischen Goldmünzen 
hält der Heilige das ihm eigenthfimliche Adlerschild (cf. Voigt II. S. 69). 
Dies Unterscheidungsmerkmal Terbietet geradezu die Zuweisung einzelner der- 
selben an Breslau, sodass es keines Falls für ihre schlesische Proyenienz ins Feld 
geführt werden kann. Der Adler, welcher auf zahlreichen Goldgulden des Wla- 
dislaus zu Füssen der Madonna erscheint, ist der polnische, das Stammwappen 

des Königs. 

4» 



52 P* Friedensbnrg: 

Schild mit dem ungekrönten W. Spl|||:ere Gepräge dieser Art 
setzen zuweilen eine XX unter den Löwen, als wieviel Groschen 
das Stück galt. Merkwürdig ist, dass auf den Goldmünzen von 
Breslau immer St. Wenzel, nicht der eigentliche Schutzpratron 
St. Johannes Baptista, der nur auf dem hochseltenen Goldstück 
von 1531 vorkommt, erscheint, es mag dies, nachdem der Löwe 
dem Wappen Platz gemacht hat, die lezte Reminiscenz an jene 
Bestimmung in der Verleihung Karls lY. sein. 

Medaillen. 

Um im Gesammtbild der schlesischen Gepräge des Mittel- 
alters, welches für unsere Numismatik nach allem Gesagten etwa 
um 1520 schliesst, keine Lücke zu lassen, ist noch eines Stückes 
zu gedenken, welches allerdings nicht mehr als Münze zu be- 
trachten ist, es ist dies der sogenannte „Tursothaler'' vom Jahre 
1508, von dem Dew. Taf. 41 No. 1 eine wie gewöhnlich nicht 
eben sehr richtige Abbildung gegeben hat. Dass wir es hier mit 
einer Schaumünze, nicht mit einem Geldstück zu thun haben, ist 
klar; die breite Form, Alter und Seltenheit sprechen gegen die 
letztere Annahme. Das Stück von auffallend flachgehaltenem 
Gepräge ist übrigens von geringem Kunstwerth; seine Echtheit 
wird jedoch mit Unrecht augezweifelt, das k. k. Eabinet in Wien 
und die städtische Münzsammlung zu Breslau besitzen je ein un- 
zweifelhaft authentisches Exemplar. 

Sonst sind aus dieser Periode keine eigentlichen Medaillen 
bekannt, unter den Kleinodien unserer Schützengescllschaft be- 
finden sich zwar ein paar medaillenartige Goldschmiedsarbeiten 
aus dem Ende des XV. Jahrhunderts, die jedoch hier nicht zu 
erörtern sind. Erst 1530 begegnen wir wieder einer wirklichen 
Medaille und zwar einer goldenen auf Bischof Jacob von Salza, 
und es beginnt nun eine stattliche Reihe von Schaustücken, unter 
denen manches schöne Kunstwerk sich befindet. 

Eine kurze Bemerkung, die sich in dieser Allgemeinheit sonst 
nicht anbringen liess, sei, um Wiederholungen zu vermeiden, hier 



Schlesiens Hönzen im Hittelalter. ,^3 

Terstattei, and zwar über Fiedforts. Ausser dem bereits er- 
wähnten, übrigens sicher echten des Johannes Hola . . . sind mir 
als Dickmünzen vorgekommen der Breslauer Heller Karls IV. 
mit Inschrift, einer der gewöhnlichen Groschen Johann Turzos 
Ton 1506 und ein Schweidnitzer Pölchen. Sie hatten jedoch, be- 
sonders die beiden letztgenannten Stücke ein so modernes Aus- 
sehen, dass ich alle diese Stücke für neue Fabrikate zu halten 
geneigt bin, da mir unzweifelhafte Gepräge dieser Art sonst gar 
nicht bekannt sind. 



Dies also das Gesammtbild der Münzen Schlesiens im XY. 
und zu Anfang des XVI. Jahrhunderts. Wenig Gold, viele Heller 
von zahllosen Gepragen und ebenfalls viele Groschen, aber in 
weniger zahlreichen Gattungen. Mit dem Jahre 1509 etwa tritt 
ein allgemeiner Stillstand in der Ausprägung der Silbermünzen 
ein, es werden nur Heller weiter geschlagen und zwar bis Ludwig 
auch von der Stadt Breslau, nachher nur noch kaiserliche, da- 
neben erscheinen eine Zeit lang Denare und Fölchen, von 1517 
bis 1519 auch die seltenen Münsterberg-Oelser Groschen. Dafür 
wird jedoch seit etwa 1520 mehr Gold und zwar bald ziemb'ch 
viel geprägt von Breslau, Bisthum und Stadt, und von Münster- 
berg-Oels in Reichenstein. Neben den neuen Goldmünzen kursiren 
die alten Silbermünzen noch lange weiter, wie die Funde zeigen, 
und das geht so fort bis um 1540 die ersten Thaler^) aufbreten, 
um welche Zeit auch wieder kleines Silbergeld geprägt wird, 
jedoch das ganze XVI. Jahrhundert hindurch nur wenig, erst das 
neue bringt wieder eine reichere Silberprägung, die leider bald 
in die Eipperzeit ausläuft. 



1) £• sei mir erlaabt, hier ooeh auf einen mehrfiAch wiederholten Chro- 
nistenirrthnm aufmerksam su machen, dessen Er]e(%ang eigentlich nicht mehr 
in den Rahmen dieses Aufsatzes gehört. Es wird berichtet, dass 1640 die ersten 
Breslaner Thaler gepr&gt seien. Das ist nicht wahr, erst 1548 kommen diese 
auf, und wir besitsen sogar noch einen Probestempel aus diesem Jahr Ton ab- 
waichendflf Zeichnung, der augenscheinlich nie in Gebrauch gekommm ist 



S4 P- Friedensbarf^: Schlesiens Manien etc. 

Reich ist die letzte hier betrachtete Periode an Münswirren: 
Fixircmgen von Zwangskorsen für einzebie Münzen, Yerrafung der 
besonders schlechten Heller sind an der Tagesordnung, alle gra* 
yamina, Edikte und Yereinigangen helfen Nichts, selbst dass von 
Zeit zu Zeit ein Münzer auf dem Schaffet endet, macht die Sache 
nicht besser, endlose Klagen über das schlechte Geld erfüllen 
alle Chroniken. Dazu ist das Land überschwemmt von polnischen, 
ungarischen und böhmischen Münzen. Kurz es herrscht gegen 
Ende des Mittelalters in Schlesien grosse Verwirrung und grosser 
Jammer auf numismatischem Gebiet, Zustände^ die erst unter 
dem Einfluss der Goldprägung eine Ende nehmen, ^lm allerdings 
nur für wenige Jahrzehnte geordneteren Verhältnissen Platz zu 
machen. 

F. Friedensburg. 



Erklärung der Tafeln. 

I) Taf. IX. d. Bd. IX. 

1—5) kleine Brakteaten; 1) älteste Zeit, 2. und 3. styWerwandt, auf No. 3. 
ist die Lilie zu bemerken. 

6-11) grosse Brakteaten mit unsicherer Zntheilung. 
12—16. Denare. 12) unbestimmt. 13) Unbestimmt. 14) Bosenberg? 15) OliDS- 
N[IT]2 Oels. 16) Posener Denar Heinrichs v. Glogau. 17) Glogauer Hälbling. 

11) Taf. IL d, Bd. X. 

1) Hohlheller Przemislaus I. t. Troppau. 2) Hohlheller mit Muschel. 3) Heller 
König Matthias Corvinus. 4) Heller Kasimir lY. 'v. Teschen. 5) Breslauer 
Heller unter Wenzeslaus. 6) Beuthener Heller mit arbeitendem Bergmann. 
7) Glogauer Heller. 8) Schweidnitzer Heller. 9) Koseier Heller. 10) Heller 
Herzog Johannes v. Sagan. 11) Groschen Johannes Torzos, Bischofs v. Bres- 
lau. 12) Oelser Groschen von Karl und Albert v. Münsterberg-Oels. 13) Gold- 
gulden der Anna v. Liegnitz f 1367. 14) Eeichsteiner Goldgulden v. Karl und 
Albert t. Münsterberg-Oels 1510. 

F. F. 



P. Lambroet UMcUrte Münzen der Stadt Eriza in Karien. 55 



Unedirte Münzen der Stadt Eriza in Karien. 



Ueber Eriza schreibt Herr Waddington Folgendes: 

Diese kleine Stadt, welche von den alten Autoren kanm 
erwähnt wird, lag an den Grenzen Kariens und Phrygiens (Ptol. V 
2,* 21) zwischen dem Indus, einem ziemlich wasserreichen Fluss, 
welcher an Eibyra vorüber fliesst, und einem seiner Nebenflüsse, 
welcher zwar im Texte des Livius (XXVill., 14), den Namen 
Chaiis fi&hrt, genauer aber Cazanes hiess, wie aus dem Vergleich 
der verschiedenen Varianten der Handschriften und der Aufschrift 
einer Münze von Themisonium erhält (vgl. Bulletin arch^oL franpais 
S. 50 und 51). 1) 

Der Stadt Eriza wurde von Pellerin^) eine Münze zuge- 
schrieben, welche Duchalais mit Recht als eine Colonialmünze 
von Corinth erkannte'). Dann hat aber Borrelia) derselben Stadt 
eine Münze zugeschrieben, welche nach der Meinung Wadding- 
ton's^) Laodicea angehört. Darnach ist Waddington der erste, 
welcher eine unanfechtbare Münze von Eriza, unter Caracalla, 
pablidrt hat^) 

Von derselben Stadt veröffentliche ich hier noch zwei Münzen, 



1) Rey. numism. 1866, 8. 878. 

2) PeuplM et Tüles IL, S. 128, Taf. LXVI, 27. 
8) Rev. Domism. 1851, S. 402. 

4) Nom. chron. Band IX, 8. 160. 

5) R«T. numism. 1866, 8. 874. 

6) £ev. Domism. 1866, S. 878. 



56 P- Lunbn»: Üncdirte HnnHn der Stadt Erlia in Rarien. 

die eine autonom, die andere aber kaiserlich nnter Garacalla, 
deren Besdireibimg folgt. 

1. Poseidonkopf nach rechts, hinter demselben ein nach 
unten gekehrter Dreizack. 

Rt. EPIZHNfl (N). Adler nach rechts, auf einem Blitze 
stehend. ') Kupfer 4. 




2. AYTOK. KAI. M. AY. ANTnNEINOC. Büste des jugend- 
lichen, die Toga tragenden Garacalla; der Kopf ist lorbeer- 
bek ranzt. 

Rv. eni epr. AnOAAXlNlOY AAe?. ePIZHNON. He- 
lios zu Pferd nach links; er h&lt in der erhobenen Rechten 
einen nicht n&her zn bestimmenden Cregenstand; die Linke stQtzt 
er aof das Pferd; hinter seinen Schultern ragen zwei Pfeile hervor. 

Kupfer 10. 




Im Jahre 1855 während eines Anfenthattes in Trieat sah ich 
in der Sammlung des Dr. de Yest eine autonome Münze von 

I) Wohl diewib» Käo», aber mit dem Kopf d«a Zeiu, üt im Nnm. chron. 
N. S. I. Seite 210 tod W. Webater pnblicirt. — Eine Hfinie de« KÖnigl. 
Mniultabioete hat den Eopf des Posudon r-, anf der Ks. Nike r. mit Kram und 
Palniweig, EPIZHNUN atebt in svei verticilen Zeilen. £. 4. J. F. 



P. Lambros: ünedirte Hnnzen der Stadt Eriza in Karien. 57 

Eriza, deren ich mir schon damals folgende kurze Beschreibung 
notirie. 

2#easkopf nach rechts. 

Rv. EFIZHNHN. Adler. Kupfer 4. 

In dieser Notiz wird der Kopf als derjenige des Zeus be- 
stimmt. Moglicherweise war aber der Dreizack, welcher, wie aus 
der Abbildung unserer Münze zu sehen ist, in weichen Linien 
gezeichnet ist, nicht sichtbar, und so habe ich den Foseidonkopf 
f&r einen Kopf des Zeus gehalten. Ebenso hatte ich nicht notirt, 
ob der Adler auf einem Blitze sass und ob er rechts oder links 
gewandt war. So bin ich denn nicht im Stande, sicher zu 
nrtheilen, ob diese beiden Stücke identisch oder von einander ver- 
schieden sind. Ich bemerke aber, dass die Sammlung vom 
Dr. de Yest nach dem Tode ihres Besitzers vom ebenfalls in 
Triest ansässigen Dr. med. Dreer erworben wurde, welcher sie 
dem Stadtmuseum von Klagenfurt, seiner Heimath, vermacht hat, 
wo jedenfalls auch die betreffende Münze aufbewahrt wird. Es 
w&re demnach zu wünschen, dass durch einen Abguss der in Rede 
stehenden Münze der Thatbestand constatirt würde. 

Athen. 

Paul Lambros. 

(Aus dem Griechischen). 



.n 



J. FritdlMnd«-: 



HaTinianns. 




Die Familie des Valeriao scbeint dazu bestimmt RftÜuel auf- 
zngeben, hier habe ich ein neaes vorzoleKen. 

Der abgebildete Bronzemedaillon des Gallienns, im Besitze 
des HeiTD Dr. H. Kern, ist, wie jeder Namismatiker sieht, eis 
römischer and nicht etwa ein colcmialer. Auf römischen M&nzen 
nach Äugustas stehen bekanntlich niemals Beamteo-Nameo, folg- 
lich ist der hier genannte Marinianus ein Glied der Familie des 
Valerianne und des anf der Vorderseite dargestellten Gallienns. 

Man denkt sogleich an die Mfinzen mit der An&chrift 
DIVAE MARINIANAE. Diese F&rstin ist historisch unbekannt, 
weder Inschriften noch die Schriftsteller erwähnen sie, nur die 
M&nzen; aber man glaubt, sie sei Yalerian's zweite Gem&hlin; 
aus Trebellius Pollio weiss man wenigstens, dass er zwei Mal vei^ 
heirathet war, denn er sagt: Yalerianus ionior, alia quam Grallie- 
nos matre genitus. Und in die Zeit Yalerian's nicht in spätere, 
gehört sie eicher, denn ihre MOazen sind fast s&mmtlich von 
gutem Silber gleich denen Yalerian's, während unter Gallienns das 
Silber sich schnell verschlechterte, ond der Denar zum denarins 
aereus herabsank. Man kann sogar die Zeit des Todes der 
Mariniana genau bestimmen; es giebt nämlich auch eine Mltnae 



J. Friedlaender : Marinianns. 59 

von Viminaciain mit DIVAE MARINIANAE, auf deren Rückseite 
ANN. XV steht, dies Jahr der Aera von Viminacium entspricht 
dem Jahre 254, dem zweiten der Regienmg Valerian's. Da ihre 
römischen Münzen mit der von Yiminacium übereinstimmen, so 
gehören sie ohne Zweifel in dasselbe Jahr, und da sie Diva heisst, 
war sie gestorben, gewiss erst eben in diesem Jahre 254. Also 
ist es glaublich, dass sie Yalerian's Gemahlin war und dass die 
Nachricht des Trebellius PoUio, Valerian sei zweimal verheirathet 
gewesen, richtig ist 

Von Marinianns wissen wir nur, dass er 268 Consul war; 
eine Inschrift zu Ofen hat PATERNO II ET MARINIANO COS., 
und eine andere von Setif in Numidien: PATERNO ET MARI- 
NIANO COS. (C. J. L. m 3525 und VIH 5514, vergl. 5513). 
Wie wir Mariniana nur aus Münzen kennen, so hat es auch nichts 
auffallendes, dass der bisher nur aus Inschriften bekannte Mari- 
nianns nun erst durch unsem Medaillon als Glied der kaiserlichen 
Familie anerkannt wird. 

Welches seine Verwandtschaft mit dem Eaiserhause war, 
wissen vnr nicht. Am nächsten läge, ihn wegen der Namens- 
gleichheit für den Sohn der Mariniana zu halten, denn es kommt 
ja öfter vor, dass der Sohn, namentlich der zweitgeborene, nach 
der Mutter heisst Domitianus nachDomitia, Saloninus nach Sa- 
lonina. Allein da der Medaillon doch gewiss im Jahre des Con- 
sulats des Marinianus^ 268, geprägt ist, kann dieser nicht ein 
Sohn des Valerian und der Mariniana gewesen sein. Denn der 
Mann und der Knabe auf dem Wagen sind doch gewiss die auf 
der Münze genannten Gallienus und Marinianns, dieser ist etwa 
zehnjährig dargestellt, war also um 258 geboren, damals war 
Valenanus, da er 253, als er zur Regierung kam, 70 Jahre alt 
war, 75, und Mariniana war 258 schon vier Jahre todt. Will 
man also des Namens wegen Marinianns mit Mariniana in Ver- 
wandtschaft setzen, so kann er nur ihr Enkel, der Sohn ihres 
Sohnes Valenanus iunior gewesen sein. 

Dieser Yalerianus iunior, Valerian's zweiter Sohn, wird zwar 



60 J- Friedlaender: 

weder durch Mfinzen noch durch Inschriften beglaubigt, allein der 
Mangel an Monumenten kann wohl den Worten des immerhin 
unzuverlässigen Trebellius Pollio ihre Glaubwürdigkeit nicht neh- 
men. Er sagt: Talerianus iunior, alia quam GaUienus matre 
genitus, a patre Caesar est appellatus, a fratre Augustus, Hier- 
nach konnte er der Sohn der Mariniana und der Vater des Ma^ 
rinianus gewesen sein. 

Ein Beweis , dass doch auch manche Nachrichten dieser 
Schriftsteller wahr sind: eine erst zu unserer Zeit bekannt ge- 
wordene Inschrift bestätigt zwei Stellen der Epitome des Aurelius 
Victor: hie (Valerianus) filium suum Gullienum Augustum fecit, 
Gallienique filium Gomelium Valerianum Caesarem, und dann: 
GaUienus quidem in loco Comelii filii (der Ton Fostumus ge- 
tödtet worden war) altemm filium Salonianum subrogavit. Und 
nun hat Deville in einem Aufsatz über die Familie des Valerianus 
in der Revue numismatique 1861 S. 257 eine (auch im C. I. L 
VIII 8473 wiederholte) Inschrift gegeben, welche beweist, dass 
GaUienus diese beiden Söhne wirklich gehabt hat, und nicht nur, 
wie man früher glaubte, den einen Saloninus. Denn diese In- 
schrift nennt den Divus Valerianus — den erschlagenen älteren 
Sohn des Grallienus — „Enkel des Kaisers Valerian, Sohn des 
GaUienus, Bruder des Saloninus.'^ Sie bestätigt folglich die Nach- 
richten des Aurelius Victor. 

Für eiue Epoche, deren Dunkelheit so gross ist, soUte man 
die wenigen yorhandenen Nachrichten erst dann verwerfen, wenn 
neu gefandene Denkmäler sie widerlegen. Daher möchte ich den 
Valerianus iunior, den zweiten Sohn des Kaisers Valerian, neben 
dem Cornelius Valerianus, dem älteren Sohn des GaUienus, nicht 
aufgeben, und die Möglichkeit, dass er der Sohn der Mariniana 
und vieUeicht der Vater des Marinianus war, festhalten. 

AUein wenn man auf die Namensgleichheit des Marinianus 
und der Mariniana kein Gewicht legen vriU, sondern den Me- 
daiUon unbefangen betrachtet, den GuUienus* auf der Vorderseite, 
die Quadriga der Kehrseite, auf welcher er mit dem Ejiaben steht. 



MaiiniaDas. 61 

so kommt man auf die Yermathung, der hier genannte Marinianos 
sei etwa ein dritter Sohn des Gallienos, der als zehnjähriger 
Knabe noch nicht zum Caesar ernannt war. Gallienos war im 
Jahre 268, wo erschlagen ward, {un£zig)ährig (vixit annos quin- 
quaginta, sagt Aurelias Victor) er kann also recht wohl ein um 
258 geborenes Söhnchen gehabt haben. ^) 

Während Yictoria den Gallienus bekränzt, fliegt dem Wagen 
ein nackter Jüngling entgegen mit einem Kranze, nach welchem 
der Knabe greift; eine ungewöhnliche Darstellung. 

Die Aufschrift ist XX COS . . I MARINIANO. Das zweite X 
ist nicht völlig sicher, es könnte etwa V sein, allein es wird doch X 
sein. Nach COS und vor I scheinen nur sehr wenige Buchstaben 
zu fehlen, so dass man COS VII lesen möchte. 

XV oder XX kann nicht tribunitia potestate XV oder XX be- 
deuten, da TR P niemals fortgelassen wird. Auch kann es wohl 
nicht Vota quindecennalia bedeuten, denn diese erscheinen auf 
Münzen erst ein Jahrhundert später und Vota vicennalia passen 
nicht für das Jahr 268. In der Zeit des Grallienus wird das 
Wort VOTA vor der Zahl nie ausgelassen; auch stehen die Vota- 



1) Aus den nogenügendeo Nachrichten über die Zeit des Yalerianus und 
Oaliienus würden sich ungefähr folgende chronologische Data ergeben: 
188 n. Chr. war Yalerian geboren, denn er wurde 253 siebzigjährig Kaiser. 
218 Qallienos geboren, dena er starb 268 fünfzigjährig. 
237 Valerianus Gonsul. 
242 Cornelius Valerianus geboren, denn er starb 269, 17 Jahre alt. 

253 Yalerian Kaiser, 70 Jahre alt. 
Qallienus Kaiser, 35 Jahre alt 
Cornelius Yalerianus Caesar, 11 Jahre alt 

254 Mariniana f 

259 Cornelius Yalerian f, 17 Jahre alt. 

260 Yalerian gefangen. 

266 Oallienns Cos. YII. (sein letztes Consulat). 

268 Marinianus Consul. 

268 GaUienus f 50 Jahre alt 

Qallienus regna?it annos quindecim, cum patre septem, solus octo; Tizit 
annos quinquaginta. Aurelius Yictor, Epitome. 



62 J. Friedlaender: 

nie an solcher Stelle zwischen den Titeln, und sie haben be- 
stimmte Typen. XV oder XX moss also eine andere Bedeutung 
haben, ich kenne dieselbe nicht, will aber daran erinnern, dass 
auf Münzen des Gallienus steht; VICTORIA AVG III oder aach 
VI, Vn, VIII, Villi. Auf andern nennt er sich GERMANICVS 
MAX TER, auch IMP GALLIENVS AVG GERM V. Wie sonst 
die Kaiser nach der Zahl ihrer Siege sich Imperator iterum etc. 
nannten, hat Gallienus seine Siege gezählt und sich auch Germa- 
nicus zum dritten oder fünf^n Mal genannt. Sein Vater hat 
auch CONCORDIA EXERC VIII. Vielleicht hat also XV oder 
XX einen solchen Sinn. Gallienus kann es in seinem letzten 
Jahre wohl zum XV. oder XX. Siege gebracht haben. Ich habe 
keine sichere Lösung gefunden. 

Es ist vorgeschlagen worden, die Aufschrift XV • COS • PAT 
• II • MARINIANO zu ergänzen, also quindecennalia consulibus 
Patemo II et Mariniano zu lesen. Allein, wie ich schon vom 
gesagt habe, seitdem Augustus die Herrschaft in feste Hand ge- 
nommen bis zu Romulus Augustus hinab, werden auf keiner ein- 
zigen der unzähligen romischen Münzen Consuln oder andere 
Beamte, sondern nur die Kaiser und die Mitglieder ihrer Familien 
genannt. Kein Numismatiker wird glauben, dass von dieser all- 
gemein geltenden Regel dieser einzige Medaillon eine Ausnahme 
machen könne. Man braucht also gar nicht erst einzuwenden, 
dass die unmotivirte Abkürzung des ersten Namens, während der 
zweite ganz ausgeschrieben ist, das vor den Namen stehende COS, 
das fehlende ET dieser Lesung im Wege stehen würden. 

Die Vorderseite unseres Medaillons findet sich auf einem 
andern wieder, welcher auf der Kehrseite FIDES EXERCITVS und 
eine figurenreiche Darstellung hat. In dem vortrefflichen Werk 
vonFröhner über die römischen Medaillons ist S. 217 ein Bronze- 
Exemplar abgebildet; ein silbernes, vielleicht ein Abguss, ist im 
Katalog Wiczay Th. II Tafel II. der Silbermünzen No. 34 und 
S. 204 No. 2687 beschrieben. 



Marinianns. S3 

Auch auf diesem MedaiUon zeigt der Schild des Gallienos 
den Kaiser zu Pferde, vor ihm Victoria, hinter ihm ein Soldat. 

Zweifel an der Aechtheit sind unmöglich, dies brauche ich 

wohl nicht zu versichern. Man sieht, dass besonders auf der 

Kehrseite der Stempel geruckt ist. Zum Schlass sage ich Herrn 

Dr. H. Kern meinen Dank, dass er die Veröffentlichung dieses 

Medaillons gestattet hat. 

J. Friedlaender. 



64 Eleioere Mittheilangeii. 



Kleinere Mittheilungen. 



Münz fand. Erst jetzt ist ein Fand zur Eenntniss gelangt, 
welcher schon im Herbst 1871 im Dorfe Ballen winkel bei 
Colberg gemacht worden ist and die grösste Aehnlichkeit mit 
dem Bd. 'VIII S. 191 d. Bl. beschriebenen Fände von Seydel zeigt. 
Seine etwa 900 Stück reichen bis 1513 hinab and setzen sich 
wie folgt zasammen: 

Hohlpfennige mit dem Greifen (Pommern oder Rostock) 129 St. 
Pommern Bogislaw X. Schillinge von Damm (3) Garz (2) 

and Stettin (11) von 1492—1510 16 „ 
„ „ Halber Schilling, von Stettin, 

1500—1511 10 „ 

Garz, Vierchen. Ohne Umschrtft 15 „ 

mit ffiOßeTA and JßOßaTÄ BOVÄ 53 „ 

Gollnow „ 8„ 

Grei&wald, Hohlpfennige mit gekröntem Kopfe ... 76 „ 

Pyritz, Vierchen 77 „ 

Stargard „ 38 „ 

Stettin „ 197 „ 

Ausserdem ähnUche mit FBeiailH II (?) . . 10 „ 

Straband, Schilling 1507 1 „ 

„ Halbe Schillinge, 1506 — 13 and ohne Jahr 11 „ 
„ Hohlpfennige mit. der Flagge (in der z. Theil 

der Strahl) 22 „ 

Mecklenbarg. Neabrandenbafg. Ein sehr abgeriebener 

Schilling wie Bd. V Tf. IV, 47 d. Zeitschr. . . 1 • „ 

Rostock. Schillinge des XV.- a. Anfangs des XVI. Jahrh. 2 „ 

„ Halbe Schillinge a. d. An&nge des XVI. Jahrh. 10 „ 



w 



n 



Kleinere Mittbeil nngfen. g5 

Brandenburg. Hohlpfennig mit Adler (Friedrich ü. ?) 1 St. 

„ Prenzlow. Vierchen mit PRaflBSLOV 7 „ 

V n ji der beiden andern Arten 22 „ 

Johann Cicero. Halber Groschen von 1498 .... 1 „ 

Brandenbui^. Joachim 1. Groschen ohne Prägstatte 14 „ 

„ Joachim I. Berliner Groschen 1507, 09, 

10, 11 10 „ 

» Joachim I. Frankfurter Groschen ohne 

Jahr, 1500—1509 7 „ 

,, Joachim I. Stendaler Groschen 1511 . . 1 „ 

Sachsen. Ernst, Albert und Wilhelm Hompfennig . 4 „ 
Schlesien. Mönsterberg. Albert und Karl, Groschen 1 „ 
Preussen. Brakteat mit Adler. Vossberg H, 2—4 . 1 „ 

Hohlpfennig, Ereuz mit 4 Kugeln i. d. W. 

Vossberg II, 48 1 „ 

Hohlpfennig mit Kreuz. Vossberg HI 56 

(27 Ex ) m 58 (2 Ex.) 28 „ 

„ Schillinge von Danzig (28), Elbing (1) 

Thom (7) Kasimir IV 36 „ 

„ Hohlpfennig von Elbing 9 „ 

99 ,9 Thom 38 ., 

Liefland. Bernd v. d. Borg. Artiger von Royal . . 5 „ 
„ Dorpat Bischof Bartholomaeus Sawijerwe, 

Artig 1 „ 

„ Dorpat. Johann HI. Bertkow. Artig. . . 1 „ 

D&nemark. Christian I. Korshvid yon Malmoe . . 1 ,, 
Schottland. Farthing von Jakob UI. ? (sehr abgerieben) 1 „ 

Ausserdem noch einige, die zur 2#eit nicht mehr yorhanden 
waren und nur unvollkommen nach einem von dem früheren Be- 
sitzer (der z. B. die Garzer Vierchen f&r Demminer, die Stral- 
sunder Hohlpfennige fär Danziger angesehen hatte) au^enonunenen 
Verzeichnisse erkannt werden konnten, unter ihnen muthmasslich 
1 Denar von Stolpe, 2 Hohlpfennige mit dem Brustbilde des 

Schutzheiligen von Halberstadt u. s. w. BL D. 

5 



QQ Kleinere Mittheilnngen. 

Die Sammlung des verstorbenen Staatsrath Dr. 
Becker, eines namentlich um die Erforschung der griechischen 
Colonien am schwarzen Meer hochverdienten Gelehrten, kam am 
14. März d. J. bei Herrn Adolf Weyl in Berlin zur Verstei- 
gerung: die erste bedeutende, mit wahrhaft wissenschaftlichem 
Sinn angelegte Sammlung griechischer Münzen, welche in einer 
Berliner Auction figurirt. Becker hatte als Director des Lyceums 
in Odessa sein Hauptaugenmerk auf die Münzen der griechischen 
Städte am und in der Nähe des schwarzen Meeres gerichtet, selbst 
Ausgrabungen in Olbia u. s. w. unternommen und ausser einer an 
Zahl überaus reichen Sammlung möglichst vieler Typen jener 
Gegend auch eine Reihe von Prachtstücken ersten Ranges er- 
worben, welche z. Th. Unica geblieben sind; vor allen hervor- 
ragend den von mir früher besprochenen, jetzt vom Egl. Museum 
erworbenen Goldstater der taurischen Chersonesus vom Jahre 73 
der chersonesischen Aera (Zeitschr. f. Num. I. p. 29 f.), ein vor- 
zügliches, von Herrn Loebbecke in Braunschweig erworbenes 
SilberstQck von Olbia und eine imposante Reihe der so seltenen 
Münzen von Tyra. -:- Die einzelnen in der Versteigerung er- 
zielten Preise waren zum Theil recht hoch, da ausser dem Egl. 
Museum einer unserer bedeutendstenPrivatsammler,Herr Loebbecke 
und mehrere auswärtige (russische) Sammlungen sich mit hohen 
Geboten betheiligten; so wurde z. B. der erwähnte Goldstater von 
Chersonesus mit 450 Mark, die Silbermünze von Olbia mit 355 
Mark bezahlt, eine schöne grosse Kupfermünze von Olbia (Me- 
dusenkopf Rs. Adler auf dem Delphin iE. 17) mit 104 Mark^ eine 
ähnliche weniger gute mit 80 Mark. Ein hübsches kleines Stück 
von Sestus (Septimius Severus) mit Hero und Leander ging auf 

80 Mark. 

A. V. S. 



t^ 



Literatur. 67 



Literatur. 



F, Baumbach. Die Duisburger Münzen. Ein Beitrag zur 
Geschichte Duisburgs, Duisburg 1881. 8^ 21 S, mit 1 Taf. 
Abbildung. 

Der Herr Verfasser bringt die in meinem Buche über die 
deutschen Münzen etc. beschriebenen Denare der Kaiser Eonrad 11., 
Heinrich UI. und Heinrich IV., denen er das höchst seltene 
ehemals ReicheFsche Exemplar Adolfs von Nassau (mit RDOLFVS 
ROM ReX Rs. DVSBVRG RGGÄLIS CIVITÄS) anschliesst. Mehr 
Duisburger Gepräge sind zur Zeit nicht bekannt, nur ist der von 
mir bei No. 313 erwähnte Eonrad (Cappe UI. No. 331) anzufügen, 
welcher in jedem der 4 Bogen auf der Rs. eine Schleife zeigt; 
ich habe nachträglich ein Exemplar dieser nicht häufigen Münze 
erworben. Da das Büchlein nicht für Numismatiker geschrieben 
ist, so ist den von guten Abbildungen begleiteten Münzbeschrei- 
bungen eine kurze historisch-numismatische Einleitung voraus- 
geschickt, die nur in dem Punkte der Berichtigung bedarf dass 
bisher wenigstens Duisburger Halbdenare noch nicht zum Vorschein 
gekommen sind. H. D. 



Paul Joseph. Beiträge zur pfalzgräflichen und mainzischen 
Münzkunde. Speier 1880 8 yo S. 47. (Separatabdruck aus dem 
IX. Hefte der Mittheil. d. histor. Vereins der Pfalz). 

Einem höchst merkwürdigen Denare mit 7l.L«Z*G*I*6*G[ 
und dem pfälzischen Löwen schliesst der Herr Verfasser einen 



68 Litentor. 

ganz iabrikgleichen allgemein bekannten aber noch nicht erkannten 
stammen an, welcher einen sitzenden Dynasten mit Schwert und 
Thurm darstellt, ergeht sich zu ihrer Erklärung in den geschicht- 
lichen Yerhältnissen der Püalz bei Rhein und kommt zu dem 
gewiss richtigen Ergebniss, dass Pfalzgraf Ludwig II. der Strenge 
(1253 — 94) in Alzei, das er aus einem Raubnest in ein geordnetes 
Stadtwesen umgewandelt und gewissermassen neu gegründet, auch 
eine Münzstatte angelegt und während ihrer muthmasslich nicht 
langen Dauer dort beide Münzen hat schlagen lassen. Aber wenn 
H. J. zur Begründung seines Ausspruches, dass die dargestellte 
Person der Pfcdzgraf sein müsse, bemerkt^ das Schwert werde auf 
Münzen nur von den Kaisem, Herzögen und Markgrafen im öst- 
lichen Deutschland gefuhrt, so ist dies nicht recht klar, denn 
es kann ihm doch schwerlich entgangen sein, dass dies Attribut 
namentlich auf den Geprägen der rheinischen und westfälischen 
Dynasten fast allgemein ist, so z. B. führen es die Grafen und 
Herren von Berg, Jülich, Sayn, Isenburg, Leiningen, Arnsberg, 
Büren, Limburg, Lippe, Mark, Scfawalenberg, Waldeck u. s. w. 
Und noch nöthiger ist es, einen andern Irrthum aufeudecken, 
damit sich nicht Unrichtiges festsetze. S. 16 wird nämlich gesagt, 
dass in der Zeit der sächsischen und fränkischen Kaiser nur die 
Münzen von Aachen und Duisburg den Kaiser in ganzer Figur 
darstellen, wobei doch, von den Reitermünzen von Goslar 
(Dannenb. 682) zu schweigen, die von Celles (D. 185, 186) und 
Stablo (D. 270) übersehen sind, und es ¥drd in Verbindung 
damit, jedoch ohne weitere Begründung, der Duisburger Denar 
mit thronendem Kaiser, den ich (No. 325) Heinrich IV. beigelegt 
habe, für Heiniich Y. wo nicht gar Heinrich VI. in Anspruch 
genommen. Gegen letztere Zutheilung muss aber energisch protestirt 
werden; der sonst so umsichtige Herr Yerüasser hat hier nur das 
eine Merkmal des thronenden Kaisers, für dessen allbekanntes 
Herrschen in der Hohenstaufenzeit er keine Beispiele anzuführen 
brauchte^ ins Auge gefietöst, alle übrigen aber, den Profilkopf^ die 
Aehnlichkeit desselben mit anderen auf anderen Duisburger Denaren, 



.%. 



den Schriftcharakter, kurz den ganzen Habitos, wie er sich ans 
der Hrn. J. wahrscheinlich abgehenden Autopsie ergiebt, ausser 
Acht gelassen, und doch ist es die Gesammtheit alier dieser Merk- 
male, nicht ein einziges, so leicht trügendes, wodurch wir uns bei 
Münzbestinunungen leiten lassen müssen. Auf besserem Wege treffen 
wir schon den sonst fast immer fehlgehenden Cappe, der diesen 
Denar (E. M. I. Taf. XIX 309) an Hemrich lU. giebt. Die 
Schwierigkeit liegt hier in dem Zusammentreffen des Profilkopfes 
mit dem Siegelbilde des thronenden Kaisers, zwei Darstellungen, 
die wir sonst gewohnt sind, durch einen Zeitraum von anderthalb 
Jahrhunderten getrennt zu sehen. Der Herr Verfasser wirft auch 
einen Blick auf einen den Alzeier Denaren stylahnlichen einseitigen 
Denar, mit Recht verwirft es für diese Münzklasse den Ausdruck 
Brakteat; er hatte aber noch manche andere, z. B. Mader IV. 
90, namentlich aber die für die Chronologie dieser Münzart so 
wichtigen von Heinrich und Landolf von Worms (Mader IV, 
87, 88) anführen sollen. 

In einem zweiten Abschnitte werden einige zum Theil bereits 
beschriebene, zum Theil unedirte Hohlpfennige des XIV. und 
XV. Jahrhunderts behandelt, und ihnen an der Hand der Urkunden 
ihre richtige Stelle angewiesen, ' die sie jetzt bei den Speierer 
Bischöfen Mathias (1464-78) und Johann (1459—64), P&lzgraf 
Ruprecht I., Friedrich I , Pfalzgraf Stephan zu Simmem, Erz- 
bischof Dietrich I. und II. von Mainz finden. Erwähnenswerth 
ist hier besonders ein S. 43 berührter Münzvertrag zwischen Erz- 
bischof Adolf V. Mainz und Pfalzgraf Friedrich, von 1464, denn 
von da ab tragen die mainzischen und churpfiUzischen Hohlpfennige 
nicht mehr wie bisher den Anfangsbuchstaben der Münzst&tte, 
sondern den des Münzherm. Man vrird schon aus diesen kurzen 
Andeutungen ersehen, dass der Herr Verfasser es verstanden hat, 
diesen sehr vernachlässigten winzigsten Münzdenkmalem inter- 
essante Seiten abzugewinnen. 

H. D. 



70 Kleinere Mittheilangen. 

Schlick eysen, F. W. A.., Erklärung der Abkürzangen auf 
MOnzen der neueren Zeit, des Mittelalters und des Alterthums 
sowie auf Denkmünzen und münzartigen Zeichen. — 2. Auflage 
von Dr. Reinhold Pallmann und Dr. H. Droysen. Berlin, 
F. u. P. Lehmann, 1882. (438 S.) — Das nützliche Nachschlage- 
buch des verdienten Gelehrten erscheint hier gänzlich umgear- 
beitet und fast doppelt so stark als die erste Ausgabe. Der erste 
von Herrn Dr. Pallmann bearbeitete, grössere Theil ist nament- 
lich wegen der Erklärung der oft nur mit einzelnen Buchstaben 
ausgedrückten Titulaturen der Fürsten, der Münzmeister- und 
Münzstätte - Namen auf neueren und mittelalterlichen Münzen 
wichtig. Der zweite Theil, von Dr. Droysen, giebt eine Aus- 
wahl der wichtigsten Abbreviaturen auf antiken Münzen, auch 
eine dankenswerthe Uebersicht der Hauptformen der griechischen 
Buchstaben; ein Versehen ist wohl: „CT! Stilpae in Sicilien". 
Die Münzen haben ZTI und ZTIA, dies ist nicht Stilpae, sondern 
Stiala oder ähnlich, die von deu Schriftstellern „Styella^' genannte 
sicilische Stadt. — Die Ausstattung des Buches ist schön; bei- 
* gegeben sind zwei Tafeln mit Monogrammen neuerer Münzen. 

A. V. S. 



Verlag der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin. 



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des 

fünlzehnten Jahrhunderts 
(1430—1530) 

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Geschichte und Uebersicht der Sammlung nebst erklärender Be- 
schreibung der auf Schautischen ausgelegten Auswahl 

von 

Dr. Julius Friedlaender. und Dr. Alfred von Sallet, 

Director. Professor. 

Zweite vermehrte Auflage. 

Mit elf Kupfertafeln. (336 S.) gr. 8. geb. 8 Mark. 

Hiermit zeigen wir an, dass uns von der General- Verwaltung 
der Kgl. Museen zu Berlin der Debit für die 

(^&; nach den Originalen -z^z:) 

abgeformten Gips-Abgüsse nachfolgender Sculpturen übertragen 
wurde, die wir zu den beigesetzten Preisen — excl. Verpackung — 
abgeben, und bitten wir daher etwaige Bestellungen an uas ge- 
langen zu lassen. 



Aus Olympia: 



1. Abguss der Hermes -Statue M. 270 

2. Abguss der Büste derselben M. 22 

3. Abguss der Statue der Nike M. 220 

4. Abguss des Kopfes eines Olympioniken .... M. 10 

Aus Perg'amon : 

5. Abguss eines Giganten -Torso mit Kopf .... M. 36 

6. Abguss des Kopfes allein M. 16 

7. Abguss eines weiblichen Kopfes M. 10 

Berlin SW., Wilhelmstr, 32. 

Weidmannsehe Bnchhandlnng. 



71 



&riecliisoIie Hfinzen aus meiner Sammlimg. 

(Tafel III.) 



Im Laufe der letzten Jahre ist wieder eine Anzahl griechischer 
Münzen in meine Sammlung gelangt, deren Yeröffentlichong nicht 
uninteressant sein dürfte. Sind auch nicht alle naclistehend beschrie- 
benen Stücke bisher unbekannt geblieben, so ist dies doch mit 
der grossen Mehrzahl der Fall; die wenigen schon bekannten 
rechtfertigen wohl durch Seltenheit, Gewichtsangaben etc. eine 
nochmalige Aufführung. 

1. Apulia. Canusium. M 13 m. 

Av. Jugendlicher Herakleskopf mit der Löwenhaut bedeckt 

rechtshin. 
Rv. KA-NA Keule, daneben zwei Kügelchen. Punktirter 

Kreis (Sextans). 

2. Lucania. Heraclea. M 23 m. Gew. 7,48. 

Av. Behelmter Pallaskopf linkshin. 

Kv. hHPAKAEIAN Herakles linkshin stehend, in der aus- 
gestreckten Rechten Gefass, im Unken Arm die Keule 
und das Löwenfell; vor ihm eine schwebende ihn be- 

krfinzende Nike. Im Felde Unks nwQy' 

Der abgekürzte Magistratsname ZCIH auf Drachmen dieser 
Stadt (Mion. I. 153. 500) ist demnach IHIIBIOZ zu erganzen. 

3. Lucania. Metapontum. jK 9 m. Gew. 0^57. 

Av. Aehre. 

Rv. Drei Halbmonde mit den Rücken zusammengestellt, in 

jedem derselben und in der Mitte ein Kügelchen. 

6 



^ 



72 Arthur Lobbecke: 

4. Lucania. Meiapontam. M 15 in. 

Av. Adler mit erhobenen Flügeln rechtshin sitzend. 
Rv. ME-TA. Geflügelter Blitz. 

5. Bruttium. Vibo Valentia. M 25 m. 

Av. Zeuskopf mit Lorbeerkranz rechtshin, dahinter I. 
Rv. VALENTA (sie) Geflügelter Blitz, darüber Halbmond 
und I. 
Dieser schön patinirte As ist wegen der Schreibart VALENTA 
statt VALENTIA merkwürdig. 

6. Bruttium. Rhegium. M 28 m. Gew. 16,83. 

Av. Löwenkopfhaut von vom, daneben rechts ein Oliven- 
zweig mit zwei B'rüchten. 

Rv. Jugendliche männliche Figur mit entblösstem Ober- 
körper linshin sitzend, in der Rechten Stab; unter dem 
Stuhle eine sich aufrichtende Schlange. Das Ganze 
in einem Olivenkranze. 

7. Sarmatia. Olbia M 23 m. Gew. 12,65. 

Av. Aehrengeschmückter Kopf der Demeter mit Halsband 

linkshin. 
Rv. OABIO. Den Eopf zurückwendender Adler linkshin 
fliegend, in den Fängen einen Delphin; oben )E, hinter 
ihm ein Dreizack. Taf. III, 1. 
Aehnliche Stücke bei Mion. I 349. 1. und Catalog des Bri- 
tish Museum „Thrace^ p. 20. 1. aber ohne Monogramm und 
Dreizack, auch steht bei dem Exemplar des Brit. Mus. die Be- 
merkung: „base silver" während das meinige von gutem Silber 
ist. Dem Style nach ist es mit dem Goldstater dieser Stadt 
(Catalog Lemmö No. 127) gleichzeitig: 

8. Thracia. Serdica. Caracalla M 30 m. 

Av. AYT K.M. AYP . C . . ANTHNEINOC. Mit Lorbeer- 
kranz, Panzer und Paludamentum bekleidetes Brust- 
bild des Caracalla, mit Speer und und rundem Schild, 
auf welchem ein Zeuskopf, linkshin. 



Sammlnng griechischer MfinKen. 73 

Rv. OYAHIAC . CEPAIKHC. Der Kaiser zu Pferde im 
Schritt rechtshin, den r. Arm erhoben. 
9. Thracia. Trajanopolis. Grallienas :£ 25 m. 

Av. FAAAIHNOC . CCB. Kopf des Gallienus mit Strahlen- 
krone reehtshin. 

Rv. AYFOYCTHC. TPAIANHC. Fortuna mit Steuerruder 
und Füllhorn linshin stehend, auf dem Kopfe Modius. 
— Ein neuer Kaiser in der Münzreihe dieser Stadt. 

10. Chersonesus Thracica. Sesius. SeptimiusSeverusiB24 m 

Av. AYT . A . Cen . CeOYHPOC. Brustbild des Sept. 

Severus mit Lorbeerkranz und Paludamentum reehtshin. 

Rv. CHCTIcjN. Leander reehtshin schwimmend; vor ihm 

auf einem Thurme Hero, ihm mit einer Lampe leuchtend. 

Taf. ni, 2. 

Aehnliche Darstellungen von Hero und Leander finden sich 

nur auf Münzen von Abydus und Sestus, den beiden Orten, wohin 

die Sage die Handlung verlegt; von letzterer Stadt bisher nur 

auf solchen des Caracalla. 

11. Macedonia. Heraclea Sintica. Adaeus t} rann us?^ 19m. 

Av. Behelmter, jugendlicher Kopf reehtshin; auf dem Helm 
mit einem Stern contremarkirt. 

Rv. AAAIOY. Eule auf einer Lanzenspitze reehtshin 
sitzend, dahinter KP . M. Behelmter Kopf und Eule 
sind neue Typen dieses Dynasten. Das Monogramm 
}fiP lässt sich zwanglos in Heraclea auflösen. 

12. Macedonia. Mende. M 27/32 m. Gew. 16,90. 

Av. MIN Geiler Esel reehtshin stehend; auf seinem Rücken 

em Rabe, ab ano asini pascens, dahinter ein Weinstock 

mit grosser Traube. 

Rv. Quadratum incusum in Windmühlenflügelform, in der 

Mitte ein erhabener in einem vertieften Kreise. T^f.UI,3. 

Von diesem uralten, um 500 v. Chr., geprägten Stater ist mir 

ausser dem im Pariser Gabinet befindlichen und von Mion.S.HI 82. 

500 and tab. TQ. 1. beschriebenen und abgebildeten Exemplare 

6* 



/^ 



74 Arthar Loebbecke: 

keins bekannt geworden. Das obige zeichnet sich noch durch 
schöne Erhaltung aus. 

13. Macedonia. Alexander I. 498 — 454 v. Chr. M 31 m. 
Gew. 28,12 (durchlöchert). 

Av. Reiter mit der Chlamys bekleidet, auf dem Kopfe den 
macedonischen Hut, zwei Speere haltend rechtshin. 
Unter dem Pferde ein kleiner Spitzhund rechtshin. 
Ry. AAESANAPO in einem vertieften Quadrat um ein er- 
habenes in vier Theile getheiltes. Taf. m, 4. 
Dieses schöne Octodrachmon von ungemein zierlicher Aus- 
führung, ein Unicum, stammt aus einer Privatsammlung in Eertsch. 
Nach einem Electrotyp beschrieben und abgebildet, aber ohne 
Gewichts-Angabe, ist dasselbe bereits in dieser Zeitschrift Bd. III 
p. 55, zuerst edirt von B. v. Eoehne, M^moires etc. de St. 
Petersburg. 

14. Thessalia. Thessali M 21 m. Gew. 6,01. 

Av. Bekränzter Zeuskopf rechtshin. 

Rv. eEZ2:AAnN.ESirrO(Y)NIKATOP. Pallas Promachos 

P 

rechtshin; unter ihren Armen vertheilt: H-.. 

A 

Drei Magistratsnamen auf thessalischen Didrachmen sind mir 

bisher noch nicht vorgekommen und ein Künstlername ist' hier 

nicht wohl möglich. 

15. Thessalia. Thessali Septimius Severus und Geta. ^23m. 

Av. AYT . A . Cen . CeBHPOC . A. Brustbilder des Sep- 
timius Severus mit Lorbeerkranz und Paludamentum 
rechtshin. 
Rv. AO . Ce . FETAN .0€CC(AAnN). Jugendliches Brust- 
bild des Geta mit Paludamentum rechtshin; darunter B. 
Thessalische Münzen, welche den Septimius Severus mit 
seinem zweiten Sohne Geta zeigen, sind mir sonst nicht bekannt 
geworden. 

16. Thessalia. Larissa M 13 m. 

Av. Frauenkopf rechtshin. 




Sammlanfc f^riechiseher Münzen. 75 

Ry. AAPI. Perseus linkshin stehend, in der ausgestreckten 

Rechten die Harpa, in der Linken das Medusenhaupt. 

Meines Wissens ist Perseus auf Münzen von Larissa bisher 

nicht vorgekommen; die Harpa allein findet sich auf kleinen 

Bronzen dieser Stadt. 

17. Thessalia. Melitaea. M 20 m. 

Av. Zeuskopf mit Lorbeerkranz rechtshin. 
Rv. MEAITAEnN. Biene. 
Diese Münze giebt den vollen Stadtnamen, welcher auf den 
kleineren mit gleichem Typus nur abgekürzt (MEAI) erscheint. 

18. Achaia. Corinthus. M. Aurelins M 26 m. 

Av. IMP . M . AVR . ANTONINVS . AVG. Brustbild des 

M. Aurelius mit Lorbeerkranz "und Paludamentum 

rechtshin. 
Rv. CORINTHVS. Corinthus, der Gründer von Corinth, 

von vom stehend, den Kopf linkshin gewandt; in jeder 

Hand ein Steuerruder. 

19. Argolis. Epidaurus. Antoninus Pius. M 25 m. 

Av. ANTn Kopf des Antoninus Pius mit Lorbeer- 
kranz rechtshin. 
Rv. £niAAYPIU)N. Der Hirt Aresthanas linkshin schrei- 
tend, den r. Arm ausgestreckt; vor ihm eine Ziege, 
den jungen Aesculap säugend; rechts und links ein 
Baum. 
Nach Mittheilung des Herrn Director Friedlaender auch 
in Berlin. 

20. Paphlagonia. Amastris. M 25 m. 

Av. OMHPOC. Brustbild des Homer mit Diadem und 
langem, gelocktem Bart rechtshin. 

Rv. AMACTPIC. Mit der Stola bekleidete weibliche Figur 
rechtshin sitzend; auf dem Kopfe Modins, in der 
Linken Parazonium, in der Rechten einen langen Speer 
(et Mion. S. IV. 553. 18). Taf. UI, 5. 



1 



76 Arthur Lübbecke: 

21. Paphlagonia. Amastris. M 26 m. 

Av. OMHPOC. Bärtiger Homerkopf mit Diadem rechtshin. 
Rv. AMACTPIANUN. Linkshin sitzender Serapis, die 
Rechte aasgestreckt, in der Linken den Speer; vor ihm 
der Gerber US. Taf. IQ, 6. 
Der sehr schönen Homerköpfe von gaqz verschiedener Auf- 
fassung wegen interressant. 

22. Bithynia. Chalcedon. L. Verus M 27 m. 

Av. AYr . K . A . AYP . OYHPOC . CG. Brustbüd des Lu- 
cius Yerus mit Paludamentum rechtshin. 
Rv. KAAXAAONIHN Apollo mit der Lyra auf einem 
rechtshin fliegenden Schwane sitzend. 
Dieser Revers kommt auch auf anderen Eaisermünzen von 
Chalcedon vor, von Yerus war er noch nicht bekannt. 

23. Bithynia. Prusa ad Oiympum. Gallienus M 22 m. 

Av. nO . AI . Er . FAAAIHNOE . E. Brustbild des Gallienus 

mit Strahlenkrone und Paludamentum rechtshin. 

Rv. nPOYEAEriN. Zwei Urnen nebeneinander stehend, 

auf der linken Palmzweig, auf der rechten fünf Kü- 

gelchen in Pyramidenform. Unten OAVMniA . IlYSIA. 

Mionnet verzeichnet keine Münzen des Gallienus von dieser 

Stadt, auch die Erwähnung der olympischen und pythischen Spiele 

habe ich bisher auf ihren Münzen nicht gefunden. 

24. Mysia. Cyzicus. EL. 17/20 m. Gew. 16,03. 

Av. Löwen- und Widderkopf mit den Hälsen zusammen* 
gefügt, ersterer links, letzterer rechtshin blickend; da- 
runter Thunfisch linkshin. 
Rv. Quadratum incusum. 
Aus der Sammlung des verstorbenen Staatsrath Becker in 
Odessa und nach Angabe des Cataloges in Olbia gefunden. 

25. Mysia. Cyzicus. EL. 17/20 m. Gew. 15,92. 

Av. Nackter Krieger mit korinthischem Helm linkshin 
knieend und mit beiden Händen einen langen Pfeil 



Sammlnngf f^echischer Mänzeo. 77 

haltend, dessen Spitze er prüft; vor ihm ein Bogen, 

dahinter Thunfisch. 

Rt. Quadratam incusum. 

Aehnliche Stücke aus dem grossen Eyzikenerfunde im Num. 

Ghron. new. Series XVI. 282. 12., dort ist aber der Krieger rechts- 

hin gewandt und der Abbildung nach auch der Pfeil undeutlich. 

26. Mysia. Pergamus -M 27 m. Gew. 11,60. 

Av. Gista mystica mit Schlange in einem Epheukranze. 
Rv. C . FABIVS . PRO . COS. Bogen und Bogenhalter zwi- 
schen zwei Schlangen; links das Monogramm von 
Pergamum, rechts Thyrsus von einer Schlange um- 
wunden. Unten MHN04>IA0£. 
Pinder kannte keine Gistophoren des Proconsuls C. Fabius in 
Pergamum geprägt, er führt solche nur von Apamea, Ephesus und 
Tralles auf. Auch der Magistratsname MHN04>IA0£ ist, glaube 
ich, neu auf pergamenischen Münzen. 

27. Jonia. Ephesus. M 26 m. Gew. 12,25. 

Av. Gista mystica im Epheukranz. 

Rv. T . AMPI . T . F . PRO . COS. Dreifuss zwischen zwei 

Schlangen, darüber Apollo an eine Säule gelehnt links- 

hin stehend, in der ausgestreckten Rechten einen Zweig 

haltend. Im Felde rechts eine brennende Fackel, links 

EM darüber OZ. Unten CPMIAC. KAIYCTPIOC. 

Auf den bisher von Pin der u. A. publicirten Exemplaren 

dieses seltenen Gistophors, aus dem Jahr 77 der Provinz Asia = 

57 V. Ghr., war die Endung des letzten Namens undeutlich. 

Head im Num. Ghron. XX. p. 156 ergänzte KAIYCTPI (OY), mein 

schön erhaltenes Exemplar giebt die richtige Lesung. 

28. Jonia, Ephesus. M 26 m. Gew. 11,25. 

Av. Gleicher Typus. 

Rv. C . PVLCHRJ . A . (P . F) PRO . COS. Bogenhalter zwi- 
schen zwei Schlangen, rechts brennende Fackel, links 
E4>E, darüber IIA, darunter eine Biene. Unten 
APTEMaN. 



>Üi 



78 Arthnr Lobbecke: 

Bisher anbekannter Cistophor aus dem Jahre 81 Asiens = 
53 V. Chr. Aus den Jahren Roms 701-703 (53—51 v. Chr.) 
waren Finder die Namen der Proconsuln Asiens unbekannt, vor- 
stehendes Stück füllt ein Jahr dieser Lücke und beweist dass 
im Jahre Roms 701 = 53 v. Chr. C. Claudius. Ap. F. Fulcher 
noch Froconsul der Provinz Asia war. 

29. Jonia. Neapolis. Gordianus Fius M 29 m. 

Av. AYT .K.M. ANT . FOPAIANOC. Brustbild des Gor- 
dianus Fius mit Lorbeerkranz und Paludamentnm 
rechtshin. 

Rv. en . r . M . ayp . kanaiaoc. NeAnoAeiin. Apollo 

rechtshin stehend, die Rechte über dem Haupt er- 
hoben; vor ihm die Lyra auf einem Dreifuss. 
Unter den wenigen Münzen des jonischen Neapolis ist bisher 
noch keine mit einem Magistratsnamen verö£Pentlicht. Der Name 
KANAIAOC kommt in Mionnet's Verzeichuiss auf karischen 
Münzen des Marc Aurel und auf einer bithynischen des Hadrian 
vor, einen Scriba dieses Namens kennt er aber nicht. 

30. Insulae Joniae. Samos M 21 m. Gew. 14,28. 

Av. Löwenkopfhaut von vom. 

Rv. AM4>I über dem rechtshin gewandten Vordertheile eines 
Stieres; davor Z. 

31. Insulae Joniae. Samos. M 14 m. Gew. 4,22. 

Av. Gleicher Typus. 

Rv. ZAMI. Stiervordertheil rechtshin, der Hals von einem 

verzierten Bande umgeben, davor eiu Olivenzweig mit 

Frucht. 

32. Caria. Stratonicea. M 16 m. Gew. 1,52 (ausgebrochen). 

Aw. BlüPANAGYC. Kopf der Artemis mit Kranz und 

Halbmond rechtshin. 
Rv. Rechtshin schreitende Nike mit Kranz und Falmzweig. 

Rechts und links neben ihr CT — PA., oben APICT€AC. 

Das Ganze in flach vertieftem Quadrat. 
Diesen wegen der Umschrift des Averses merkwürdigen Triobol 




Sammlang «nechischer Münzen. 79 

erwarb ich aas der Sammlimg Subhi Pacba. Grösse und Stellimg 
der Schrift nach, möchte man einen Beinamen der dargestellten 
Gottheit vermuthen; dies geht aber nicht an, da die Wortendung 
männlich, der dargestellte Kopf dagegen durch den Halbmond 
sicher als der der Artemis gekennzeichnet ist. Magistratsnamen 
im Avers und Revers sind aber auch ganz ungewöhnlich. 

33. Caria. Tripolis. Faustina jun. M 30 m. 

Av. 4>AYCTGINA. CCBACTH. Brustbild der jüngeren 

Faustina rechtshin. 
Rv. TPinOAeiTHN. MAIANAPOC. Linkshin liegender 
Flussgott, in der Rechten einen Zweig; hinter ihm ein 
Füllhorn und eine umgestürzte Urne, aus welcher 
Wasser fliesst. 
Mionnet hat keine Münzen dieser Kaiserin für Tripolis; der 
liegende Mäander kommt auch auf anderen Kaisermünzen dieser 
Stadt vor. 

34. Insulae Cariae. Cos. Agrippina sen. M 24 m. 

Av. BEA . ATPinniNA. Verschleiertes Brustbild derselben 

mit Diadem rechtshin. 
Rv. KniriN. nPIM€£. Stehender Aesculap von vom. 
Münzen der älteren Agrippina von Cos habe ich noch nicht 
beschrieben gefunden. 

35. Lycia. Cyaneae. Gordianas Pius .£ *26 m. 

Av. AYT .K.M. ANT . FOPAIANOC. C€B. Brustbild des 
Gordianus mit Strahlenkrone und Paludamentum 
rechtshin. 

Rv. KYANGITWN. Stehende ephesische Artemis. 

36. Pamphylia. Isindus Julia Maesa M 25 m. 

Av. lOYAIAN. MAICAN. C€. Brustbild der Maesa 

rechtshin. 
Rv. ICINACHN. Hermes und Fortana mit ihren Attri- 
buten stehend, zwischen ihnen . . 
Ich glaube die Buchstaben im Felde der Rückseite eT(OYC)A, 



gO Arthur Löbbecke : 

also Jahr 4, lesen zu müssen. Eine Aera auf Münzen von Isin- 
das war bisher nicht bekannt, es wurden dies Jahre des Elagabal 
sein; ein Jahr 4 ist ja da möglich. Einzelne Buchstaben im 
Felde kommen sonst auf pamphylischen Münzen häufig vor, die 
obigen scheinen aber doch eine Jahreszahl zu bezeichnen. 

37. Pamphylia. Side. Severus Alexander. M 33 m. 

Av. A . K . M . AYP , CG . . . AACZANAPOC . CE. Brust- 
bild des Severus Alexander mit Lorbeerkranz und 
Paludamentum rechtshin; davor ein € eingestempelt. 

Rv. CIAHTON. Demeter mit zwei langen, gesenkten 
Fackeln rechtshin schreitend, hinter ihr ein Omphalos 
um den sich eine Schlange windet. 

38. Cilicia, Celenderis. M 10 m. Gew. 0,76 

Av. KEA. Knieender zuruckschauender Ziegenbock linkshin. 
Rv. Pferd mit losem Zügel rechtshin galoppirend. 

39. Cilicia. Jotape. Severus Alexander. M 28 m. 

Av. AY . KAIC . M . AY . CGOY . AAG (ZAN) APON Brust- 
bild des Severus Alexander mit Lorbeerkranz und Pa- 
ludamentum rechtshin. 
Rv. IWTA (IIGIT) OJN. Artemis, den Köcher über der 
Schulter, linkshin stehend, in der ausgestreckten Rechten 
einen Zweig, in der Linken eine lange Fackel. 
Ein ähnlicher Revers auf einer Münze des Philippus jun. bei 
Mion. 111. 586. 230. 

40. Cilicia. Mopsus. Hadrianus M 27 m. Gew. 12,62. 

Av. AYT . KAI . 0E . TPA . HAP . 0E . NGP . YI . TP. AAP! A- 
NOE . E. Brustbild des Hadrian mit Lorbeerkranz 
und Paludamentum rechtshin, davor m. 
Rv. AAP! . MOtEATWN . nOAEWE. Adler mit erhobenen 
Flügelp und zurückgewandtem Kopfe linkshin schrei- 
tend, zwischen seinen Füssen eine Urne. 
Das zweite mir bekannte Exemplar einer SilbermGnze von 
Mopsus Ciliciae; das erste ganz ähnliche im Gewichte von 13,61 g. 
im Auctionscatalog der Sammlung Ivan off, London 1863. 



Sammlung griechischer Münzen. gl 

No. 507 (Terkauft mit 42 £). Das Stack ist wie die gleichzeitigen 
TarsiscLen von schlechtem Silber. Die abgekürzte Umschrift der 
Vorderseite bedeutet: Imperator Caesar Divi Trajani Parthici 
61ias Divi Nervae nepos Trajanas Hadrianos Augastas. 

41. Gilicia. Olba. Polemo. JE 25 m. 

Av. MAPK.A(NTaNI)OY. nOAEMUNOE, APXlEPEaE. 

Jugendlicher, blosser Kopf des Polemo rechtshin. 
Rv. (AYNAE) TOY. OABEHN. THE. lEPAE. KAI. KENNA 
(in) KAI. AAAAEEEa (sie) EHI. NEOKO. ^-(lA?) 
BUtz. 
Dieses sehr gut erhaltene Stück aus der Sanmdung Subhi 
Pacha (Cat. No. 856) ergänzt die bisherigen Lesungen dieser 
merkwürdigen und seltenen Münzen. Das Neokorat erscheint 
hier zum ersten Male. Die Jahreszahl ist leider verwischt, doch 
glaube ich Spuren yon lA zu sehen. 

42. Cilicia. Olba. Ajax. iE 25 m. 

Av. KAI2AP02. ZEBAZTOY. Kopf des Augustus mit 

Lorbeerkranz rechtshin. 
Rv, APXIEPEaZ. AIANT02. TEYKPOY. TOOAPXOY. 

KENNATriN. KAI. AAAASEXIN (sie) Blitz. 

43. Cilicia. Olba. Ajax. M 23 m. 

Av. 2EBA2T02. 2EBA2TOY. KAI2AP. Kopf des Tiberius 

mit Lorbeerkranz rechtshin. 
Rv. APXIEPEnZ. AIANT02. TEYKPOY. TOnAPXO(Y.) 
KENNATaN. KAI. AA (AAZSEnN) EHI. N^. . . 
(NenKO?) <rT... Blitz. 
Leider ist auch auf diesen beiden sonst schön erhaltenen 
Münzen das Jahr^ wegen der zu geringen Grösse der Schrötlinge, 
nicht mit ausgeprägt. 

44. Cilicia. Tarsus M 16 m. 

Av. TAPZEHN. Zeus Nikephoros linkshin sitzend, vor 
ihm in zwei Zeilen HPA — KAE. 

Rv. Mit Bändern geschmückte Keule in einem Lorbeer- 
kranz. 



82 Arthur Löbbecka: 

Magistratsnamen auf autonomen tarsischen Münzen kommen 
nicht häufig vor. 

45. Lydia. Tralles. Antoninas Pius. M 32 m. 

Av. TI . AI . KAICAP . AN (TaNGINOC) Kopf des Anto- 
ninus Pias mit Lorbeerkranz rechtshin. 

Rv. (eni.) noneiOY. FPAM. TPAAAIANHN. Trunkener 
Bacchus, den r. Arm über den Kopf erhoben, yon 
einem Satyr gestützt, der ihn mit der Rechten umfasst, 
während die Linke den Thyrsus hält; zu seinen Füssen 
ein Panther. 

46. Phrygia. Cadi. iE 23 m. 

Av. AHMOC • Jugendlicher Kopf mit Diadem und langem 
Haar rechtshin. 

Rv. \Kc\\K • Sitzender Gott von vom mit untergeschla- 
genen Beinen und erhobenen Armen. 
Ein an die Darstellungen des Buddha erinnernder, merkwür- 
diger Revers, vielleicht ein altes phrygisches Götzenbild. 

47. Phrygia. Cibyra. Julia Paula. M 21 m. 

Av. lOY. KOP. HAYAA. CGB. Brustbild der Paula 

rechtshin. 
Rv. KAI. KIBYPATUN, Hermes in der ausgestreckten 
Rechten Geldbeutel, in der Linken Caducens auf einem 
bekränzten Altar linkshin sitzend. 
Im Mionnet sind keine Münzen der Paula von Cibyra. Der 
Revers ist KAICAPCON zu ergänzen. 

48. Phrygia. Cidramus. Augustus M 23 m. 

Av. ZEBAITOZ. Kopf des Augustus mit Strahlenkrone 

rechtshin. 
Rv. nOAElVLQN. 2EAEYKOY. KI (AP) AMHNaN. Ephe- 
sische Artemis stehend. 
Mionnets Kaisermünzen dieser Stadt beginnen erst mit 
M. Aurelius, deren eine denselben Revers hat. (Mion. lY. 265. 
413). 



Sammlnnf friMUsebw Hnaun. 



88 



49. Phrjrgis. Midaeam. Cuacaila: ^ 30 m. 

Av. ANTHNGNOC. AYFOYCT (OC). Brustbild des Ca- 
racalla mit Lorbeerkranz und Paladsmentom rechtshio. 

Rv. MIAACHN. Zeus linkshin stehend, den Oberkörper 
entblösst und das Gewand über die linke Schulter ge- 
schlagen, mit langem Scepter und Fatera; za seinen 
FQssen der Adler. 

50. Decapolis. Camus? M £ 




Av. Bekränzter jagendlicber Kopf (Apollo?) rechtsbin 

einem punktirten Kreis 

KAMO 
Rv. HNON in einem Eicbenkranz. 



Ein bisher in der Nomismaük unbekannter Stadtname. Po- 
lybios 5. 70. 12. erwähnt eine Stadt Kafiovv und nennt Abila und 
Gadora als benachbart, sonst ist uns ein ähnlicher Name von 
keinem Schriftsteller aberliefert. Ein Stempelfehler fürKAAOHNnN 
ist bei der gut gearbeiteten Münze aber auch nicht anzunehmen. 
Das Stück, scheinbar aus der ersten Kaiserzeit, hat übrigens 
wenig AehnJichkeit mit anderen gleichzeitigen syrischen Münzen 
und ist obige Zutheilung deshalb immerhin sehr frag^ch. ') 

1} Anf dieSTrisch«Sttdt JTaftovc oder ffn^oÜK, welch« Poljbint neiuit,darf 
■Mn diete Anffecbrift wobi nicht beliehen, denn »lie ftDuaren KcDmeleben 
widanprechen der Zutbeilang nach Syrien; sie w«i«en, wie die Berfcniirt ans 
SödniiBlaDd, nach den KnatcD des Ponlna Eaiintia. 

Di« Xnnie hat eine recht groue Verwitidtachaft mit einer too Ponpeio- 
polia Paphlagoniae Im Eönin;!. Hänzkabinet. Die Lage dieser tod Strabo 
und oft Ton späteren Autoien ftenannt«!) Stadt ist nicbt bekannt, die Angaben 
lehren nna, daaa aie im Binnenlande twiacben der alten Hauptstadt Oangra nnd 
Sioope, am Amniaa, einem Nebeuflnaa dea Haijs lajt, oder doch in der Näba 
d«a Amolaa, und unweit «on PimoUna. 



84 Arthar Löbbecke: 

51. Byzacene. Hadrumetum. iE 18 m. 

Av. L.FLMIN. Kopf des Poseidon rechtshin, dahinter 

Dreizack. 
Rv. LEIV...(IUS?) Kopf des Helios mit Strahlenkrone 
rechtshin. 
Die Münze ist ähnlich der bei Maller, Nam. de Fancienne 
Afrique II. p. 51. 24. beschriebenen und abgebildeten, die aber 
auf der Vorderseite keine Schrift, auf der Rückseite C . FABIVS hat. 
Ueber den auf meiner Münze genannten L. Flaminius habe 
ich leider nichts in Erfahrung bringen können. 



An Münzen mit eingeritzten Inschriften habe ich bei Durch- 
sicht meiner Sammlung folgende gefunden: 



Das Pompeiüs sie bei seinem Aufenthalt in Pontns gegründet habe, ist 
nicht wahrscheinlich ; gleich andern alten Städten wird er sie erweitert und mit 
seinem Namen begabt haben. So hat er Soli in Gilicien, wie die Münzen mit 
seinem Bildniss und Namen zeigen, Pompeiopolis benannt, und nach Plinius 
(bist. nat. B. VI. C. 2) nannte er ebenso auch Amisos, und die damit yerbun> 
dene Eupatoria Magnopolis nach seinem Zunamen. Hagnopolis and Megalopolis 




sind nicht etwa identisch. Demnach ist es wahrscheinlich, dass auch Pompeio- 
polis in Paphlagonien einen alten Stadtnamen hatte; Docea, wie Mannert glaubte, 
kann dieser alte Name nicht gewesen sein, denn Docea lag nachweislich weiter 
südlich. Und nun i^önnte man aus der Aehnlickheit dieser Münze mit KAMOH- 
NON und der von Pompeiopolis wohl vermuthen, Eamus sei der alte Name von 
Pompeiopolis. Diese Hypothese soll aber nur solange gelten, als keine bessere 
Erklärung gefunden ist. Sie leidet sogar noch an einem anderen Gebrechen als 
der Unsicherheit. Das in der letzten Silbe ist ganz deutlich, da es in dieser 
späten Zeit unmöglich für Sl stehen kann, so bleibt nur das Neutrum des Ad- 
jectivs im Nominativ, aber auch dies ^i^äre eine auffallende Form für eine Münz- 

auischrift dieser Zeit. 

J. Friedlaender. 



Sammlang griechischer Mänzeu. 86 

PO^EIA (oder HO lEIAI?) steht eingeritzt auf einem Di- 
drachmon von Thorii auf der Rückseite zwischen Stier und 
Stadtnamen. 

4>IAI steht in grossen Buchstaben neben dem Dreifuss der Ruck- 
seite eines Didrachmons von Croton mit beiderseits Dreifuss. 

K. neben der Vase auf einem böotischen Didrachmon mit AZU 
und Traube. 

NIK auf einer Drachme von Sicyon im Avers über der Chimaera. 

Braanschweig. 

Arthur Löbbecke. 



86 



Der Münzfund von Waltemienburg. 



In Walternieoburg bei Barby a./Elbe wurden am 11. April 
des vorigen Jahres bei dem Bau einer Scheune zwei Töpfe mit 
Silbermünzen gefunden. Wenngleich einige Stücke von den Ar- 
beitern mitgenommen und so zerstreut worden sind, so hat doch 
der Fund seiner Hauptmasse nach mir vorgelegen. Er bestand 
nach Abzug der Yom Grünspan zerfressenen und der zerbrochenen 
Stücke aus 710 Münzen. Die Gesammtzahl der Stücke mag sich 
auf 900 belaufen haben. Der Fund enthält nun zwar keine Menge 
von Seltenheiten und unbekannten Stücken, aber ich gebe in Fol- 
gendem eine Uebersicbt desselben, da einerseits doch manche bis- 
her nicht veröffentlichte Münzen und bemerkenswerte Stempel- 
verschiedenheiten zu unserer Eenntniss gelangen, andrerseits aber 
die Zusammensetzung des Fundes, der aus Münzen yon über 70 
Münzherren besteht, immerhin einiges Interesse in Anspruch 
nimmt. 

Von den 710 Münzen sind '258 zweiseitig, meist groschen- 
förmig, 452 einseitig, meist Pfennige. Yon den zweiseitigen Stücken 
gehört, was die Stückzahl angeht, der überwiegend grössere Teil 
Böhmen an (82 Stück), welchem sich merkwürdigerweise Holstein- 
Gottorp anschliesst(26),bei den einseitigen dagegen stellen die rheini- 
schen Münzherren das bei weitem grössteContingent, da hier die Pfal- 
zischen Linien mit 82, Salm mit 39, Solms mit 87, Stolberg- 
Königstein mit 32, Worms mit 31 Stücken vertreten sind. Auch 
Chur, die südlichst gelegene Münzstätte, hat keinen geringen An- 
teil (32). Es ist immerhin auffallend, dass gerade die dem 




A. Düninfi^: Der MönzfuDd ▼on Walternieaburp;. 87 

Fundort am nächsten liegenden Länder so ganz verschwindend 
vertreten sind, was jedenÜEklls darauf hindeutet, dass der kleine 
Schatz von keinem Ortsangehörigen, sondern von einem Durch- 
reisenden vergraben wurde. Was den Zeitraum angeht, welchen 
unsere Münzen umfassen, so erstreckt sich derselbe vom Ende 
des 15. Jahrhunderts bis in den ersten Anfang des 17., auf un- 
gefthr 150 Jahre hin. Denn als die älteste im Funde vorhan- 
dene Mönze wird wohl der Pfennig des Speierer Bischofs Matthias 
von Rammingen (1464 — 1478) anzusehen sein, als die jüngste 
der Erfurter Pfennig von 1607. 

Was die in der folgenden Beschreibung befolgte Anordnung 
betrifft, so habe ich die Arbeit in zwei Teile zerfallen lassen, 
deren erster die zweiseitigen Münzen, die Doppelschillinge, 
Schillinge, Groschen, Dreier u. s. w., der zweite dagegen die ein- 
seitigen Münzen, zumeist Pfennige, umfasst Ich konnte dies um 
so eher thun, da der Hauptbestandteil des Fundes aus einseitigen 
Münzen besteht, welche obenein zum bei weitem grössten Teile 
Münzherren angehören, welche unter den zweiseitigen Stücken 
nicht vertreten sind. Zum Schluss dieser einleitenden Vorbe- 
merkungen sei es mir noch gestattet darauf hinzuweisen, dass ich 
überall die Stückzahl^ in der die betr. Münze im Funde vor- 
handen war, angegeben habe. Wo dies nicht geschehen, war das 
Stück nur einmal vorhanden. 

Ebenso ist die Anzahl der wohl erkennbaren^ aber nicht wohl 
zu beschreibenden unbedeutenderen Stempelverschiedenheiten an- 
gegeben. 

Doch genug der allgemeinen Bemerkungen, gehen wir zur 
Besichtigung des Fundes selbst über. 

A. Zweiseitige MOnzen. 

Kur-Bramtenburg. 
JoacUm IL, 1535-1571. 
1-5 Dreier von 1553. 54. 55. 68. 68 = Henckel 373. 379. 385. 
(aber auf beiden d. Jahns.) 397. 426. 



88 A. Däninf?: 

Johann Georg, 1671—1598. 

6. Groschen (Vai Thlr.) v. J594 wie Henckel 457, aber mit 
ELEG 

Joachim Friedrich, 1598—1608. 

7. Groschen (»/^^ Thlr.) v. 1599 wie Henckel 479, aber nach 
ELEG ein Punkt. 

Stralsund. 

8. Halber Schilling v. (15) 38; ein Stempel hat in der Um- 
schrift Punkte , der andere Dreiecke; cf. Weilenh. 6840. 
Goetz 3173. 

LUbe€k, Stadt. 

9. Doppelschilling v. (15) 68 wie Schellh. 185 (3 Stück). 

10. Schilling o. J. == Schellh. 184. 

Lübeck, Bistum. 

Johann Adolf v. Schlesw.-Holstein-Gottorp, 1587—1607, f 1616. 

11. Doppelschilling (Vie '^^Wr.) v. 1599. Hs. 10 . A . D . G— 
D.S.H.S. 3 fach behelmtes 6feld. Wappen m. Mittel- 
schüd (Lübeck). Rs. RVDOL.II: D: G. Ro: IM: SEM: 
A . 99 zwei Lilien. Sonst wie Schellh. 206. 

12. Desgl. Hs. IG . A . D . G . D — . S . H.. S . D: G . Kleebl. 
Wappen wie vorher. 

Rs. . RVDOL . II. D : G . ROM . IM . SE. A . § 

Auf einem Ej*euze verz. Yierpass, darin Schild mit 16; neben 
dem oberen Kreuzschenkel 2 liilien, neben dem unteren 9 — 9. 

Ich finde die beiden unter No. 11 und 12 aufgeführten Stücke 
nirgends beschrieben. 

Mecklenburg. 

Albrecht VI., 1503—1547. 

13. Drciling v. (15)37 (?). Hs. KALB G . (DV) X . O MEG.B. 
.APO Büffelkopf; Rs. MONETA . NOV . WITE (N) B . . . 
Stargard. Arm. Gf. Evers, Meckl. Münzverf. II, S. 69. 



Der MäDzfnod von Wftltenüenbnri^. g9 

Wismar, 

14. DoppelschilÜDg v. (15)63, verwischt und ausgebr. 

15. Sechsling v. 1555, Evers, Meckl. Münzverf. I, p. 47&, 2. 

Rostock. 

16. Breiter Schilling o. J., zu Schellh. 301. 

Hs. * MONETA . NOVA . ROSTOCK. 

Rs. ISIT-NOM—DNI— BND- 
IT. Halber Schilling o. J. mit lat. Schrift, za Schellh. 301. 

5 Stpl: a) Hs. Blumenkreuz . MONETA . NOVA . ROSTO. 
Rs. SIT: — NOM — DNI : — BND- 

b) Hs. Grosse Rosette ohne Punkt, sonst wie a. 
Rs. SIT. — NOM — DNI - BND — 

c) Hs. Kleine Rosette ohne Punkt, sonst wie yorher 
Rs. SIT: — NOM -DNI -BND- 

d) Hs. Kreuz, sonst wie c. 

e) Hs. Kreuz und ROSTO:, sonst wie c. 

Rs SIT — NOM - DNI - BND — , in den un- 
teren Winkeln des Kreuzes | — !• 

Holstein, Kön. L 
Christian III, 1533-1559. 

18. Sechsling V. (15)49. Hs. Lilie CRISTIArDrG^REX^DA 
Die Nessel in verz. Vierpass auf d. Mitte eines Kreuzes. 
Rs. Lilie MOrDVCATVrSLESrErHO Schlesw. SchUd. 
zwischen 4 (verkehrt) — 9, darüber Blumenkreuz zw. o — o. 

Holstein - Gottorp. 

Johann Adolf; 1587—1616. 

19. DoppelschiUing V. 1595. Hs wie Schellh. 56, aber SCHLES. 
Rs. MO^'NOoSCHLESWICENSIo 95., sonst wie Schellh. 56. 

20. Desgl. V. 1596; Hs. SOHL., sonst wie d.vor., Rs. SCHES- 
WI . 96., sonst wie d. vor. 



90 A. Döninj;: 

21. Desgl. V. 1596. Rs. SCHLES. 96. 

22. Desgl. T. 1596. Hs. SCLE., Rs. 96 ohne Punkt, sonst wie 
vorher. 

23. Desgl. V. 1597. Hs. SCLE, Rs. SCHLES. 97 (2 Stück). 

24. DesgL v. 1597, Hs SOHLE, Rs. SCHLESV 97. 

25. Desgl. V. 1597. Hs. SCLEV, Rs. wie No. 23. 

26. DesgL v. 1597. Hs. SCL, Rs. SCHLESV 97 (2 Stück). 

27. Desgl. V. 1597. Hs. .lOH. undSCHL., Rs. SCHLES 97. 

28. Desgl. T. 1598. Hs. SCHLE, sonst wie No. 26; 
Rs. SCHLESW 98. 

29. Desgl. V. 1598. Hs. . lOH und 8CLES., Rs. . MONETA . 
und SCHLES. 98. 

30. Desgl. T. 1599. Wie vor., nur 99. 

31. Desgl. V. 1599. Hs. SCH, sonst wie No. 27. 
Rs. SCHLESV. 99 

32. DesgL von 1600. Hs. wie No. 24, Rs. SCHLES 600 

33. Desgl. V. 1600. Hs. wie No. 20, Rs. SCHLE. und volle 
Jahreszahl. 

34. Desgl. V. 1600. Hs. SCHLE., Rs. .MONETA. und 
SCHLES. 600 

35. DesgL v. 1600. Hs. SCHLES., Rs. SCHLESV 600. 

36. DesgL v. 1604. Hs. SC, Rs. SCLES. 604 

37. Groschen (V.i) v. 1601. Hs. I.A.DG— .D S.H.S 
3 fach behelmtes W. mit Oldenb. — Delmenh. Mittel* 
schUd. Rs. MONE . NOVA . SCHLE 2 Lilien. 

Q mit Z4, daneben 60 -L 

38. DesgL v. 1601. Hs. ^ IOH.ADOL.D:G.DVX SCHLES. 
Unbehelmtes W., sonst wie d. vor. Rs. wie vorher, aber 
. MONE . und SCHL. 

39. Desgl. V. 1601. Hs. wie No. 37, aber D: S.H.S:, Rs. 
mit Kaiser ßadolfis Titel und dem Yogel als Münzz. Neben 

dem §6-01 

40. Schilling v. 1594. lOH . ADOL . D . G . DVX . SCLES 
2 Lilien. Li einer schildartigen Einüissang die Löwen. 



Der Mänzfand ▼on Walternienbuig. 91 

Rs. MO . SCLESWICENSIS . 94. In einem verz. Yier- 
pass auf befiisstem Kreuze ein Schild mit 3Z 
4L Sechsling v. Iö95. Hs. wie d. vor., aber SC und die 
Löwen ohne Einfassang. Rs. MO . NO . SCHLESWI . 95 
Auf einem befossten Kreuze verz. Schild mit 64 

42. Desgl. V. 1600. Hs. wie vork, aber D:G.— SL 
Rs. MONETA . NOVA . SC. 600, sonst wie vorher. 

Hamburg. 

43. Doppelschilling v. 1594. Hs. . MONE . - . NOVA . — 
. HAMB. — . VRG. Rs. mit SE., sonst Gaedechens 811. 

44. Desgl. V. 1594. Hs. MONE . NO V . CIVI . HAMB VR o * 
Burg wie Gaed. 803. Rs. . RVDO. — .H . D :G. — . R. 
IM.S. — A.P.F.D. Schild wie Gaed. 803, aber oben 9—4 

45. Desgl. V. 1595. Wie Gaed. 813. Der Perlenkreis wird 
durch den unteren Schildesrand unterbrochen. (2 Stück). 

46. Desgl. V. 1596. Wie Gaed. 815, aber RVDO. — H.D: G 
— RO . I . S. Der untere Schildesrand ist innerhalb des 
Perlenkreises vorhanden. 

47. Desgl. V. 1597. Wie Gaed. 823, aber MON und Jahrz. 
über dem oberen Schildesrande. 

48. Desgl. V. 1597. Wie Gaed. 822, aber mit d. Stempelfehler 
NOMA statt NOVA und RVDO H. 

49. Desgl. V. 1598. Wie Gaed. 824, aber der eine Stempel 
hat RO.I.S (2 Stück), der andre R.I.S: 

50. Desgl. V. 1599. Wie Schellh. 180, aber . RVDO. — . H . 
.D:G. — .R.I.SE. — . A.P.F.D. 

Kur - Sachsen. 

51-60. Dreier v. 1535 . 1536 (2 Stempel), 1538 (4 Stempel) 1539. 
1542. 1549. 1552. 1556. (Vogelkopf) 1597. 1598. 

Magdeburg, Erzbitfaim. 

Cardinal Albrecht, 1513—1545. 
61. Groschen v. (15)42, sonst wie d. Groschen v. 1541 bei von 



^ 



92 A. Däning: 

Mülyeratedt, Magdeb. Münz-Cab. in „Geschichtsbl&tter für 
Stadt und Land Magdeburg^, Jahrg. 1867. (3 Stück, ein 
Stempel hat nach d. Umschr. d. Hs. Zainhaken.) lieber 
diese ,,kleinen Gröschlein^ (zu 4 Pfennig), welche sehr ge- 
ringhaltig waren, yergl. von Mülyerstedt, 1. c p. 245 Anm. 

Magdeburg, Stadt. 

62. Ghroschen von (15)75. Hs. . MO . NO . sonst wie der 2. 

Stpl. V. d. J. bei v. Mülverst. L c. Jahrg. 1868, p. 39 und 
Appel IV, No. 2034. 

63. Dreier v. (15)72. Hs. Stadtwappen. Rs. § mit 5 zw. ZZ 

— Hnndekopf, auf dessen Nase ein aufgerichteter Zainhaken. 
Hiemach ist die Meinung Herrn v. Mülverstedts 1. c. 
p. 38 zu berichtigen, dass alle Dreier aus dem 16. Jahrh. den 
Reichsapfel mit 3 auf der Brust des Doppeladlers zeigen. Yergl. 
übrigens die Dreierklippe v. 1572 bei v. Müly. 1. c. 2. Nachtrag, 
Jahrg. 1870. Unser Stück ist nach gefl. Mitteilung des Herrn 
V. Graba auch im Stadt. Gab. z. Magdeburg vorhanden. Das 
Stück lehrt femer, dass der Münzmeister Conrad Hund schon 
1572 im Dienst war; vergl. v. Mülverst. 1. c. Jahrg. 1867, p. 361. 

Halberstadt, Domkapitel. 
64—67. Körtlinge v. (15)38, (15)39, 1540 (Jahrz. vollständig), 
(15)46 (Rs. vor Beginn der Umschrift ein Zainhaken). Zu 
Schellh. 526. (Zus. 6 Stück, 2 mit verw. Jahrz.) 

Regenstein. 

Ulrich, 1529-1551, 

68. Eörding v. (15)47. Wie v. Mülverstedt, die Münzen der 

Grafen v. Regenstein (Zeitschr. d. Harz-Yereins 1878), No. 
14, aber Hs. . VLRICVS . und REGE., Rs. AC . D -^ OM. 
I— BLA— KEN^ 

Johann Ernst, 1597—1599. 

69. Groschen wie Knyph. 9893. 




Der Mänzfand von Walteniienhar((. Qg 

Scbwarzburg. 

Günther XLL, f 158e3. 

70. Groschen, ähnl. Goetz 7839 ff., aber verwischt. 

Braunschweig, Herzogtum. 
Heinrich d. Jüngere, 1514-- 1568. 

71. Vi, Thaler v. 1557. Wie Knyph. 7373, aber in der Um- 
Schrift der Hs. HEN. und L 5—7. 

72. Dreier v. 1556 = Knyph. 7376. 

Heinrich Julius, 1589—1613. 

73. Groschen v. 1600. Knyph. 197, aber vor der Umschr. d. 
Rs. und nach d. Münzz. eine grosse Rosette. 

Braunschweig, Stadt. 

74. Fürstengroschen o. J. = Knyph. 4931. 

75. Annengroschen v. 1539. Wie Knyph. 4925, aber in der 
Umschr. d Hs. u. Rs. dreieckige Punkte. 

76. Groschen v. 1573. Wie Knyph. 4936, aber Hs. BRVNÄ 

GVttingen. 

77. Fürstengroschen v. 1560. Hs. MONE NOVA— GOTT ~ 
1560 Herz. — Die Umschrift teilendes Kreuz, auf welchem 6. 
Rs. . FERDI . D. — G . IMPER. Doppeladler mit |,'worinIZ. 

Nordheim. 

78. Fürstengroschen v. 1559. Wie Knyph. 9484, aber Rs. 
: FER#D— G#R#IMP : 

79. Desgl. V. 156? 

80. KörtliBg V. 1549. Hs. + MONEoNORTHEM. Rs. AN« 
DOSßaaOaaXXXXIX Sonst Knyph. 5464. 

HiMesheiii, Bistom. 
Ernst von Baiem, 1573—1612. 

81. Groschen y. 1599. Hs. wie Knyph. 4518, Rs. wie ib. 4517, 

aber § ewischen 9-~9. 



94 A. Daning: 

Hiidesheim, Stadt. 
82. 83. Groschen y. 1593 und 1600. Wie Enyph. 5608 n. 5609. 

Hameln. 

84. Groschen v. 1575, sonst Eiiyph. 5316. 

Schauenburg. 
Adolf Xin., 1576-1601. 

85. Groschen v. 1598 mit I — G zw. d. Helmen und § zwischen 

9—8. 

Ernst, 1601—1622. 

86. Groschen v. 1602, Zu Schellh. 957. 

Minden, Bistnm. 
Hermann von Schauenburg, 1567 — 1582. 

87. Groschen v. 1573. Hs. HARMANoDoGoEPoMINDEoJ^ 
4feld. W. mit Mind. Mittelschüd. 

Rs MAXIMILoIoXoDoGRo RQoIo § mit S 4 zw. 7—3 

88. Desgl. V. 1578. Götz 1933. 

Anton Conrad v. Schauenburg, 1587 — 1599. 

89. Groschen v. 1589. Hs. CON., sonst Götz 1934. 

Waldeck. 

Ernst Wilhelm, Christian u. Volrat, gem. 1588-1598. 

90. Halber Batzen v. 1593. Hs. . FRA . WE . E . C . — K m. 
durchgestecktem Pfeil. — W . C . I . WAL. 
Wappensch. m. Flügelhelm, zw. d. Flugein ein Punkt. 

Rs. RVDOL.n.I.AV.P.F.DEC g mit Z zw. 9-^3. 

JUIIch-Cleve-Berg; 

Wilhelm V., 1539—1592. 

91. Groschen v. 15??, ähnlich Reichel 2974. 

Johann WilheLoi, 1592—1609, 

92. Groschen v. 1600, ahnl. Reichel 2980. 



D«T Hönifnnd tod WAlternwDbarK. 96 

Nassau-Weilbuni. 

Ludwig E., 1593—1627. 
Halber Batzen t. 1594. Hb. * LVD : C.A.NAS. SÄR.SARW. 
D . I . L. AuBgeschw., imten zugespitzter Schild, quadr. 
V. Nassau, Mfire, Saarwerden und Saarbrücken, m. Mittelsch., 
hochget V. Malberg (Löwe) n. Lahr (Querbalken). Neben 
d. Schilde 9-4. Rs. *RVDOL.Z.IMP . AVG. P. F.DEC 
$ mit Z. 




94. Desgl. V. (15)94. Hs. Vor der ümschr. M nnd am Ende 
D.I. LA. Auegeschw., unten nmder Schild; Wappen wie 
i. vor., aber d. Mittelschild hochget. v. Lahr u. Malberg. 
Rs. wie d. vor., aber vor d. Umschr. verwischtes Zeichen. 

Die Erhaltung beider Stöcke lässt zu wOnschen Qbrig, 
doch sie sind noch nicht veröffentlicht. Herr Isenbeck in Wies- 
baden besitzt noch andre eben&lls schlecht erhaltene Stem- 
pel, auch V. 1595. No. 93 beweist gegen Grote, Stamm- 
tafeln p. 131, dass ancb vor 1656 die umgekehrte Ordnung 
der Wappen von Lahr-Malberg vorkommt Die obige Zeich- 
nung ist leider ungenau, da der auf der MOnze undeutliche 
Löwe des Mittelschildes eher einen halben Adler ähnlich 
sieht. 

StDiberg-KVnJgrtein. 
Ludwig, 1544—1574. 

95. Dreier v. (15)50, sonst Knyph. 6928 (2 StQck). 



Philipp, 1509—1567. 
Rhein. Albus v. 1514. Wie Appel III, 1291, aber vor der 
Umschr. der Rs. ein Kreuz. 



96 A. DoDingx 

Moritas, 1592—1627. 
97—99. Albus v. 1605, 1606 (2 Stück), 1607. 

100. Vierheller v. 1602. 

Burg-Friedberg. 

Johann Eberh. v. Cronenberg, 1577—1617.. 

101. Halber ßateen v. 1590, ähnl. Num. Ztg. 1862, Sp. 192, 
aber Rs. RVDOL . Z . IMP . AVGV . P . F . DECK. 

Soims-Lich. 

Söhne Ernsts (f 1590) 
gemeinschafüich . 

102. Halber Batzen v. 1591. Appel III, 3604, aber Rosette vor 
d. Umschr. d. Hs. 

103. Desgl. V. 1594. Äppel IIT, 3605, aber Rs. P . F. 

Fulda, Bistum. 
Philipp von Schweinsberg, 1541 — 1550. 

104. Körtling v. 1548. S. Buchonia I, p. 69. 

Frankfurt a. Main. 

105. Albus o. J. Hs. X MONETA . NO . REIP . FRANCO 
FORT. Auf einem in den Winkeln verz Kreuze ein F. 
Rs. MAXI.U.IMP.AVaP.F.DECRET. gekr Doppel- 
adler mit Reichsapfel, darin Z 

106. Händleinspfennig mit FoRoT^oßo 

Speier, Bistum. 
Markwart von Hattstein, 1560 — 1581. 

107. Halber Batzen v. 1575. Wie Harster, Speierer Münzge- 
schichte, No. 100 d, aber Hs. ohne Punkt nach W, Rs. mit 
IlifP (M u. P zusammen.) 

Salm-Kyrburg. 

Otto, 1594—1607. 

108. Groschen v. (15)9?, meist verwischt. 



Der Münzfand Ton Waltemienborg. 97 

Pfalz. 

109—112. Kuipfalz: Friedrich IV, halber Batzen v. 1693 (ver- 
wischt). Simmem: Richard, desgl. o. J. (?), ähnl Wellenh. 
2165. Veldenz: Georg Johann, desgl. y. 1575 und 1580. 

Baiern. 

Albrecht IV, 1467-1508. 

113. Groschen v. 1506. Beierlein 174. 

WUrzburg, Bistum. 
Friedrich von Wirsberg, 1558—1573. 

114. SchiUing von 1571. Hs. FRIDE . EPS . WIC . FRANC. 
ORIEN.DVX. 4 feld. W. zw. 15-71, oben Stern. Rs. wie 
Appel 1, S. 527, aber vor d. Umschr. Kreuz, in ders. Punkte. 

Brandenburg-Ansbach. 

Georg Friedrich, 1543—1603. 

115. Körtling v. 1579 wie Appel III, 288. 

Augsburg, Stadt. 

116. Pfennig v. 1562. Appel IV, 293. 

Regensburg, Bistum. 
Johann, Pfalzgraf, 1507—1538. 

117. Körtling v. 1535; sonst wie Appel I p. 422, No. 3. (2 Stück). 

Regansburg, Stadt 

118. Pfennig v. 1525, sonst Appel IV, 2733. (2 Stuck). 

Kempten, Stadt 

119. Groschen v. 1554. WeUenh. 2554 mit IMP. 

WUrlemberg. 

Ulrich, 1498-1550. 
120-127. Dreier o. J. » Binder, p. 56, No. 13. (3 St&ck) 14. la 



A. DnniDg: 

(2 Stück) 19. pag. 57, No. 13. (2 StScl) 24. («Stick) 26. 
(3 Stack in 3 Stpln.) 28. 

Lndvig, 1668-1593. 
Bslber Butzen t. 1572. Wie Binder, p. 81, No. 28. 
Schilling V. 1574. Ibid. p. 83, No. 51 (2 Stpl.) 

Ffir M&mpelgart während der Minderjährigiteit d. Herz. 
Friedlich: 

Dreier v. 1579. Nicht bei Binder, cf. p. 302, No. 9. Hs. 
LVDODVX WmiENBE an%richteter Zainh.; Wappensch. 
m. d. Hirschhömem 2«. 7-9. Es. COMONTISPELIGARX 
Wappensch. m. d. Fischen. 

Baden-Baden. 

Ohrietoph, 1475—1515, f 1527, 
. Dreier oj J. Hs. ♦ ORISTOF MÄROIHO BnBS Bad. 
Schild im Perlcnkteia. Ra. + ßLORIR-IH-axaiiOIS 80. 
Spanh. Schild im Perlenkr. (}ew.0,83Gr.,Dm. 18'". Nicht 
bei V. Berstett 




Stranbui^, Bistnm. 
Jobann T. Manderscheid, 1569—1592. 
132. Halber Batzen t. 1591. Za Berstett 158. 

Schatfhaiisen. 
183. Groschen y. 1597. "WeUenb. 6099. 

Tirol. 

Ferdinand, 1564-1595. 
134. Groschen. Zn WeUenb. 9259. 



Der Mönsfand von Walterslenbiirg. 99 



Maximilian n., 1564—1577. 
135 — 142. Weissgroschen o. J. und aus den Jahren 1574^1577 

mit yersch. Münzz., sämmtlich bei Killian. (11 Stück mit 

8 Stempeln.) 

Rudolf n., 1577—1612. 
143 — 153 Desgl. o. J. und ans d. Jahren 1579—1585 mit versch. 

Münzz, sämtlich bei Killian. (24 Stack m. 11 Stempeb.) 
154. Desgl. y. 15-86, unten Stern über einem Halbmond, Killian 

2028, aber Rs. MA . M. 
155—160. Desgl. v. 1587—1603 m. yersch. Münzz., samtlich 

bei Killian. (8 Stück m. 6 Stempeln.) 

161. Maleygroschen y. 1.5.7.9 zu Killian 2111 ff. 

162. Desgl. y. 1.5.8.0, sonst zu Killian 2141 ff. 

163. Desgl. 1580. Kleiner Löwenkopf unten, sonst Killian 
2193 ff. 

164. Desgl. y. 1582. Killian 2114 ff. 

165. Desgl. y. 1.5.8.2, sonst Killian 2141 ff. 

166—170. Desgl. aas den Jahren 1583—1594, s&mtlich bei 
Killian. (8 Stück m. 5 Stempeln). 

171. DesgL y. 1594. Nicht bei Killian. Hs. Löwe, unten in 
einem Oyal Lilie. Bs. gekr. R zw. Kleebl&ttem mit ge- 
schweiften Stielen. 

172—184. Desgl. aus d. Jahren 1595—1607, aUe bei Killian. (13 
Stück in 13 Stphi.) 

Ausserdem noch 11 Weiss- und Maleygroschen mit yer^ 
wischten Münzz. 

Schlesien. 

Ferdinand y. Gestenreich 1526—1564. 

185. Groschen y. 1547. Appel UI, 3132, aber Rs. MORAVl. 
(2 Stück.) 

SUIlMIHiNIl. 

186. Halber Groschen ▼. 1526. Zu Wellenh. 7U2. (2 SUtok) 



100 A. D6ninf(. 

Danzfg. 

187. Pfennig (Denar) v. (15)90. S. Vossberg bei Köhne, Zeitschr. 
VI, p. 333. No. 800. Hier wird bez. d. Abbildung auf 
Zagörski T. 26, No. 347 verwiesen. 

Polen. 

Kasimir IV., 1445-1492. 

188. Halber Krongroschen o. J. Wellenh, 10961. 

Alexander, 1501—1506. 

189. Desgl. = Thomsen 8295. (2 Stuck). 

Sigismund I., 1506—1548. 

190. Desgl. V. 1511 = Wellenh 10994 f. (2 Stück). 

Sigismund HI., 1587-1632. 

191. Dreigröscher v. 1594. 



B. Einseitige Münzen. 
Sachsen. 

192 — 195. Pfennige v. Friedrich, Johann, Georg = Dresd. Doubl. 
402; V. Job. Friedr. u. Georg v. J. 1535; v. Job. Friedr. 
u. Heinrich v. 1540 (2 Stück); v. Joh. Friedr und Moritz 
von 1545. 

Erfurt, Stadt. 
196—199. Pfennige v. (15)97 m. Hj, fehlt bei Leitzm. (2 Stück); 
V. (16)98 (2 Stück); v. 16-05, unten G, fehlt bei Leitzm. 
(2 St.) und . G . (Leitzm. 475); v. 1606, untan G, fehlt bei 
Leitzm. (4 St. in 2 Stpln.) 

Waideck. 

Volrat 1539—1578. 

200. Schüsselpfennig. Schild m. Stern zw. 6 9, oben W. Zu 
Schellh. 1301. (2 Stück). 

201. Desgl. 3 Stück mit unsicherer Jahrz. in 3 Stpln. 



i 



Der MoDzfünd y6d Walternienborg. 101 

Volrat II. u. Heinrich, gem. 1574—1577. 

202. Desgl Schild mit SterD, oben W, unten II; neben dem 
Schilde undeutliche Jahrz. Zu Schellh. 1301. 

Franz, Josias Wilh. Ernst, 1585-1588. 

203. Desgl. o. J. Ausgeschweifter Schild m. Stem^ oben FIYE 
(W u. E zusammen) Zu ibid. 

Voh-at IV., 1588—1640. 

204. Desgl. In Perleneinf. Schild m. Stern zu 9—7, oben .W. 
(2 Stück in 2 Stpbi. 

Korbach. 

205. Desgl. Die Schilde von Waldeck und Eorbach wie Schellh. 
1306. Ein Stpl. hat oben W. unten C. und dicke Perlen, 

der andre oben W unten C und feine Perlen. 

Rietberg. 

Johann H., 1534-1562. 

206. Desgl. wie Enyph. 9749, aber über dem Schilde R ohne 
Ringel. Fehlt bei Grote, die Münzen der Grafen von R., 
MüDzstudd. lY, 315 S.y der überhaupt von Johann II. keine 
Münze nachweisen kann. Unser Stück kann des Wappens 
wegen nicht früher als unter Johann II. geprägt sein, wäh- 
rend es seinem Typus nach nicht später geschlagen ist. Ein 
mir vorliegendes Exempl. aus der Sammlung des Herrn 
Isenbeck in Wiesbaden zeigt das R über dem Schilde zwi- 
schen 2 vierstrahligeu Sternchen, so dass von dieser Münze 
3 Stempel als sicher existierend zu betrachten sind« 

KVIn, Erzbistum. 
Hermann von Wied, 1515 — 1546. 

207. Pfennig o. J. In Perleneinf. der quadr. Schild von Köln, 
Mainz, Baiem, Trier; oben h (4 Stück in 4 Stpln., ver- 
schieden durch die Form des b und die Zeichnung. V. 
Cappe 1238. Thomson 5775/6. Man könnte diese Pfennige 
auch Johann (Hans) von Metzenhausen, Erzb. voii Trier, 
1531 — 1540, zuweisen. 



102 A. Däninpf: 

K8ln, Stadt. 

208. PfeDDig. In Perleneinfassimg quadr. Schild. (Mainz, Köln, 
Trier, Baien^). Oben 3 Kronen durch Punkte .getrennt. 
(6 Stück in 5 Stpb., deren Yerechiedenheit in dem Umfange 
der Kronen sowie darin besteht, dass ihre Basis einen mehr 
oder minder bedeutenden Bogen bildet. 

Trier, Erzbistum. 
Richard 6rei£Penklau von Yollraths, 1511 — 1531. 

209. Pfennig o. J. wie Bohl IV, 12. 

Johann VI. von der Leyen, 1556 — 1567. 

210. Schusselpfennig wie Scbellh. 1225. 

Jacob ni. von Eltz, 1567—1581. 

211. Desgl. V. (15)70. Bohl S. 135, 15 aus Appel II, S. 312 
No. 1. Schellh. 1226. 

5 Stück; 3 Stempel, untereinander verschieden in der Zeich- 
nung, haben den Löwen mit ausgesehlagener, 2 ohne Zunge. 
Also 4 Stempel. 

Johann VII. von Schönenberg, 1581 — 1599. 
212—215. Desgl, v. (15)87 (2 StpL), 91, 92, 94 (3 Stück). Bohl 
140, 18. 19. 20. Zu Schellh. 1227. Ausserdem 4 Stück 
m. verw. Jahrz. 

Lothar von Metternich, 1599 — 1623. 

216. Desgl. o. J. Bohl 157, 68. Schellh. 1228. 

Nassau. 

Albert zu Weilburg, 1559— 1593. 

217. Schüsselpfennig o. J. Ueber d. Nass. Schilde A. Zu 
Schellh. 1298. Von den vorhandenen 18 Stücken sind 7 
undeutlich, 6 zagen 3 durch Dicke der Perlen (3 Stück in 2 
Stpln.) und durch das doppelte Schweifende des Löwen (3 

Stück in 1 Stpl.) unterschiedene Stpl. 

218. Desgl. Oben «A«. 



Der Manzfund vod WaHeroienburg;. 103 

Albert und Ludwig U. (f 1625). 

219. Desgl. mit AL. Zu ibid. 

Johann Ludwig zu Idstein, 1568 — 1596. 

220. Desgl. mit IL. Zu ibid. Abgeb. bei Isenbeck, Nass. Münzw. 
(2 Stück.) 

Stoiberg-KVnigstein. 

Ludwig, 1538—1574. 

221. Schüsselpfennig o. J. Quadr. Schild y. Stolberg, Eönigstein, 
Wertheim u. Rochefort), oben K (önigstein). Von den 15 
Stock zeigen die 9 gut erhaltenen 7 Stpl. 

222. Desgl., neben d. Schilde 7—0. 

223. Desgl. Quadr. Schild von Stolb., Eönigst., Eppstein, Minzen- 
berg (unten schraffiert), oben Y(r8el) (3 Stück.) 

224. Desgl., aber neben d. Schilde 7—0 (4 Stück). 

225. Desgl. wie No. 212, aber über d. Schilde W (ertheim) 
(2 Stück, yersch. durch die Zeichnung des Wertheimer 
Adlers.) 

226. Desgl. Quadr. Schild y. Eönigstein u. Eppstein zw. 7— 4» 
oben Buchstabe? (2 Stück.) 

227. Desgl. o. J., oben E (2 StücL) 

YgL Joseph, die Eönigsteiniscben Münzstatten Eönigstein, 
Ursel, Wertheim u« Frankfurt a. M., in den Mitteilungen 
des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Frank- 
furt a. M. YI, pag. 202 ff. 

Stolberg-Orlehberg. 

Ludwig Georg, 1572—1618. 

228. Schüsselpfennig wie No. 223, aber ohne Schraffierung d. 
Mfinzenb. Schildes und oben LG (3 Stück). 

HMMn. 

Philipp, 1509—1567. 

229. Pfennig wie Hoffm. Taf. L, 435. ScheUh. 1327. (3 Stück 
in 3 Stpln.) 

8 



J 



104 A. Düning: 

Burg-Friedberg. 

Johann Brendel von Bombnrg, 1532—1569. 
230. Schüsselpfennig o. J. Quadr. Schild (Doppeladler^ -Burg), 
oben B. F. (3 Stück in 2 Stpk.) 
Johann Oyger Brendel von Homburg, 1570 — 1577. 
231—232. Desgl. von (15)73 u. 74 (2 Stück in 2 Stpln.) 

Johann Eberhard von Cronenberg, 1677 — 1617. 
233—234. Desgl. wie Schellh. 1354 mit B. F. (3 Stück o. J., 
eins mit undeutlicher Jahrzahl.) 

Solms. 
235. Schüsselpfennig o. J. mit G . S . L. Zu Schellh. 1351. (37 
Stück in 9 Stpln.) 

Fulda. 

Balthasar von Dembach, 1570—1606. 




236. Schüsselpfennig o. J. In Perleneinfassung das gev. Wappen 
V. Fulda u. Dembach, oben BA 

Nicht in der Buchonia und meines Wissens bis jetzt 
nicht veröffentlicht. In der Sammlung meiner verehrten 
Freunde, der Herren DDr. Erbstein in Dresden, sind zwei 
Exempl. dieses Pfennigs vorhanden. 

Erbach. 

Georg, 1564—1605. 
257. Schüsselpfennig wie Schellh. 1280. 

Mainz. 

Albrecht von Sachsen, 1482—1489. 
238. Pfennig. Im Perlenkreise hochgeteilter Schild m. d. mainz. 
Rade u. pfalzgr. Löwen, oben ^Ä« 



' ^%i 



Der UoDzfand tob Walternienburi^. ]05 

239. Desgl., oben «Äo Desgl. Joseph, Beitr. z. pfalzgräfl. uod 
mainz. Münzkunde, S. 46. 

Daniel Brendel von Hombarg, 1555—1582. 

240. Schüsselpfennig v. (15)69. Quadr. Schild (Mainz, Familienw.), 
daneben Jahrz., oben ^^D^^ (2 Stück). 

Wolfgang von Dalberg, 1582—1601. 

241. Desgl. V. (15)87 Quadr. Schild (Mainz, Familienw.), da- 
neben Jahrz., oben W (3 Stück). 

242. Desgl. o. J. (5 Stück). 

Johann Adam von Bicken, 1601 — 1609. 

243. Desgl. o. J. Quadr. gerader Schild (Mainz, Familienw.), 
oben lA Zu Schellh. 1289 (2 Stück). 

Hanau-MUnzenberg. 
Philipp Ludwig IL, 1560-1612. 

244. Schüsselpfennig o. J. Die 3 Schilde von Hanau, Rieneck 
und Münzenberg, oben PL Zu Schellh. 1357. (5 Stück in 
3 Stpln.) 

245. Desgl. Ausgeschweifter Sparrenschild von Hanau zwischen 
Punkten, oben P . L 

Worms, Bistum. 
Dietrich von Bettendorf, 1552 — 1580. 

246. Schüsselpfennig o. J. wie Schellh. 1270, oben T (7 Stück); 
oben ♦!♦ 

Georg von Schönenburg, 1580—1595. 
248. DesgL o. J. Quadr. Schild (Worms, Familienw.)« oben 
G (12 Stück in 6 Stpln.) 

Worms, Stadt. 
249—251. In Perleneinf. Stadtwappen, oben W (5 Stück in zwei 

StoL); oben «Wo; oben 7 Wo. 

8* 



106 A. Doning: 

Speier, Bistum. 
Matthias von Rammingen, 1464 — 1478. 

252. Pfennig nach dem Vertrage von 1464. (2 Stück.) Abgebildet 
bei Joseph, Beiträge h. s. w. No. 3, vergl. das. S. 45. 

Diese Münzen sind wohl die ältesten Stücke im Funde. 

Georg, Pfalzgraf, 1513—1529. 

253. Pfennig o. J. In Perleneinfassung gerader Schild mit dem 
Speierer Kreuz, auf welchem kl. Schild, hochget. v. Pfalz 
u. Baiem. Abgeb. bei Grote, Münzstudd. I Taf. 2 No. 8. 
Vgl. S. 171. 

Mark wart von Hattstein, 1560 — 1581. 

254. Schüsselpfennig o. J. Quadr. Schild. 

(1. Speier, 2. 3. Hattstein, 4. Weissenburg); oben M (10 
Stück in 5 Stpln.). 

255. Desgl. v. (15)71; oben M, Jahrz. neben d. Schilde. Fehlt 
bei Harster, Speierer Münzgesch. 

Salm-Kyrburg. 

Otto, 1598—1607. 

256. Schüsselpfennig o. J. zu Schellh. 1259. — (18 Stück in 
2 Stpln.; einer hat die Salme mit 3, der andre m. 5 Kreuzen). 

257. Desgl., oben oR; das O ist unverhältnismässig klein. 

Salm-Dhaun. 

258. Desgl. mit OR, neben d. Schilde 9—4. 

Dhann. Adolf Heinrich 1561—1606. 

259. Desgl. Zu Schellh. 1261. AH über dem gesp. Schilde (3 Stück). 

260. Desgl. Zu Schellh. 1262. Mit AHR über gesp. SchUde, 13 
Stück, teils mit gekröntem, teils m. ungekr. Löwen. 

261. Desgl. Zu ibid. AHR über 3 Schilden. (3 Stück.) 

Pfalz. 

Kurpfalz. 
PhiUpp, 1476-1508. 

262. Pfennig o. J. Die 3 Schilde von Pfalz, Baiem und Reichs* 
truchsess (rot) verbunden, oben P 



Der Mfinzfand yon Waltemienbnrg. 107 

Friedrich H., 1544—1556. 

263. Desgl. o. J. Hocbget. Schild, vorn Löwe, hinten Rad, 

oben F 

Friedrich IH., 1559r-1576. 

264. Schüsselpfennig o. J.' Aasgeschweifter, dreiÜEich geteilter 
Schild (Löwe, Wecken, Reichsapfel), oben F (2 Stück.) 

Simmern. 
Johann IL, 1509—1557. 

265. Pfennig o. J: Hocbget. Schild (Löwe, Wecken), oben I 

266. Scbüsselpfennig o. J. Schild mit Löwe and Wecken, ohne 

Teilongsstrich; oben I 

Richard 1569—1698. 

267. Schüsselpfennig o. J. wie No. 265, aber oben R (16 Stück 
in 8 Stpln., alle bis auf ein Stück ohne Teilangsstrich). 

Zweibrücken. 
Wobfeang, 1532—1569. 

268. Schüsselpfennig o. J. Die 3 Schilde von Pfalz, Baiem and 
Zweibrücken verbd., oben W (4 Stück in 3 Stpln.). 

269. Desgl. Quadr. Schild (Pfalz-Baiem) mit Mittelsch. (Zweibr.), 

oben W. 

Johann L, 1569-1604. 

270—272. Desgl. o. J. Wie No. 268, oben I (14 Stück in 5 

Stpln.); oben •!• (2 StpL); oben ♦!♦. 

273. Desgl. o. J. Dreifach geteilter Wappenschild (Pfalz, Baiem, 
Zweibrücken), oben IP (4 Stück in 3 Stpk.) 

274. Desgl. Die genannten 3 Schilde verbd., oben .IP. (6 Stück 
in 3 Stpb.) 

Veldenz. 
Georg Johann I., 1544—1592. 

275. Desgl. Qnadr. Wappensch. (Pfalz, Baiem)^ im Mittebch. der 
Löwe V. Veldenz, oben 6HP (12 Stück in 4 Stpk.). 

276. DesgL Schild wie vor. zwischen 7—0. 

277. Desgl. o. J. Raatenschild m. W. wie vorher. (2 Stück.) 



108 A. Duning: 

Georg Gustav, 1592—1634. 

278. Desgl. wie No. 275, oben GGP (7 Stück in 2 Stpln.). 

279. Desgl. Schild schragrechts geteilt von Wecken u. Löwe, 
oben GGP (3 Stück in 2 Stpln). 

Lautern. 
Jobann Casimir, 1575 — 1592, als Verwalter der Kur. 

280. Desgl. Geschweifter, Sfach get. Schild (Pfalz, Baiem, 
Reichsapfel) zwischen 9 — 1 , oben 4 (I und verbd.) 
3 Stück in 3 Stpl. 

Es fand sich in unserm Funde noch folgendes merk- 
würdige pfalzische Stück, welches ich nicht zu bestimmen 
vermag. 

281. Schüsselpfennig v. (15)89. Geschweifter, dreifach geteilter 
Schild (Pfalz, Baiem, Reichsapfel) zw. 8 — 9, oben W 

Wer ist dieser W? Joh. Casimir verwaltete die Kur 
für Kurf. Friedrich IV. bis zu seinem Tode 1592, wo die 
Lautem sehen Lande an die Kurlande zurückfielen und Frie- 
drich IV. die Kur übernahm. Uns ist in der pMz. Ge- 
schichte dieser Zeit kein Regent bekannt, welchen das W 
bezeichnen könnte. Wie das Stück zu erklären, muss ich 
besseren Kennern überlassen, welche ich hiermit bitte mir ihre 
Erklärung mitzuteilen. 

Henneberg. 

Wilhehn V., 1480-1559. 

282. Pfennige v. 1546 u. 1547 m. d. beiden Schilden von Würz- 
burg u. Henneberg) unten Rosette. 

Nürnberg, Stadt 

283—287. Pfennige v. 1564; v. 1 1578 f, unten verkehrtes N 
zw. Punkten; v. f 1582 f , unten fNf; v. .1584., unten 



Der Mönifimd ^on Waltemienburf?. 109 

Oberpfalz-Amberg. 

Friedrich H., 1508-1544 (Kurfürst — 1556). 

288. Pfennig. Die beiden Schilde von Pfalz u. Baiem neben 
einander, oben 1524, unten «F«. 

Oetlingen. 
289- 296. Pfennige von (15)27 . 1528 . 1529 . 152? . 1581 . 1582 . 
1533 . 1535. (8 Stück.) 

Nttrdlingen. 

297^-298. Pfennige, einer v. 1531, unter d. beiden Schilden . N ., 
d. andre oben Schleife, unten verwischt 

Baden-Rodemachem. 

Eduard Fortunat 1575—1600. 

299. Schüsselpfennig o. J., wie Berstett, Taf. III, 88. 

Baden-Durlach. 

300. Desgl. mit MB über d. bad. Balkenschilde. Fehlt bei 
Berstett, gehört entschieden in die zweite Hälfte des 16. Jahrh. 
Vgl. das. No. 214. 

Hanau-Lichtenberg. 

Philipp V., 1590-1599. 

301. Schüsselpfennig zu Schellh. 1266. (6 Stück in 3 Stpln.) 

302. Desgl. o. J wie Schellh. 1265. 

Stawiburg, Bistum. 
Johann IV. von Manderscheid, 1569—1592. 
803. Schfisselpfennig o. J. In Perleneinfassung quadr. Schild 
(Strassburg, Manderscheid, Blanken heim. Elsass) mit Mittel- 
schild (Blankenheim), oben I (2 Stück). Fehlt bei Berstett 



6 



110 A. DAning: 

Strassburg, Stadt. 
304. Oertlein. S. v. Berstett No. 195 u. vergl. d. Abb. auf 
Taf. IX. 

Hagenau. 




305. Schüsselpfennig o. J. In Perleneinfiassung gerader, unten 
runder Schild m. 5blattr. Rose, oben H. Ein andres Exem- 
plar hat neben dem Schilde Punkte, noch ein andres hat 
einen unten zugespitzten Schild. Diese Pfennige waren 
T. Berstett unbekannt, auch sonst finde ich sie nirgend be- 
schrieben, obschon sie in versch. Sammlungen, z. B. der 
Erbsteinschen in Dresden, vorkommen. 

Schaffhausen. 

306. Pfennig o. J. Der Widder aus dem Stadttor springend; 
ähnl. Meyer, VI, 104. 

St. Gallen. 

307. Schüsselpfennig o. J. m. d. aufrechten Bärön v. d. 1. Seite. 
Meyer, V, 98. (16 Stück in 8 Stpbi.) 

Freiburg I. U. 

308. Schüsselpfennig o. J. wie Meyer, YI, 1 18. (6 Stück in 5 Stpb.) 

Chur, Bistum. 
Beatus a Porta^ 1565—1581. 

309. Schüsselpfennig o. J. wie Trachsel, Graubünden, 56 a, s. Abb. 
Taf. n. 

Petrus Ton Rascher, 1581—1601. 

310. Desgl. wie Trachsel 70. 



A. Döoing: Der MtnEfond Ton Walternienlrai]^. Hl 

311. Desgl. m. Löwen ▼. d. r. Seite wie Trachsel 68 (16 Stock 
in 7 Stpln.); ein Ex. hat den Löwen v. d. 1. S. Trachsel 69. 

Johann V. Flug t. Aspermont, 1601—1627. 

312. Desgl. Schwanenhalspfennig. Trachsel 81. (14 Stock in 
3 Stpk.) 



Ferdinand, 1521—1564. 
313—318. Pfennige fftr Tirol v. 1533, ftr Steiermark v. 1636; 
für Eämthen v. 1530, 1534, 1535; für Ober - Oesterreich 
V. 1537. 

Carl, 1564—1590. 
319-322. Desgl. m. d. Kämthner W. v. 1575, (15)75, (15)77, 
(15)78. 

Salzburg, Erzbistam. 

322—329. Pfennige. Leonhard, a. d. JJ. 1509, 1519; Ernst von 

Baiem m: verw. Jahrzahl; Michael v. Khuenborg, ▼. 1555; 

Joh. Jac. Khuen v. Belasy v. 1575 (in einer Raate 2 Schilde, 

unten I, oben Jahrz.); Wol%ang Dietrich y. Raitenau mit 

' 2 Schilden, oben 97, mit 4 Schilden, onten VT. 

Btthinen-Schleslen. 
Wladislaas IL, 1471—1516. 
880. Heller m. d. böhm. Löwen. 

331. DesgL m. d. gekrönten lat. Bachstaben W zw. 2 Ponkten. 

Ludwig von Ungarn, 1516 — 1526. 

332. Desgl. m. gekr. L zwischen R— P. 

A. Düning. 



Comto ß'Tge Stroguioff: 



le träsOT de Nöjine.'j 




Äpr^ la d^ouverte en 1852 ä N^ine d'on tr^sor contenant 
enTiroQ dem ceats pi^s en argeDt, parurent plusiears Stades 
nnmismatiques, qni toutes s'accordent k donner k ces pi^ces le 
caract^ d'on signe mon^taire, produit de Tart rosse, en les attri- 
boant k dos premiere princes de Eief. 



1) Der folgende Aufuu ist die letzte Arbeit des im Alter TOn 87 Jfthren 
TentorbeneD Grsfen Serf^ei Grigoriewitsch Strogsnoff, Prtsidenten der 
kaiHrl. Rouischen tirc biologischen CommiMion etc., eines um die klsasisehen 
AltertbümeT in Rusaland b och verdienten Gelehrten und Sammlers. — Es war 
dar ftasdrnckliche Wunsch des Terstorbenen, dass dieser wenige Wochen vor 
■einem Tode loUendete Aufsatx ia d«r ,Zeitsohrift fär Nnmism&tik" «bgednickt 
wfirde. A. t. S. 



Le ti^r de Nijine. 113 

Le Premier Mr. J. Yoloschinsky a oayert la carriire en 1858. 
Ce nunismate n^a pas h^it^ sur 31 pieces d^crites, k en attri- 
baer 10 aa Grand-Dac Yladimir Sviatoslavitsch (988—1015), 10 
aa Giaod-Dac Yaroslaw (1016—1054), 8 k Sviatopolk (1015 bis 
1016) et 3 ä Georges (1155—1157). 

D^aprte son opinion cette soite mon^taire comprendrait 169 ans. 

Sans s'arr^ter k IMtade de Ions ces Berits paras depois 25 
ans, il soffit d'obseryer que leurs antenrs sont d'accord pour donner 
anx pi^s en qaestion le caractöre d'ane monnaie couraDte, de 
r^poqae de nos premiers Grands-Dacs de Eie^ monnaie k lar 
qnelle ils reconnaissent one similitnde avec le type Byzantin. 

Enfin cette ann^ 1882 parut roavrage da Comte Jean 
Tolstoy: „^pesirbihuifi PyccKiH MoHeru BaiHKoro KniixecTBa KieacKaro*^ 
qai Tint enrichir cette litt^ratare nnmismatiqae. 

Gemme le Comte Tolstoy accepte sur le tr^sor de N^jine 
toates les assertions de ses pr^d^cesseurs, il me paralt atile d'en 
relever quelques unes, qui me paraisseot hasard^s. 

Nos chroniques fönt mentioD deux fois de blancs d^argent, 
c'est Celle dlpatieff k Fann^ 6623 (= 1115): ,,...HnoBeift 
Bo^o^HMepi» irbsioHH naBo^oKu, opHHi^H, 6^b, posMerarH Hapo4y, obo 
ae cpe6peHHKiii MeraTH 4io4ein> cüiho Ha^eruimn» . . .** Dans la 
m^e chronique k TanD^e 6765 (» 1257) nous lisons: 

^^aniMO noc4a KocHHTHHa, peKoiiaro IIo^oxHinH^a, 4a no6epeTb 
Ha imrb 4aHb. 'bxaBi» ae Kochrthht» noHiia ua hhxt» 4aHb, HepHUii 
Kynu H 6%Ah cpe6po, h B4acTb ewy H7b 4auH . . ,*'*' 

Yoilii tont ce que nous a laiss^ Thistoire sur l'emploi de Far- 
gent dans les transactions du peuple Russe au X^n« et au XI «me 
sitele. La tradition n^y a rien ajoutö. 

En interrogeant les blancs d'argent du tr^or de N^ine; 
peui-Mre serons-nous mienx Mifi^? 

Genx qui depnis 30 ans ont ^tudi^ ce tr^or sont d'avis que 
ces blancs portent le type de la monnaie Byzantine. 

G*est une opinion qui ne soutient pas la critique. Comme 
imitation de la monoaie grecque contemporaine, il &udrait quVUe 



114 Gomte Serge Strod^noff: 

se rapprochät des pi^ces frappdes ä Byzance aa X^me et au 
Xlime si^cle. Or depuis Basile Iw (867 — 886) remperear ne 
parait plus assis. Cette pose ^tait en g^n^ral rare, car sur 110 
empereors, depois Anastase jusqu'a Constantin XIV, ob ne la 
trouve que quatre fois. 

Les blancs de Ni&jioe repr^entent le Prince tenant dans la 
main droite one longue hampe surmont^ d'une croix. Dans Touvrage 
du Comte Tolstoy cette attitude paratt 99 fois sur 130 pieces; 5 fois la 
croi^ est appuy^ sur l'^paule gaucbe. Dans toute la särie By- 
zantine de l'öpoque il ne se trouve rien desemblable; mais Tem- 
pereur y parait souvent avec le Labarum dans la main droite. 

hß, croix sur les pieces de Nöjine n'est pas byzantine, mais 
latine; les branches en sont ^pat^es et termin^s par des parües 
de croissant omöes de perles. Cette forme de croix parait pour 
la premiire fois sur une bract^ate de Borsirol, Duc de Boh^e 
(894) (Beschreibung Böhmischer Münzen. Voigt a St. Germano, 
1771 tome I, page 36); eile reparait plus tard sur les monnaies 
des Croisades au XU^m« siecle, sur celle de Prüderie Barberoasse 
et de Henri VI (Deutsche Eaiser-M&nzen 1827 par Ch. J. Goetz 
Taf. XXXTl . et XXXIII). Bien de pareil ne se- retrouve sur le-s 
monnaies byzantines au X^me sitele. 

Le diad^me, qui ome le Prince Vladimir est tr^ diff^rent 
de celui en usage a Coustantinople, oü, depui Nic^phore Phocas 
(963 — 969) il est ferm^ et aplati^ orn^ d'une ou de deux rangöes 
de perles r^guli^rement accol^es et toujours surmont^ d^une croix 
jusqu'a la fin du XU^me siecle (Manuel Comn^e 1145 — 1180). 
Quant au diad^me de Vladimir il peut ayoir it& emprunt^ auz 
monnaies anglo-saxonnes qui deraient Stre bien connues des Va- 
r^gues, si nombreux dans l'arm^e de nos premiers (xrands-Ducs. 
Lelevel le döcrit ainsi: „le diad^me, en bände perlöe, simple ou 
double, boDtonn^ par derri^re, l6s extrömit^s de la bände pen- 
dantes et termin^e par des boulettes, au IXeme et X^ms sitele.^ 

Sur les pieces attribu^s au Grand Duc Vladimir, le diad^me 



Le tresor de Ndjine. 115 

grec Uli exception, dans ma saite de 15 pi^s U n'y en a que 5, 
chez M. Yoloschinsky on n'en compte qae 3 sar 31 d^crites. 
H y est remplac^ par one coifiFiire pyramidale composöe de perles 
aa nombre de 5 ou 8. II y en a mSine ou les perles sont dis- 
pos^es dans one sorte de haut bonnet carr4 (Yoloschinsky pl. 1, 
No. 4). Enfin dans cette demi^re saite il y a m§me 3 pi^ces on 
le Prince est pr^sent^ sans diademe (pl. 1 No. 10, pl. 2 No. 16, 
pl. 3 No. 28 et 31). 

Nous terminerons T^tade de ces prötendues imitations da type 
Byzantine par une Observation sur le nimbe, qui ome la t^te du 
Prince Vladimir, sar presqae toutes les pi^ces du tresor de N4- 
jine. II eut &i^ possible que le beau-frfere des empereurs Ba- 
sile U et Constantin voulant frapper une monnaie k son nom, 
ait pris pour modele une pi^ce grecque contemporaine; mais peu 
vraisemblable que son choix se soit arret^ sur un type tomb^ en 
däsu^tude depais 3 si^cles, car nous savons qu'avec Papparition de 
la t£te du Christ au revers de la monnaie, lusage du nimbe cesse 
au commencement du Yni^me siecle; mais ce que nous ne sau- 
rions admettre c'est que de son vivant le' Prince se soit appropri^ 
le signe de la b^atitude. 

Avant la trouvaille de N^jine on connaissait deux pi^s en 
argent avec le nom de Vladimir: la preroi^re, trouv^e dans le 
Gouvernement de Tschemigoff est conserv^e au mus^e de l'üni- 
versitz de Moscou, la seconde dans la collection de Mr. Lissenko 
k Moscou. Nous en donnons ci-joint le trac^. 

Toutes les deux appartiennent ä la m^me famille et sont de 
provenance slave, mais le dessin en est bien plus arr^t^, plus ori- 
ginal, ayant des diff^rences notables avec les pi^ces de N^jine. 
EUes n'ont pas de nimbe et le diademe a une forme, qui n'est 
pas Celle du bandeau byzantin; car les branches en sont ^carte- 
1^8, ce qui le rapproche de la couronne des Empereurs d'AUe- 
m&gne du XI ^m« et du XU^m« siicle. La pose du Prince assis 
est correcte, les plis du manteau bien disposös; rien de pareil ne 
86 trouve dans les pi^ces de N^jme. L^^tude de la premi^re de 



116 Comte Serge Stroganoff: 

ces pieces a men^ ä une decoaverte interessante, c'est que son 
flanc est form^ de deux plaqnes sondöes. Sor le bord lac^i^ on 
voit ä Fintäriear des traces de Timpression da coin. H serait a 
desirer que les possesseors des pieces de N^jine les ^tudiassent ä 
ce point de vae; dans ma collection il y en a qoatre oa les tra^ 
ces de la sondore sont visibles (Comte Tolstoy pl. 1, No. 14, 18. 
pL 3, No. 7, pL 6 No. 9). 

H noos reste k prösent k examiner les 200 pieces de ce tr^ 
sor comme signe mon^taire, que veulent leur donner presque toos 
ceox qui ont 6crit sor ce sujet. 

La premi^re condition poor la fixit^ d'on signe monötaire est 
la constance de son poids, et de son titre m^talliqae. L'un et 
l'aatre sont röglement^s dans les pays civilis^. Les soci^t^ 
jeones poor obtenir la confiance dans lenrs transactions de com- 
merce tiennent rigoureusement ces mSmes conditions; mais elles 
tiennent sourtoat ä la forme ext^rienre du signe. On se demande 
alors comment ces blancs de Vladimir peavent avoir ^t^ des 
signes mon^taires qnand leur poids varie de 35 k 85 et mSme 
91 doli, quand le metal en est soaTent da plus bas aloi et qae 
les legendes en caract^es slaves sont traces de la fa^on la plus 
capricieuse. Et ce sont ses pi^s qa'on yeat noos pr^enter 
comme la monnaie courante au X^e si^cle, aa temps de Vla- 
dimir, — monnaies qui dans les transactions da commerce arec 
la Grtee et Byzance ont da remplacer la Litra, la Grivna et le 
Zolotnik; mesores de poids dont les chroniqaes fönt constamment 
mention. Est - il vraisemblable qxik Constantinople on ent 
^chang^ ses jetons contre des Miliaresiens oa des Siliques dW- 
gent fin? 

L'ex^cution technique des pieces de Nöjine pr^ente des par- 
ticularit^ tr^s curieases et sar les quelles il e^t atile d'arrSter 
l'attention des amatears. 

Le flanc de toutes ces pi^es est mince, les bords en sont 
soayent tranchants et irr^goli^ement döcoupds. Sor 91 que j'ai 
ea le loisir d'ötudier toutes Celles qui portent des traces de l'usure 



Le tr^r de N4jm6. 117 

k Tavers la reprodaisent aa reyers; ces traces paraissent inöme 
prodnites par le martelage. Nombre de fikces sont d'on titre 
^lev^ d'antres da plas bas aloi, oii se remarquent les traces du 
cnivre. 

Le poids en varie de 35 k 91 doli. Au revers on voit soa- 
vent la trace da borin ayec leqael on a laboar^ les branches da 
trident äiigmatiqae. Ce signe qoi se reprodait d'ane h4}on con- 
stante sor les piices de Yladimir a one aatre forme sor Celles 
attriba^ k Sviatopolk (Comte Tolstoy pl. 3 et 4, No. 6, 7, 8, 
9, 10 josqa'ä 16) au liea de 3 branches il n'y en a qae 2 et 
sor Tone d'elles parait one croix. Gette noavelle forme continae 
aossi sor les pi^ces de Yaroslaw (Comte Tolstoy pL 3 et 4 No. 
17, 18, 19 et 20) jusqu'ä Tapparition des No. 21 et 22) Comte 
Tolstoy pl. 13 et 14) on le trident reparait dans sa forme simple 
et primitive. 

n est Evident qae toates ces vari^t^s äoignent l'id^ d*an 
signe mon^taire et qa^on s'arr^te a celle de la m^daille oa da 
jeton. 

L'^critare slavonne est adopt^e poar les Inendes d*ane fa^on 
trte incorrecte, soavent les lettres sont renvers^es oa places d^ 
fectoeasement et on dirait qae la lectare de la Inende occapait 
pea le graveur. Teile pi^ parait ^tre ane oeavre fantastiqae et 
saavage qai repoasse tonte id^e d'un signe monötaire D'antres 
semblent traces k Taigaille avec ane n^ligence sans pareille. 
En an mot jasqa^ä la troavaille de N^jine on n'ayait pas Fid^e 
d'ane exöcation aassi barlesqae et ce sont ces piices cependant 
qa^on vent noas pr^enter comme des imitations da Type Byzantin 
an X*ae et XI ^m« si^de. 

Qaand on ötadie les pi^ces de Yladimir, on se Toit en pr^ 
sence d'nn probl^me dont la solation ne se troave dans Thistoire 
mon^taire d^aacan pays. G'est la transformation et la dögradation 
sabite da type de la monnaie qai apparait avec le No. 18 (pl. 1 
Comte Tolstoy). Et poar les pi^ces de Yaroslaw, c'est la modifi- 
cation da trident ^nigmatiqae en foarche k deux branches et 



118 Comte Serj^e Strogaooff: Le tresor de N^jine. 

rapparitioD da croissant (Comte Tolstoy pl. 4 No, 17, 18, 19 et 
20) taodis que sar les pieces du Comte Puschkin, du Comte 
Stroganoff ei; Celles de Stockholm, dont Tauthenticit^ n'est point 
douteuse, ce signe reste dans toute sa forme primitive. 

Le blanc d'ai^ent (Comte Tolstoy pl. 6 No. 12) qui a le 
plus le caractere d'une moimaie ne nous inspire ancune confiaace 
ä cause des quatre lettres frapp^es sur le bord de Favers (CGGO) 
qui sont en caract^es n'ayant ancune similitude avec ceux de la 
Inende et ^yidemment poinsoim^s apres la frappe du coin. 

Nous nous contentons aujourd'hui de ces courtes remarques, nous 
r^ervant de revenir un jour sur ce sujet en traitant de F^poque 
ou les blancs de Nöjine ont pu £tre fabriqu^s et a quelle occasion. 

6. Mars 1882. 

Comte Serge Stroganoff. 



Die Uebersetzung der 3 Russischen Citate lautet: 

1. „Les, plus anciennes monnaies Russes du Grand Duch^ de 

Kiew". 
2 Et Volodimir commanda de jeter au peuple des 

Stoffes, apres les ayoir coup^, et des fourrures et enfin 

des blancs d'argent aux hommes se pressant avec 

force 

3 Danilo envoya Eosniatine, sumommö Polojichile, 

pour lever Fimpöt. Etant parti, Eosniatine leva Finipöt 

sur eux en fourrures et en blancs d^argent, et il lui 

donna de Fimpöt 




Hetellns Gntions in flortyna. 




Das hier abgebildet« Tetradniclunon von Gortyoa in Oreta, 
desseD Gewicht zu 1 5,99 Gramm angegeben wird, war bisher onerklbt. 

Ein etwas abweichendes Exemplar be&nd eich in der Sanun- 
long des Lord Northwick; nach der Beechreibong im Aacüons' 
catalog desselben, von 1859, Nr. 878 hat es nicht die An&chrift 
des VS.; vor dem Halee steht nur K, dagegen auf der ES. unter 
der Biene ein E aber einer undeutlichen Prora. Das Gewicht ist 
zu 22'2 englische Gran angegeben, dies w&ren 14,38 Gramm. 
ErUftrt wird die MOnze dort nicht. 

Wir haben also den Kopf der Roma, welcher auf dem mir 
vorliegenden Exemplar von- ihrem Namen begleitet ist; ihr Flfigel- 
belffl ist dem auf den älteren römischen Denaren nachgebildet, 
es zeigt als Zierrat einen Elephantenkopf, der auch auf der Es. 
als Beizeichen wiederkehrt Dieser Elephantenkopf ist, gleich 
dem Elephanten selbst, das Abzeichen der Caecilü Hetelli, wie 
manche ihrer Denare und Eapfermflnzen zeigen. Diese Abzeichen 
beziehen sich auf die hnndertondzwanzig Elephanten, welche der 
Consnl L. Caecilins Metellus nach der Schlacht bei Panonnas 

XuBlIBitlHt* Zduskrift. L 9 



120 J- Friedlaender: 

(250 Y. Gbr.) iin Triainph über Hasdrabai aufgeführt hatte. Es 
kann also nicht bezweifelt werden, dass die Elephantenköpfe 
unserer Münze sich auf einen Caeciliüs Metellns 1)eziehen; und 
demnach sind diese Münzen ohne Zweifel in Gortyna zur Zeit 
des Q. Caeciliüs Metellus geprägt, welcher in den Jahren 63 bis 
66 y. Chr. als Proconsul Greta bekriegt und erobert und den 
Siegesnamen Greticus erhalten hat. 

Das Monogramm aus K und A vor dem Halse der Roma 
könnte KA ixilwg bedeuten, doch pflegen auf römischen Münzen 
solche Monogramme meist die Gognomii^a, nicht die Nomina, zu 
geben. Und KA wäre eine recht versteckte Bezeichnung des 
Metellus, noch dunkler, als das für Griechen schwer yerständliche 
Abzeichen des Elephantenkopfes. Auf dem anderen Exemplar 
wird nur K angegeben. Es kömmt nicht viel darauf an, ob 
man auch in diesem Monogramm eine Beziehung auf Metellus 
finden will. 

Ob diese so gänzlich von all^m Hergebrachten abweichenden 
Münzen bei einer besonderen Veranlassung geprägt wurden, und. 
welphes Yerhältniss Metellus gerade zu Gortyna gehabt hat, lässt 
sich nicht ermitteln. Unter den von ihm eroberten Städten der 
Insel, deren Namen in der Ejriegsgeschichte genannt werden^): 
Gnosus, Lyttus, Gydonia, Lappa^ Eteuthemae findet sich Gortyna 
nicht, und da sie eine der allerbedeutendsten Städte der Insel 
war, kann man aus diesem Schweigen vermuthen, sie sei nicht 
erobert worden, sondern habe sich, etwa bald nach der Ankunft 
des Metellus freiwillig den Römern übergeben, wovon uns freilich 
nichts überliefert ist. Glaublicher wird diese Vermuthung dadurch, 
dasd Gortyna zur Zeit der römischen Herrschaft Hauptstadt der 
insel war.') Nach Beendigung des Krieges, 66 v. Ghr., wurde 
Greta römische Provinz. *) Metellus blieb noch auf der verwüsteten 



1) Hertzbetg, Qeschiehte Griechenlands imter der Herrschaft der Römer, 
8. 403 a. f. 

2) Hieurquardt, Romische StaatSTerfaasa&g I. S.S03. 

S) Ebenda S. 301 Anm. 4. Q. Hetellua perdomitifl Cretenaibus liberae ia 
id tempns insulae leges dedit. Liv. Bpit 100. 



Vetelhis Greticas in Goriyna. 121 

Insel, am die Regieroog. einzurichteD. In der Uebergangsperiode 
prägte wahrscheinlich Gortyna dem siegreichen Feldherm za 
Ehren diese Münze mit seinem Familienab^eichen. Sie ist jeden- 
falls ein Zeugniss der Unterwerfung der Insel, and bildet in 
gewissem Sinn ein Gegenstack zu den römisch -macedonischen 
Münzen, welche aber einen Tiel ofiGcielleren Ohani^ter haben, 
denn aaf ihnen steht neben MAKEAONUN der Name de^ römischen 
Beamten, za weilen sogar in lateinischer Sprache, wie SVVRA 
LEG PRO Q_, CiE PR, AESILLAS Q_. 

Wie der. Eopf der Roma eine Copie der römischen Denare, 
ist der Typus der Kehrseite eine wenn auch keineswegs genaue 
Wiederholung der ephesischen Artemis auf den Goldmünzen von 
Ephesus, welche wahrscheinlich zur Zeit des Mithradat, also nicht 
sehr lange vor der römischen Eroberung Greta's, geprägt sind. 
Selbst das Symbol der Göttin, die Biene, welches die Stater als 
Beizeichen haben, kehrt hier wieder. Diese Stater sind wohl die 
ältiesten Münzen, auf denen die Ephesische Göttin dargestellt ist, 
ihnen folgt, der Zeit nach, das Tetradrachmon von Gortyna, nnd 
diesen der Denar, den die Consuln L. Cornelius Lentulus und 
0. Claudias Marcellus Tor der Schlacht von Pharsalus in Ephesus 
geprägt haben, der Eopf der Vorderseite dieser Denare ist sicher 
nicht in Rom, sondern von einem griechischen Künstler geschnitten. 
Bier erklärt also der Prägort die Wahl des Typus. Warum aber 
die Gortynier die Ephesische Artemis auf ihre Münze setzten, 
bleibt dunkel. Denn wenn auch Artemis als Britomartis und 
Dictynna häufig in Creta vorkommt, so ist doch das asiatische 
Cultusbild der Insel fremd. ^) Und eine politische Yerbindong 
von Gortyna mit Ephesus ist auch nicht nachweisbar. Bis zum 



1) Vor dor KsiaiBraeit ist die Ephesische Artemis oberhaapt auf Mänsea 
sehr Seiten, erinnerlich ist mir nur eine kleine sotonome Bronsemnote Ton 
Bargssa, auf der sie vorkommt In Ephesus selber bejpnnt sie unter Claudios. 
Die Manie von Massilia, Eckhel, Nnmi Toteres anecdoU S. 8 Tafel I 8, kann 
nicht (feiten, das Bild ist nicht deatlich, die Lesung wohl irrig. S. de la 
Saossaye Oanle Narbonnaise S. 49. 

9» 



6 



122 ^' Friedlaender: Metellus Greticns in Oortyna. 

Jahre 66 verwaltete LucuUus die Proyinz Asia, zu der Ephesns 
gehörte, dann in Folge des Gabinischen Gesetzes Pompeins; sein 
Missverh&ltniss zu Metellas, das fast zum offenen Ejriege führte, 
konnte am wenigsten Gortyna veranlassen, anf der dem Metellas 
zu Ehren geprägten Münze den Typus von Ephesas zu copiren. 
Zum Schlüsse sage ich Herrn Feuardent in Paris meinen 
Dank, dass er die YeroffenÜichung gestattet hat 

J. Friedlaender. 



123 



Hachtrag zu ,, Schlesiens Münzen im Mittelalter '^ 



Am Schiasse meiner AbhandluDg ist es mir Bedürfbiss, den- 
jenigen Herren, welche durch ihre freundliche Unterstützung das 
Zustandekommen derselben ermöglicht und gefordert haben, auch 
an dieser Stelle meinen Dank auszusprechen. Es sind mir von 
mehreren Seiten Münzen, Notizen und Literaturnachweise mit- 
getheilt worden; ganz besonders aber bin ich den Herren Dr. Mark- 
graf, Freiherr von Saurma und Landgerichtsrath Dannenberg zu 
grösstem Dank verpflichtet. Herr Dr. Markgraf, Vorsteher der 
Stadtbibliothek zu Breslau, hat mir nicht nur in äusserst liebens- 
würdiger Weise die nöthigen Bücher und Urkunden aus der 
schönen, unter seiner Leitung stehenden Büchersammlung heraus- 
finden helfen, er hat mir auch, gestützt auf den reichen Schatz 
seines Wissens in dem Felde der so verwickelten schlesischen 
Numismatik, so manche werthvolle Anregungen und Hinweisungen 
zu Theil werden lassen, die meine Arbeit im Wesentlichen bereichert 
und erleichtert haben. Herr Freiherr Hugo von Saurma auf 
Lorzendorf, der glückliche Besitzer der schönsten Sammlung 
schlesischer Münzen hat mir mit seltener Liberalitat die Benutzung 
dieses seines Cabinets und insbesondere seines illustrirten Yer- 
zeichnisses aller ihm bekannt gewordenen schlesischen Münzen 
(Privatarbeit) gestattet. Besonders diesem letzteren Buche ver- 
danke ich die Eenntniss und die Möglichkeit des Studiums der 
so seltenen Denare, welche in solcher Anzahl nirgends wieder zu 
finden sind, als bei Herrn von Saurma. Herr Landgerichtsrath 
Dannenberg endlich hat die Güte gehabt, diesem Erstlingswerk 



124 P* Friedensburg: Naohtrmg. 

noch Tor dem gewagten Schritt in die Welt seinen mächtigen 
Schatz, seine werth volle Gunat zu Theil werden zu lassen. Er hat 
sich der Mühe unterzogen, dem Manuskript eine Durchsicht an- 
geddhen zu lassen und ich verdanke dieser Durchsicht eine 
Reihe schatzbarster Bemerkungen, deren Inhalt ich mich noch 
bemüht habe, dem Aufsatz einzuverleiben. Diesen Herren allen 
also meinen aufrichtigen Dank! 

Zugleich eriaube ich mir, an die Herren Numismatiker die 
ergebene Bitte zu richten, mir durch ihre Hände gehende schle- 
sische Münzen des Mittelalters seltener Art je nachdem im Original 
oder in einem guten Abdruck gegen angemessene Vergütung über- 
lassen, sowie neuere Funde, in denen dergleichen Münzen, gleich- 
viel welcher Art und Zahl, auftreten, freundlichst Nachricht geben 
zu wollen. Ich möchte gern in späterer Zeit eine eingehendere 
Studie über die Münzen meiner Heimat veröffentlichen und hierzu 
ist mir jede Notiz des gedachten Inhalts von Werth. 

Breslau. 

P. Friedensburg. 



125 



Kleinere Mittheilüngen. 



Atbena-Nike aus PergamoD. Unter den kleineren Funden 
in Pergamon, welche mit der Gigantomachie an das Berliner 
Museum gelangten, :erregt« ein schöner) völlig erhaltener weiblicher 
Kopf Ton ernsten, fast noch strengen Zügen Aafs^en und Be^ 
wunderung. Die eigenthümliche und charakteristische Haartracht 
bewogen Friedlaender und. mich unabhängig von einander, in dem 
Kopfe eine Nike zu erkennen, denn in allen Details der Haartracht, 
ja auch des strengen Ausdrucks gUch derselbe den wohlbekannten 
schönen Kupfer'-Qbolen von Metaport mit NIKA unter dem Kopf, 
sowie manchen Didjachmen von Terina. Jetzt ist der zu dem 
Kopf gehörende Körper in Pergamon gefunden: es ist nicht 
Nike, sondern Pallas mit der Aegis unbehelmt, eine, jedenfalls ein 
Original aus klassischer Zeit, vielleicht ein attisches, nachbildende 
majestätische Figur von schönster Technik, trotz ihrer jeden&Us 
pergamenischen Entstehungszeit voll ernster Würde und Kühe. 
Elinen ähnlichen Pallaskopf, mit der für Nike eigenthümlichen 
Haartracht zeigen uns schöne und seltene Obolen von Taren t: 
11/. Kopf der Pallas r., mit Stirnband, die Haare wie der 

Nikekopf auf Münzen von. Terina etc. angeordnet, auf 

der Aegis. 
Rf, TA über dem Cantharus, der von 5 Punkten umgeben 

ist. M 1. 

Sollte nicht die für fast alle Nike-Köpfe der klassischen Zeit, 
etwa 400 — 3^0 y. Chr., charakteristische Haartracht dieser Pallas- 
köpfe, der auf den Tarentiner Obolen und des Pergamenischen 



126 Kleinere MittbeilnngeD. 

Marmors, uns berechtigen, hier eine Athena-Nike za erkennen, 
jene dem Alterthum so geläufige Verbindung der Kriegs- und 
Siegesgöttin, die für Pergamon so passend wäre? A. y. S. 

Münzfund von Götz. Der Boden der Mark hat abermals 
einen sehr beträchtlichen Fund herausgegeben, Denare aus dem 
Ende des XIII Jahrhunderts im Gewicht von mehr als 5 ü. Hr. 
J. Lange, an den der grössere Theil gelangt ist, giebt in dem Berl. 
Münzblatt von Adolf Weyl 1882 S. 269 über diesen in Götz 
zwischen Brandenburg und Potsdam gehobenen Schatz Rechenschaft. 
Der grösste Theil bestand in den Denaren Weidhas Y, 10 sowie 
in den bisher seltenen Denaren mit STQHD3SLÖ (Weidhas IV 4), 
den ebenso seltenen mit OTTO neben dem Markgrafen (Wdh. lY, 5) 
und dem gleich&Us nur wenig verbreiteten mit Adler und Löwen, 
von Albrecht III. (Wdh. lY, 1 u. 2). Daneben kamen vor die 
Denare Weidhas III 4 (1 Ex.) Wdh. III, 7, Wdh. III 14 (6 Ex.), 
Wdh. lY, 8 (3 Ex.) Wdh. Y, 21. Ausserdem in wenigen Exem- 
plaren folgende Inedita: 1) ein Obol wie der Denar Wdh. III, 7, 
2) ein Obol: über einem 2 Thürmchen verbindenden Bogen der 
Helm, unter dem Bogen quadratische Yerzierung. Rs. wie Wdh. 
IV, 2. 3) ein Denar wie Wdh. lY 4, aber mit STfl-NDK-LeS- 
CHe (also wohl deutsch). Ein Exemplar mit ST-eHL DÄ-LG, 
also wie die Rs. von Wdh. lY, 4, und derselbe STG-NDÄ-LaS- 
CH€ auf der anderen Seite ist wohl nur eine Zwittermünze, ent- 
standen durch den Gebrauch zweier Rückseiten. Endlich war die 
grosse Masse Brandenburger noch begleitet von einem Denar von 
Demmin (s. diese Ztscbr. Bd. Y Tf. YU, 4), einem anderen durch- 
schnittenen pommerschen Denar (der Herzog, mit Schwert in der 
Rechten, unter demselben Greifenkopf, Rf. doppellieniges Ereuz 
in einem von Punkten umgebenen Ringe) und einem böhmischen 
oder bairischen Denar (gekrönter Kopf zwischen 2 Thürmen. Rf. 
Löwe). Als bemerkenswerth bezeichnete Hr. Lange den Umstand, 
dass etwa 10 Prozent Scheidemünze nicht in Gestalt von Obolen, 
sondern von regelmässig durchschnittenen Denaren vorgekommen sei. 

H. D. 



Kleinere MittheiluAgen. 127 

Die Namismatik auf der heraldischen Ausstellung 
in Berlin. Zum ersten Mal war in einer grossen öffentlichen 
Ausstellung in unserer Stadt auch der Numismatik ein ehreuToller 
Platz eingeräumt. Wir erblickten in der heraldischen Ausstellung 
eine geschmackyolle und reiche Auswahl yod deutschen Medaillen 
und Münzen mit Wappen aus Dannenberg's berühmter Sammlung, 
eine ebenfalls schone Reihe deutscher Bildnissmedaillen aus der 
grossen Feliz'schen Sammlung in Leipzig, eine Serie sachsischer 
Münzen aus dem Egl. Münzkabinet in Dresden, die Wandlungen 
des sächsischen Wappens darstellend, eine ähnliche Reihe Ton 
Münzen mit dem Mecklenburgischen Wappen, Ton Sr. Hoheit dem 
Grossherzog von Mecklenburg- Schwerin ausgestellt, eine reich- 
haltige Sammlung deutscher Fürsten- und Städtemünzen, von 
Hm. Reichenbach in Dresden, eine von mir ausgestellte kleine 
Reihe deutscher Eaisermünzen aus der Bluthezeit des Mittel- 
alters u. 8. w. Das lebhafte Interesse, welches die Presse nament- 
lich für die dem grossen Publikum so wenig bekannten deutschen 
Mittelaltermünzen zeigte, lassen auch hier den Wunsch rege 
werden, es möchte recht bald in unserer deutschen Hauptstadt 
eine allgemeine deutsche historische und kunstge- 
schichtliche Ausstellung stattfinden, welche uds durch 
harmonische Vereinigung der so zahlreich vorhandenen^ 
dem Auge des Volkes aber allzusehr versteckten Ueber- 
reste der Vorzeit die Geschichte und die Kunst des 
deutschen Volkes zu lebendiger Anschauung bringt. 
Auch die deutsche Münzkunde würde bei einer derartigen Aus- 
stellung zu ihrem Rechte gelangen und wohl Manchen zu genauerem 
Studium dieser wichtigen vaterländischen Denkmäler anspornen. 

A. V. S. 



^ 



128 



Literatur. 



Bahrfeld t, E., die Brandenbargischen Stadtemünzen aus der 
Kipperzeit 1621—1623. — Rietz-Nenendorf, Verlag d. Vf. 1882. 
Vn, 78 S. und VI Taff. 

Dieser reichhaltige Beitrag zur vaterländischen Münzkunde 
giebt mehr als der Titel besagt: ausser genauer Beschreibung von 
246 zum Theil noch unedirten Münzen der Kipperzeit, von denen 
118 gut abgebildet sind, giebt deü Verfasser bei jeder Stadt eine 
sorgfältige: und ausführliche Oebersicht über die Münzverhältnisse, 
die darauf bezüglichen zum Theil vollständig abgedruckten Ur- 
kunden, die politischen Verhältnisse zum Markgrafenthum Branden- 
burg u. s. w., so dass das Werkchen auch abgesehen von seinem 
eigentlichen nur das 17. Jahrhundert betreffende Thema eine nütz- 
liche und dankenswerthe Gabe für jeden Freund der mittelalter- 
lichen vaterlandischen Geschichte und Münzkunde wird. Ein 
genaues Register erleichtert die Benutzung. A. v. S. 

Henry Cohen, Description historique des mönnaies frapp^es 
sous Tempire romain commun^meut appel^es medailles imperiales. 
Denxi^me Vitien. Tome deuziime. Paris (Rollin et Fenardeut) 1882. 

Fröhner erzählt uns in den Mittheilungen, die er in Bursians 
biograph. Jahrbuch für Alterthumskunde (1880, p. 75) über Cohen 
giebt: „Die unglaubliche Mühe^ die er, Cohen, sich mit seinen 
grossen Werken und in seiner amtlichen Thätigkeit mit den 
Inventarien des Münzkabinets gegeben, hatte ihn allmählich ab- 
gestumpft, und wenn man ihm Münzen zeigte, die er übergangen 
hatte, so war ihm das eher verdriesslich als angenehm^. Und an 
einer anderen Stelle dort (1. c. p. 75 u. 76) lesen wir: „An der 
zweiten Auflage der Description historique^ — soll wohl heissen 
an dem ersten Bande der zweiten Auflage dieser Description — 



Litmtor. 129 

wurde so lange gedruckt, dass der Yerfasiser nicht hoffte, den 
Abschluss zu erleben. Er selber war damit unzufrieden; seinem 
Wunsche, am ursprünglichen. Plane nicht zu ändern, gab der 
Verleger kein Gehör, und durch die Hinzufugung der Stadtemünzen 
wuchs die Arbeit, aufs Doppelte, die Schwierigkeit aufs Zehnfache. 
Was' der jüngere und noch kräftige Mann hatte bei Seite lassen 
müssen, konnte d^r Greis, krank und altersschwach nicht be- 
w^tigen^. 

Man wird nach solchen Mittheilungen nicht ohne einige 
Besorgniss die zweite Auflage des bewährten und in seiner 
praktischen Brauchbarkeit so verdienstvollen Cohen'schen Werkes, 
von welcher soeben der zweite Baud ^ ) erschienen ist, in die Hand 
nehmen können. 

Ein Verleger, welcher eine wesentliche Umgestaltung des neu 
aufzulegenden grossen und umfangreichen Werkes wünscht, und 
ein Verfasser, welcher, müde und. matt, nur die gesammelten 
Nachträge an neuen Münzen hinzufügen, sonst aber an dem ur- 
sprünglichen Plane nicht ändern will und an einen blossen 
Wiederabdruck der ersten Auflage denkt — das sind zwei schwer 
zu vereinigende. Gegensätze, und die Umstände, unter denen so 
die neue Auflage des „Cohen^ d^ Licht der Wdt erblickte, 
können keine besonders günstigen genannt werden. 

Und in der That, die Nachtheile solchen Widerstreites sind 
dem Buche nicht erspart geblieben« Die Verleger haben ihren 
Willen, d.h. wesentliche Umänderungen, durchgesetzt, und der 
Verfasser hat sich nolens volens gefügt, aber seine alte Vorrede 
vom Jahre 1859 ruhig auf der neuen Auflage wieder verdrucken 
lassen, und zwar wörtlich, ohne darin von den jetzt mit dem 
Buche geschehenen Aenderungen weiter Notiz su nehmen, als 
dass er an zwei Stellen die wenigen Worte hinzufügt, welche sich 
auf die neu hinzugekommenen Münzen der Golonien und lateinisch 
redenden Städte beziehen. .Nur am An&nge noch hat er die 



1) Wir werdMi bei dieser Qelegenheii auch «of den bereits im Jaiire 1880 
enchienenen ersten Band noch zoräekgeheD. 



/i 



130 Literatur. 

Einleituiigsworte umgeändert und am Schlüsse die Dankesworte 
an die Förderer und Freunde des Buches weggelassen. 

Gehen wir auf die vorgenommenen Aenderungen zunächst 
ein, so schied die erste Auflage bekanntlich die Münzen nach 
Metallen, theilweise auch nach der Grösse; die zweite Auflage 
— wir halten dies für eine Verbesserung — lässt diese Unter- 
scheidung fallen. 

Die erste Auflage stellte ferner die Abbildungen auf besonderen 
Tafeln zusammen, und diese Kupferstiche bildeten eine wirkliche 
Zierde des Buches. Jetzt sind die einzelnen Abbildungen in den 
Text über die Beschreibung der betreffenden Münze gesetzt: eine 
Anordnung, der man im Interesse einer bequemeren Uebersicht- 
lichkeit seine Zustimmung nicht würde versagen können^ wenn 
nicht bei dieser Abänderung an Stelle der schönen, sauberen 
Kupferstiche weniger gute Abbildungen getreten wären. Was 
die bereits in der ersten Auflage vorhandenen Abbildungen betrifft, 
so vermuthen wir, dass man die vorhandenen Kupferstiche auf 
irgend eine mechanische Weise zur Einfügung in den Typendruck 
hergerichtet hat. Wie dem auch sei; jedenfalls würden sich die 
Herren Verleger ein Verdienst erwerben, wenn sie die gesammten 
Kupfertafeln der ersten Auflage wieder abdrucken und von Neuem 
dem Buchhandel (auch ohne Text) zugänglich machen wollten. 
Was die neu hinzugekommenen Abbildungen betrifft, so bringen 
dieselben hauptsächlich Medaillons zur Anschauung; denn die 
zweite Auflage soll die sämmtlichen Medaillons des Pariser 
Kabinets, ungefähr 800 Stück, enthalten. Eine nicht hoch genug 
anzuschlagende Beigabe.^) 



1) Die Verlegner haben diese Abbildnn|(en der Medaillons „schattiren" lassen, 
um sie damit Ton den Abbildungen der übrigen Münzen zu unterscheiden. 
Aber gerade dadurch bekommen die Bilder und nicht nur im ersten Theil oft 
ein eigenthümliches, nicht angenehmes Aussehen. Die Verleger und jetcigen 
Herausgeber haben das selbst gefühlt Sie sagen (II. p. XVI): Le tirage de 
ces planches n'a pas repondu ä notre attente et surtout dans le premier Tolume, 
le second est d^jk beaucoup mieux et noas esperons qoe les autres seront a 
Fabri de tont reprocbe. 



Literatar. 131 

Auch Ton diesen mit den Abbildungen vorgenommenen Yer- 
ändenmgen spricht die Cohen'sche Vorrede zom neuen ersten 
Band nicht, sie setzt sich sogar dazu in eine Art von Gegensatz, 
wenn sie von neuem die alten Worte abdruckt (I, p. IX): L'ez4- 
cution de ces dessins ne pouvait 6tre confi^e ä un burin plus 
habile ni plas ezerc^ que celui de M. DardeL So viel mr wissen, 
musste man bei dem Worte „burin^ wieder an „Eupferstidie' 
denken, während die Abbildungen der zweiten Auflage jedenÜBiUs 
nicht unmittelbare Kupferstiche sind. Ja, wir können den Vor- 
wurf nicht zurückhalten, dass bei dem theilweisen Wiederabdruck 
des alten Buches nicht sorg&ltig genug verfahren wurde, wenn 
wir sehen, dass die dtirten Seitenzahlen der alten Auflage f&r 
die neue Auflage nicht passend gemacht worden sind.^) 

Erst die kurze Vorrede zur neuen Auflage des zweiten 
Bandes, die von den neuen Herausgebern, Rollin und Feuardent, 
unterzeichnet ist, trägt einiges von dem nach, was wir schon bei 
dem Erscheinen des neuen ersten Bandes hätten erfahren sollen. 
So betonen sie hier z. ß. ausdrücklich, das die Unterscheidung 
der Münzen nach Grösse und Metallen aufgegeben ist. Aus 
dieser „Note des ^diteurs^ (11. p. XV — XVI) erfahren wir auch, 
dass das hinterlassene Manuscript Cohen's mit dem Antonin us 
aufhört, und dass es nicht ohne Schwierigkeit möglich gewesen 
ist, das Werk fortzusetzen. Das wollen wir gerne glauben, denn 
die Schwierigkeiten liegen bei einem solchen Werke, wie dem 
vorliegenden, nur allzu sehr in der Natur der Sache, und wir 
müssen dankbar sein, dass überhaupt eine neue Auflage des 
Buches zu Stande gekommen. Dass wir aber in der neuen Auf- 
lage der bisher erschienenen beiden ersten Bände „beinahe ein 



1) Die alte Auflage ciUrt p. XXI eine Notiz aber den Untertchied einee 
Medaillon und einer Grossbronce, die sich bei Nero No. 77, «nf Seite 185 der 
alten Auflage findet. In der nenen Auflage steht die bettelfonde Münze Nero 
No. 11, auf Seite 274. Trotzdem citirt auch die neue Auflage an dieser Stelle 
noch die Seite 186. Erat nach dem Druck icheint man diei Versehen gefunden 
und angemerkt su haben. 



1 32 Literatur. 

neues Werk^*) vor uns haben, das möchten wii" doch nicht 
zugestehen. Dann hätten doch z. B. die historischen Notizen, die 
den einzelnen Münzherren vorangehen, nicht wieder wörtlich aus 
der ersten Auflage hinübergenommen werden dürfen, da diese, 
zum allergrössten Theile Uebersetzungen aus Eckhel, und nicht 
einmal immer glückliche, bekanntlich bisher nicht die stärkste 
Seite des Gohen'schen Buches bildeten.^) Femer hätte, wenn 
die neue Auflage ein neues Werk wäre, die Vorrede zu der^ 
selbexi nicht wieder wörtlich dieselben Quellen, sowohl Autoren 
und Werke als auch Gabinette, angeben dürfen, die schon im 
Jahre 1859 dem Werke als Quellen dienten. Dass in den citirten 
Kabinetten wiederum Berlin, München und Gotha fehlen, ist zu 
bedauern, weil die Vollständigkeit des Werkes dadurch beein- 
trächtigt wird, und so die nicht unbedeutenden Schätze, die z. B. 
das hiesige herzogliche Kabinet an ui^edirten römischen Kaiser- 
münzen birgt, auch dieser Auflage nicht zu Gute gekommen sind. 
Dass auch die neue Auflage die Münzen ' — sie wird statt 
25000,') welche die alte enthielt, deren an 30000 erhalten — 



1) On y ft apport^ de prands ch^Dgements qui en fönt presque un nouvel 
ouTnige (1. c. p. XV). 

2) Ich habe eine Anzahl solcher historischer Notizen (z. B. Pompeios, Caesar,*) 
Brntos, Cassina, S. Pompeins, Lepidas, M. Antonius, Domitianos, Trajanna, 
Plotina, Tra Janas pater) nach der alten und neuen Auflage mit einander ver- 
glichen; dieselben stimmen ganz wortlich nberein, soweit nicht in wenigen 
Fällen einige neu hinzugefügte Münzen darin citirt sind. — Wie weit die Be- 
schreibung einzelner Reverse in der nenen Auflage eine Yerftndemng resp. Yer^ 
bessernng erfahren hat, laset sich nicht ohne längeren Gebrauch • der neuen 
Auflage neben der idten ersehen. — An kleinen Ungenanigkeiten kann es. bei 
dem Umfange nnd der Schwierigkeit des Werkes nie ganz fehlen, und soll ans 
solchen der neuen Auflage vorerst kein Vorwarf gemacht werden^ vorausgesetzt, 
dass. sie sich nicht allzusehr häufen. Ani^^estossen sind freilich mir allein beim 
Hadrian die Nainmern: 284, 900, 817, 440, 484, 602, 777, d49, 1450, bei denen 
Abbildung und Beschreibung nicht übereinstimmen. 

8) Qenan 25102, Frohner, I.e. p. 74. 

*) Dass die Chronologie von Caesars und. zum Theil Augustus' Münzen in 
Cohen's neuer Ausgabe nicht dem jetzigen Standpunkt der Forschung entspricht 
— man mag es mir verzeihen, wenn icn hierbei an meine eigenen Arbeiten er- 
innere — habe ich in einer Sitzung der NumismM. Gesellschaft bemerkt. 

A. T. Sallet 



Literatur. 133 

Bach alphabetisclier Ordnung bringt, wollen wir, so unwissenschaft- 
lich dieselbe auch im Grunde ist, nicht weiter tadeln, da mit Rück- 
sicht auf den Torwiegend praktischen Zweck des Buches es sich 
nicht leugnen lässt, dass das erste Böstimmen, überhaupt das 
Eatalogisiren einer einzelnen Münze dadurch wesentlich erleichtert 
wird. 

Um übrigens den Freunden einer chronologischen Ordnung 
gerecht zu werden, versprechen die neuen Herausgeber, und das 
ist mit Freude zu begrüssen, am Ende des sechsten Bandes ein 
besonderes Yerzeichniss zu geben, in welchem die Münzen, soweit 
dies möglich ist, chronologisch zusammengestellt und geordnet 
sind. — 

Der zweite Band der neuen Auflage^) euthält noch (p. Vil — 
XIV) einen von wärmster Theilnahme und aufrichtiger Anerkennung 
zeugenden Nekrolog Cohens, den Chabouillet, bei Cohens Lebzeiten 
dessen Chef, am Grabe des Verstorbenen, der zugleich ein achtungs- 
werther und liebenswürdiger Mensch war, gesprochen hat,') 

Mit den. schönen Schlussworten dieses Nekrologs wollen auch 
wir unsere Anzeige schliessen. Sie lauten: 

PiEumi nous, au cabinet des m^dailles, le Souvenir de Henry 
Cohen sera toajours vivant. Nous n'ouvrirons jamais un de ses 
livres, nous ne reconnaitroDS jamais sa fine et pette Venture sur 
no8 registres, sans une pens^e de regret pour le pr^euz colla- 



1) Er umfasBt Nerta bis Faustina mater. Der dritte Band soll noch im 
Lanfe dieses Jahres eischeinen, and fSr das Ende desselben versprechen die 
Herao^get^er nne page de mannscrit de la main de Mr. Cohen , souTenir aato- 
grapbe de ce celebre nqmismate. 

2; AHocntion prononc^e aar 1a tombe de H. Henry Cohen k Bry-sar Marne 
(Seine) le mercredi, 19. mai, par M. Cabouillet. — Derselbe ergänzt in manchen 
Einzelheiten die biographische Skizze Fröhners. Letztere betreflbnd möchte ich 
hier auch noch daranf anfinerksam machen , dass die Worte (!• c. p. 75) »Be- 
sonders waren ihm (Cohen) die Metrologen verhasst; er hielt die Resultate der 
Wagong for nichtig und meinte, kein zünftiger Numismatiker habe je eine 
Wage in die Hand genommen'^, natürlich nicht bnchstftblich genommen werden 
können. Cohen wenigstens sagt selbst in einer Anmerkung aar Introdnction 
(P p. XVII) Je me suis servi dans tons mes essais d'ane balance cMant a un 
qnart de oentigramme. 



/i 



134 Literatar. 

borateur, poor rhomme de boime compagnie, Thomme aa commerce 
facile et sar, avec qui nous avons pass^ tant d'ann^s! 
Qail repose en paix» Tinfatigable travaillear! 

Gotha. Emil Matthias. 

P. S. Ich bemerke zu der vorstehenden Recension, dass ich 
nicht in allen Punkten mit derselben übereinstimme. Dass die 
alphabetische Reihe für ein Nachschlagebach die einzig richtige 
oder doch die einzig bequeme ist, möchte ich — wenigstens für 
meine geistige Veranlagung — auf Grund langjähriger Erfahrung 
behaupten. Dass Cohen nicht alles kennt, was andere Gabinette 
(z. B. Berlin, Gotha, München) enthalten, ist sehr zu entschuldigen, 
wenn man bedenkt, wie schwer es ist, überallher alles Material 
zu erhalten. In Berlin ist übrigens nur eine sehr kleine Anzahl 
von Münzen, welche Cohen nicht hat, in München und Gotha 
doch jedenfsdls noch weniger. Dass erst im 2. Band die Yorrede 
sagt, dass die Scheidung nach Metallen aufgegeben sei, scheint 
mir nicht tadelnswerth, denn der Augenschein lehrt es ja, ohne 
Vorrede. Der Tadel der Abbildungen scheint mir wohl zu hart; 
wer gewohnt ist, von Jahr zu Jahr seinen Ansprüchen auf völlig 
treue, in allen Punkten genügende, nicht mechanische Abbildungen 
mehr und mehr zu entsagen, wird Dardel's meist recht gute Re- 
productionen nicht tadehi. Ich kann nur sagen, dass trotz mancher 
wissenschaftlicher Mängel^ mancher Versehen und kleineren Ge- 
brechen (wie sie alle Bücher haben) sowohl die erste wie die so 
bedeutend erweiterte zweite Auflage des grossen Cohen'schen Werkes 
äusserst brauchbare , die Wissenschaft^ fordernde Unternehmen 
sind, was ja im Grossen und Ganzen auch der Herr Verfasser der 
vorstehenden Recension anerkennt. A. v. Sallet 

Theodor Elze. Die Münzen Bernhards, Grafen von Anhalt, 
Herzogs von Sachsen. 11. Heft, Berlin 1881, E. S. Mittler & Sohn. 
49 S. 4^ Mit i Eupfertafeln. 

Nach 11 Jahren ist das Heft dem ersten^) gefolgt, doch 

1) 8. Berl. Bl. f. Mzkd. Bd. VI 8. 350. 



Literatur. 135 

gereicht das dem im Auslande lebenden Herrn Verfasser keines- 
wegs zam Vorwurf, sondern im Gegentheil verdient seine Be- 
harrlichkeit ebensoviel Anerkennung, als sein Fleiss und seine 
Genauigkeit, von der auch diese Fortsetzung Zeugniss ablegt. 
Hier werden den 16 Brakteaten des ersten Heftes 71 andere an- 
geschlossen; nnr 71, obwohl die Reihe mit No. 88 schliesst, denn 
diese letzte Nummer 88, mit dem 4 Mal wiederholten Seeblatte 
von Brena^) kann doch wohl der Prägestätte, auf welche das 
Wappenbild so bestimmt hinweist, um deshalb nicht entzogen werden, 
weil ein gewisser Löwenbrakteat Bernhards mit ebenfalls sinn- 
loser Umschrift diesem stylverwandt ist. — Abgesehen davon, dass 
Hr. Elze öfter vielleicht die Grenze zwischen den gräflichen und 
den herzoglichen Gepragen Bernhards zu scharf zu ziehen bemuht 
ist, geben mit einer sogleich zu erwähnenden Ausnahme seine 
Bemerkungen zu Erinnerungen keinen Anlass^ ja bezüglich der 
merkwürdigen Münzen, die den Herzog mit schwörender Rechten 
und Fahne, zwischen zwei Brustbildern darstellt, den Löwen zu 
seinen Füssen (No. 20) ist sogar ausdrücklich anzuerkennen, dass 
er im Gegensatz zu seinen Vorgängern das Münzbild unzweifelhaft 
lichtig dahin auffasst, dass Bernhard hier vor seinen Vasallen den 
Herzogseid leistet. Im Irrthum dagegen ist der Herr Verfasser, 
wenn er den kleinen Brakteaten (20 Mill.) mit COSttG und dem 
mit zwei Liliensceptem zwischen zwei Thürmen stehenden Grafen 
(No. 19) an Bernhard giebt. Als Grund gilt ihm, dass unmöglich 
Heinrich I., Bernhards Sohn und Nachfolger in seinen Anhaltischen 
Stammlanden, nachdem er einmal den Titel princeps angenommen, 
(zuerst in einer Urkunde von 1215) sich auf Münzen noch des 
Titels Comes bedient haben könnte, und femer, dass er der No. 45 
mit DVX sehr ähnlich sei. Ersteres Argument widerlegt sich 
aber einfach durch den zweifellosen Brakteaten desselben Fürsten 
Heinrich aus dem Gerbstädter Funde mit G0iß8SH€ (Stenzel, 
num. Studien Taf. IV, 1), und das letztere ist werthlos, so lange 

1) 8. Zt. f. Mifreiuide S. 661 Taf. 69 No. 8. Auch Ich bcsitia «in Bzemplmr 
dieser selteaen Hnnieo, die ich nie als Breniscli beanstandet hebe. 

MamUnuitlMh« Zeitaehrift. Z. 10 



A 



136 Literatur. 

nicht die Zugehörigkeit dieses DVX-Brakteaten an Bernhard ge- 
sichert ist, das ist sie aber keineswegs, yielmehr wird man sie, 
eben mit Rücksicht aaf No. 19, dem jüngeren Sohne Bernhards, 
Herzog Albrecht I. (1212 — 60) geben müssen, dem man ja auch, 
jedenfalls mit Fug und Recht, jene Brakteaten mit DVX SHXONie 
zueignet, welche der Herr Verfasser zufolge der Vorrede gleich- 
falls seinem Vater zuschreiben zu wollen scheint. Wen aber 
diese doch wohl schlagenden Gründe etwa noch nicht überzeugen, 
dann darf man nur die Thatsache entgegenhalten, dass die in Rede 
stehende No. 19 mit COflZG aus dem Funde von Basdorf stammt, 
(s. Zt. f. Mzfrde. Tf. 50 No. 2, S. 467 No. 2), den Herr Stenzel 
in das 3^ Viertel des XIII. Jahrhunderts setzt und der Münzen 
des Erzbischofs Willebrand von Magdeburg 1135 — 53 enthalten 
hat. — Möge das Schlussheft, welches den Rest der Brakteaten, 
namentlich eine Reihe schriftloser, sowie die zweiseitigen Denare 
bringen soll, recht bald diese nützliche Monographie vervollständigen. 

H. D. 



Friedlaender, Julius, die italienischen Schaumünzen des 
15. Jahrhunderts (1430—1530) 217 S. 4°, 52 Lichtdruck- Tafebi 
und einige Holzschnitte. Berlin, Weidmann 1882. 

Dies Seiner Kais, und Egl. Hoheit dem Kronprinzen, dem 
hohen Protector unserer Museen gewidmete, von mir bereits 
früher angezeigte vortrefSiche Werk ist mit der vorliegenden 
vierten Lieferung abgeschlossen. Der Verfasser giebt uns Be- 
schreibung und grossentheils auch die Abbildung der Werke von 
49 Künstlern und Kunstschulen; jedem Abschnitt geht eine auf 
sorgfältige Forschung begründete, ebenso ansprechende als be- 
lehrende Einleitung voran. Friedlaender beschränkt sich überall 
nur auf das absolut sichere, enthalt sich aller Gonjecturen und 
Vermuthungen, wenn diese nicht irgend wie urkundlich beglaubigt 
oder sonst verbürgt sind. — Die dem Werke beig^gebenen 52 
Lichtdrucktafeln, nach galvanoplastischen Niederschlagen, von 



Liteiatnr. 137 

Herrn Frisch hergestellt, geben einen genossreichen und belehren- 
den Ueberblick jener grossartigen Eunstperiode, beginnend mit 
dem genialen Yittore Pisano, der den gefeiertsten Eünstlem des 
Alterthums ebenbürtig ist, den ernsten und würdigen Werken des 
Matteo di Pastas, des Marescotti und Boldu; den Leben athmen- 
den Bildnissen des Sperandio und der Florentiner Kunstschule, 
dann etwa um 1500 übergehend in die yoUendete Zartheit und 
Anmuth des Filippino Lippi, die liebenswürdigen Eleinmeisterwerke 
des Pomedello, und endlich endigend mit Francesco Sangallo's 
übertriebenen Versuchen, die Terschwundene Kraft des 15. Jahr- 
hunderts wieder erwecken zu wollen. — Friedlaender's Werk ist 
eine der bedeutsamsten und werthyoUsten Erscheinungen auf dem 
Gebiete der kritischen Kunstliteratur, die uns ein leider so wenig 
allgemein bekanntes Gebiet in reichster Fülle in Wort und Bild 
zu lebendiger Anschauung bringt — Möchte unsem deutschen 
Schaumünzen der Renaissance, die an Grossartigkeit yielleicht 
hinter den Italienern zurückstehen, sie aber an Innigkeit und liebe- 
yoUer Ausführung bei weitem übertreffen, recht bald eine ähnliche 
wissenschaftliche und künstlerische Verwerthung beschieden sein. 

A. y. S. 



Paul Joseph: Goldmünzen . des XIY. u. XY. Jahrhunderts 
(Disibodenberger Fund). Nebst urkundlichen Beilagen zur Münz- 
geschichte der Rheinlande, besonders Frankfurts. Mit 4 Licht- 
drucktafehi. Frankfurt a. M. 1882. 8^ S. 224. (Sonderdruck aus 
M. Archiye f. Gesch. u. Alterthumskunde in Frankfurt a. M., neue 
Folge Bd. Vni). 

Die Grundlage und Veranlassung dieser Arbeit bildet ein 

kleiner Schatz yon nur 104 Gt)ldmünzen, welcher i. J, 1841 in den 

Ruinen des Klosters Disibodenberg entdeckt wurde; sie gehören 

sammüich dem XY. Jahrhundert an und scheinen im Jahre 1504 

yergraben za sein. Mit Ausnahme zweier italienischen, einiger 

borgundischen und holländischen, sind sie in Frankfurt und yon 

10* 



138 Literatur. 

den rheinischen Kurfürsten geprägt, und zeigen zum Unterschiede 
z. B. von dem von mir (Eöhne, Zeitschr. Neue Folge S. 40) be- 
schriebenen, allerdings 30 Mal zahlreicheren und etwas späteren, 
aber doch fast alle diese Gepräge enthaltenden Goldfunde von 
Ghoerau (bei Dessau), in wie hohem Grade es den rheinischen 
Kurfürsten gelungen war, fremdes Geld vom Umlaufe in jenen 
Gegenden auszuschliessen^ es fehlen hier namentlich die doch so Ter- 
breiteten kaiserlichen Gepräge von Basel, Lüneburg und Nördlingen, 
wie nicht minder die so häufigen Schwabacher. Wichtig ist von 
den Frankfurter Goldgulden No. 4, von Sigismund, mit dem 
Gepräge einer Krone und eines Schwert und Kirche tragenden 
Kaisers (Götz K. M. 567). Bisher glaubte man (Götz und Euler), 
er sei auf Sigismunds Wahl geschlagen, und dieser Kaiser selbst 
dargestellt; dem stellt der Herr Verfasser seine Ansicht gegen- 
über, dass wir bei dieser zwischen 1429 und 1431 von der Stadt 
geprägten Münze vielmehr an Karl d. Gr., der nebst S. Bartholo- 
maeus damals in Frankfurt besondere Verehrung genoss, zu denken 
haben, zumal Sigismund gar nicht in Frankfurt, sondern in Aachen 
gekrönt wurde. 

Ausser diesem Goldgulden und einem anderen Frankfurter 
von Ruprecht enthält dieser Fund keine Seltenheiten. Dennoch 
hat ihn Hr. J. d. zu einer trefflichen Abhandlung verwerthet, da^ 
durch dass er eine chronologische Darstellung der rheinischen 
Goldgtdden in der zweiten Abtheilung angeschlossen hat^ wozu 
uns die noch aufbewahrten, mit 1385 beginnenden Münzordnungen 
der Rheinischen Kurfürsten, die in den meisten Fällen auch das 
Gepräge festsetzen, die Handhabe bieten. Besonders interessant 
ist die Thatsache, dass i. J. 1425 der Kaiser vergebens den Ver- 
such machte, zu dieser Münzeinigung zugelassen zu werden, die 
Kurfürsten wussten ihn unter dem Vorgeben, sich über ein ge- 
meinsames Gepräge nicht einigen zu können, fernzuhalten, und 
aus diesem Grunde erklärt sich auch das Fehlen derartiger Verträge 
für die Zeit von 1425-37 (S. 26, 43). Nicht minder lesenswerth 
ist die dritte Abtheilung (S. 52-- 122) über „die Frankfurter Gold^ 



Litontur. 139 

münzen im XY. Jahrhundert^. Unter den vielen münz- und 
kulturgeschichtlich bedeutsamen Vorgängen, die uns hier vorgeführt 
werden, sei nur hervorgehoben, dass schon König Ruprecht im 
Jahre 1404 sich mit dem Gedanken trug, Gold- und Silbermünzen 
aus reinem Metall zu schlagen, ein Gedanke, dessen Ausführuug 
unserm Yaterlande zu unendlichem Segen gereicht haben würde, 
der aber an der ungünstigen Au&ahme beim Frankfurter Rathe 
scheiterte (S. 54, 223), und femer der grossartige, in einer uns 
noch aufbehaltenen Denkschrift niedergelegte Plan Eonrads Herrn 
von Weinsberg, für ganz Deutschland nach einem gemeinsamen 
und zwar dem Frankfurter Münzfusse zu prägen (S. 78). Die 
betreffende Urkunde ist abgedruckt in der reichen, die Jahre 
1402 — 1503 umfassenden Sammlung von 66 Urkunden und ISMünz- 
abrechnungen und Proben, mit denen das Werkchen schliesst. 
Endlich sei noch erwähnt, dass solche Goldgulden, wie nach S. 84 
Kaiser Sigismuod dem Herzoge Adolf v. Berg in Mülheim zu 
schlagen erlaubte, mit St. Johann und Reichsapfel, allerdings vor- 
handen sind^ sie befinden sich in zwei verschiedenen Geprägen 
im hiesigen Egl. Museum, die eine mit Sigismundus Romanorum 
rez, die andere mit S. Johannes Baptista, beide aber mit dem 
Namen der Prägstätte. 



Podschiwalow, A. M. Beschreibung der unedirten und 
wenig bekannten Müuzen von Sarmatia Europaea, Chersonesus 
Taurica und Bosporus Cimmerius etc. Moskau 1882. 4^. 26 S. und 
3 Tafeln Lichtdruck. 

Eine wichtige Publikation merkwürdiger Inedita und inter- 
essanter Seltenheiten aus des Herrn Verfassers Sammlung. Ganz 
neu ist eine Drachme Polemo'sl. mit Pegasus auf der Rs.; eine 
Ergänzung der Reihe derHeraklesthaten auf Münzen Sauromates'UI.: 
der Heros am Hesperidenbanm; eine höchst merkwürdige Kupfer- 
münze, im Gepräge (verschleierter weiblicher Kopf Rf. Scepter) 
völlig denen mit ATPinnEHN oder KAIZAPEHN ähnliche (Pha- 



140 Literatar. 

nagoiia?) aber mit der Inschrift BAZIAEQZ (wohl nicht 0£) und 
Monogranun aus /}, a, q^ was man sonst gewohnt ist ßaoikiwg 
^PrjoxovTioQidog aufzulösen; dann würde die Münze, welche der 
Verfasser unbestimmt lässt, Rhescuporis I. angehöreQ (14 — 17 n. 
Chr.). Die Kupfermünze mit Helioskopf, Ä/. Stern und Halb- 
mond, welche man Mithradates H. (42 — 49) zugeschrieben hat, 
gleicht so auffallend dem bekannten grossen Stück des Eubiotos^), 
dass ich sie viel eher in seine, also eine weit frühere Zeit setzen 
möchte. Der Verfasser ist ebenfalls geneigt, die Bestimmung 
„Mithradates U.^ nicht zu adoptiren. — Bemerkenswerth sind 
femer eine Yorzügliche Reihe alterthümlicher Silbermünzen von 
Panticapaeum (Löwenkopf und Quadratum incusum), tbeils ohne 
Inschrift, theils mit PA, FAN; Silbermünzen von Nymphaeum (?) 
(NY), Phanagorla, neue Jahreszahlen einiger späteren Königs- 
münzen, eine Reihe der seltenen Münzen des Eubiotos^ eine Münze 
des Eupator mit eigenthümlichem Monogramm, denn ich glaube 
doch, dass das angebliche I nur ein Stück der rechtwinkligen 
Umkleidung des Haupttheils ist, also nicht BA EIY, sondern BA£|Y 
zu lesen, und eine Reihe anderer Seltenheiten imd unedirter 
Varianten. Der auf S. 25 erwähnte angebliche „Kriskon, Sohn 
des Oros'^ beruht nur auf falscher Lesung oder einem Fehler der 
Hdschr. des Constantin Porpbyrogenitus. Es steht: ^avQOfiatog.,, 
Kqiaxbiv oqov di naig und ^avQO^axov zov xqiokoqovov^ was aber 
nicht heisst, wie es oft noch in der neueren Literatur steht: „ein 
Sarmate, Kriskon, der Sohn des Oros^ u. s. w., sondern: SavQofxa- 
Tag... ^PiaxovnoQiöoQ (oder 'PiaxovnoQOv di) naig u. ö. w., d. i. 
also Sauromates, der Sohn des Rhescuporis, wie Gary (bist, des 
rois etc. Paris 1752 p. 80) völlig überzeugend nachgewiesen hat. 
— Das byzantinische Glasstück mit unerklärter Legende 

BOHeHAMHMKC 
ist aber so zu lesen: 

K€ BOHeH AMHN 

KvQiB ßoii&BL afirjv. — Herrn P.'s Publikation ist ein interessantes 
1) «Eubiotes' ist wohl nur Versehen, ebenso «Fhocea''. 



Literatur. 141 

und werthvoUes Sapplement za Eöhnes grossem Werke und den 
anderen, in letzter Zeit recht spärlichen Beiträgen zur Numismatik 
der klassischen Gegenden Russlands. A. v. S. 



flalke, H., Einleitung in das Studium der Numismatik. 
Berlin (F. und P. Lehmann) 8^ 164 Seiten. 

Eine populär -wissenschafidiche Uebersicht der antiken und 
modernen Numismatik, Vielehe gewiss anregend und belehrend 
wirken wird. Nach einer allgemeinen Einleitung werden die 
Münzen der Griechen, Perser, Phönizier, der Romer, der aus der 
Völkerwanderung entstandenen Reiche, der Orient, die Merowinger, 
Karolinger und das deutsche Münzwesen des Mittelalters und der 
Neuzeit betrachtet, als Anhang dazu dient eine lehrreiche Ueber- 
sicht der brandenburgischen Münzprägung. Den Schluss bildet 
ein Abschnitt über die Medaillen und die Technik der Münz* 
prägung. — Einzelne Kleinigkeiten könnten vielleicht in einer 
folgenden Auflage geändert werden, so z. B. (p. 54) ist es nicht 
richtig, dass Aurelian's Münzen besser wären, als die seiner un- 
mittelbaren Vorgänger und Zeitgenossen; sie sind genau ebenso 
wie diese, meist ziemlich kunstlos, aber sauber. Was (p. 15) über 
ein angebliches Ausprägen von »gestempelten Barren^ als älteste 
Münze gesagt wird, entbehrt jeder monumentalen Grrundlage, wie 
der YerÜASser allerdings auch in der Anmerkung sagt. — Wenzel 
Jamnitzer ist aus der Reihe der Medailleure zu streichen (p. 150). 
— Hubert Goltz beging nicht „Lrrthümer'', welche eine „mildere 
Beurtheilung^ verdienen, sondern war ein überaus frecher litera- 
rischer Fälscher, welcher sich Inschriften auf Münzen oder auch 
überhaupt ganze Münzen erdichtete. — Bei Behandlung der 
griechischen und römischen Münzen könnte vielleicht im Gegen- 
satz zu den merkantilen und technischen Fragen das kunst- 
geschichtliche und historische Moment als die eigentlich 
ideale und den Geist erfrischende Seite der Numismatik mehr in 
den Vordergrund treten. A. v. S. 



142 Literatur. 

Weyl, Adolph, Yerzeichniss der Dubletten des Königlichen 
Mönzcabinets zu Berlin. 1882. 

Der Dablettenvorrath des Egl. Münzcabinets, welcher nament- 
lich durch die Ankäufe der grossen Sammlungen Prokesch, Fox, 
Grote, Guthrie u. s. w. ausserordentlich gross geworden war, 
wird am 9. October d. J. von Hrn. A. Weyl versteigert 
werden. Der vorliegende Catalog enthält fast 5000 Nummern, 
darunter grosse Seltenheiten und wichtige, werthvoUe Stucke, 
z. B. das silberne, sicilisch-punische Octodrachmon mit Demeter- 
kopf und Pegasus, den Electronstator von Syracus mit Apollo- 
und Artemiskopf, einen schonen Stater von Alexander d. Gr., einen 
prachtvollen Aureus der Lucilla, Constantin d. Gr. in Gold mit 
FRANCIA, Denare von Heinrich-Pribislav von Brandenburg, vor- 
zügliche Brakteaten von Walther von Amstedt und Erzbischof 
Wichmann von Magdeburg, eine äusserst seltene silberne Medaille 
von Joach. Friedrich als Administrator von Mageburg (von Tobias 
Wolf), ein schönes Originalmedaillon von Victor Pisanus (Victorinus 
Feltrensis), endlich eine bedeutende Reihe seltener und schöner 
orientalischer Münzen. Hr. Weyl besabsichtigt, nach Beendigung 
der Auction eine gedruckte Preisliste auszugeben, wodurch der 
Catalog ein nützliches Handbuch für Sammler wird. A. v. S. 



143 



Beiträge znr antiken Münz- und Alterthnmsknnde. 



Jahreszahlen auf MUnzen des taurischen Chersonesus. 

JJass die MüDzen der Stadt Chersonesus in der Krim — 
welche auf neueren Landkarten, völlig den Denkmälern entgegen, 
immer noch „Chersonesus-Heraclea" genannt wird — eine Reihe 
von Jahreszahlen der im Jahr 36 vor Chr. beginnenden Aera von 
Chersones enthalten, habe ich zuerst vermuthet (Zeitschrift für 
Numismatik I, p. 29 f.), später konnte ich die Richtigkeit dieser 
Yermuthung durch den Goldstater dieser Stade im Pariser Cabinet 
mit der Umschrift ßaaile(y)ovaTjg hovg gd^ (Zeitschr. f. Numism. 
IV, 273) beweisen. 

Bei der immerhin noch spärlichen Reihe von datirten Münzen 
von Chersonesus ist aber jede neu auftauchende Jahreszahl von 
Wichtigkeit, ich gebe daher die Beschreibung eines derartigen 
Stückes aus der vor einigen Jahren in Leipzig verauctionirten 
S8tnmlang Leitzmann, das ich hier gesehen und mir ab- 
gedrückt habe: 

Hf. Roher Apollokopf r., vor ihm Schlange und HO, hinter 

ihm XEP 
Rf, Artemis schreitend, von vom, mit Pfeil in der Rechten, 
Bogen in der Linken, ähnlich wie auf den Goldmünzen 
der Stadt. JE 4. 
Wir haben hier also die neue Jahreszahl HO, 78 der Aera 
Ton Chersones. Die bis jetzt bekannte Reihe aller datirten 
«dbersoneeischen Münzen ist demnach: 

MiNMft nur NnmUnatUL. X. H 



Or Jahr 73 (GoU). 



Oi , 


, 74 (Kupfer). 


oe , 


. '5 , 


oz , 


, ^^ 


HO , 78 


if , 


, 104 (Qold). 


EIOYC PO , 


■ 109 



Das Goldstück vom Jahre 73, frGher in der Sammlaog des 
Staateratbs Becker in Dresden (und Odessa), hat jetzt, wie ich 
bereits £rüfaer bemerkt habe, die Berliner Stunmlimg erworben. 



Die Marken von Olbia. 




Wohlbekannt sind den Münzknndigea jene massenhaft anf der 
Stelle des alten Olbiopolis gefundenen kleinen kupfernen Fische 
(oder Delphine?), welche wohl einstimmig fOr Marken, zu irgend 
ducm Handelsüweck dienend, gehalten werden. Die bei wdtem 
häufigste Art dieser Fisch-Marken trägt in recht alten guten 



Beiträge znr antiken Mänz- ond Alterthamsknnde. 145 

Buchstaben die Aufschrift 0Y, die weit seltenere Art hat APIXO, 
eine Inschrift, welche ähnlich, APIX^ sich auch auf gegossenen 
runden Kupfermünzen alterthümlichen Aussehens finden, welche 
dem Gepräge und Fundort nach ebenfalls unzweifelhaft nach Olbia 
gehören. Was die Bedeutung jener wie Fische gestalteten Marken 
anlangt, so ist natürlich ihre Beziehung auf den Fisch-Handel nahe 
liegend und diejenige Erklärung der Stücke mit OY, welche darin 
die Abkürzung für v^tVoc, Thunfisch, in späterer Zeit %^vwog ge- 
schrieben, sieht ^), ist wohl die ansprechendste, ja sie scheint 
zweifellos, wenn man bedenkt, ein wie wichtiger Nahrungs- und 
Handelsartikel der Thunfisch war, namentlich am schwarzen Meer. 
Die grosse Masse von griechischen Wörtern, welche mit &vvog 
zusammengesetzt ist und sich auf den Fang u. s. w. dieses Fisches 
beziehen, beweisen zur Genüge die grosse Rolle, welche dieses 
Thier im Alterthum gespielt hat. 

Viel schwieriger schien aber die Erklärung der Aufschriften 
der anderen Fischmarken: APIXO, die, wie gesagt, sich auch auf 
den runden Münzen oder Marken von Olbia mit Gorgonenantlitz 
und Rad, etwas abgekürzt, findet Der verstorbene Eoehler, 
der kenntnissreiche, zuweilen aber in seinen Behauptungen und 
deren Verfechtung nicht sehr glückliche Petersburger Gelehrte, 
hat diese Aufschrift TAPIXOZ gelesen oder ergänzt, aber seine 
Erklärungen dieses Wortes braucht man gar nicht zu lesen, denn 
es steht eben einCach nicht jaQixoQy sondern ägixo und agix auf 
den Marken. Neuerdings hat W. Fröhner (Gatalogue de la 
collection J. Lemm^, Paris 1872, p. 24) yersucht^ sowohl die 
Marken mit OY als die mit APIXO von Olbia wegzunehmen und 
sie theils einer Stadt Thynias, theils der Völkerschaft der Arrichi, 
ji^flXoL, bei Phanagoria znzutheilen. 

^ Dieser Deutung steht aber entgegen, dass beide Marken immer 
in Olbia gefunden werden; die grosse Sammlung des verstorbenen 
Staatsraths Becker, welcher in Olbia selbst Ausgrabungen ver- 
anstaltet hat, enthielt grosse Massen jener kupfernen Fische mit 
1) Mir ist leider nicht gegenn&rtig, wo diese Dentong sueist steht. 



146 A. T. Sallet: 

OY und eine bei der sonstigen grossen Seltenheit^) der Stücke 
mit APIXO sehr bedeutende Anzahl letzterer. 

Die Betrachtang der Exemplare aas Beckers Sammlung, 
welche hier zur Yersteigerung kam, hat mich auf einen anderen 
Erklärungsversuch gebracht. Es fiel mir auf, dass — bei un- 
zweifelhafter Gleichzeitigkeit beider Sorten — die mit ©Y be- 
zeichneten Fischchen stets klein, die mit APIXO aber stets viel 
grösser waren (s. Abb.) Etwas mit dem Fischhandel yerbundenes 
muss wohl jedenfalls, nach Analogie des OYi^o^ oder, was wahr- 
scheinlicher ist, &VVOV oder t^vwov, sc. Marke, auch in dem APIXO 
stecken. 

Es giebt aber nur ein griechisches Wort, welches mit dem 
ägixo identificirt werden kann: a^^ixog^ also alterthümlich a(»ixo?9 
heisst der Korb. 

Ich glaube also, die kleinen Marken galten fQr einen Thun- 
fisch, die grossen mit APIXO für einen Korb voll Thunfische, 
ein natürlich gesetzlich normirtes Mass, und APIXO ist der dorische 
alterthümliche Genitiv von o^^ixog : aQi%o^a^^ixox\ Damit stimmt 
denn auch vollkommen, dass die Fischchen mit OY weit häufiger 
sind, als die mit APIXO, es gab weniger en gros Käufer als solche, 
die nur die täglich nöthige Nahrung kauften. 

Wie man sich die Verwendung dieser Marken zu denken hat, 
mag ein Handelskandiger erklären. Vielleicht war der Handel 
mit Thunfischen, als des wichtigsten Nahrungsmittels der Bewohner, 
vom Staat der Olbiopoliten irgend wie monopolisirt oder doch 
staatlich überwacht, und es wurden vom Staat Marken für einen, 
oder für einen Korb voll, verkauft oder ausgegeben, für deren 
Abgabe man nachher die Waare selbst empfing, ähnlich wie bei 
uns früher die Salz-Anweisungen im Bureau verkauft und dann 
im Magazin gegen Abgabe der Zettel die Waare geliefert wurde'). 

1) Wenigstens früher galten diese Stocke för sehr selten, jetzt sollen grossere 
Funde gemacht sein. 

2) Ich verstehe nichts von merkantilen Dingen, glanbe mich aber zu er- 
innern, dass zar Zeit des Salzmonopols eine derartige Einrichtung be- 
standen hat. 



Beiträge zor antiken Münz- und AlterthQmsknnde. 147 

Dass es ausser den fischfönnigen Marken mit APIXO auch runde 
Stücke mit dieser Inschrift und Gorgonenantlitz auf der Vorder- 
seite (s. Abbdg.) giebt^ ist kein Gegenbeweis, die runden könnten 
eventuell für andere Waaren gegolten haben — ich will nicht 
conjiciren, aber erinnere an die Krabbe auf den SilbermQnzen 
▼on Agrigent mit einem breiten, gorgonenartigen Gesicht auf der 
Schale, wie denn bekanntlich manche Erabbenarten auf dem Rücken 
wirklich eine, einem breiten^ fratzenhaften Menschengesicht ähn- 
liche Zeichnung haben. 

Wenn die Beziehung dieser Marken auf den Handel mit Nah- 
rungsmitteln richtig ist, so drangt sich mir für eine dritte Klasse 
kupferner Marken eine Yermuthung auf: man giebt die kleinen 
gegossenen Stücke: 

Hf. IIT 

Rf. Rad (s. Abbldg.) 
gewohnlich nach Istrus, in dem IST den Stadtnamen erkennend. 

Aber die Technik dieser Stücke ist so durchaus den olbischen 
Kupferstücken gleich, der Staatsratb Becker besass eine so be- 
deutende Anzahl dieser Marken oder Münzen mit IZT aus olbischem 
Fundort, dass wohl auch für sie die olbische Herkunft gesicherter 
ist^ als die aus dem weit entlegenen Istrus, dessen Münzen mit 
denen von Olbia sonst keine Aehnlichkeit haben. 

Sollte man dies IZT nicht ebenfalls auf einen zum taglichen 
Gebrauch nöthigen Gegenstand deuten, vielleicht etwas, was mit 
iOtiov^ Segel, zusammenhängt?^) 

Ich will mich aber nicht in weitere Conjecturen verlieren, 
sondern bemerke ausdrücklich als erschwerend, dass eine vierte 
Art von gegossenen Eupferstücken jener Gegend, mit Pallaskopf 
und Rad, die Inschrift PAYZ hat, welche wohl kaum eine Stadt 
bezeichnen kann, sondern höchst wahrscheinlich den Namen eines 
Beamten von Olbia giebt. 



1) 4lao will, wie mir mitgetlieilt wird, Abweichungen im leisten Buchstaben 
Inacbrift gefunden haben und ihr demgemto eine andere Dentang 
geben. 



148 A. T. Sallet. 

Diana Dauphena. 




Aus der ßaach'schen Sammlung stammt eine merkwürdige, 
vom früheren Besitzer nicht ganz richtig gelesene Münze der Ber- 
liner SammluQg, welche uns einen bisher unbekannten Beinameii 
der Artemis giebt: 

Coala in der thracischen Chersones. 

Hf. AVRELCOMMOACAEAVGI.. (Augusti filius), Brust- 
bild des Caesar Comrooduä mit Gewand r. 
Rf, MANAE AAVFEN AEL MVNICIPII COELAN Stehende 
Artemis im Jagdkleid L, in der Rechten Schale, im 
linken Arm grosse Fackel. JE 7. 
Rauch wollte, wohl nur verleitet durch Reminiscenz an „Sau- 
feius^: „Dianae saufenae^ lesen, aber das dem griechischen Delta, 
wie immer auf dieser Münze, ähnliche D ist deutlich und wir 
haben DIANAE DAVFENAE zu lesen. Auf die Bedeutung dieses 
bisher wohl unbekannten Beinamens leitet das Attribut der Göttin, 
die Fackel. Wir haben es offenbar mit einem griechischen, nur 
lateinisch transscribirten oder transformirten Beinamen der Artemis 
zu tbun, welcher von dag und q>atvo) abgeleitet ist, also: die 
fackellcuchtende Artemis. Regulär würde das Wort wohl dao* 
(pavog lauten, nicht davqn^vr]. Dass aus öaoidav wird, ist häufig, 
auch auf Münzen haben wir Beispiele: ZAVAaog gleich 2a6kaog 
auf Silbermünzen von Metapont und Inschriften von Tauromenium, 
ähnlich auf Münzen NEYMHNIOZ, NEYIlOAITnN, QEY in Theo- 
dosia (Eaffa) u. s. w. 




Beitriga znr antiken Mfint- und Altertbnmskande. 149 

Mit dieser Diana Däuphena hängt offenbar audi. die Umschrift 
anderer Münzen Yon Coela zusammen: 

MVN-FANE-AEL (Eckhel D. N. II, p.50). 

Wenn die von £ckhel als fremde Lesung gegebene Inschrift 
wirklich genau so ist, hat man vielleicht so zu erklären: muni- 
cipium Fahae (oder Fanense?) Äelium etc. „Fana^ lautete dann 
hier der für Diana stehende Beiname der Göttin, also Oavrjy was 
sehr an bereits bekannte auf die Artemis bezügliche Inschriften 
erinnert, so «^ANOKAHZ, der athenische Beamte, neben seinem 
Namen sein redendes Wappen, die fackeltragende Artemis (Beulö, 
les monnaies d'Ath^es p. 376, Cavedoni folgend), endlich die 
höchst wahrscheinlich ebenfalls auf Artemis (von Ephesus?) be- 
zügliche Aufschrift des uralten, oft besprochenen, aber noch nicht 
mit völliger Sicherheit erklärten Electronstater des Britischen 
Museums^), welche Newton las: 

A M P ^ i ^3 il o \A3A<D 

d. i. q>a€voQ eifii a^ßa. Trotz der später an der Lesung des 
y^fpaevoQ^ ausgesprochenen Zweifel scheint mir, nach dem Electro- 
typ zu urtheilen, Newtons Lesung entweder überhaupt die richtige, 
oder doch die der Wahrheit am nächsten kommende. Das (paevoQ^ 
oder — nach Fränkel's Lesung — q^atvog, d. i. qxxivovg^ ist, 
was allgemein anerkannt wird, der Genitiv eines Beinamens der 
Artemis, Oaivd oder ähnlich, der durch unsere Münze der „Diana 
Däuphena^ in Coela und durch die fackeltragende Artemis als 
redendes Wappen') des athenischen Beamten Oavoitk^g noch eine 
weitere Bestätigung findet. 

1) Zuerst: Cb. Newton, Nomismatic Chronicle N. S. X, p. 287. — Nnm. 
Chron.N.8.XV,p.264. — Fraenkel, Arcbäoloff. Zeitung 1879, p. 27. Qardner, 
ebenda, p. 184. Vgl. ancb Sali et, Zeitscbr f. Numism. I, p. 280. 

2) Man bat das Wort «Wappen* als für das Altertham nicht intreffend, 
getadelt leb weiss sehr wobl, dass derartige bildlicbe Symbole keineewegi das 
waren, was beut aneere Adelswappen sind und gebrancbe das Wort nur der 
Kürze wegen. Im Alterthum waren diese redenden .Wappen*' natürlich nnr 
selbst gewählte Symbole: Lampros, der Beamte TonChioe, bat die glftntende 
Fackel, Leon, der Beamte ton Tarent, den Luwen u. s. w. 



150 ^« y- d>net: 

Elaeus in der thracischen Chersonesus. 




Vor einigen Jahren erwarb das Berliner Museum folgende 
Münze, die erste und einzige sichere der Stadt Elaeus: 

Hf. Pallaskopf r., denen auf den Münzen von Hepfaaestia 

und Myrina Lemni sehr ähnlich. 
R/. EAAIOY SinN Eule von vorn, unter ihr ein Mono- 
gramm aus K und A, oder ähnlich. M 4. 
Mionnet (Suppl. U, p. 533) giebt zwei ganz abweichende Stucke, 
Silber und Kupfer mit der angeblichen Lesung EAEOYZ; die 
Stadt heisst 'Elaiovg und ^EXeovg. Unser oben beschriebenes und 
abgebildetes, völlig deutliches Exemplar kam zugleich mit vielen 
Münzen der nahe gelegenen Prägestatten Imbros^ Hephaestia» 
Pariam u. s. w. aus Smyrna. Die Citate Mionnets beziehen sich 
auf eine Notiz Sestini's (Lottere nnmismatiche VIII, p. 37), 
welcher die beiden Münzen, die Mionnet reproducirt, nicht selbst 
gesehen, sondern nur aus einem^ wie er selbst sagt, sehr mangel- 
haften, im Jahr 1799 in Warschau gedruckten Auctionscatalog be- 
schreibt — Die eine silberne 'Münze, welche Sestini aus jenem 
Catalog giebt: 

Hf. Caput mulieto'e pinnis murorum omatum. 
Rf. EAEOYZ Noctua pansis alis stans. M. 
ist, wie jeder Münzkundige sofort sieht, nichts anderes als die ge- 
wöhnliche Münze von Amisus, auf welche die verschiedensten Be- 
amtennamen neben der Eule stehen, auch das angebliche EAEOYZ 
ist natürlich Anfang eines solchen Beamtennamens. 

Dass unsere Münze nur nach dem thracischen Elaeus und 
nicht nach der cilicischen Insel Elaeasa (Sebaste) gehören kann, 
beweist die Fabrik und die Darstellung, welche fast völllig mit 
den Münzen des benachbarten Lnbrus und Lemnus übereinstimmt. 



Beiträge zur antiken Mnns- und AUerthnmskunde. 151 

Der angebKche Neopfolemot von Epirus. 

Ich weiss nicht, ob man nicht schon die hier folgende kleine 
Beobachtung gemacht hat, halte sie aber für nicht ganz un- 
wichtig, da der von Mionnet nach Sestini beschriebene angebliche 
yjNeoptolemos^ in der numismatischen Literatur^) weiter figarirt, 
was vielleicht nicht mehr geschehen wäre, wenn man sich nicht 
mit Mionnets Beschreibung begnfigt hätte, ohne deren Quelle, 
Sestini selbst, anzusehen. 

Sestini (Descriptio numorum p. 163) beschreibt die Münze 
des „Neoptolemus Epiri^: 

Scuta tria in orbem composita. 
Bf. NEOIITOAEMOY Basis cum columna acrostolio omata, 
cui figura insistit; in area monogramma constans literis 
' AHEIP iE 3. 
\ii der Anmerkung sagt nun Sestini, Haym habe EYÜO- 
AEMOY statt NEOÜTOAEMOV gelesen, dies sei aber ein Irrthum. 
Die Sache ist umgekehrt, Sestini's Münze ist die gewöhnliche des 
Eupolemos, des Strategen des Eassander'), in den Münzsamm- 
lungen der Reihe der Könige von Päonien zugetheilt: 
Rj\ Drei Schilde über einander. 

Rj\ EYPOAEMOY kleines Schwert; die Scheide unten dick, 
mit Bandelier. Im Felde Monogramm. M 3 — 4. 
Das Schwert kann auf schlechten Exemplaren sehr leicht so 
verstanden werden, wie Sestini beschreibt: Säule auf einer Basis 
(das dicke Ende der Scheide), oben Figur (der Griff mit Knopf); 
das Acrostolium ist das umgeschlagene Band, welches wirklich 
bisweilen einem Acrostolium ähnelt. Die Deutung des Monogramms 
ist natürlich irrig. 

Eckhel spricht in seinen Addendls zur Doctrina p. 25 f. über 
diese von Sestini beschriebene Münze und corrigirt Sestini's Be* 
hauptung, Haym habe falsch gelesen, doch erkennt Eckhel noch 

1) Z. B. Werlhof, Haodbach der grieeh. Numiamatik, p. 168. — Barth^lemy, 
noa? eau manuel etc., p. 169. 

2) Droyaen, Ge»€b. d. Diadoeben II, p. 84. 






152 A. T. Ballet: 

Dicht die Identitäi beider MQnzen und SestiDi's irrige An&sanng 
des FarazODinniB auf der HückBeite der M&nze. 

Sestini scheint später selbst niclit mehr sa den „Neoptolemas" 
geglaubt zu haben, denn er führt ihn in der zweiten Ausgabe 
seiner Classes generales nicht mehr an. 



NachbHdungen der Pallas des Phldias auf MUnzen. 




Nachdem man das fOr meinen Geschmack äusserst anmuthige, 
gewiss den Kunststyl des Originals glScklich wiedergebende 
Marmorfigfircben in Athen gefunden, welches ans eine sichere, 
wenn auch späl^echische, Nachbildung der Athene des Phidias 
giebt, hat man namentlich auf den Münzen nach ähnlichen Figuren 
gesucht, doch gl&ckte es nicht, bis jetzt mehr zu 6nden, als das 
der Phidias'schen Figur eigenthOmliche Motiv: die Stützung des 
die kleine Nike haltenden Armes durch eine Säule. 

K. Lange (Mittheiiungen des Deutschen arc^iäologischen In- 
stituts, Athen, Bd. VI, p. 69), bringt als Analogon eine athenische 



Beiträge zur antiken Mnnz- and Alterthumsknnde. 153 

Enpfermünze mit sitzender Figar bei, die aber in Stellang, B^ 
dentong und sogar in der Gestalt der Arm-Stütze noch sehr 
zweifelhaft ist, da die Exemplare dieser seltenen Münze nie recht 
klar und deutlich sind. Glücklicher war ß. Weil, welcher auf 
häufigen Kupfermünzen von Smyma eine Aphrodite Tyche auf- 
fand, welche, genau wie das athenische Marmorfigürchen, den Arm 
durch eine Säule gestützt zeigt und auf der Hand, analog der 
kleinen Nike, einen kleinen Eros mit Kranz trägt (Zeitschrift für 
Numismatik VIII, p. 334). 

Es ist aber jetzt möglich, wirkliche Nachbildungen jener Pallas 
des Phidias auf Münzen beizubringen. 

Zunächst erscheint, freilich nur in stumpfer Erhaltung, aber 
doch deutlich und erkennbar, jene Pallas mit dem auf die Säule 
gestützten, die Nike tragenden Arm, mit Schild und Lanze, auf 
einem athenischen Bleistück der Berliner Münzsammlung*) (s. Abb.); 
es ist eine jener in Athen so massenhaft vorkommenden Marken^ 
welche zum Theil wohl ofBciellen Charakter haben, deren nähere 
Bestimmung und Alter aber schwer anzugeben ist. 

Die Beischrift dieses Stückes ist die der meisten athenischen 
Münzen, schlecht gestellt: AGH' Das Thetä scheint sicher den 
Querstrich zu haben, also ist die Bleimarke wohl aus recht später 
Zeit und gewährt nicht gerade besonderes kunsthistorisches Interesse: 
es ist natürlich, dass eine und die andere athenische Marke oder 
Münze einmal ein Abbild der berühmten Pallasfigur des Phidias bringt. 

Eine ungleich wichtigere genaue Nachbildung jenes Phidias- 
schen Werkes glaube ich aber auf einer Münze der besten Zeit 
griechischer Kunst gefunden zu haben, es ist das oben neben der 
Marmorfigur abgebildete Silberstück, welches ich leider nur nach 
einer Abbildung wiedergeben konnte, da ich das Original nicht 
kenne'). Die Münze gehört zu jener Reihe kleinasiatischer Silbcr- 



1) Die DarsteiluDg warde von Friedlaender und mir, dann auch, unabhängig 
▼OD ans, von R. Weil erkannt. 

2) Abgebildet bei Blau, die Herren von Sopbene, Numismatiacbe Zeitscbrifl 
(Wien) Vin 1876/77, p. 100. Früher im ßeoitze eines Baron Teoco. 



154 A. ▼. Sallet: 

münzen, welche in Cilicien, wahrscheinlich in Tarsus, geprägt sind^ 
was die auf anderen Stucken ähnlichen Styls häufige Darstellung 
des Zeus mit der phönizischen Beischrift „Baal Tars^, der Baal 
von Tarsus, zu beweisen scheint. Die Zeit j^ner Münzen ist wohl 
sicher die erste Hälfte des vierten Jahrhunderts, etwa um 380, 
370, 360 V. Chr. Auf der Vorderseite unserer Münze erscheint 
eine zwischen Sphinxen thronende Göttin linkshin, eine Blume in 
der Rechten*}. 

Die uns hier interessirende andere Seite der Münze beschreibt 
Blau (welcher im Jahr 1876 die athenische Figur natürlich noch 
nicht kannte) als „Änaitis^, welche mit der Athena Nikephoros 
verglichen wird u. s. w., „statt der Lanze ein Baxmistamm^. 
Aber ein Blick auf die Abbildung imd die der Marmorfigur wird 
Jedem zeigen^ dass von einem „Baumstamm statt Lanze^ gar 
keine Rede sein kann. Vergleichen wir beide Figuren, so sehen 
wir die frappanteste Uebereinstimmung: der Helm mit den drei 
Büschen, die Aegis um die Schultern, man sieht auf der Münz- 
abbildung deutlich die Schlangen — die entblosste Brust ist na- 
türlich ein Irrthum — , Nike auf dem rechten Arm, den Schild in 
völlig gleicher Stellung am Boden; endlich, was irrig als Baum- 
stamm gezeichnet ist, auf dessen spitziger Krone in ganz unmög- 
licher Weise die Hand der Göttin ruht, ist, wie der mit ziem- 
licher Sicherheit behaupten kann, welcher gelohnt ist mit Münz- 
abbildungen zu operiren, gewiss die, oben am Capitell wahr- 
scheinlich schlecht erhaltene, daher vom Zeichne, der ja die Pallas 
des Phidias noch nicht kannte, missverstandene stützende Säule. 

Die Münzdarstellung ist in allen Kleinigkeiten wie im Haupt- 
motiv der Marmorfigur so ähnlich, dass an zui&llige Ueberein- 
stimmung wohl nicht gedacht werden kann. Es ist keine von Phidias 
unabhängige Darstellung eines geläufigen Pallastypus, sondern eine 
Copie der berühmten Figur,,von Athen. Wir wissen, dass 
gerade Münzreihen yon Cilicien gern griechische Münzen entlegener 
Gegenden copiren: sa erscheint z. B. auf Silbermünzen von Soli 
1) S. über diese Figur weiter unten, bei ,Cybe1e* etc. 




•• 



B«itrig« iQr antiken HSoi- imd Alterlbamkand«. 155 

ein Pallaskop^ welcher den Didrachmen von Heraklea in Lncanien 
entlehnt ist; ciliciscbe Satrapen münzen copiren den Arethusakopf 
von Syracne oder den Demeterkopf von Larisa'). Aber, wenn 
aacb in jenen ciliciscben Gegenden, und zvar in derselben Zeit, 
am 370 v. Cbr., cursirende MOnzen fremder Gegenden copirt 
wurden, ist es doch ein auffallendes und kunstgescbichtlicb Qber- 
rascbeodes Factum, im fernen Osten ein vollkommen treues Ab- 
bild jener athenischen Pallas des Phidias zn finden, ond diese 
cilicische Copie der athenischen Sculptur ist von höchstem Inter- 
esse, weil sie nicht, wie jene athenische Bleimarke oder die smyr- 
n&ischen MOnzen, ans sp&terer Zeit stammt, sondern der besten 
Knnstperiode, etwa um 370 v. Chr., angehört, welcher der Meister 
der attischen PaUasfigar in der Zeit nicht sehr fem stand. Es ist 
das erste und älteste Beispiel einer mit Sicherheit nachzuweisenden, 
genauen Copie eines grossen Sculptur werk es auf Mßnzen, und ein 
Beweis, wie Phidias' Bildsäale ihren Ruhm bis weit in den Orient 
hinein verbreitete und die dort wohnenden, den Persem unter- 
worfenen Hellenen zur Nachbildung auf ihren Mfinzen anregte. 




Bf. AV KAI M AVPH ANTnNINOC ^igea Brastbild 
des Caracalla r., mit Kranz ond Gewand. 



1} S. memeD Anbilz aber Copien tod HänitTp«!!, Zfitiffarift för Namit- 
matik, II, p. 124. — In Lari» ist die Oöttla (iehsr ktioa .Njmphe* aondem 
Damater (»dar Penaphone), ala hat bUweUan totd öbar dar Stint i«ai AebraB. 



156 A. ▼..S»llet: 

Rf. IAH CKHi^IIlN AAPAA Pallas, Aphrodite und Hera 
stehend, r. Eros springt (den Apfel haltend?) auf sie 
zu, rechts ein Baum, Oben auf dem Berg Ida sitzt 
Paris r., den Kopf nach den Göttinnen wendend, den 
r. Arm mit dem Ellbogen auflehnend. M 10. 
Dies ist die richtige Beschreibung des z.uerst von Sestini, 
später Von Eckhel und Mionnet gegebenen Stückes der Sammlungen 
Hedervar und Ennery, von Mionnet irrig für „Suspect^ gehalten, 
nach dem Exemplar der Berliner (Fox'schen) Sammlung. Ob- 
gleich die Gottinnen schon von Sestini richtig benannt sind und 
Eckhel auch die Bedeutung des Gegenstandes erkannt hat, wird 
doch die Figur des Paris selbst bislier überall verkannt^). Paris 
in der nachlässig zurückgelehnten Stellung, vielleicht den Hirten- 
stab in der Linken, findet sich vielfach ähnlich auf antiken Denk- 
mälern. Die Münze ist zwar mangelhaft erhalten, aber die ganze 
Darstellung und auch die am wenigsten deutliche Figur des Paris 
ist klar genug. Auf Münzdarstellnngen ist, soviel ich weiss, das 
Parisurtheil sonst nur noch einmal, anders gruppirt, auf einer 
Alexandrinischen Münze des Antoninus Pius (Miliin, galler. mythol. 
Nr. 538, nach Morell) beobachtet worden, die Münze verdiente 
also trotz ihrer mittelmässigeü Erhaltung eine Abbildung. 



Baktrische MUnzen. 

Nach guten Papierabdrücken der bekannten Sammlung des 
verstorbenen General Court gebe ich hier einige Ergänzungen zu 
meinen „Nachfolgern Alexanders d. Gr. in Bakrien etc.^ — Die 
Originale der hier besprochenen Stücke konnte ich. leider noch 
nicht untersuchen. 



1) Eckhel D. N. II. 487. Sestini Mus. Hederrar II, p. 140, Nr. 3. Mionnet 
Snppl. V, 580, Nr. 506. — Zeitscbr f. Namism. I, p. 299. 



Beifraire zur autiken tfönz- and Alterthamskuode. 157 

Euicratidea. 

H/,BA11\EQI. MErAAOY EYKPATIAOY Behelmter Kopf 
des Königs r. 

Ä/. pl^^DT P^^•>^vr p^^das letzte Wort, der 
Niune, von etwas abgerundeten Formen, nicht deutlich. 
Die stehenden Dioskuren, r. Monogramm: ^^ 

M 3. 

Diese äusserst seltene, von mir ähnlich nach Cnnninghams 
Pablikation beschriebene redazirte Drachme des Königs mit aria- 
nischer Schrift, zeigt eine höchst sonderbare Abweichung in der 
Inschrift der Rückseite. General Abbot's Exemplar hat die ge- 
wohnten Formen der Titulatur: 

maharajasa mahatakasa evukrätidasa 

Die Court'sche Münze hat aber ganz bestimmt nicht den sonst 
allen baktrischen Köm'gen gemeinsamen Titel maharajasa, sondern 
nur rajasa, also „Könige statt „grosser König^. Es fehlt nicht 
etwa ein Stück der Umschrift, sie ist völlig symmetrisch, mit 
„rajasa'^. beginnend. — Da mit Eukratides überhaupt die arianischen 
Münzumschriften anfangen, so ist ein anftngliches Schwanken im 
Titel: „Könige oder „grosser König^ natürlich, ähnlich wie wir 
dies in Rom bei dem Imperatortitel des Titus (als Pränomen) 
sehen, als diese für einen Kronprinzen neue Art der Titulatur be- 
gann, und erst feste Normen gefunden werden mussten. 



Strato I. 



Bf. BAUAEnZ Eni*ANOY2 ZaiHPOZ CTPATnNOZ. 
Weibliches Brustbild r. mit herabfallender Haarlocke, 
wohl Artemis. (Oder Apollo?) 



158 A. T. Sallet: 

^/ P1% 1>*ll^ Vy ^b Pl"l ^^ mahärajasa 
prachachasa tradatasa. — Köcher, das Band r. sichtbar, 

1. Monogramm GD oder ähnlich. M 6. 

Dies Gepräge Strato's scheint noch unbekannt. Auch hier 
ist der von mir zuerst beobachtete Beiname: „prachachhasa^ = 
eniq)avovg völlig deutlich und zweifellos. 

Hyndopherres. 

Die Court'sche Sammlung enthält einige Stucke des Hyndo- 
pherres, welche gewisse, allerdings nur unbedeutende Theile der 
Lesung feststellen, ohne jedoch über einen immer noch unerklärten 
Theil der Arianischen Legende sicheren Aufschluss zu geben. 

Hf. BACIACOJC BACIACWN HCFAAOV VNAO^CPPOV 
Der König zu Pferde L, in der Rechten Kranz, von 
der hinter ihm schwebenden Nike bekränzt Im Fnlde 

links ^ 

Rf. 

>:>vjy p^%^)r ?5*>*t >y^ii"> 'fii'yx^ 

Poseidon stehend von vom, auf den Dreizack gestützt, 
Palmzweig in der Linken, ganz wie auf Antimachus 

Münzen. Im Felde links J^ und rechts ein arianisches 

TT 

g oder gu. 

Zunächst ist also die Lesung wdoq>iQQOVy welche ich (p. 162 
meiner Nachtolger Alexanders d. Gr.) gegeben, gewiss in in^do- 
(ptQQOV zu ändern, es ist ein schlechtes (rundes?) £psilon, wie die 
ganze Aufschrift sicher beweist. Die auf zwei Exemplaren Courts 
sehr deutliche und fast ganz vollständige Umschrift der Rückseite 
ergiebt: 



BeitiiKe in antiken Kvdz- nnd AlterthamsknDde. 159 

maharajasa rajarajasa mahatasa (? das m sehr zweifelhaft) 
. . ha . sa gudapharasa, 

es bleibt also, wie auch auf andern Münzen dieses Königs, immer 
noch ein Theil der Titulaturen unerklärt. Ich wage nicht, bei der 
etwas lassigen Form der Buchstaben in jener Zeit, den noch un- 
deutlichen letzten Titel vor dem Namen irgend wie zu ergänzen. — 
Interessant ist die Darstellung des Poseidon, der genau mit 
den schönen, fiast um 300 Jahr älteren Münzen des Antimachus 
Dens stimmt (s. Nachfolger Alezanders etc. p. 95), doch ist, bei 
der häufigen Wiederholung älterer Typen auf baktrischen Münzen 
Tor geographischen u. dgl. Schlussfolgerungen daraus zu warnen. 

Maues. 

Das von mir im IX. Band der Zeitschrift für Numismatik, 
p. 161, beschriebene und abgebildete merkwürdige Stück des Maues 
folgt hier in berichtigter Beschreibung nach Gourt's vollkommen 
schönem und deutlichem Exemplar: 

EJ. BAHAEnS BAUAEXIN METAAOY MAYOY Thro- 
nender Gott, wohl sicher Zeus, Scepter in der Linken, 
von vom, mit der Rechten die Schulter eines kleinen, 
nackten, Tor ihm von vom stehenden Gottes berührend, 
dessen Haupt und Körper ganz von Strahlen um- 
geben ist. 
Bj\ rajadirajasa mahatasa muasa, links im Felde das Mono- 
gramm. Stehende Artemis -Selene von vom^ mit der 
Linken den um Haupt und Oberkörper wallenden, auf- 
geblähten Schleier fassend, im linken Arm Scepter. 
Auf dem Haupt scheint sie die Mondsichel zu tragen. 

m 4—5. D 
Artemis-Selena (MAO, des Maues redendes Wappen), hält 
also nicht die Fackel, wie ich glaubte, sondern wie auch auf an- 
deren Münzen des Maues, den Schleier. Der kleine Helios auf 
der Rückseite, offenbar ein Gegenstück der Artemis, mit dem 

Seltsehrifl Ar Kambaatik. X. 12 



160 A. T. Sallet: 

thronenden Zeus gruppirt, ist sonst meines Wissens beispiellos. 
Beide Seiten der Münze sind von anmuthiger, rein griechischer 
Zeichnung. — 

Die von mir (Nachfolger Alexanders d, Grr. p. 139 unten) 
beschriebene viereckige Kupfermünze des Maues mit Elephant 
und Zebustier ist in Courts Siimmlung, sehr schon^ als iE 6 D 
vertreten. 



Zeionises. 

Ein Hauptstück der Sammlung Court ist das merkwürdige, 
von Prinsep und Wilson (s. m. Nachfolger Alexanders p. 170) 
abgebildete Tetradrachmon des Zeionises. 

Hf. . . .AOY YIIY C VTPAniY und unten: FOY oder EOY. 
Der Eonig zu Pferd r. den rechten Arm ausstreckend, 
r. das Symbol, wie es bei mir 1. c. dargestellt ist. 

Rf. 1?T^i1| • • • •«yTo also: manigtt...jihaniasa. 
Der König (?) stehend von vom, auf die Keule (?) oder 
das Schwert gestützt, mit Armbändern an beiden Ober- 
armen. Zu beiden Seiten steht je eine unbekleidete (?) 
Figur, deren jede einen Kranz über des Königs Kopf 

hSlt links im Felde ^ M 7. 

Zunächst die Umschrift: das Chiechische ist schöner und voll- 
ständiger als sonst, die Lesung: ...Aot;, also wohl fieyalov, vlov 
aatQartov ist fast völlig deutlich; der Name nur zum Theil sicht- 
bar, ob die Endung aov oder, wie auf dem prächtigen Berliner 
Tetradrachmon, yov war (s. Zeitschr. £ Numismat. IX, p. 165 f.), 
ist nicht zu unterscheiden. Das: manigu(la . . .) jihaniasa ist 
schön und deutlich^). Den Typus glaubte ich früher für eine Be- 
kränzung des Herakles durch Nike und eine andere Gottheit 
deuten zu müssen, während die englischen Grelehrten eine Königs- 
krönung darin erkannten. 

Das vorliegende Exemplar scheint sicher zu beweisen, dass 
1) Siehe 1. c. aber die Doppelform des «ni*' in der UmBchrift. 




Beiträge eut antiken Mfinz- nnd Alterthninskande. 161 

icli Unrecht hatte. Die von zwei Figuren (Göttern?) bekränzte 
Gestalt tragt genau wie der König Zeionises selbst auf der Ber- 
liner Tetradrachme Armbänder, ist also wohl der König selbst, 
dem, wie auf der Berliner Münze die Tyche, hier zwei Gott- 
heiten Kränze darbringen. 



UnbesUmmter KBnig. 

(s. m. Nachfolger Alexanders etc., p. 171.) 

Eine Cruz in der baktrischen Münzreihe bleibt die sonder- 
bare viereckige Kupfermünze mit Eleiter und Löwe. Man würde 
sie ganz unbedingt als werthlosen, barbarisirten Azes verwerfen, 
wenn die Inschriften nicht durchaus gute Formen zeigten, keine 
Spur von Barbarei, und nicht so völlig von Azes Umschrift ver- 
schieden wären. Courts Sammlung enthält zwei Stück dieser bis 
jetzt noch sehr seltenen Reihe: 

1. Hf. Der König zu Pferde r., mit langem Diadem und ein- 

gelegter Lanze. Umschrift oben und rechts undeutlich, 
unten: ATA YD.. Rechts im Felde ^ 
Rf. Mähnenloser Löwe r., oben zwei baktrische Mono- 
gramme. Umschrift oben undeutlich; von rechts an ist 
zu lesen: 

2. Hf. wie bei Nr. 1, doch das Monogramm hier: >j Um- 

schrift unten El AI** ^rik& DTAI •• 
Rf. wie bei Nr. 1, doch oben und r. unten Monogramm. 
Umschrift rechts unten beginnend: 

Mb.n 

Also nichts voUstkndiges, ATAYD oder ATAYD und EIA . . 

OTA^und arianisch: P *> ^ "PP Xf 

und: ^ :> > 1 ^..tl^h l 

12* 



A 



162 A. ▼. SaUet: 

beides nur unyolllstandige Theile der Auüsclirift, doch ergiebt sich 
etwa: 

. . hapasa . . spa . • pa akasa. 
Tiel mehr als ich 1. c. p. 172 über diese wunderlichen Um- 
schriften gesagt, kann also auch jetzt nicht gegeben werden, im 
Gegentheil, die Sache wird durch die Varianten im Griechischen 
wie im Arianischen noch dunkler. Das Anklingen an chhatrapasa, 
kaphasa, kapasasa (s. Zeitschr. f. Numism. IX, p. 163 und m. 
Nachf. Alex. d. Gr., p. 172 u. 173) hilft nicht yiel, denn dass die 
Münzen mit diesen Namen und Titeln aUe etwa in dieselbe Reihe 
gehören, steht schon fest. 



Kanerki. 

Buddha. 

Ef. Spuren der Aufschrift PAO KANHPKI, der König 
opfernd 1., wie gewöhnlich. 

Ä/ • • A A* JL Y ^ ^ • • (^) ®^^ Terzogen. Thronen- 
der Buddha, von vom. M 6. 
Wiederum ein EIxemplar der seltenen Buddha-Münzen, im 
Gepräge ganz dem von mir bekannt gemachten Berliner Exem- 
plar gleichend (s. Nachfolger Alex. d. Gr., Taf. VI, Nr. 1), doch 
sehr mangelhaft in der Umschrift, das ßovdo scheint rückläufig 
zu sein, Tom Beinamen etwa ein A und N zu sehen. 



Unbestimmter König der Turashica- Dynastie. 

Rf, Stehender König 1. mit Nimbus, die Linke auf den 
Dreizack stützend. Vor ihm ein im Oberkörper sicht- 
barer Stier 1. Umschrift scheint sehr wild, man sieht 

rechts: 0< b A H links: H< OWI A f^ ^ ^^ 

etwa PAO NANO AHM ... (?) rückläufig. 
Rf. Stehende Figur von vom, vor dem Zebustier, die Rechte 
erhebend, in der Linken Dreizack; die gewöhnliche 
Gestalt des „Okro''. iE 6. 




Beiträge znr antiken Mqdz- and Alterthumskunde. 163 

Ob die Yorderseite, die mir noch anbekannt scbeint, einen 
König oder einen Gott darstellt, ist unklar, die Umschrift ist 
offenbar stark verwildert, doch deutet das scheinbare Qao vavo 
auf einen König. 



Traian als Stammvater der Gordiane. 

Die Scriptores historiae Aogustae erzählen (Capitolin. Gor- 
diani c. 2), dass Gordianus Ä£ricanus der Äeltere sein Geschlecht 
väterlicherseits von den Gracchen, mütterlicherseits aber — seine 
Mutter war Ulpia Gordiana — von Kaiser Traian ableitete : Gor- 
dianus senior . . matre Ulpia Gordiana, originem matemam ex 
Traiani imperatoris (habuit). Gordian I. war, wie dies die weitere 
allerdings in albernem Tone gehaltene Erzählung des Capitolin. 
beweist^), ein Freund der klassischen Erinnerungen seines Volkes, 
und eine Spur seines Anknüpfens an berühmte Vorfahren konnte 
man daher wohl auf Monumenten vermuthen, wie ich dies früher 
auch versucht habe; meine Vermuthung (Zeitschr. f. Numism. VII, 
p. 139), dass das C£M auf griechischen Münzen des Kaisers 
Gordian I. (und 11.) : Sempronius (oder Sempronianus) heisst, ist 
von Theodor Mommsen als „nicht ohne Wahrscheinlichkeit^ be- 
zeichnet worden. Aber nicht bloss eine solche schwache Wahr- 
scheinlichkeit des Anknüpfens Gordians an seine berühmten Vor- 
fahren ist es, mit der wir uns begnügen müssten: wir haben einen, 
vielleicht sogar zwei monumentale Beweise, dass die Gordiane 
ihren Vorfahren, den Kaiser Traian, ofSciell gefeiert haben. 
Ich selbst habe früher auf das eine dieser Beispiele bereits auf- 
merksam gemacht, aber, da es eine wohl ausserhalb Roms ge- 
prägte und etwas barbarische Münze ist, es nicht ab monnnmen- 
talen Beweis anerkennen wollen; es ist folgende Goldmünze, welche 
Cohen im VII. Bd. abbildet und beschreibt: 



1) Oordianns (senior) poemata seriptit . . . et quidem euneta illa qua« 
Ciono.. qua« qnidatai ad hoc aeripait nt Gioeronis poomata nimis anti- 
qna Tidorentnr. 



164 A. ▼. Sallet: 

Hf. IMP • GORDIANVS • CES • AVG • Bartiger Kopf mit 
Kranz, r. 

Rf. DIVVS • PATER • TRAIANVS Stehende weibliche Figur 
mit Kreuzfackel (?) und Füllhorn. N. 

Der Kopf sieht keinem der drei Gordiane ähnlich, die Münze 
ist roh und, wie schon das CES statt CAES, auch aji ganz falscher 
Stelle stehend, beweist, barbarisch, also musste man annehmen, 
die zur Darstellung nicht passende Umschrift der Bückseite sei 
nur eine zufallige Nachbildung der Inschrift auf Traian's Münzen, 
welche er zu Ehren seines verstorbenen Vaters prägte, die dem die 
Goldmünze prägenden Barbaren gerade vorgelegen hätten. Dies 
mag für die ausserhalb Roms geschlagene, barbarische Goldmünze 
richtig sein, ich hatte aber eine andere Münze übersehen, welche 
uns einen völlig sicheren Beweis giebt, dass die Gordiane das An- 
denken ihres Vorfahren Traian auf Denkmälern verherrlicht 
haben. Eckhel beschreibt (D. N. VI, p. 422) nach le Beau fol- 
genden Denar^ welchen Cohen (2. Ausgabe 11, p.88) aus der Pariser 
Sammlung wiederholt und abbildet: 

Bf. IMP TRAIANO PIO FEL AVG P P Kopf mit Kranz 
und Gewand r. 

Rf. VIA TRAIANA Liegende weibliche Figur 1., in der 
Rechten Peitsche, die Linke auf ein Rad gestützt. 
My schlechtes Silber, 

Der erste Herausgeber der Münze, le Beau, erkennt in dem 
Kopfe die Züge Gordians des Dritten, andere franzosische Gelehrte 
widersprechen ihm, Cohen constatirt wiederum die vollige Aehn- 
lichkeit des Kopfes mit Gordian III., womit auch seine Abbildung 
durchaus stimmt; weder diese französischen Gelehrten noch Eckhel 
konnten irgend eine andere Erklärung der Münze geben, als dass 
sie, wie jene bekannte Reihe von Consecrationsmünzen der Kaiser 
(Eckhel D. N. VIII, 469), in später Zeit, im dritten Jahrhundert, 
zur Erinnerung an Traian geschlagen sei. 



Beitiiga mr aiitik«D Höiu- uid AlUrthnmiknnde. 



165 



Der erste Beschreiber der MOnze liat aber, ohne ü^eod einen 
Znsommenbang der Gordi&ne mit Traian zn ahnen, gevies richtig 
die Gesichtszuge Gordians III. erkannt, and wenn wir bedeoken, 
daes die Titel pins felix zwar schon seit Commodos Torkommen, 
aber als fast coDStaote Beinamen, and zwar meist in der Ab- 
kOrzang PIVS-FEL', also dem PIO'FEL der beschriebenen Hünze 
entsprechend, erst bei G^rdiaa HI. auftreten, so wird, zamal das 
die Äasprägang der Münze in später Zeit beweisende schlechte 
Metall der Münze feststeht, die ganz unbefangene Wahmehmong 
leBean's, der Kopf Traians auf der Münze gliche dem Gordians HL, 
znr hSchsten Wahrscheinlichkeit: es ist ein Erinnenuigsstück des 
kleinen Enkels an den grossen VoHahren. 

DasB die spute Esiserzeit eifrig an wirkliche oder angebliche 
grosse Ahnen erinnerte, ist aas der Geschichte des Kaisers Tacitos 
bekannt, welcher als angeblicher Nachkomme des Geschicbta- 
schreibers dessen Werke durch zahlreiche Abschriften za erhalten 
suchte. Bei den Gordianen ist der ron den Schriftstellern bo- 
eeugte wissenschaftliche, historische Sinn des ersten Africanns 
(Gapitolin. Gordiani, cap. 3 and 7, An&ng) der Terherrlichong des 
Ahnherrn Traian günstig gewesen. 



Cybele auf den Coniorniaten 
und ihre armenischen und cilicischen Yorbilder. 




Di« hier oben Unks abgebildete Snpfennflnxe des Berliner 



166 A. Y. SaUet: 

Museums ist vonFriedlaender(Zeitschr. für Numism. IV, p. 266) 
als armenische Satrapenmünze veröffentlicht worden, eine genauere 
Beschreibung und Erklärung der räthselhaften Aufschrift konnte 
nicht gegeben werden. Neuerdings hat Georg Hoffmann (Zeitschr. 
für Numism. IX, p. 96) versucht, diese Münze nach Aschdod in 
Phönizien zu geben. Der Styl der Münze widerspricht dieser 
letzteren Zutheilung und wir Münzkenner werden an dem ar- 
menischen oder Armenien benachbarten Ursprung des Stückes fest- 
halten müssen. Mehr lässt sich vorläufig noch nicht sagen, aber 
einen kleinen Beitrag zur Erklärung der Münze kann ich geben: 
es giebt zwei Wiederholungen der auf der Rückseite dargestellten 
Göttin, der weiblichen, von Sphinxen begleiteten Figur mit Mauer- 
krone, welche Hoffmann „Atergates^ nennt. 

Die oben rechts abgebildete, etwa um 370 v. Chr. geprägte 
silicische Silbermünze (Tarsus?), deren Rückseite die oben in 
meinem Aufsatz über Phidias' Pallas abgebildete Athenefigur ist, 
zeigt ganz sicher wieder dieselbe Göttin wie die armenische 
Satrapenmünze, nur im Profil. Die Handbewegung, die Blume, 
die Mauerkrone sind leicht in der Abbildung wieder zu erkennen. 
Blau, welcher diese Münze in der Numismatischen Zeitschrift 
(Wien) IX, p. 100 veröffentlicht, nennt die Figur „die Festkönigin 
der mit dem Anaitiskultus verbundenen Sakäen^. 

Die Figur ist aber weder die Atergates, noch die „Festkönigin", 
sondern eine Cybele, oder doch irgend eine besondere Abart 
dieser Göttin, oder, wenn man ganz genau sein will, eine solche 
Göttin, welche von Griechen und Römem mit Cybele identificirt 
wurde, und, was das wichtigste ist, eine Cybele, welche in 
Rom in später Kaiserzeit wohlbekannt war und auf Denk- 
mälern dargestellt wurde. Der oben abgebildete Contorniat (Haupt- 
seite: Kopf Alexanders d. Gr. r.) zeigt uns wiederum dieselbe 
Göttin, wie der Augenschein lehrt; ganz gleich den beiden anderen 
Darstellungen, mit Mauerkrone oder Modius, die Rechte erhebend 
(doch wie es scheint ohne Blume), unten vier Sphinxe (also noch 
zwei mehr als auf den beiden anderen Münzen). 



Beitrüge zur antiken Münz- und Alterthnmsknnde. 1(7 

EcUielO hftt in der Darsellung wohl sicher richtig die auf 
Contorniaien häufige Gybele erkaimt, seine Yermnthiuigen aber, 
dass die links erscheinende Figur Athys mit dem Pedum und 
phrygischer Mütze sei und dass unten nicht Sphinxe, soudem die 
bei Gybele gewöhnlichen Löwen dai^estellt seien, sind, wie Originale 
der Münze beweisen (die Abbildung ist nach dem Berliner Exem- 
plar gemacht), irrig. 

Dass diese Göttin wirklich nur Eybele sein kann, beweist 
eine andere merkwürdige Denkmälerreihe: die Gold- und Kupfer- 
münze des Clodius Albinus, als Cäsar unter Septimius Severus. 
Auf dieser erscheint eine thronende, in den Attributen den be- 
sprochenen Cybele-Darstellungen ganz ähnliche Gottheit, mit Modius- 
artiger Tiara, langbekleidet, die Rechte erhebend, in der Linken 
Blume oder Aehren, unten zwei Sphinxe; die Gottheit ist aber 
männlich und bärtig, (Coh. III, Albinus Nr. 41, 54, 60), mit 
der Umschrift SAECVLO FRVGIFERO. Fröhner (Medailles de 
l'empire Romains p. 151). Dieses nur bei Clodius Albinus vor- 
kommende Gepräge erklärt Fröhner unwiderleglich so: Clodius 
Albinus war gebürtig aus fladrumetum in Afirika, welches 
Colonia Concordia frugifera heisst und auf seinen Münzen 
(MüUer, Numismatique de Tancienne Afrique II, p. 52, Nr. 29) 
genau das Brustbild des auf Albinus^ Münzen darge- 
stellten Gottes, mit Aehren in der Hand, trägt. Dieser Gott 
ist der deus frugnm, deus frugifer, wie auf Numidischen In- 
schriften der Saturnus genannt wird. 

Also erscheint auf Clodius Albinus' Münzen der Gemahl 
der Cybele-Rhea, der Saturn, genau mit den Attributen — nur 
statt Blume wohl Aehren in der Hand haltend — welche Gybele 
auf den Münzdarstellungen Ton Armenien, Cilicien und ähnlich auf 
den Gontomiaten zeigt. 

Jedenfalls lehrt uns die Yergleichung der Münzen, der arme- 
niflchen, der cilicischen, der des Clodius Albinus und des Gon- 

1) D. N. VIII, 805 f. Er kannte den OontornUten nar aof HaTerkamps 
Abbildong. — Bs kommen mehrere Vorderseiten tu der Darstellnnf for. 



A 



188 A. T. Stllet: 

tomisten, dass die GrOttin keine obscnre LocalgöttJn ist, Boodem 
eine grosse, in später Zeit aogar in Rom verehrte Gottheit, eine 
in den Attributen und begleiteudea Figuren noch nicht Töllig zu 
erklärende, von den gewöhnlichen DarstellangeD zum Theil ab- 
weichende Cjrbele, die Gemahlin des auf Albinos' MOnzen er- 
scheinenden Satumua. 



Metrische Inschriften auf byzuitinischen Blelsiegeln. 




W.Froehner hat uns in einem schdaen An&atz desAnnnoire 
de la sodät^ fran^aise de Numismatique etc. (Paris 1882) den 
Nachweis geliefert, dass der ^össte Theil der loschriften auf den 
Bleisiegeln der byzantinischen Kaiserzeit metrisch ist, und zwar 
&8t immer in jambischen Trimeteni abgefaest. Gewöhnlich sind 
es nur geistlose Versifizirongen der Titulatur oder des Namens der 
Briefschreiber, bisweilen aber fioden wir in diesen letzten Resten 
hellenischer Epigramme noch den und jenen wirklich di<^terischen, 
geschmackvoll ausgedräckten Gedanken; Fröhner sagt trefiFend: 
„ce n'eet pae la flore des helles saisona; c'est une flore d'hiver, 
oä il y a plaisir k Toir percer quelque coroUe sous la neige". 

Aach das Berliner Museum besitzt eine grosse Anzahl byzan- 
tinischer Bleibullen, oft mit hmgen Inschrifteti, die, soweit ich 
diese meist stark beschädigten, schwer zu lesenden liegenden ent- 
ziffern konnte, wohl meistens oder fast immer eben&Us in jam- 



Beitrmge znr antiken Mim- und Alterthimialnmde. 1S9 

bischen Trimetem abgefasst sind; gross war aber meine Freude, 
als ich zwei wirklich zierliche und anmuthige Gedichtchen ge- 
funden und yerstanden hatte, von denen das hier zuerst mit- 
getheilte (s. oben d. Abb.) an FormvoUendong und Liebenswürdig- 
keit wohl alle bisher bekannten übertrifft, es ist eine wirkliche 
„Blnthe unter dem Schnee^. 

Rf\ Der stehende Johannes der Täufer mit Doppelkreuz, 
im härenen Gewand. Links steht O AFIOC, rechts \(Oy 
darunter O (o) und Monogramm, das ich nicht deuten 
kann, jedenfalls ein Beiname des Heiligen; ßamlatfjg 
ist es nicht, auch schwerlich ngoögofiog ^Ifjoov 
oder dgl. 

Ä/. t 

i^YXHC €MHC 
4>POYPON C€ KAI TP 

A4>a>N rPA4>a> ei kai 

KAT AM4>a> nAHN 

AAAA 4>YXHC 

nAGON t 

also zwei Trimeter: tfwx'^s ifi^g q^QovQov a< xai yQaq>aiv yQaipta 

€& Mai xot' äfigxa nl^y alla xpvxrg nXiov. 
das beisst: dich (nämlich den auf der Vorderseite dargestellten 
Johannes)^ den Wächter meiner Seele und meines Briefes, meiner 
Schriften, schreibe ich zwar auf beide, aber^) mehr noch in meine 
Seele; d. h. ich siegle mit deinem Bildniss und schreibe, präge, 
drücke es auf meine Briefe, noch mehr aber in meine Seele. Li 
freier Uebersetzung also etwa: 

Johannes, Besehötztr der Seele meio, 
Sollst auch meines Briefes Hüter sein. 
In beide prig* ich dein Bildniss ein, 
Doch tiefer noch in die Seele mein. 



1) nliip alkiy Terst&rktes iilXu. 



_ I 



170 A. ▼. Sallet : 

Bei weitem weniger poetisch, aber ebenfalls recht elegant ist 
das Gedichtchen einer zweiten, etwas kleineren Bleiballe des Ber- 
liner Museums ; auch sprachlich und metrisch ist es weniger gut. 

HJ. Der heilige Nicolaus von vom, lang bekleidet. 
Links: O und rechts: NI 
A KO 

n 

O AA 

C OC 

NIKOAAö 
rPAMMATA KY 
POI rAYKGOC 
FAYKYCI C 
GN FAYKCINI 
KOAAa>+ 
also: Nixolaov yQcififiaTa xvqoI ykvxiog 

ylvxvai ^) xal iv yXvxi (i) Nixolatp. 

Das heisst: der Brief des guten ^) Nikolaos treffe auf gute 
Leute und zwar im guten Nikolaos (mit dem gesiegelt ist). 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass auch die Rückseite eines 
Bleisiegels des Despoten Johannes H., von Neopratas (1271 — 1296), 
Bf. C4>PAriC C€BACSO(Y) Iö>ANNö T& AöKA^) jeden&Us als 
jambischer Trimeter aufzufassen ist: 

PIZAN reNOYC [G]XONTOC GK BAC(C)IAGö>N. 



1) Für ylvxiai. 

2) Des milden, g\xt meinenden u dgl. 

8) P. LambroB, Revue Namismatique 1869/70, p. 188. 



I tmtikaD Hbiu- und AltMÜnuniknnd«. 



aUlakonisclies Relief. 




Die nenerdiiigs in grosser Menge aaJgefandenen altlakoniecliea 
Reliefe mit sitzendem Mann, oft mit Mann and Fraa ond som 
Theil mit den Attribaten üner Schlange oder eines Hahns hat 
man noch nicht mit Sicherheit erklären können, ihre Zogehfirigkeit 
zu den sogenannten „Todtenmahlen", welche ich mit Hülfe der 
Mfinzen aof JDarstelInngen des Asklepioa und der Hygieia zorfick- 
gef&hrt habe (Zeitschrift fOr Nomismatik, T, p. 320), springt in 
die Augen und vird allgem^n anerkannt. 

Fartw&ngler publicirt nun (Mittheilongeo des deotschen 
archiologisches Institsts, Athen, Bd. VII, p. 160) obiges Relief. 
Wer die grßssere Anzahl der sogenannten Todtenmahle, d. h. die 
VoÜTreUefe des Asklepios, neben ihm Pferd und oft Hund, die 
ihm heiligen Thiere'), damit vergleicht, wird hier nar ein mit den 



1) Ich Mtu twi üMiiieD Lm«ii) Tonai, diu im die tod mir citlrto Ab- 
hindlniig k«Dn«D, «o di«H Attribnte do Äaklepia* lutfilullGh bMproobw 



172 A. T. Sallet: 

Händen zn greifendes Bild des Asklepios mit seinen gewohnlichen 
Attributen erkennen können. 

Damit stimmen die Attribate der andern altlakonischen Reliefs 
der Art yöllig fiberein: die Schlange und der Hahn, die all- 
bekannten Attribute des Asklepios; die Darstellung des dem Gotte 
oder Heros dargebrachten Hahnes auf den «ältesten Exem- 
plaren dieser Reliefs (Furtwängler 1. c. p. 167) stimmt ja sogar 
aufe genaueste mit den bekannten Worten des Socrates vom Hahn, 
den man dem Asklepios opfern soll, überein. 

Ich vermag Vermuthungen nicht zu folgen, welche in diesen 
Thieren „das symbolische Pferd^^), den „symbolischen Hund des 
Heros'', ,^die Beziehung des Hundes zu Lichtwesen'', den „Hahn 
und Hund als Yertreiber finsterer Dämonen" erkennen. Ich finde 
nichts Ton finsteren Dämonen, sondern glaube ziemlich hell und 
deutlich in allen diesen Thieren nur die allbekannten Attribute 
des Asklepios zu erkennen. 

Asklepios heisst bekanntlich agxrjyhrig^ wie Pausanias aus- 
führlich erzählt; auf einem der „Todtenmahle" steht ijyBfitJv 
a^ayhag — ich schloss daraas, dass ^yefiwv d^ayhag auf dem 
sogenannten Todtenmahl eben den dargestellten Asklepios be- 
zeichnet. Dies wird bestätigt durch die Beischrift eines in jene 
Reihe gehörigen, beschädigten alterthümlichen Relief^ einer an- 
geblich weiblichen Figur aus Arkadien. Dabei steht: OMHDA, 
also ayefiü) (oder ayjjinto), was Furtwängler als Heroinenname 
^Ayefid erklärt. Ein solcher Name ist aber nicht bekannt und 
hat schwerlich existirt; es ist natürlich: ay€fi(ii(v) ^ ^yeficiv zu 
lesen und dies bezieht sich — wenn die Figur wirklich ein Weib 
ist, entweder auf die vielleicht mit dargestellte, aber abgebrochene 
männliche Figur, den Asklepios, oder der Beiname i^yefitivy ab 



1) Von den dem Asklepios geweihtoD, auf den Reliefs (und den Manien) 
darfifestellten Anathemen, den Waffen, heiaat es: «auch die Waffen, die öfter 
besonders in ap&terer Zeit auf HeroenreliefiB erseheinen, gehören zum Heros im 
Allgemeinen*, wobei ich mir nichts bestimmtes denken kann. 



h 



Betrage rar antiken Mfinz- und Alterthumiknnde. 178 

Femininam, kommt derGemahlin des Asklepios, derHygieia 
Zü, welche dann in dem Relief za erkennen wäre. 

Schliesslich ist noch bemerkenswerth, dass eines dieser so- 
genannten „Heroenrelie£B„ oder Todtenmahle mit einem Pferde 
neben dem j^Heros**, d. h. also nach meiner Ansicht ein Yotiy- 
relief an Aescnlap^ die Inschrift trägt: Aescalapio Tarentino 
Salenins Areas; diese Inschrift wird far „ge&lscht^ erklärt 
(MittL des deatschen archäologischen Instituts, Athen, YII, p. 169); 
es ist aber auffällig, dass sie die meiner im Jahr 1878 aus- 
gesprochenen Ansicht nach richtige Deutung der Beliefis: 
YotivreliefB an Asklepios, enthält. — Das fragliche Belief befindet 
sich im British Museam als Geschenk des i. J. 1803 gestorbenen 
Sir W. Hamilton. 

A. T. Sallet. 



Einfl Schutzper'sdhe Medaille. 




In HeiTD Adolf Mejer's Artikel der Wiener NmnismaüsclieQ 
Zeitschrift 1882 S. 103— 109 über die Münzen der Freiherm 
Scbatzper genannt Milchling, fehlt die oben abgebildete schöne 
eilberrergoldete Medaille, welche sich im Eönigl. Münzkabinet 
befindet 

Sie stellt den Wilhelm Schutzpa- dar, Domscholasticus von 
Wflrzborg nnd Domherrn tod Speier. Er war ein Sohn des Harb- 
mann Schatzper zu Dreyss tmd Oheim des Heinrich Hermann II., 
welcher das Mänzrecht erhidt nnd die besprochenen Thaler 
pr^en liess. Wilhelm starb 29. Joni 1591. S. Köhler MB. I, 
S. 155. 

Diese Medaille ist von demselben Künstler welcher die dee 
berühmten Bischöfe Ton Würzburg, Julius Echter Ton Mespel- 
bninn, 1575 verfertigt hat. Die Vergleichong beider zeigt es. 

J. Friedlaender. 



175 



Hedal of the Bappold family by Tobias Wolff. 

(Plate IV.) 



the poBsessor of an important and perhaps uxiiqae 
medal of German workmanship, I have been reqaested to 
pnblish it throngh the medium of the Nomismatic Chronicle 
of Berlin. The piece represents a whole family of fonr persona, 
that 18 to say, a father, mother, and two children, the latter being 
of the ages of 6 and 1). According to an account giyen in 
Joecher's 'Gelehrten-Lezicon', Daniel Rappold the father was bom 
at Freibarg (in Silesia ?) in 1532, became a councillor of the Prince 
Bishop of Breslau, and was at one time Syndic of the City of 
Breslaa. He also figures as an aathor, having written a treatise 
styled ^^Historia de illastrissimo Silesiae dacata^, printed 
in „Scriptores rerum Silesiarnm by t. Sommersberg. He 
died in 1588. In this medal which bears the date 1574 he is 
described as of the age of 41, his^ wife Anna WincUerin, being 
ten years yoonger. 

Althongh no Signatare can be traced on the medal, it is oon- 
sidered by Dr. A. y. Sallet and Dr. Erman to be the ondoabted 
werk of Tobias Wolff, the distinguished goldsmith of Breslaa, who 
left that Gtty for Dresden, at the bidding of the Elector Adgnstos 
of Sazony, in the yery year in which this particolar medal was 
ezecated. As Professor y. Sallet has so recendy made a special 



y 



176 T. Wliiteombe Greene. 

stady of the works of ihis arüst, bis decided judgment alone is 
sufficient aathority for the authorship of the piece, bat it may 
be well to draw attention to such points of eyidence as the for- 
mation of some of the letters in the legend, particolarly of the 
doable ^ and the striking similarity of style between the por- 
trait of the mother and that of Victoria Heidenreich (see Taf. III 
of Part. 2. of the 3. Yol. of the Zeitschrift). The medal is no 
doabt of exceptional size, measnring nearly 62 mm, but the need 
of Space for fonr portraits is enoagh to account for this. The 
relief is low, as in the case of WoliTs signed works, and the 
general treatment corresponds with bis style in all particolars. 
The medal is of silver gilt and has a ring for saspension at each 
extremity in addition to the twisted rim. It is said that Wolff 
was not, as so many of the Italian medallists were, a painter as 
well as a goldsmith, bat the medal is decidedly of a pictorial 
rather than a scalptaresqae character, both as regards the obverse 
and the reverse. Its excellent preseryation is probably owing 
to the two rings which prevent any rabbing of the sarface. 

The execution, no less than the composition, is very remark- 
able: the rieh costames, the for, the hair, the chains, the jewels, 
and even the child's doli, being elaborated with a rare perfection 
of skiU, while the portraits are represented with marvelloas trath 
of natare. The work is at veritabe chef d'oeavre of a medallist 
of the first order. I am not aware of the existence of a second 
specimen, bat a copy of the obverse in lead may be seen in the 
Germanic Maseam at Nürnberg. 

T. Whitcombe Greene. 



177 



Der Hflnzfand von lyesehin. 

Tif.V. 



Der im dritten Hefte der ZeitBohrift f&r Nomiematik gedruckte 
Aufsatz JLe tr^or de N^jine^ des yerstorbenen Grafen S. Stro- 
ganoff nöthigt mich aus Achtung vor dem Yerstorbenen und der 
Wahrheit su einigen Bemerkungen« Wenn ich selbst es auf mich 
nehme einige Irrthümer des erwähnten Aufsatzes zu berichtigen, 
so thue ich es, weQ ich nach mehr als dreijähriger Beschäftigung 
mit der Frage wohl mit am besten mit ihr bekannt bin, dank 
den ganz beacmderen Umständen, die mir erlaubt haben, beinahe 
das ganze, in verschiedenen Händen vorhandene Material an 
russischen Münzen de9 XL Jahrhunderts mit eigenen Augen durch- 
sustudiien. 

Das Resultat dieser Studien habe ich in meinem im Frühjahr 
1882 in russischer Sprache erschienenen Werke „Die ältesten 
rusaisolien Münzen des Grossfftrstenthums Kiew^ niedeigelegt 
Dasselbe war nur wenige Tage vor dem Tode des Grafen Stro- 
ganoff der Oeffentlicbkeit übergeben worden, so dass derselbe 
kaum die nöthige Zeit gehabt habcai konnte es mit Aufinerksam- 
kcü dorchnlesen, als er, kaum eine Woche vor seinem Tode, 
den in der Zeitschrift für Numismatik erschieneiiiBa AufisMitz 
niederschrieb. loh rechne es mir zur Ehre an, dass ich mich des 

grtesten Wohlwollens des Verstorbenen zu erfireuen hattOi welcher 

13* 



.H 



178 Oraf Iwan Tolstoi : 

mit Ungeduld dem Erscheinen meines Werkes entgegen sah. 
Diesem Wohlwollen yerdanke ich, dass er nicht hinscheiden wollte 
(er hegte zor Zeit der Abfassung des Aufsatzes die yoUste Zu- 
yersicht, dass er bald sterben würde, worüber er ganz ruhig 
sprach) ohne seine Stimme über die in meinem ersten numis- 
matischen Versuche behandelte Frage abgegeben zu haben. Diese 
seine Hast erklärt hinreichend, wie er sich zu einigen irrigen Be- 
hauptungen hinreissen liess. Gewiss würde er yon denselben zu- 
rückgekommen sein, hätte es ihm die Zeit erlaubt tiefer in die 
Frage einzudringen. Ich meinerseits glaube eine heilige Pflicht 
gegen den Verstorbenen zu erfüllen, indem ich die Irrthümer 
eines so grossen Wahrheitsfreundes, wie der Graf Stroganoff war, 
zu berichtigen suche. 

Ohne die Frage über die Nationalität der yon mir be- 
schriebenen Münzen yorderhand zu berühren, erlaube ich mir 
folgende Bemerkungen yorauszuschicken: 

1. Es ist nicht richtig, dass ich alle Behauptungen meiner 
Vorgänger über die im Njeschin'schen Funde enthaltenen 
Münzen annehme. Ich stimme mit ihnen darin überein, 
dass es russische Münzen sind, stelle aber eine ganz selbst- 
ständige Classification auf, erkläre ganz anders die Le- 
genden, die Typen der Münzen etc. In Folge meiner 
Classification fällt der unnatürliche Umstand weg, dasd im 
Funde, der circa 200 Stück Münzen enthielt, Gepräge aus 
einer Periode yon 170 Jahren enthalten wären, wie man 
nach der bis zum Erscheinen meines Werkes nicht be- 
kämpften Classification des Herrn Woloschinski annahm. 
Nach meiner auf die triftigsten numismatischen Beweise 
(z. B. surfrapp^) gegründeten Classification, enthielt der 
Fund bloss Münzen des Heiligen Wladimir (988-- 1015), 
Swiatopolk's (1016) und Jaroslaw des Ersten (1016 und 
1018 — 1054), und zwar yom letzteren nur solche, welche 
in den Jahren 1016 oder 1017 geprägt ¥raiden. Die 
Münzen, die firfiher dem Grossfilrsten Georg (1155-^1157) 



Der Mdnitond toh IQesehin. 179 

sogeschrieben worden, sind, wie ich bewiesen habe, Jaros- 
law dem Ersten, der den Taufiianien Georg, abgekürzt 
Jury f&hrte, zuzuschreiben. Eine ganze Glasse Ton 
Münzen, die Herr Woloschinski Jaroslaw dem Ersten zu- 
theilte, sind von mir mit Sicherheit Wladimir dem Hei- 
ligen zugewiesen. 

Dem Zwecke meines Aufsatzes gemäss, kann ich 
meine neue Deutung der Inschriften hier nicht ausführlich 
darlegen. Das Gresagte dürfte wohl übrigens' hinreichen, 
um begreiflich zu machen, „que je n^ais pas accept^ toutes 
les assertions de mes pröd^cesseurs*^. 

2. Den vom Grrafen Stroganoff angeführten Stellen aus den 
Chroniken geht die von ihm denselben zugeschriebene 
Beweiskraft ab, denn, abgesehen davon, dass man in den 
Chroniken manche Stellen findet, die verschieden aus- 
gelegt werden können, darf man nicht vergessen, dass 
auch sp&ter, im 14. und 15. Jahrhunderte, die Chronisten 
ebenso selten der cursirenden Münzen erwähnen, obgleich 
ihre Existenz keinem Zweifel unterliegt. Dass übrigens 
die Russen im 10. und 11. Jahrhunderte nicht nur Tausch- 
handel trieben, sondern auch den Gebrauch von Münzen 
hinlänglich kannten, beweisen die zahlreichen Funde von 
muhamedanischen Münzen, die in Russland im 10. und 
11. Jahrhundert vergraben wurden und in unserer Zeit 
an^s Tageslicht gekommen sind. 

3. Die Verneinung des byzantischen Einflusses auf das Ge- 
präge unserer Münzen ist bei einem solchen Kenner der 
byzantinischen Numismatik, wie der Verstorbene es war, 
geradezu pnbegreiflich. Graf Stroganoff glaubt diesen 
Einfluss aus folgenden Gründen verneinen zu dürfen: 

a) er meint, dass auf unseren Münzen der Herrscher 
sitzend vorgestellt sei, während diese Stellung sehr 
selten auf den byzantinischen Münzen vorkam, und 
dann auch nur bis gegen Ende des IX. Jahrhunderts. 



180 <3r«^ ^^«n Tolttoi: 

b) dfiss sui den by^antmidchen Geprftg^n der Kaiser nie 
mit dem Kreuze vorgestellt ist, wie der Grossftrst aaf 
unseren Münssen, sondern mit dem Labarom. 

c) dass das Kreuz auf den firaglichen Münzen nicht by- 
zantinisch, sondern lateinisch wäre. 

d) dass der Herrscher nicht mit der Kopfbedeckung der 
byzantinischen Kaiser erscheine« 

e) dass der Kopf des Grossfursten von einem Nimbus 
umgeben ist, während man die byzantinischen Kaiser 
schon im 8. Jahrhundert so darzustellen angehört, da- 
gegen seit dieser Zeit das Christusbild auf der Rück- 
seite angebracht hat 

Von diesen fünf Behauptungen sind nur zwei absolut 
richtig: die erste und die letzte; die übrigen sind mehr 
als fraglich. 

Es ist unrichtig, dass die Kaiser nicht mit dem 
Kreuze vorgestellt wurden: gerade auf den Münzen der 
Schwäger Wladimirs, der Kaiser Basilius und Constantin 
sind sie, ein langes Sjreuz zwischen sich haltend, dar- 
gestellt; das Kreuz ist ein Patriarchenkreuz, in der Form 
von denen, die auf unseren Münzen Rind, abweichend, 
was auch natürlich ist, da der Grossfürst gar keinen Grund 
Imtte das Patriarchenkreuz sich anzueignen; die charak- 
teristischen Züge aber beider Kreuze sind die gleichen: 
dieselben Verdickungen der Zweige (öpatement), dieselben 
Peiien an den finden etc. 

Die Kopfbedeckung des Ghrossfürsten ist rein byzan- 
tinisch und hat nichts gemein mit den west-europäischen 
Kronen ; übrigens gesteht der Graf Strogano£F selbst ein, 
dass auf einigen Exemplaren die Krone byzantinisch sd; 
woher es ihm aber aber scbien, dass auf anderen die 
Krone nicht byzantinisch wäre, bleibt mdr unver^ 
ständlick 

Der Hauptunterschied zwisoh^i dem Typus unserer 



Der Minstad tob IQmhin. 161 

Mfinsen und dem der byzantmischen ist uiBo der, dass 
der Grossf&TBt sitzend dargestellt und seia Kopf Yom 
Nimbus umgeben ist leb frage nun — ist es möglieb 
auf Grund nur dieser zwei Eigentbümlichkeiten zu yer^ 
sicbem, dass die byzantinische Kunst gar keinen Einfluss 
auf unser Gepräge ausübte? Ich gUube der Graf Stro- 
ganoff selbst wäre nicht auf die Dauer auf Grund dieser 
Eigoithümlichkeiten allein bei seiner Behauptung ge- 
blieben. Mir scheint überhaupt, dass seme Auffiissnng 
auf einem Missverstandnisse beruht: er wollte in seinem 
Aufsatze wahrscheinlich nur darauf hinweisen, dass es 
unmöglioh w&re, auf den byzantinischen Stempel hinzu- 
weisen, von welchem die unsrigen copirt worden sind; die 
Richtigkeit eines solchen Satzes nehme ich gern an, da 
ich sonst in meinem ziemlich ausführlichen Werke auf 
solche Originale selbst hingewiesen hatte. Der Academiker 
Eunik hatte schon im Jahre 1861 in seinem ausgezeich- 
neten Werke über die Münzen Jaroslaw's des Ersten, 
worauf ich in meinem Buche mich wieder und wieder be- 
ziehe, kritisch bewiesen, dass die Darstellungen auf den 
russisch-byzantinischen Münzen nicht iesx byzantinischen 
Münzstempeln entnommen sind, sondern den gleichzeitigen 
Abbildungen — Gem&lden und Miniaturen; dass aof diesen 
aber die E[aiser häufig sitzend und mit dem Nimbus (der 
nicht immer, wie der Graf Stroganoff meint, als „signe de 
bäUitude^ diente) daigestellt sind, ist allgemein bekannt. 
4. Es ist unrichtig, dass ausser den in Njeschin gefundenen 
Stücken nur noch zwei mit dem Namen Wladimir bekannt 
sind ; derer giebt es jetzt im Gegentheil eine betrfiehtüche 
Anzahl, welche anderwärts gefunden worden sind. Es ist 
übrigens sonderbar, dass der Graf Stroganoff zwischen 
den zwei Exemplaren, die er als nicht ans dem Njeschin*- 
schen Funde abstammend anerkennt, auch ein falsches 
Slück angiebt, nämlich das Exemplar des Herrn Idssenko, 



182 Graf Iwan Tolstoi: 

welches mit JR bezeichnet, im Anfimge des Aii£3stzes ab- 
gebildet ist. 19h habe in meinem Werke ein ganzes Ca- 
pitel diesen F&lschongen gewidmet und ist es mir ge- 
langen, üngef&hr sogar die Zeit der Fälschung festzu- 
stellen. Ohne alle Ghründe anzufahren, welche ich fOr 
d^ Münzwissaischaft Unkundige in meinem Buche ge- 
geben habe, um die Falschheit des Stückes zu beweisen, 
genügt es, glaube ich, hier nur darauf hinzudeuten, dasa 
sogar in der Inschrift auf dem betreffenden Stücke (von 
dem übrigens mehrere Exemplare bekannt sind; eins audi 
In unserer CoUection) von dem unwissenden Falscher ein 
orthographischer Fehler begangen worden ist — nämlich, 
im Worte CTOAC muss kein € am Ende, sondern ein 
'h stehen. Was G-raf Stroganoff „pi^s form^ de deux 
piaques soudöes*' nennt^ sind ein&che galyanoplastische 
Gopien der echten Münzen (die ich sdbst häufig in der 
Hand gehabt habe), die er yör Jahren fiir echt gekauft 
hatte, niemals aber seinen Fehler eingestehen wollte. Sein 
Hinweis darauf, dass das Exemplar der Moskauer Uni- 
yersität auch aus zwei Stücken zusammengelothet sei, ist 
unrichtig und beruht auf einem vor Jahren erschienenen 
kurzen Artikel, der aber schon lange widerlegt worden ist. 

5. Die Behauptung des Grafen Stroganoff, dass bei den ersten 
Versuchen von Münzprägung man sich überall streng an 
ein Gewichtssystem gehalten hätte, ist mehr wie fraglich, 
worüber ich mich übrigens in einem Numismatischen Jour- 
nale wohl nicht besonders zu verbreiten habe (die werih- 
Yolleren Goldmünzen sind übrigens im Gewicht geschlagen). 

6. Es ist unrichtig, dass einige Exemplare mit dem Grab- 
stichel nachgearbeitet sein sollen. Diese Vermnihung des 
Grafen Stroganoff rührt d^her, dass man um die Linien 
der Abbildungen und Inschriften auf unseren Münzen 
wirklich eine unbedeutende Yertiefting von beiden Seiten 
bemerken kann. Diese Yertiefuxigen sind aber daher ent- 



Der Hnnsiand too NjMchin. Ig3 

standen, dass die Stempel der Münzen Tor dem Pr&gen 
nicht glatt geschliffen worden, daher das Tom Grabstichel 
auf beiden Seiten seiner Bewegang ao^ebaasclite Metall 
des Stempels beim Prägen vertiefte Linien im Felde der 
Münce gelassen hat. 
7. Das, was der Verstorbene ganz am Ende seines Aufsatzes 
über burleske Arbeit und plötsUche Degradation des 
Typus sagt, ist mir wenig begreiflich. Es ist wahr, dass 
unsere Münzen in ihren verschiedenen Stempeln eine 
grosse Ungleichheit an Fertigkeit bei den Terschiedenen 
Stempelschneidem aufweisen, was aber doch nicht nur im 
Mittelalter, sondern auch in sp&teren Zeiten h&ufigyorkommt. 



Diese Bemerkungen dürften genügen, um zu zeigen^ wie der 
Verstorbene leider wenig in die Frage eindrang, bevor er den 
bewussten AuÜBatz schrieb und wie wenig er mit meiner Arbeit 
bekannt war, in welcher alle die von ihm berührten Eigenthümlich- 
keiten in Extenso besprochen sind. Uebrigens, hfttte der Graf 
Stroganof^ ungeachtet seines Wunsches, noch vor seinem Tode 
einen Beweis seiner Beachtung meines neu erschienenen Werkes 
zu liefern, auf keinen Fall seine Notiz, ohne tiefer in die Frage 
eingedrungen zu sein, veröffentlicht, hätte er nicht schon vor 
Jahren (1861), wenn auch nur flüchtig, dieselbe behandelt, indem 
er in der Eöhne'schen Zeitschrift für Münz- Siegel- und Wappen- 
kunde eine ganz selbständige Meinung über die Nationalität der 
uns interessirenden Münzen aufstellte. Er meinte nämlich da- 
mals, ein Theil der von mir beschriebenen Münzen gehörte nach 
Oaüzien. Ich weiss, dass noch kurz vor dem Erscheinen meines 
Werkes er bei seiner früheren Meinung beharrte, obgleich ihn 
einige Facta stutzig machten. 

Die Literatur der von mir ausgearbeiteten Fragen ist Übri- 
geos sehr beträchtlicb, da in meinem Buche eine bibliographische 
Uebersicht von über 280 Werken und Artikeh, die seit Anfang 
des Jahrhunderts erschienen sind, zusaounengestelli ist Die An- 



184 Qraf IwM ToUtol: 

sichten über die Herkunft der Münzen waren sehr verschieden; 
seitdem aber Beichel sich zur Theorie bekannte, dass sie sud- 
slavischen Ursprungs waren ^ wirkte die Autorität dieses an- 
gesehenen Numismaten so stark auf die übrigen Kenner, dass 
die meisten seine Bestimmung als Axiome annahmen. Dieser 
Umstand sowohl, wie auch der Grund, der Reichei für die süd- 
slavische Theorie gewann, sind in meinem Buche ziemlich genau 
behandelt. Nach dem oben erwähnten Werke des Akademikers 
Kunik aber, in welchem er streng wissenschaftlich bewies, dass 
unsere Münzen keinem anderen Lande als Russland zugetheilt 
werden können, durfte man glauben, dass die vorhergehenden An- 
sichten ein überwundener Standpunkt wären. Wenn auch ich in 
meinem Werke die Frage über die Angehörigkeit der Münzen 
nach Russland besonders berücksichtigt habe, so that ich es haupt- 
sächlich einerseits, um das Material, wenn möglich, erschöpfend 
zu behandeln, andererseits, weil ich auch einige neue Beweise für 
die russische Herkunft entdeckt hatte, die Herrn Kunik noch un- 
bekannt waren. 

Zum Schlüsse erlaube ich mir einige Gründe vorzuführen, 
welche wohl genügend beweisen, dass die Münzen russisch sind 
und dass sie wirklich gangbare Münzen waren. 

Dass es russische Münzen sind, beweisen: 

1. Die Fundorte aller bis jetzt bekannten Stücke in Russland 
selbst oder in den anliegenden Ländern. 

2. Die nach drei Exemplaren, welche in drei verschiedenen 
Funden von Münzen anderer Länder entdeckt worden sind, 
fest bestimmte Zeit der Prägung (10. und IL Jahr- 
hundert), gänzlich der Regierungszeit der russischen 
Fürsten entsprechend, deren Namen auf den Münzen zu 
lesen sind. 

S. Die Besonderheit der Prägung, der Vorstellungen und der 
Lischriften, die sie isa einer selbständigen Gtattnng von 
Münzen vereinigt und sie von allen bekannten Münzen 
anderer slavischen Länder unterscheidet. 



Der Möufänd too NJMchin. 185 

Ludern ich glaube, dass diese drei Thateachen genügen, am 
die russische Abstammung der Münzen za bei^eisen, berühre ich 
nicht andere, schon vor mir angefahrte Gründe, wie zam Beispiel 
den, dass die Geschichte in keinem anderen slavischen Lande eine 
Reihenfolge von Fürsten mit den Namen Wladimir, Swiatopolk 
and Jaroslaw, die alle anf unseren Münzen vorkommen, kennt u. s. w. 

Dass aber unsere Stücke wirklich gangbare Münzen und keine 
Schaustücke oder Medaillen gewesen sind, beweisen mir, unter 
andern, folgende Thatsachen: 

L Die schon jetzt bedeutende Anzahl der gefundenen Stücke. 

2. Die Abgeriebenheit der meisten Exemplare, die auf einen 
stallen Umlauf schliessen Ifisst 

3. Die AufiGindnng in solchen Gegenden, wohin sie nur auf 
dem Wege des Handels hingelangen konnten. 

4. Die Auffindung in Gresellschafib gangbarer Münzen anderer 
Länder, die auf die Gleichheit ihres Gebrauchs hinweist 

5. Die äussere Beschaffenheit der Stücke und der Sinn der 
auf ihnen befindlichen Lischriften. 

6. Die AufiBndung einer bedeutenden Anzahl in einem Funde 
(dem Njeschin'schen). 



SrUftnmg der Tafel T« 

Nr. 1. Goldene Mvnie Wltdimirs des HeQigeii; In meinem Boebe Taf.5» Fig. 8. 
Nr. 2. Silberne Münae desselben, I. Typ., nack meiner GlasBiiication; in meinem 

Bache Taf. 12, Fig. 1. 
Nr. 8. Silberne Mnoae desselben, IL Typ., nach meiner ClsssifiGation; in meinem 

Boche Taf. 8, Fig. 1. 
Nr. 4. Silberne Mnnie desselbeoi III. Typ^ nach meiner Gtesnfieation; in meinem 

Buche Taf. 8, Fig. 11. 
Nr. 6. SUbeme MAnze desselben, IV. Typ., nach meiner Qsssiüettion; in meinem 

Bnche Taf. 7, Fig. 11. 
Nr. 6. Silberne Mfinze SwiatopoIVs, in meinem Bnche Tal 9, Fig. 8. 
Nr. 7. Silberne Mfinse Jaroslaw s, II. Typ. in meinem Buche Tal 9, Kg. 12. 
Nr. 8. Silberne Mnnze Jaroslaw's, III. '^p. in meinem Bnche Taf. 18, Rg. 1. 

St. Petersburg, 1. Oktober 1882. 

Gittf Iwan Tolstoi. 



186 



Der YiotoiiateiifaiLd Ton Tareni 



Etwa in der Mitte des Jahres 1881 wurde aaf dem Grund 
und Boden von St Brnna in der Nähe von Tarent, ein aus- 
schliesslich aus Yictoriiaten bestehender kleiner Schatz gehoben, 
der durch Yermittelnng des Professors Luigi Yiola fär das Museo 
nazionale in Neapel erworben wurde und so der Wissenschaft 
erhalten blieb. Professor de Petra berichtete über diesen Fund 
in sehr eingehender Weise in der Sitzung der Academia Pon- 
toniana in Neapel vom 2. September 1881, welcher Bericht später 
in den Fiorelli'schen Notizie degli scavi 1881, pag. 408 flg. zum 
Abdruck gelangte. Dieser neue Fund ist von boher Bedeutung, 
er ist der zweite an Zahl erheblichere Schatz, welcher ausschliess- 
lich aus Victoriaten bestand. Professor de Petra hielt ihn f&r den 
ersten derartigen, aber er übersieht dabei den Victoriatenfnnd von 
Pisa, dessen Beschreibung G. F. Gammurini im 1. Bd. (1868), 
des Yom Marquis Strozzi herausgegebenen Periodico di Numis- 
matica e Sfragistica gab, und der zur Yergleichung hier mit heran- 
gezogen werden wird. 

Bei der im römischen Silbercourant so eigenthümUchen Stel- 
lung des Yictöriats zum Denar ist es hat zu yerwundem, dass 
analog den reinen Denarschätzen, welche ja bei weitem über- 
wi^en, Yictoriatenfnnde so selten begegnen, um so mehr, als in 



Der ySctoriftteolaiid Ton TareDt. 187 

nar wenigen ScfaStsen Denare nnd Yictoiiate sich yenniecht zeigen. 
Abgesehen yon den Schätzen von Gazlona, Roncofreddo, Liria, 
Gariara and Hew-Szamos ^), welche einige wenige zweifellos nor 
versprengte Victoriate enthielten, kommen hierfEbr wohl nur die 
Fände von la Riccia und Maserit in Betracht. Ersterer, beschrieben 
von Grarmcci im Periodioco di Nom. e Sfrag. Bd. Y, pag. 285 und 
yon Mommsen in der Zeitschrift fOr Numismatik Bd. II, enthielt 
bei 3005 Denaren 150 Victoriate, letzterer, welchen Garracci im 
Heft 746 der Civilta cattolica yom 16. Juli 1881 voriäofig nur 
andentongsweise erwähnt, auf 998 Denare 123 Victoriate. 

Die 191 Victoriate des Fundes von Tarent yertheilen sich nun 
wie folgt: 

1. Victoriate ohne Beizeiohen 171 StAck 

2. Victoriate mit dem Beizeichen: Lanzenspitze 6 „ 

3. Victoriate mit C und M ...... . 4 ,| 

4. Victoriate mit IVP 10 „ 

191 Stück. 

Das yon de Petra gegebene sorgfiUtige Verzeichniss der Ge- 
wichte möge hier seiner Bedeutung halber in yollst&ndigem Ab- 
druck folgen. Es wogen: 

1. Die Victoriate ohne Beizeichen. 

Eiemplare. Gr. Exemplare. Gr. 

1 2,74 1 8,09 

1 2,80 8 840 

1 2,90 1 8,11 

1 2,96 2 8»12 

2 2,98 2 8,14 

1 2,99 8 8,15 

2 8^00 1 8,16 
2 8,08 8 847 
2 8,04 8 8,19 
8 8,05 5 8,20 
8 8,06 8 8,21 
1 8,07 6 8,82 
1 8,08 4 8,28 

1) mvmmmn (BdÜ. BImm) D, 8. 124, 186» 140, 144 und 47L 



^ 



M. Bahrfeldt: 




Eiemplare. 


Gr. 


5 


3,45 


6 


3,46 


2 


8,47 


2 


3,49 


2 


3,50 


1 


3,51 


2 


8,54 


1 


3;>5 


1 


3,56 


2 


8,59 


1 


8,60 


2 


3,61 


1 


3,64 


1 


8,66 


1 


3,70 


1 


3,74 


1 


8^ 


1 


4,04 



188 

Exemplare. Gr. 

3 3,24 

4 3,25 

7 8,26 

8 8,27 
4 3»28 
8 3,29 

8 3,80 

9 3,31 
4 3,32 
8 3,84 
2 3,85 
8 3|36 
1 3,37 

1 8^ 

4 3^ 

2 3,40 

5 3,41 

3 8,42 
2 8,44 

Durchschnittsgewicht dieser 171 Stücke » 3,29 Gr., ergiebt 

einen Denar von 4,28 Gr. 

2. Yictoriate mit Beizeichen: Lanzenspitze. 

Exemplare. Gr. Exemplare. Gr. 

1 3,04 1 3,40 

2 8,24 1 8,50 
1 3,33 

Durchschnitt 3,29 Gr. = emem Denar von 4,38 Gr. 

3. Yictoriate mit C und M. 

Exemplare. Gr. Exemplare. Gr. 

1 8,29 1 3,32 

1 8,80 1 3,34 

Durchschnitt 3,31 Gr. = einem Denar von 4,41 Gr. 

4. Yictoriate mit IVP. 

Exemplare. Gr. Exemplare. Gr. 

1 2,80 2 8,24 

12,% 1 8,27 

1 8,09 2 8,85 

1 3,15 1 8,64 

Durchschnitt 3,21 Gr. »> einem Denar von 4,28 Gr. 
In die Augen springend ist das fast ausnahmslos hohe Ge- 
wicht sänuhtlicker Yictoriate; nur 7 Stack der anonymoi und 1 



Der YietorktonAiiid tod Tarent. 189 

der Yictoriaie mit ^ wiegen weniger als 3 Gr., die Mehrzahl der 
Stfidke dagegen bewegt sich innerhalb der Grenzen von 3,30 bis 
3,40 Gr., ja ein nicht unbeträchtlicher Theü der Münzen über- 
schreitet das letztere Gewicht sogar ganz wesentlich. 

Vielleicht würden sich bei specialisirter Angabe der Erhaltongs- 
grade säountlicher Yictoriate für jene 8 minderwichtigen Stücke 
Gesichtspunkte für die Beortheilong derselben gewinnen lassen, 
doch onterUess de Petra leider diese zur Benrtheilnng von Münz- 
fanden unumgänglich nothwendigen Angaben, beschränkt sich viel- 
mehr nur auf die allgemeine Notiz, dass zwar keine der Münzen 
wie neu, andererseits aber auch keine durch den Umlauf erheblich 
abgenutzt gewesen sei, der Erhaltungsgrad yielmehr durchaus be- 
friedige^). 

Ich habe früher in der Zeitschrifb für Numismatik Bd. Y, 
S. 38 flg. im Gegensatz zu Mommsen, Geschichte des romischen 
Münzwesens, S. 390 und 396 dargelegt, dass der Yictoriat wohl 
annähernd gleichzeitig mit der Schaffung des Silberdenars adoptirt 
worden sei und er auch mit diesem zugleich eine Reduction er- 
fahren habe. Dem primitiven schweren Denar von ^/^^ Pfd. = 
4,55 Gr. würde ein Yictoriat von 3,41 Gr. entsprechen, dem re- 
ducirten Denar von ^/^^ Pfd, = 3,90 Gr. ein Yictoriat von 2,92 Gr. 
Nun gehen unter das Normalgewicht des reducirten Yictoriats nur 
4 Yictoriate des ganzen Fundes hinab, walirend das Gewicht des 
schweren Yictoriats von 47 Stücken, d. i. von 25 pCt. sänuntlicher, 
erreicht und überschritten wird. Auf Grund dieser YerhäUaiisse 
scheint es mir unzweifelhaft zu sein, dass die Yictoriate des Schatzes 
von Tarent sämmtlich dem schweren Fusse angdiören, der Schatz 
also vor der Reduction vergraben ist und die Yictoriate mit der 
Lanzenspitze, mit C M und mit f^ zu den ältesten zu rechnen sind. 

Eine Bestätigung des hier Gesagten ergiebt sich aus einer 
Yei^leichung mit dem oben erwähnten Yictoriatenfund von Pisa. 

Es fimden sich im Schatze von: 



1) .Nessuna moneta y\ e rnspe, ma altreai neppnre una ehe sensibilmante aia 
logora per l*iuo; tutta la masaa appariace in ono stato soddiaüaceiite di eon- 
aenraaione, aoehe peiehe gli eeemplari aüatto nuovi sono pareeohi.* — 






M. 


BahdAldt: 


Tarent: 




Pisa: 


Vicioriate ohne Beizeichen 


Yictoriate ohne Beizeiehen. 


mit Lanzenspitze 




Lanzenspitze 
C und M 


C und M 




JVP 


• 


JVP 

Aehre 

Eenle 

Pentagon 

V 

%■ 



Die Typen des Schatzes von T€u*ent sind demnach auch in 
dem von Pisa enthalten, so dass man bei dieser Gleichartigkeit 
der Zusammensetzung gewiss den Schatz von Tarent fftr den äl-^ 
teren halten und die Yictoriate mit Aehre, Keule, Pentagon, V, Q^ 
und >ff als die jüngeren, nach dessen Yergrabung geschlagenen 
Stücke ansehen darf. 

Auch diese Yictoriate des Schatzes von Pisa darf man wohl 
als vor der Reduction geprägt halten, nicht allein der Gewichte 
halber, welche durch die sorgf&ltige Angabe der Erhaltung bei 
jedem Stück an Werth gewinnen , sondern auch weil die ent- 
sprechenden correspondirenden Denare auf den schwirren Fuss von 
Vt, Pfd. führen. 

Den Gewinn, welchen wir aus diesen beiden Schätzen ziehen 
können, wäre demnach eine sichere, unabhängig gefundene, chrono- 
logische Fixirung der Emission einer Reihe von Yictoriaten. 



1) Nach Gammürinifl Bericht enthielt der Schats Ton Pisa Viet(»iate mit K 
und mit M. Eine Ton mir Yoigenommene Bedehtigang des im Museum von 
Florena aufbewahrten Schatzes ergab indessen, daas das K ein Tenmstaltetes \ 
und der Yictoriat mit M ein solcher mit G.M ist. VgL hieraber meinen 
Reise-Bericht «Consularmänsen in italienischen Sammlungen* Beriin 1877 bei 
Weidnunn. 

Berlin. M. Bahrfeldi. 




191 



Nene Erwerbungen meiner Münzsammlung. 



1. Denar der gens Nomonia yon Trajan restitoirt. 
Vf. C NVMONIVS VAALA Kopf n. r. 

Ä/. IMP C AES TRAIAN AVG GER DAC PP REST. Im 
Abschn. VAALA Krieger gegen einen von zwei Sol- 
daten vertheidigten Yerhan anstürmend. 

Das Ton Cohen, Consolaires, Taf. XLY, 8, pnbli- 
cirte Exemplar der Pariser Sammlung hat die Umschrift 
der /?/*. nicht vollständig. 

2. Denar des Gordianas IL (Africanns filios), Cohen 5. 

8. Silbermfinze des Gordianas III., Cohen 10. Dieselbe hat 
aaf der Kopfeeite die Büste des Kaisers n. L und die Rf, 
AEQVITAS AVG. 

4. Billon-Denar von Postamas. 

Vf. POSTVMVS PIVS FELIX AVG Belorbeerte Büste 
des Kaisers n. L, den ebenfalls belorbeerten Kopf des 
Herkales theilweise deckend. 

Rf, CASTOR * Castor mit der Diaskaren-Mütse, einen von 
einem breiten Bande über der Brost gehaltenen Mantel 
lose omgeschlangen, steht nach rechts gewendet vor 
seinem nach rechts schreitenden Pferde. Fehlt bei 
Cohen. 

5. Postamas. 

Vf. Dieselbe Umschrift, aber die Köpfe n. r. 
Rf. HERCVLI ARGIVO Cohen 48. 

ZdtMhrlll für HomlsmAtik. Z. X4 



192 P- ^&n Vleuten: 

6. Postumus. 

Vf, Dieselbe Umschrift und Darsbellong. 

RJ. HERCVLI DEVSONIENSI * Büste des Herkules nach 
links. Cohen YII, 14 und de Witte 74 haben diese 
Münze nach einem mangelhaften Exemplar ungenau 
beschrieben; sie halten die über die Schultern nach 
vom gezogenen Beine der Löwenhaut, welche den Her- 
culeskopf bedeckt, für die Keule, während mein Exem- 
plar zeigt, dass die Keule in der sichtbaren rechten 
Hand, auf der rechten Schulter getragen wird. 

7. Postumus. Dieselbe F/*) ^^^ <^^ Köpfe n. 1. 

RJ. HILARITAS AVG . Stehende Frau mit FüDhom und 
langem Palmzweige, zu ihren Füssen an jeder Seite ein 
Kind. Diese Münze fehlt bei Cohen. 

8. Postumus. Quinargrösse. 

VJ. POSTVMVS AVG ' Die Köpfe n. r. 
RJ. SALVS AVG Cohen 159. 

9. Victorinus. Billonmünze oder stark versilbertes Knpfer- 
stück. 

VJ. IMPCVICTORINVSPFAVG- Büste mit der Strahlen- 
krone n. L, in der sichtbaren rechten Hand ein Scepter 
haltend; die linke Schulter wird durch einen verzierten 
Schild verdeckt. 

RJ FORT REDVX wie Cohen 26. Die Münze ist mit dieser 
(sehr gut ausgeführten) VJ. unedlrt. 

10. Tetricus Silber-Münze mit der RJ COMES AVG Cohen 4. 

11. Tetricus Silber-Münze mit der RJ. SPES PVBLICA Cohen 
Vn, 52, (in BiUon) s. Berl. BL f. Münz. Siegel u. s. w., 
m. Bd., S. 165. 

12. Constantin d. Gr. Kleinknpfer, Quinargrösse. 

VJ. CONSTANTINVS PF AVG . nackter Kopf n. r. 
RJ SAPIENT PRINCIPIS im Abschn. PTR Vogel (Eule?) 
auf einer Ära sitzend, daneben Helm, Schild und 



Nene Erwerbiugeii. 193 

lianze. Die RJ, wie Cohen 450, jedoch ist die Münze 

mit dieser VJ, anedirt. 
AUe hier besprochenen Münzen sind in der Rheinprovinz ge- 
funden; den genauen Fundbericht über 4 — 11 habe ich in den 
Bonner Jahrbüchern HeftLXXII, S. 82 gebracht; der Fundbericht 
über 1 — 3 wird für ein späteres Heft derselben Zeitschrift vor- 
bereitet. 



Bonn, 1882. 



F. van Ylenten. 



14^ 



194 



Zwei italienische Medaillen. 



Bembo. Rangone. 

Die Rückseiten der italienischen Renaissancemedaillen sind oft 
schwer zu deuten, so dass jeder, auch der kleinste Beitrag hier 
nicht ganz werthlos sein dürfte. Ich gebe daher hi^ir zwei kleine 
unbedeutende Beobachtungen, welche ich kurz schon in der „Numis- 
matischen Gesellschaft^ Torgetragen habe. 

Eine etwa um 1520 anzusetzende nicht unschöne, aber etwas 
trockene Medaille (40 Mill.) auf Pietro Bembo, geprägt, zeigt auf 
der einen Seite sein unbärtiges Bildniss linkshin, daneben steht 
PETRI * BEMBI ' Auf der Rückseite erblicken wir einen an einem 
Gewässer liegenden, nach antiker Art halbbekleideten, Mann, 
hinter ihm dichtbelaubter Wald. Die Figur galt, soviel ich weiss, 
als der Arno. Auf guten Exemplaren erkennt man aber, dass das 
Köpfchen mit dem Brustbild der Hauptseite grosse Aehnlichkeit 
hat; es ist der Dichter Bembo selbst, mit dem deutlich erkenn- 
baren Griffel in der Hand, am Saume des dichten Waldes am 
Bache liegend, also genau nach der Schilderung des Horaz: 

sed quae Tibur aquae fertile praefluunt 
et spissae nemorum comae 
fingent Aeolio carmine nobilem. 

Die „spissae comae'^ sind recht absichtlich und übertrieben 
auf der Medaille hervorgehoben. 

Bembo lebte seit 1512 als Secretär des Papstes in Rom, so 
dass Yerse und Darstellung auch örtlich sehr passend sind. Wer 
die Medaille gemacht, wissen wir nicht, einige Aehnlichkeit mit 



Zwei iCalieikitche Medtillen. 195 

den sterilen Werken des Yalerio Belli ist vorhanden, der in spä- 
terer Zeit, 1532, wie Bembo selbst bezeugt, eine Medaille auf ihn 
gemacht hat^) — 

Eine in schlechten Exemplaren sehr häufige, in vollkommenen 
und dann fast immer künstlerisch ciselirten Güssen aber nicht 
leicht ZQ findende Medaille ist das schöne Stück mit dem Bildniss 
des Arztes nnd Humanisten Thomas Rangone (f 1577) and der 
liegenden Göttin auf der andern Seite: 

Vf. THOMAS • PHILOLOG VS • R AVENN AS • Bartiges Brust- 
bild r., mit Gewand, bisweilen 1562 im Felde. 

/?/. A- lO VE- ET- SORORE GENITA Liegende nackte Frau, 
linkshin blickend, ein auf sie zufliegender Adler legt 
ihr ein Kind an die Brust. Umgeben ist die Grruppe 
von Sternen. Unten Blume mit drä Blüthen, an die 
drei Vögel heranfliegen. 
El 40 Mill. 

Die Rückseite dieser schönen Medaille, welche man ganz un- 
möglicherweise dem Pomodello zugeschrieben hat (zweifelnd in 
der Synopsis des British Museums Nr. 85; es ist schon chrono- 
logisch nicht denkbar, auch ist der Styl ein völlig anderer), ist, 
soviel ich weiss, noch nirgends gedeutet worden, abgesehen von 
der einfältigen „Erklärung^ Mazzuchelli's, das „a Jove et sorore 
genita^ beziehe sich auf die Geburt des Herakles. 

Die Deutung der mythologischen Darstellung ist aber mit 
Händen zu greifen: „a Joye et sorore genita^ bezieht sich natürlich 
nur auf die Tochter des Jupiter und seiner Gemahlin und 
Schwester Juno; die Tochter dieses Götterpaares ist aber Hebe, 
römisch Juventas, die Göttm der Jugend, der Verjüngung 
(so fleht der alte Jolaos, um zum Eampfe mit Eurysthens tüchtig 
zu sein, zu Hebe um Verjüngung für einen Tag: 



1) Armand, lee medaillean italieos p. 70. In der Synopsis der italienischen 
Medaillen dee British Museum wird die Yon Friedl&nder pnHlicirte wohl mit 
Sicherheit dem Cellini angehörende Medaille dem Belli togesehrieben. 



196 A. ▼. Sallet: Zwei italienische Medaillen. 

fjQaaay ^üßfl Zrjvi d''*^f^iQav fjilav 

vsog yevia&ai. 
Euripid. Heraclid. y. 851). Die Darstellung bedeutet also die 
Gebart der Hebe und ist fOr den DargesteUten sehr passend ge- 
wählt: Thomas von Ravenna war ein berühmter Arzt, der einen 
Grafen Rangone von schwerer Krankheit geheilt hat (und dafür 
den Namen Raugone erhielt), die Geburt der Göttin der Ver- 
jüngung ist also eine schone und geschmackyolle Rückseite zur 
Medaille des gefeierten Arztes, vielleicht doppelsinnig im Hinblick 
auf sein eigenes, im Jahr 1562 bereits sehr hohes Alter. 

A. V. Sallet. 



197 



Der Senarfund von Meppen. 



Unlängst ist ein angeblich bei Meppen gemachter bedeatender 
Fund westfälischer Denare, im Gewichte von etwa 2| Kilogramm 
hierhergelangt, dessen Durchsicht mir von seinem Besitzer Herrn 
Bankier Hahlo freundlichst gestattet wurde. Es sind folgende Ge- 
präge in ihm enthalten: 

I. Herzogthum Westfalen, Soest. 

Siegfried v. Westerburg, Erzbischof von Köbi 1275—1297. 

a) SIFRIDVS - GPISaOPV der sitzende Erzbischof rechts- 
wärts gekehrt, mit Buch und Stab. Ä/. OIVITHS SVSHaiaH- 
CLIS 6ST gothisches Eirchenportal mit 2 ThQrmen, in der Pforte 
das einem Scbl&sselloche ähnliche Soester Münzzeichen. Cappe, 
Köln, Tf. XII, 202. 

Die Umschriften, wie vorstehend angegeben, lassen sich nur 
auf wenigen Exemplaren erkennen, sie wechseln erheblich, sind 
aber auf den meisten Stücken dieser nach Tausenden zählenden 
Münze wegen unvollständiger Ausprägung nicht voll lesbar, 
denn auch dieser Denar leidet an der damaligen westfiüischen 
Unsitte eines im Verhältnisse zum Stempel zu kleinen Schröt- 
lings, wenn auch nicht in dem Masse wie die Münsterschen 
und Osnabrück'schen. 

b) + SlFRia V — ePISaO' Siegfned mit segnender Rechten 

und Krummstab. Rf. TKS SVSHT Kirchenportal mit 

einem grösseren Mittelthurme zwischen zwei Fahnen und zwei 
kleinen Seitenthürmen. Nur 6 Expl. Cappe a. a. O. XII, 205. 



198 ^®r Ddaarfnnd Ton Meppen. 

Es beruht wohl auf Irrthum, dass Cappe dem Erzbischofe 
ein Buch in die Rechte giebt. 

n. Bisthum MUnrter. 
Gerhard y. d. M^rk 1261—1275. 

6erhar-ds epos der rechtswärts sitzende Bischof mit segnender 
Rechten und Buch. Rf, Paul apost (auch Sanctus Paul) Kopf des 
Apostels. — 25 Expl. 

Cappe Münster, Taf. 11, 32, Grote . Munzstud. I, S. 240 
Nr. 35. 

JEberhard v. Diest 1275—1301. 
avaRH — AR3VS ÖP i?/. Paulus apost, auch Sant Paul 
aposto und ähnlich, wie überhaupt die Inschriften vielfach ab- 
weichen und theilweise entstellt sind. Uebrigens dieselben Typen. — 
Cappe III, 36, 37, Grote a. a. 0. 1, 240, Nr. 38. 

Ludwig n, Landgraf v. Hessen 1310 — 1357. 
Dasselbe Gepräge, aber mit +IiODe - VIQVS. — 32 Expl. 
Mader V, Taf.VI,49, Cappe HI, 45, Grote a a. O.I, S. 254, Nr.51, 

Bemerkenswerth ist, dass auf sämmilichen Exemplaren der 
Bischof seitwärts gekehrt erscheint, während doch von allen drei 
Prälaten auch Denare mit dem vorwärtsgewandten Bilde vorhanden 
sind, welche die anderen auch keineswegs an Seltenheit übertreffen. 
Wenn nun auch bezüglich Ludwigs anzunehmen ist, dass die hier 
angetroffenen Denare. denen mit vorwärts gekehrtem Bischöfe im 
Alter vorangehen, so erklärt sich damit wohl das Fehlen der 
letzteren, nicht aber derer mit Gerhards und Eberhards gleich- 
artigem Gepräge. In dieser Beziehung werden wir gerade durch 
unseren Fund zu der Voraussetzung gedrängt, dass beide Arten 
in verschiedenen Münzstätten geschlagen sind; nimmt doch auch 
Grote (a. a. 0., S. 182) für die in Rede stehende Zeit noch eine 
zweite bischöfliche ausser der zu Münster selbst an. Es scheint 
danach fast, dass die vorliegenden Denare sämmtlich aus der nord- 
lichen dieser beiden Münzstätten herrühren. 




Der Denarfimd toq Meppen. 199 

Ansser den yorstehenden der StQckzahl nach bezeichneten 
Denaren war aber auch eine bei Weitem grossere Anzahl anderer 
Münsterscher vorhanden, deren Zatheilung wegen allzu mangelhafter 
Umschriftreste unmöglich war. 

in. Bisthum Osnabrück. 

Konrad n, Graf von Ritberg 1270-1296. 

a) i^QONPÄD — US episc (und ähnlich) der Bischof sitzend, 
mit Stab und Buch. Rf, Civitatis Ofenbrugensis (oder ähnlich) 
Thurm zwischen 2 Fahnen über einem Bogen, in welchem das 
Rad. — Cappe, Taf. VII, 22—25, Grote Münzstud. IV, S. 90, 
Nr. 38—40, Taf. HI, 38. 

b) Aehnlich, nur hält der Bischof das Buch in der Rechten 
und den Stab in der Linken. — Cappe Yll, 21, Grote a. a. O., 
S. 91, Nr. 41.' 

Ludwig, Graf von Ravensberg 1297—1308. 

Aehnlich wie Eonrads erste Art, nur mit "^LODS . (epis). 
10 Expl. — Cappe VII, 26, Grote a. a. O., Taf III, 47. 

Auch hier, wie bei Münster, war die überwiegende Mehrzahl 
derartig mangelhaft in den Umschriften, dass eine Sonderung de? 
Gepräges beider vorbenannter Bischöfe unausführbar war, doch 
sind jedenfalls die Eonrads mindestens 20 — 30mal zahlreicher als 
die seines Nachfolgers Ludwig, während man doch das Gegentheil 
erwarten sollte. Besonders auffällig aber ist das gänzliche Fehlen 
der Widenbrücker Denare, obwohl doch dieser Ort im Bereiche 
der hier vertretenen Prägstätte liegt. Bekanntlich sind die Widen- 
brücker Denare Eonrads II. daran leicht zu erkennen, dass der 
Bischof in der Linken statt des Buches einen Reichsapfel hält^ 
wogegen Ludwig statt dessen eine Rose fährt, wenn überhaupt 
dieser Denar ihm gesichert ist (s. darüber Grote a. a. O. 97, 
Nr. 49). 



200 I^or Draarfond von Meppen. 

lY. Lippe. 

Simon 1275—1344. 

SIMON^HOBILl (auch rückläufig) Bnistbild mit erhobencT 
Rechten und Rose unter einem dreifachen Bogen, über welchem 
sich zwischen zwei mit Fahnen besteckten niederen Gebäuden ein 
Thurm erhebt. Rf. MON — BTH L — IPPQ (auch ruckläufig) 
Dreieck mit einer Rose in der Mitte und einem Kreuzchen in 
jedem Winkel. 177 Expl. — Grote Münzstud. V, Taf. IV, 44, 
S. 191, Nr. 44—46. 

Y. Grafschaft Mark. 

Eberhard 1277-1308. 

♦ evaRÄÄR— DVSaOSne der sitzende Graf mit Schwert 
und Zweig. /?/. ISeReßLOH QIVITäS Kirchenportal, in 
dessen Thore ein Brustbild. 71 Expl. — Grote Bl. für Münzkunde 
n, Taf. Vn, 64. 

Ein seltenere Abart hat den Namen SRhHRDV geschrieben 
und hinter civitas noch QV (also: cusus). 

Die Hauptmasse unseres bald nach 1310 (des Münsterschen 
Ludwig Inthronisation) verscharrten Fundes bildeten die Soester 
und Osnabrücker Pfennige, denen die Münsterschen an Stückzahl 
am nächsten kamen; die Lippischen und Märkischen traten nur 
in der angegebenen geringen Zahl auf. Alle diese Münzen, die 
grossen aber dünnen Soester, Iserlohner und Lippischen sowohl, 
als die kleinen dicken yon Münster und Osnabrück, sind von 
gleicher Schwere, konnten also trotz ihres so verschiedenen An- 
sehens als gleich werthig mit einander unterlaufen i), und stellen uns 
in der geschilderten Mischung eine nicht unbedeutende Kasse dar, 
von der Zusammensetzung, wie man sie am Fundorte, dem selbst 



1) Auf den Gegensatz zwischen den breiten Denaren yon Lippstadt, Soest, 
Iserlohn nnd Essen, za den sonst in Westfalen üblichen kleinen dicken (Weweling- 
höfem), macht schon Grote (Mzstud. V, 187; aufmerksam nnd erwähnt auch 
ähnliche Denarfande im Bremischen. 



Der Denarfand Ton Meppen. 201 

münzlosen ^) Meppen erwarten durfte; nur die n&chsten s&dlich 
gelegenen Prägestatten sind vertreten. Daher darf man sicli über 
den Mangel an eigentlichen Seltenheiten nicht so sehr wundem 
und braucht nicht nothwendig yorauszusetzen, dass der Fund, wie 
dies allerdings nur zu häufig geschieht, vorher seines besten In- 
halts beraubt worden; hiergegen spricht auch einigermassen der 
Umstand, dass er sich bei seiner Ankunft noch in ungereinigtem 
Zustande befand, etwa ein Viertel durch Grünspan unkenntlich. 

H. D. 

1) Ich weiss wohl, dass Otto I, 946 dem Abte yon Gonrei das Mnnzrecht 
för Meppen Terliehen hat, allein man kennt ja bis jetzt noch kein Meppener 
Gepräge. 



202 



Gottfried leigebe. 

(Taf. VI.) 



Unter den bedeutenden Künstlern, welche der Grosse Kurfürst 
in seinen Dienst rief, war auch der berühmte Eisenschneider, Kupfer- 
stecher und Medailleur Gottfried Leigebe oder Leygebe; er 
wechselt in der Schreibung. 

Das wenige was wir von seinem Leben wissen, verdanken 
wir dem Nürnberger Andreas Gulden i). Leigebe war 1630 in 
Freistadt in Schlesien geboren, wurde Schwertfeger, ging 1645 
nach Nürnberg, lernte dort die Kunst des Eisenschneiden's, wurde 
1668 nach Berlin berufen und starb hier 1683. 

Schon früh war er berühmt, denn 1660, als er dreissig Jahre 
alt war, verfertigte der Kupferstecher Andreas Greiff in Nürnberg 
sein Bildniss in geschabter Manier. Panzer beschreibt es in seinem 
„Verzeichniss von Nürnberger Portraits" S. 144 ausführlich, auch 
Nagler im Monogrammen-Lexicon Nr. 589. Ein zweites, ebenfalls 
bei Panzer beschriebenes Bildniss von 1673 ist von J. J. Metzger 
und stellt den Leigebe 43 Jahre alt vor. Beide Blätter befinden 
sich im Germanischen Museum, wie Herr Director Dr. Essenwein 
mir freundlich mitgetheilt hat. 



L Als Eisenschneider ist Leigebe der berühmteste Meister, 



1) Neodörfer, Nachrichten von Eünstlem etc, nebst der Fortsetsim^j^ Ton 
Andreas Oulden, herausgegeben yon Lochner, Wien 1875, S. 208. Doppelmayr, 
Nachrichten Ton Nürnberger Mathematicis u. s. w., IKümberg 1730, bringt wenig 
Neues. 



Gottfried Leigebe. 208 

-wie er wohl aach der erste war, der in diesem so schwer zu be- 
handelnden Stoff selbständige Eonstwerke herstellte. 

Wie man aach fiber den Styl seiner Werke nrtheilen mag, 
die Ansf&hrong ist vortrefflich; er überwand die Härte dieses 
Metalls, dass es weich wie modellirtes Wachs erscheint Doppel- 
mayr hat in seiner entsteUenden Weise die drei Statuetten ab- 
gebildet, welche Leigebe aois massiven Eisenblöcken heraos- 
geschnitten hat Es sind: 

1. Kaiser Leopold in antikem Styl, an den Marc Aorel des 
Capitols Ton fem erinnernd^ in den Jahren 1660 bis 1662 
verfertigt; jetzt im Maseam von Kopenhagen. 

2. König Karl II. von England, als Set Georg den Drachen 
bekämpfend, 1662 begonnen; im Dresdener Museum. 

3. Der Grosse Kurfürst zu Pferde, im Berliner Museum. 
Er ist behelmt in römisch-phantastischer Tracht, trägt 
aber die Set. Georgs-Medaille des Hosenband-Ordens an 
einem Bande, das von der linken Schulter über die Brost 
hängt. Er schwingt gallopierend den Speer^ unter ihm 
liegt ein Drache mit drei Köpfen, dem eines Löwen, eines 
Bocks und eines Drachen. 

Am Sockel vom steht mit Punzen eiogeschlagen GOTTF: 

LEYGEBE * 1680 - Auf dem vom erwähnten Kujpfer- 

stich-Bildniss von 1673 ist diese Statuette abgebildet und 

dabei bemerkt: die Zeit, so daran gearbeitet, ist 3 Jahre. 

Damach wäre sie 1673 schon fertig gewesen, was zu dem 

1680 am Sockel nicht passt Auch ist dort gesagt, der 

Kurfürst sei Jb gestalt des Edlen Ritters PeUerofondt^) 

(Bellerophon) dargesteUt; dadurch erklärt sich wohl Doppel- 

mayr*s fedsche Abbildung, der das Pferd als Pegasus ab- 

bUdei 

An diese Arbeiten schliesst sich eine kleine männliche Bfiste, 

in der Tracht der Zeit, die der verstorbene Assessor Robert — 

Tomow besass, und die sich nun im Besitz Ihrer Kaiserlichen 

Hoheit der Kronprinzessin befindet. Diese Büste kann ihm, obwohl 



204 J. Friedlaender: 

sie nicht bezeichnet ist, sicher zugeschrieben werden. Ebenso ein 
in Eisen geschnittener Stockknopf im Germanischen Mosenm zu 
Nürnberg. Nach freundlicher Mittheilnng des Herrn Director Dr. 
Essenwein besteht er aus einer reichverzierten, behehnten Büste. 

Mehrere kleine Eisen-Arbeiten Leigebe's befanden sich früher 
in der sogenannten Eunstkammer, Kugler hat sie in seiner Be- 
schreibung derselben, S. 246 u. f. aufgezählt. Da die Kunst- 
kammer vertheilt worden ist, müssen die gleichartigen Werke 
dieses Meisters nun in drei verschiedenen Sammlungen angesucht 
werden. Die Abtheilung für Neuere Skulpturwerke besitzt ausser 
der vom erwähnten Statuette noch ein kleines Relief, den Heliodor 
darsteUend, auf der Kehrseite sind Leigebe's Initialen ein- 
geschlagen. Das Gewerbe-Museum bewahrt die ovale Kapsel und 
den Schwertknopf mit dem Hercules und Centauren, dieser un- 
bezeichnet Beide kleine Kunstwerke sind von wundersamer Aus- 
führung, und verdienen völlig das Lob welches Kugler ihnen er- 
theilt. Die von ihm erwähnten Nr. 389 u. 392 werden sich hoffent- 
lich auch noch wiederfinden : ein Medaillon mit dem Brustbild des 
Heilands, auf der Rückseite die Kugel mit dem Ejrenz und G. L., 
und ein hockendes Männlein. 

Endlich besitzt das HohenzoUem-Museum das bei Kugler 
unter 393 aufgeführte lebensgrosse Bronze-Medaillon des Grossen 
Kurfürsten, es ist bezeichnet: 1671- G. LEIGEBE AD VIV: 
FEGIT ' Auch dies Werk ist mit Leigebe's gewohntem staunens- 
werthen Fleiss ciselirt. Freilich ist es nicht mit Schlüters Auf- 
fassung des Kopfes des Grossen Kurfürsten zu vergleichen, dessen 
antike Grossartigkeit man erst an dem Abguss voll erkennt, der 
uns dies kolossale EUiupt näher vor Augen stellt; aber dennoch 
verdiente Leigebe's Medaillon von der unwürdigen Stelle, an der 
es jetzt aufbewahrt wird, in die Säle des Hohenzollem-Museums 
übertragen und dort au%estellt zu werden. 



n. Von Leigebe's Kupferstichen kenne ich nur zwei. Ein 



Gottfried Leigebe. 205 

geschabtes mittelmässiges Bildniss des Georg Pfrundt; dieser war 
Ingenieur, Wachsbossierer und Bildhauer in Nürnberg, 1604 in 
Baiem geboren und 1663 in Darlach gestorben. Er soll einige 
Zeit in Paris bei Yarin gearbeitet haben. 

Das andere Blatt Leigebe's ist eine gute Grabstichel-Arbeit 
in grossem Quartformat: ein Fürst zu Pferde, in der Tracht der 
Zeit; eine Hand vom Himmel hält ihm einen Kranz entgegen mit 
der Inschrift: vom Himmel kompt der Sieg. Die freie and schöne 
Führung des Grabstichels lässt vermuthen, dass der Künstler seit 
jener ersten Arbeit manche andere Blätter gestochen hat, die wir 

nicht kennen. Die beiden hier angeführten sind mit /^eigebe 

bezeichnet; sie befinden sich im Königl. Kupferstich-Kabinet 

Dort wird auch ein Stammbachblatt von ihm aufbewahrt, 
Gottfried Leigebe unterzeichnet und Nürnberg 1660 datirt Das 
Autograph begleitet eine Aquarelle: ein Fels mit einer Sonnenuhr, 
am Weiser steht verbum dei, statt der Stundenzahlen sieht man 
die Zeichen der Gewerke: Beil, Becher, Schwert, Schlüssel und 
andere; bestrahlt wird die Sonnenuhr vom sogenannten Gottes- 
aoge. Neben dem Fels kniet ein Flügelknabe, der ganz besonders 
missrathen ist. 

Ein anderes unbezeichnetes, aber ihm sicher angehörendes 
Blatt enthält Entwürfe, theils biblische Darstellungen, theils Kampf- 
scenen, den geschweiften Rändern nach sind es Schildchen zu 
Eisen-Zierraten bestimmt^). 

Endlich ist in dem Werke von Seyler, Leben und Thaten 
Friedrich Wilhelms des Grossen S. 1, ein Kupferstich eingedruckt, 
unter welchem G. Leygeb delini: steht. Es ist ein medaillen- 
artiges Brustbild des Kurfürsten, neben welchem zwei allegorische 
Gestalten, der Krieg und die Wissenschaft, sitzen; keineswegs 
schön gezeichnet. Das Buch ist erst 1730 erschienen, als Leigebe 
schon fast ein halbes Jahrhundert todt war, der mittelmässige 

1) Andere Zeichoangen, meistaos Jagdscanen sind von Leigebe^f Sohn Paul 
Karl, den wir unten erwilinten. 



206 J' Friedlaender: 

Kupferstecher G. P. Basch, der dies Blatt gestochen — des be- 
rühmten G. F. Schmidt erster Lehrer — arbeitete seit 1713 in 

Beriin. Es ist also eine alte Zeichnung Leigebe's benutzt worden. 

< 

Von seinen Söhnen hiess keiner G. mit Vornamen (Balthasar 
Gottfried starb als Knabe), folglich ist die Zeichnung von Gott- 
fried Leygebe, dem Vater. 



in. DieMedajillen; sie sind noch niemals zusammengestellt 
worden, ich kann daher nur diejenigen geben, welche sich hier 
befinden; es sind sicherlich nicht alle, die er gemacht hat. 

Auf den Medaillen bezeichnete er sich, wie auf seinen kleinen 
Eisen-Skulpturen G. L. WiU, der Verfasser der Nurnberg'schen 
Münzbelustigungen (Th. ü, S. 144) hat sogar gezweifelt, dass 
Leigebe Medailleur- war, er meint die Buchstaben G. L. könnten 
einen anderen Künstler bedeuten, z. B. den Georg Lunder, einen 
Norweger; Wül selbst sagt aber, dass dieser Lunder 1765, als 
Will schrieb, noch gelebt haben könnte, folglich können die, mit 
den Jahreszahlen 1664 bis 1680 bezeichneten Medaillen unmöglich 
von ihm sein. 

Allein es lässt sich beweisen, dass die mit G. L. bezeichneten 
Medaillen wirklich Leigebe's Arbeiten sind. Wir wissen, dass er 
bis 1.668 in Nürnberg gelebt hat, nun stellen die 6 Medaillen der 
Jahre 1664 bis 1667 lauter Nürnberger dar; im Jahr 1668 ging 
er nach Berlin, und die 12 Medaillen yon 1669 an stellen die 
KurfärsÜicbe Familie und einen Kurfürstlichen Minister dar, auch 
zwei Dresdener. Die folgende Uebersicht zeigt, ^es. 



1. 


1664 


G. L 


Dilherr . 


Nümbeig. 


2. 


1665 


G. L 


Gntth&ter. 


Nürnberg. 


3. 


1666 


olinft 


Dilherr . 


Nfimberg. 


4. 


1666 


G. L 


Kaoffmaa 


NOmberg. 


5. 


1667 


G. L 


Dilherr , 


Nürnberg. 


6. 


ohne Jahr 


G. L 


Eures . . 


Nürnberg. 



Gottfried Leigebe. 207 

7. ohne Jahr G. L. Grosser Kurfürst Berlin. 

8. 1669 G. L. Grosser Kurfürst Berlin. 

9. 1670 G. L. Kurfürst Dorothea Berlin. 

10. 1673 G. L. Kurprinz Karl Emil .... Berlin. 

11. 1673 G. L. Prinz Friedrich BerUn. 

12. 1675 G. L. Burger ......... Dresden. 

13. 1677 G. L. Kurprinz Friedrich Berlin. 

U. 1678 ohne Zipfel Dresden. 

15. 1679 G. L. Kurprinz Friedrich und Elisabeth 

Henriette Berlin. 

16. vor 1680 G. L. Canstein Berlin. 

17. 1680 G. L. Prinz Philipp Wilhehn . . . Berlin. 

18. ohne Jahr G. L. Grosser Kurfürst und Dorothea Berlin. 

Also hat G. L., bis 1667 nachweislich in Nürnberg, von 1669 
an nachweislich in Berlin gearbeitet, dies passt genau für Leigebe, 
man kann also nicht zweifeln, dass G. L. Gottfried Leigebe bedeutet 

Diese Medaillen sind theils gegossen und ciselirt, theils ge- 
prägt. Die gegossenen sind die älteren, die 6 Nürnberger Me- 
daillen sind sämmtlich gegossen, auch die erste Berlinische. Erst 
von 1669 ist die älteste geprägte. Wenn Kugler (Königl. Kunst- 
kammer, S. 246) meint, Leigebe sei auch durch Stempelschneiden 
dahin geführt worden, selbständige Kunstwerke von Eisen zu 
machen, so scheint das Gegentheil richtig: er hat zuerst Eisen- 
schnitzwerke gemacht, dann bossiert und gegossen, und zuletzt, 
14 Jahre vor seinem Tode, hat er Stempel geschnitten, wenigstens 
kenne ich keine früheren geprägten Medaillen. 

Seine gegossenen Medaillen sind bei weitem die besseren, 
weil die Modelle in Wachs frei modellirt sind. Sie gehören zu den 
spätesten gegossenen; die für Medaillen leidige Technik des Stempel- 
schneidens und Prägens ward zu dieser Zeit Sitte; die grössere 
Eleganz und die Leichtigkeit, viele Exemplare schnell zu prägen, 
vertrieb die schöne alte Arbeit des Modellirens und des Giessens. 
Gerade bei diesen Leigebe^schen Medaillen ist es ganz auffallend, 
wie viel freier, künstlerischer die gegossenen sind. Die vier ab- 

Zeitiehrift f&r Namiimatik. X. 15 



208 ^' Friedlaender: 

gebildeten MedailleD, von Gutthäter mit dem weidenden Pferd auf 
der Kehrseite, die yon Borger und seiner Gattin, die von Kaoff- 
man, auch die ovale des Grossen Eorforsten sind Meisterwerke, 
während einige der geprägten geradezu hässlich sind. 

Die Ideen fast aller Medaillen des Ghrossen Kurfürsten sind 
geistreich und treffend, auch die Aufschriften schön und stolz. 
Die Medaille auf den Krieg zwischen Polen und Schweden und 
auf die dreitägige Schlacht bei Warschau hat: opus hie erat arbitro, 
und zwei kämpfende Adler, über denen ein dritter grösserer mit 
Schwert und Schild schwebt. Eine andere auf die Befreiung der 
Provinz Preussen und den berühmten Winterfeldzug: quem dies 
vidit veniens superbum, hunc dies videt fugiens iacentem, und 
auf der einen Seite greift der Löwe den Adler an^ auf der andern 
verfolgt der Adler den Löwen. 

Vielleicht gab der Kurfürst selbst diese Ideen an, vieUeicht 
Otto von Schwerin oder der hochgelehrte Minister Ezechiel Span- 
heim, welcher ein berühmtes Werk de usu et praestantia numorum 
antiquorum geschrieben hat. Diese Männer waren in der Schule 
der grossen Holländischen Philologen von Leyden gebildet. Aber 
dass nicht alle guten Ideen sich zur bildlichen Darstellung eignen, 
war ihnen nicht klar. Und selbst Gedanken, die schön dargestellt 
werden konnten, erscheinen hier ofi; in dürftigen, ja hässlichen, 
Bildern, die Adler z. B. wie Krähen. Nur was den Künstlern in 
derber Wirklichkeit vor Augen stand, das ahmten sie in hollän- 
discher Weise treu und charakteristisch nach. Daher sind die 
Bildnisse ähnlich uud gut gearbeitet. 

Dieses aUgemeine Urtheil gilt auch für Leigebe; dem Cha- 
rakter seiner Epoche gemäss lag ihm alles Idealisiren fem, er war 
ein tüchtiger, vom Handwerke ausgegangener Künstler. Aber 
auch die anderen berühmten Medailleure des Grossen Kurfürsten, 
Raimund Faltz, Höhn, J. B. Schultz u. a., arbeiteten fast in 
gleicher Weise. 



Gottfried Leigebe. 209 

Die Medaillen Leigebe's folgen hier in chronologischer Ordnung. 
In's einzelne gehende Beschreibungen schienen nicht nöthig, da 
fast alle an den citierten Orten genau beschrieben und viele 
auch abgebildet sind. Wo nicht „oval^ hinzugesetzt ist, sind die 
Medaillen rund; ob sie gegossen oder geprägt ist, wird bei jeder 
gesagt. Rechtshin nenne ich den Kopf^ dessen rechtes Auge man 
sieht 

1. 1664. Gegossen. 49Mill. 

VJ. lOH MICH • DILHERR9 PAP- P NOR • JETAT • 

59. Brustbild von vom. 

Rf. In einer Landschaft von Felsen und Bäumen steht auf 
einem Altar ein Crucifiz; an der Vorderseite des Altars 
das kleine Dilhersche Wappen, an der Basis des Altars 
steht 1664. Eine kleine Taube fliegt herzu. Unten auf 
einem Bande ICH RUHE IN DEN FELSLÖCHERN- 
Ganz unten G * L 

Egl. Munzkab. Will IH 296 12. Auf der hier fol- 
genden Nr. 3 steht: in foraminibus petrae quiesco. Im 
Hohen Liede Cap. 2 Yers2 heisst es in der Vulgata: Co- 
lumba mea, in foraminibus petrae — ostende mihi faciem 
tuam. 

2. 1665. Gegossen. 52 Mill. 

VJ. HIERONYMUS • GuTTHiETER • iETA • 48 • Siehe die 
Abbildung. Am Abschnitt des Arms G * L ' 1665. 
S . AD • MELIORA Siehe die Abbildung. 
Kgl. Münzkab. Will IV 339 mit einer guten Abbildung, 
Imhof S. 768, ebenda S. 382 ist die Zeichnung zu dieser 
Medaille beschrieben; sie hat statt der Umschrift um den 
Kopf W. H. iBTA* S'27; was wohl den Namen des 
Zeichners bedeutet 

15' 



A 



210 J« Friedlaender: 

3. 1666. Gegossen. 37 Mill. 

Vf, lOH • MICH • DILHERRUS NAT9 U. OCT. 1604 Brast- 

bild rechtshin. 
Rf, IN F0RAMINIB9 PETR^ QUIESCO Crucifix in einer 

Felslandscliafit, eine Taube 'fliegt herzu; unten 1666. 

Kgl. Münzkab. WiUni S. 296 13 und 14. 

Diese Medaille hat nicht die Initialen Leigebe^s aber 

sie gleicht den Medaillen desselben berühmten Theologen 

von 1664 nnd 1667, welche G. L. haben. 

4. 1666. Gegossen. 44 Mill. 

F/. BALTH • KAUFFMAN • CH • & CHYMIC9 • iET • 35 • 

Brustbild von vom. 
fiy. ARCTE RnBRA ALBA TEGuNTUR Landschaft, links 
Wald, in der Mitte ein. eingehegter Garten, dessen Pforte 
verschlossen ist, am Giebel der Pforte steht G. L. Im 
Hintergrund das Meer. Vorn ein Löwe und ein Adler. 
Oben das sogenannte Gottesauge mit dem Namen Jehovah. 
Siehe die Abbildung Kgl. Münzkab. Dies sehr schöne 
Exemplar in Zinn ist gewiss das vom Künstler selbst 
ciselirte Modell für fernere Güsse. Man goss solche Mo- 
delle gern in Zinn oder Blei, weil sich das weiche Metall 
am leichtesten und feinsten ciseliren lässt. Dies Exem- 
plar hat nicht die Jahreszahl 1666, aber andere haben sie. 
Imhof S. 801. 

Die Kehrseite bezieht sich auf Alchymie, welche der 
GHirurgus und CHYMIGus betrieben haben wird; der rothe 
Löwe und der Adler werden dabei oft genannt. Der yer- 
schlossene Garten bedeutet wohl das Geheimniss des Steins 
der Weisen. 

5. 1667. Gegossen. 26 MiU. 

Vf. ICH . MICH DILHERR9 P. E. P. P. AND MT. 63 

Brustbild rechtshin. Unten 1667. 



Qottfned Leigebe. 211 

Rf. Offenes Buch, auf dem Blatt links steht IN FORA | MI- 
NIB9 I PETRAE | QVIESCO; auf dem Blatt rechts ist 
das Crucifix abgebildet^ zu dessen Seiten steht unten 
6. L. Links neben dem Buche Fels und Bäume, über 
dem Buche die fliegende Taube, am Boden das Dilherr- 
sche Wappen. 

Egl. Münzkab. Will IH 296, 15. 

6. Ohne Jahr, aber gewiss vor 1668.- Gegossen. 41 MiU. 

VJ. lODOCCHRISTOPHKRESVnVIR&SCHO- Brust- 
bild rechtshin. Am Abschnitt des Arms G. L. 
Ä/. VTROQVE CLARVS Ein Helm über dem Wappen- 
Schild und einem offenen Buch, welche schräg an einander 
gelehnt sind^ zwischen ihnen ein Schwert von einem Lorbeer- 
zweig umwanden. 

Egl. Münzkab. Will U 155 und 160. Der Dar- 
gestellte ist ein Nürnberger, es ist also höchst wahr- 
scheinlich, dass Leigebe die Medaille noch in Nürnberg 
gemacht hat 
Im Jahre 1668 wurde Leigebe nach Berlin berufen. Man 
möchte vermuthen, dass die folgende MedaiUe des Grossen Kur- 
fürsten das erste Werk war, das er für^ ihn verfertigte. Der 1620 
geborene Fürst erscheint hier etwa fünfzigjährig. 

7. 1668? Gegossen. Oval, 50 zu 39 Mill. 

Siehe die Abbildung. Ueber dem Harnisch hängt die Set. 
Georgs-Medaille des Hosenband-Ordens von der linken 
Schulter. Am Abschnitt des rechten Arms G. L. 

Egl. Münzkab. Nicht bei Oelrichs, aber im Ampac- 
schen Katalog, Th. HI, S. 90, 10926 f. 

Der Grosse Kurfürst erhielt den Orden 1654 von Karl U., 
welcher damals in Paris in der Verbannung lebte; 1668 
erhielt er nachträglich die Ordenstracht Der Orden ist 
auch auf den Münzen des Kurförsten nicht selten. 



212 J- Friedlaender: 

Die identische Kehrseite kömmt auch mit einem Profil- 
kopf des Grossen Eorfarsten, rechtshin^ vereinigt vor. 
Also ist auch dieser Profilkopf von Leigebe. Herr Land- 
gerichtsrath Dannenberg besitzt ein Exemplar. 

8. 1669. Geprägt 58 MiU. 

Vf. FRID- WILH- D- G- MAR- BR- ET ELECTOR &« 
Der Eorforst rechtshin sprengend, in der Kurfürstlichen 
Tracht, oben im Felde ein Band, auf welchem DEO 
DUCE, COMITE PAGE, SEMPER REDIT steht. Am 
Boden liegen Oliven- und Palmzweige. Im Abschnitt 

^' 1669 ^• 

Rf, M • BRANDENB • steht im Abschnitt. Die Mark als Frau 
mit der Mauerkrone, ein Kind im Arm haltend, hat in 
der Rechten ein Band auf dem TuTA Suß ALIS TUlS 
steht. Darüber schwebt der Adler, den Kranz im Schnabel, 
den Olivenzweig in den Krallen. 

Kgl. Münzkab. Oelrichs erläutertes Brandenburgisches 
Medaillen-Kabinet Tafel XXXIII, Seyler S. 91. Es giebt 
einen ähnlichen Stempel, ohne G. L., er ist etwas häss- 
licher und wohl nicht von Leigebe. 

9. 1670. Geprägt 50 Mill. 

Auf die Geburt der Prinzessin Maria Amalia. DIViE DORO- 
TH^ u. s. w. Brustbild der Kurfürstin rechtshin, um- 
geben von Vorhängen, unten G. L. 

Rf. QllAE PATRE SCEPTRIGERO u. s. w., die lange In- 
schrift steht in concentrirten Kreisen. Ein gekrönter Pahn- 
baum auf einem Hügel, zu Seiten steht der Name der 
Neugeboreuen. Im Abschnitt COL. BR. 16. NOV. 1670. 
Kgl. Münzkab. Seyler S. 96, Oelrichs Taf. XXXVI. 

10. 1673. Geprägt, oval, 48 zu 38 MilL 
Vf. CAROL. iEMIL. D. G. M. BRAN. ELECT. HERES 



Gottfried Leigebe. 213 

Das behelmte Brustbild des Kurprinzen rechtshin, darunter 
1673, am Abschnitt des Arms G. L. 
Ä/. DE • COELO • FORTITUDO • EST • Aufschwebender 
Adler mit Palmzweig und Sahwert in den Krallen. 

Kgl. Münzkab. Oelrichs Tafel XXXIV, Seyler S. 116, 
wo aber das G. L. nicht angegeben wird. 

11. 1673. Geprägt. 47 Mill. 

Vf, FRIDERICD. G. MAR. BRAN. ELECT. HERES Brust- 
bild des Prinzen rechtshin, vorher 1673. 
Rf. Adler über einer Stadt schwebend, Kranz und Schwert in 
den Krallen. Auf einem Bande steht SVVM GVIQVE • 
Oben das Gottesauge. Im Abschnitt G. L. 

Kgl. Munzkab. Seyler S. 101. 

Diese Medaille zeigt, dass SVVM CVIQVE ursprüng- 
lich der persönliche Wahlspruch des nachherigen ersten 
Königs war. Als diese Medaille gemacht wurde, war er 
im 16. Jahre, und noch nicht Kurprinz, denn Karl Emil 
starb 1674. 

12. 1675. Gegossen, oval, 59 zu 46 MilL 

Vf. OCTAVIAN- BURGER DRESD- MT: 43. Siehe die 
Abbildung. Am Abschnitt des Arms G. L. 1675. 

/?/. DOROTH. SOPHIA- BÜRGERIN NAT. WELSCHIA 
MT. 32.^ Siehe die Abbildung. 
Kgl. Münzkab. 

13. 1677. Geprägt, oval, 51 zu 42 Mill. 

Diese ovale Medaille des nunmehrigen Kurprinzen Friedrich 
ist der runden von 1673, welche unter Nr. 11 beschrieben 
ist, sehr ähnlich. Sie hat dieselben Aufschriften und die- 
selbe Kehrseite, nur die Jahreszahl ist hier 1677, und 
statt der V stehen hier u. 

Kgl. Münzkab Nicht bei Seyler. 



214 J* Friedlaeoder: 

14. 1678. Gegossen, oval, 58 zu 49 Mill. 

Vf. Brustbild von vorn ohne Schrift. 

Rf. HENRICUS • ZIPFEL I • U . DOCT • ELECT • SAX • 
SUP CURI & CONSIST • ADVOC' ORDIN • 1678- Im 
Wappen ein krähender Hahn. 

Ein angelötheter Rand hat die gravierte Inschrift: D. 
Henrici Zipfelii filius Hen. Franc. 1709. M. Jun. abiit. 

Egl. Münzkab. Katalog Rolas du Rosey, Nr. 3623 ein 
Bronze-Exemplar. 

Diese Medaille hat nicht Leigebe's Buchstaben, allein 
sie kann dem Stil nach sehr wohl von ihm sein; wenige 
Jahre vorher hat er die ähnliche Medaille des Burger, 
ebenfalls aus Dresden, gemacht. Vielleicht giebt ein an- 
Exemplar Aufschluss. 

15. 1679. Geprägt. 41 Mill. 

Vf. Die sich deckenden Köpfe des Kurprinzen und seiner 
ersten Gemahlin Elisabeth Henriette, von Myrthenzweigen 
umgeben. Unten G. L. 

Rf. FRIDERICO • | ELEC • BRAND • HEREDI • | IVNGI- 
TVR- I ELISABHENRICA- | HASSLaE- PRINCEPS- | 
POTZDAMH I 13. AVG. 1679- Darüber der von zwei^ 
Engeln gehaltene Kurhut. 

Kgl. Münzkab. Zwei Exemplare, die Vorderseite ist 
die identische, die Kehrseiten wenig von einander ver- 
schieden« 

16. Ohne Jahr, aber vor 1680. Gegossen. 44 Mill. 

Vf RAB. A. CANSTEIN S. E. B. CONS. ST. INT. S. A. 
MAR. C. E. S. PR-älS Brustbild von vom, etwas reqhts- 
hin. Er trägt ein Käppchen und den Harnisch. Am Ab- 
schnitt des rechten Arms G. L. 

Rf Einzelne Buchstaben, welche seine ferneren Titel geben. 



\ 



\ t 



Gottfried Leigebe. 215 

Das Wappen^ darüber drei Kranze, in welchen COELI- 
TVS I SVBLIMIA [ DANTVR steht. 

KgL Münzkab. Köhler MB, XIII, S. 67; er hat irrig 
O. S. statt 6. L. Er giebt die Baehstaben der Kehr- 
seite und erklärt sie. 

Raban war 1617 geboren und starb 1680; da sein 
Tod auf der Medaille nicht erwähnt ist, wird sie bei Leb- 
zeiten gemacht sein. Er war der. Yater des durch seine 
Bibeldruck-Anstalt berühmten Karl Hildebrand von Cai)- 
stein. . 

17. 1680. Geprägt 45 Mill. 
Vf. PHIL. WILH. MAR. BRAN. &' NAT. 1669 9. MAY. 

Brustbild rechtshin, unten A. 1680. 
Rf. PRiEEVNTE PARENTE Emporfliegender Adler, dem 
ein kleinerer folgt. Im Abschnitt 6. L. 

Kgl. Münzkab. Seyler S. 187, Oelrichs Tafel LXY. 

18. Ohne Jahr. Geprägt. 47 MilL 
Vf. FRID. WILH. D. G. M. BRAN. S. ROM. I. ARCHIC. 

& ELECT. Brustbild mit Lorbeerkranz. 
Ä/ DOROTH. D. G. MAR & ELECT. BR. NAT. DU. 
HOiiS. IN GLUCK. Brustbild rechtshin, unten G. L. 

Kgl. Münzkab. Seyler S. 206 bildet dieselbe Kehr- 
seite mit einer etwas abweichenden Vorderseite von 1684 
ab, damals warLeigebe schon todt. Diese zweite Vorder- 
seite ist also von einem Anderen. 



Leigebe hatte vier Söhne: 

Ferdinand, geb. 1655, welcher als Baumeister in Friedrichs- 
burg jung starb, der Kolonie des Kurfürsten in Guinea, jetzt Cap 
Coast Castle. 

Johann Christoph, geb. 1661, gest. 1680, Maler. 

Paul Karl, geb. 1664, Hofmaler in Berlin und Professor an 



216 J. FriedlaeDder : 

der Akademie, er lebte noch 1730. Das Euperstichkabmet besitzt 
einige unbedeatende Zeichnungen von ihm. 
Balthasar Gottfried, geb. 1665, gest. 1680. 



Zum Schlass wiederhole ich, dass dieser Aufsatz nicht An- 
spruch macht, sämmtliche Arbeiten Leigebe's aufzuführen; meine 
Absicht war, durch Aufzählung der mir bekannten Werke auf die 
Medaillen dieses vaterländischen Künstlers aufmerksam zu machen, 
und ich werde für Nachweisung von anderen Medaillen, deren es 
gewiss noch manche giebt, dankbar sein. 

J. Friedlaender. 




217 



Kleinere Mitfheilungeii. 



Zum Seelensdorffer MUnzfunde. 

Im IX. Jahrgange dieser Zeitschrift, S. 282 bei Besprechung 
der letzten Funde älterer Brandenburger Münzen, speciell des 
Seelensdorffer Fundes durch Herrn Landgerichtsrath Dannenberg 
befindet sich derselbe nicht in Uebereinstimmung mit den Angaben 
des Herrn von Sallet und der meinigen, betreffs der Umschrift der 
Nr. 6 und 8. 

So zahlreich jener Fund auch war, er enthielt ca. 2500 Stuck, 
80 war die Erhaltung derselben, zumal sie in ihrer Mehrzahl sehr 
stark oxydirt waren, bezuglich der Umschriften, eine nur sehr 
mittelmässige. 

Aus der von mir erworbenen Hälfte jenes Fundes besitze ich 
jedoch von jenen beiden Münzen in meiner Sammlung je zwei 
wohlerhaltene Exemplare, die die Namen unzweifelhaft so dar- 
stellen, wie sie voil mir in den Blättern für Münzfreunde S. 428 
u. 429 angeführt sind, also Nr. 6 OTOO und Nr. 8 OTO. 

J. Lange. 



Die Dnblettenauction des Königlichen Münzcabinets, 
welche durch Herrm Adolf Weyl mit Umsicht, Eifer und Sach- 
kenntniss geleitet wurde, hat ein über alles Erwarten günstiges 
Resultat geliefert. Nicht nur die im Handel schwer zu findenden 
Seltenheiten, auch die gewöhnlichen und schlecht erhaltenen 



218 A. V. Ballet: 

Stücke worden fast durchgängig hoch bezahlt, ein Beweis, dass 
der Sammeleifer in Deutschland und im Ausland im Zunehmen 
begriffen ist. — Den höchsten Preis Erzielte das gut erhaltene, 
äusserst seltene punisch-siciliscbe grosse Silberstück (Nr. 327 des 
Catalogs) mit Demeterkopf und Pegasus, darunter phonizische 
Aufschrift: 805 Mark. Das Stück, welches unserem Museum 
durch den Ankauf der herrlichen Fox'schen Sammlung entbehrlich 
wurde, ist von einem bedeutenden öffentlichen Museum Deutsch- 
lands erworben worden. Der ziemlich gut erhaltene Electronstater 
von Syrakus mit Apollokopf und Artemiskopf^ von schönem Styl, 
brachte 305 Mark; ein äusserst mangelhaftes Tetradrachmon von 
Selinus 101 Mark, das seltene uralte Tetradrachmon von Syrakus 
mit dem Kopf im vertieften Viereck 101 Mark, ein Andnous von 
Smyma, JE 11, von geringer Erhaltung, 75 Mark u. s. w. — Die 
römischen Münzen wurden meist weit über den allgemein üblichen 
Preis bezahlt, selbst die schlechtesten und gewöhnlichcA Denare: 
die unerfreuliche Mode, antike Münzen zu Schmuckstücken zu ver- 
arbeiten, wirkte hier zu Gunsten unseres Museums. Von den 
besseren Stücken wurden am höchsten bezahlt: Constantin der 
Grosse in Gold, gut erhalten, Rückseite: FRAKGIA, 151 Mark 
und Lucilla, schöne Goldmünze, 50,50 Mark. 

Auch die mittelalterlichen und neueren Münzen erreichten 
hohe, zum Theil sehr hohe Preise, namentlich die Brandenbui^er 
und Magdeburger. Unter den Medaillen war nur eine kleine, im 
Catalog ausdrücklich als „Originale^ bezeichnete Anzahl guter 
Stücke, denn es ist natürlich Pflicht der Beamten, von diesen 
schönen Kunstwerken nur die durchaus überflüssigen Stücke Weg- 
zugeben und, wenn zwei oder drei gute Originale eines Stückes 
vorhanden sind, diese insgesammt zu behalten. Die alte Begel, 
dass ein gutes Stück das andere ergänzt und deshalb gar nicht 
Publette sein kann, gilt wie von Holzschnitten des 16. Jahrhun- 
derts, auch von den Gussmedaillen jener Zeit. — Das beste Stück 
der Medaillen, ein echter aber nicht sehr gut gelungener Guss von 
Pisano, den Yictorinus Feltrensis darstellend, vTurde von einem 




Kleinere Mittheilnngen. 219 

hiesigen Privatsammler mit 380 Mark bezahlt, ein nicht yoll- 
kommenes aber echtes und seltenes Silberstack von Tobias Wol^ 
mit den Brustbildern des Markgrafen, spateren Eurförsten Joachim 
Friedrich und seiner Gemahlin, von 1570, wurde für 210 Mark 
von einem deutschen Museum erworben. Selbst die geringeren 
Abgüsse der alten Italiener wurden bis zu 50 Mark bezahlt, ein 
sicher altes, aber mit dem prächtigen Exemplar des Berliner 
Museums nicht zu vergleichendes Medaillon des Constantius, mit 
dem Bildniss des Sultan Mohammed II., brachte 101 Mark. — Das 
Gesammtresultat der Versteigerung ist, nach Abzug aller Kosten, 
ein Reingewinn von fast 19000 Mark für die Königliche Samm- 
lung, also eine höchst erfreuliche, namhafte Vermehrung unserer 
Fondä, welche uns wichtige neue Ankäufe möglich macht. 

A. V. Sallet. 



Idteiatur. 



Rohde, dieMünzen desKaisers Aurelianus, seiner Frau 
Severina und der Fürsten von Palmyra-Miscolz (in Ungarn) 1881/82 
2 Bde. 429 S. — Eine auf jahrelanges Studium und eine grossartige 
Specialsammlung gegründete^ äusserst dankenswerthe und belehrende 
Arbeit Der Verfasser bringt zunächst sämmtliche auf Aurelian 
bezügliche Berichte der alten Schriftsteller (p. 1 — 135), dann eine 
genaue Beschreibuug aller ihm bekannt gewordenen Münzen des 
Kaisers, der römischen, wie der in griechischen Städten geschla- 
genen, sowie der Severina und der Palmyrener. Dann folgen Unter- 
suchungen über die Prägestätten, deren man abgesehen von 
Alexandria und den griechischen Städten folgende kennt : Tarraco, 
Lugdunum, Roma, Siscia, Serdica, Cjzicus, Antiochia, Tripolis; 
der nächste Abschnitt behandelt die Währung, Gewichte und Werth- 
zeichen auf Anrelian's Münzen XX, XXI und XX i d. i. 20 « 1 auf 



220 A. ▼. Sallet 

den Denaren, VSV d. i. 5 + ^ = i &^ den Halbst&cken ; endlich 
folgt genaue tabellarische Uebersicht. Was Einzelnheiten betriffiy 
so muss ich an meiner Deutung der Münzen mit „pietas aog, 
virtus aug" etc. festhalten: es sind zwei kaiserliche Figuren auf 
denselben dargestellt, genau wie auf den völlig gleichen Denaren 
mit „pietas augg, virtus augg" von Yalerian und Gallien — auf 
denen die Bedeutung der Figuren auch nicht bezweifelt wordm 
ist — es ist also nicht Aurelian und der nur in kritikloser Weise 
creirte ^Soldat^, sondern ein Mitregent mit kaiserlichen AtUi- 
buten; d. i. Yaballath. Weun auch das T im Abschnitt die Präge- 
statte Tarraco bezeichnet, ist dies und die Nachbarschaft des Tetricii& 
doch kein Gegenbeweis, die Münzgeprage waren natürlich von 
Rom aus im ganzen Reiche angeordnet, ohne Rücksicht auf neben- 
an hausende Gegen kaiser; wie Severus in Rom Münzen seines Mit- 
regenten, des Cäsar Clodius Albinus (in England) schlug, wurde 
in den ofGciellen abendländischen Münzstätten der officielle syrische 
Mitregent Aurelian's, Yaballath, auf die Münzen and sicherlich 
auch auf andere officielle Schriftstücke u. dgl. gesetzt. 

Dass RESTITVTORIGENTIS nichts anderes als späte, schlechte 
Form statt ORIENTIS, nicht „restitutori gentis^, sein kann, wird 
mir von sachkundigen Philologen bestätigt — Dass die Alexan- 
driner Aurelian's mit LZ nach seinem Tode, w&hrend des Inter- 
regnums geprägt seien, ist doch nicht anzunehmen, es giebt keine 
nachweisbare Analogie im Alterthum, wenn auch Aehnliches in 
neuerer Zeit vorkommt, z. B. die Dukaten Gostav Adol& tob 
1634. — Die Kupfermünzen des Aurelian und Athenodor (Ya- 
ballath) mit LA und LA sind wohl nur deshalb ein wenig ver- 
schieden von Aurelian's und Vaballath's andern AJezandiinenii 
weil es Kupfermünzen sind, die ja stets bei allen Kaisem vid 
duDner und von anderem Aussehen sind, ab diePotinmünsen.— 
Zu S. 260 könnte noch hinzugefugt werden, dass der zuerst Ton mir 
vorgeschlagene Titel ^rex^ für Yaballath jetzt durch Th. MommMa 
auch inschriftlich nachgewiesen ist, in der Ztschr. f. Nomiam. Y,229. 

A ▼. Sallei. 



220 A. T. Sallet. 

den Denaren, VSV d. i. 5 -h ^ = i a^ den Halbstücken ; endlich 
folgt genaue tabellarische Uebersicht. Was Eiuzelnheiten betrifft^ 
so muss ich an meiner Deutung der Münzen mit ,,pieta8 aug, 
virtus aug" etc. festhalten: es sind zwei kaiserliche Figuren auf 
denselben dargestellt, genau wie auf den völlig gleichen Denaren 
mit ,,pietas augg, virtus augg^ von Valerian und Gallien — auf 
denen die Bedeutung der Figuren auch nicht bezweifelt worden 
ist — es ist also nicht Aurelian und der nur in kritikloser Weise 
creirte ^Soldat", sondern ein Mitregent mit kaiserlichen Attri- 
buten; d. i. Yaballath. Wenn auch das T im Abschnitt die Präge- 
statte Tarraco bezeichnet, ist dies und die Nachbarschaft des Tetricus 
doch kein Gegenbeweis, die Münzgeprage waren natürlich von 
Rom aus im ganzen Reiche angeordnet, ohne Rücksicht auf neben- 
an hausende Gegenkaiser; wie Severus in Rom Münzen seines Mit- 
regenten, des Cäsar Clodius Albinus (in England) schlug, wurde 
in den ofBciellen abendländischen Münzstätten der officielle syrische 
Mitregent Aurelian *s, Yaballath,' auf die Münzen und sicherlich 
auch auf andere officielle Schriftstücke u. dgl. gesetzt. 

Dass RESTITVTORIGENTIS nichts anderes als späte, schlechte 
Form statt ORIENTIS, nicht „restitutori gentis^, sein kann, wird 
mir von sachkundigen Philologen bestätigt. — Dass die Alexan- 
driner Aurelian's mit LZ nach seinem Tode, während des Inter- 
regnums geprägt seien, ist doch nicht anzunehmen, es giebt keine 
nachweisbare Ajialogie im Alterthum, wenn auch Aehnliches in 
neuerer Zeit vorkommt, z. B. die Dukaten Gustav Adolfs von 
1634. — Die Kupfermünzen des Aurelian und Athenodor (Ya- 
ballath) mit LA und LA sind wohl nur deshalb ein wenig ver- 
schieden von Aurelian's und Yaballath's andern Alexandrinern, 
weil es Kupfermünzen sind, die ja stets bei allen Kaisem viel 
dünner und von anderem Aussehen sind, als die Potin münzen. — 
Zu S. 260 könnte noch hinzugefügt werden, dass der zuerst von mir 
voi^eschlagene Titel „rex^ für Yaballath jetzt durch Th. Mommsen 
auch inschriftlich nachgewiesen ist, in der Ztschr. f. Numism, Y, 229. 

A. V. Sallet. 



223 



Der Tumosenfand von Wittmund. 



Beim Blättern in alten Skripturen fallt mir ein Verzeichniss 
eines bedeatenden Fundes von Tarnosen in die Hände, das ich 
ebenso wie eine Anzahl Dubletten dieses in das damalige Egl. 
Münzkabinet zu Hannover gelegten Schatzes der GefiLlIigkeit des 
Herrn Dr. Grotefend, des damaligen Vorstehers dieser jetzt leider 
unzugänglichen, ja fast verschollenen Sammlung verdanke. Der 
Fund ist wichtig, wird auch von Grote öfter, namentlich in seiner 
Bergischen und Jülich'schcn Münzgeschichte (Mzstud. YU, S. 41 
u. 427) erwähnt. Da er jedoch ebensowenig als meines Wissens 
irgend ein anderer ähnlicher Fund bisher eine Beschreibung er- 
üahren hat, so halte ich es für erspriesslich, die gedachte Liste 
mitzntheilen, obwohl sie leider manche genaueren Angaben na- 
mentlich über die Stückzahl^) vermissen lässt Auch weiss ich 
eigentlich nur, das« der Schatz in Ostfriesland entdeckt worden 
ist, die von Grote a. a. 0. gemachten Angaben, sowie Grotefends 
Mittheilung, nach welcher der Fund damals, als er mir von ihm 
sprach, nämlich bei der im September 1858 hier abgehaltenen 
Versammlung des Gesammtvereins der Alterthumsforscher, unlängst 
erst eingeliefert worden, lassen aber an der Identität keinen Zweifel. 

Ich gebe das Verzeichniss, alphabetisch wie es mir vorliegt, 
mit wenigen von mir hinzugefügten Anmerkungen, namentlich 

1) Einige Anskanft hierüber geben aber doch die Tor vielen Nammern an- 
gebrachten Sternchen; sie bezeichnen diejenigen Mnnzen, von denen mir Du- 
bletten angefallen aind. 

Z«lltehflft lir NomlmatU. JL 16 



(oben ein Löwe). 



224 H. Dannepbeig. 

chronologischen Bestimmungen^) und Citaten, wie sie mir gerade 
zur Hand sind. — Yergrabangszeit Ende des XV. Jahrhunderts. 

A. Tumosen. 

♦ 1. +ÄDOLP]&VS*CQfltteS. 
2. -tnOVLPhVS COM€S 

Beide von Adolf VIII. t. Berg 1308—1348, (s. Münzstad.VIl, 
S. 19, Taf II, 15.) 

♦ 3. +ARALC. D»S RHDI 

♦ 4. +7\RI10ID DHS. RA' 

♦ 5. +ARI10ID. DUS. RA» 

♦ 6. +ÄRI10D DHS RA» 

♦ 7. +ARftODl DI18 RAß 

Nr. 4 — 7 sicher und Nr. 3 doch wohl wahrscheinlichst von 
Arnold III., Herrn von Randerath (1364 — 80) eher als von Arnoldll 
(1290 — 1331), dem y. d. Chijs, de niunten der leenen van Bra- 
bant S. 157 (Taf. XV und XXXIIi;, sie zutheilt. 

8. + ARU VC • D'D6 Llß (v. d. Chijs a. a. O. S. 308 Taf. 
XXXIII). 

Geschlagen von Arnold Herrn von Stein und Limbricht, der 
1381 erwähnt wird (s. auch Rev. Beige Ser. HI Bd. IV S. 152. 

9. +BeRGhtMeHS CIVI (oben Löwe). 

Von Wilhelm II., Herzog von Jülich 1361-1393 (s. MSnz- 
stud. Vn, S. 438). 

10. +BRABAHTIE : DVX Rf. MÜHETA • BRVXEL (statt 
der Lilien 3 Kugeln) v. d. Chijs. Brabant Taf. VI, 9. 

Wohl die älteste Münze im Funde, denn sie rührt von Jo- 
hann il. 1294—1312, her. 

11. fCOnRADVS COMES (Münzstud. III, S. 100, Taf. 1,3). 
Oldenburgisch und wohl eher von Konrad II 1368 — 1386 als 

vom L 1345-1368. 

12. +DIDERICVSCOMS (oben Löwe). 

Von Dietrich in. von Heinsberg Grafen vonLooz, 1381 — 1361. 
1) Orösstentheils nach Grotes Stammtafeln (Hzstud. Bd. IX). 



Der TarnoMiifdnd wwi Wittmmid. 225 

* U +DUS De heiUSBeRGJ 1 ^"^ ^^ ^^^^' 

Vcrmuthlich beide von Gottfried HL (1361—1396). 
15. *DnS 6IESBERTVS 

Nr. 26 sowie der seltene Name lassen wohl keinen Zweifel, 
dass eine Münze des Hauses Bronkhorst vorliegt, entweder von 
Giesbert V. (1328—1856) oder von seinem gleichnamigen Sohne, 
der Borcolo von 1356 1367 besass, oder von Giesbert VI. 
(1388-1418). 

♦ 16. +DßS «RENSBERh« (oben Kreuz). 
» 17. +DnS • IiENSBERC (oben Löwe.) 

Gleichaltrig mit Nr. 13 und 14. 

♦ 18. +DHSLiniEnSI. 

Ligny? Linnich? Letzerenfalls, wie Grote Münzstud. YII 
S. 428 Anm. sagt, nicht Jülichisch, da die Herren von Randerath 
die Stadt von 1368—1392 in Besitz hatten. 
19. +DVLKEHSI CIVIS 

♦ 20. +DVIiKEnSI CIVITS 
21. fDVREfiSr CIVITS { 

♦ 22. ♦DVRENSr CIVITS* 

Alle vier von Wilhelm IL, Herzog von Jülich (1361—1398), 
die beiden ersten in Dülken, Nr. 21 n. 22 in Düren geschlagen 
(8 Münzstud. Vni S. 436 u. 434. 

23. +ELIS7^BET RBBH • (oben Löwe). 

♦ 24. +ELISÄBET;äBBI desgl. 

♦ 25. +ELISABET;7^BBA desgl Rf. HONETA • ESSEIB 
Elisabeth von Nassau war Aebtissin von Essen 1370 — 1412 

(8. Münzstud. ni, S. 451). 

26. +6IESBERTVS BOR. 

Von Griesbert von Bronkhorst Herrn von Borculo, welchem 
nach dem bei Nr. 15 Gesagten diese Münze gehört, kannte v.d Chijs 
nur einen Sterling (s. de munten der herren en steden van Gelder- 
land S. 452 Taf. XXIII). 

27. fliEIR . ABB . WERDW (oben 3 Rosen). 

16^ 



(oben Löwe) 
Rf. oben Adler 



226 H. Dannenberg: 



(oben Schildchen mit 3 Rosen). 



28. +IiEßRICS' HBBS' 

29. +hEßRICVS*HBBH' 

30. +IiEßRICVS*RBBÄS 

31. +IiURICVS*HBBAS«WI 
+ 32. hENaoWERDH.ABB (oben 3 Rosen). 

Der Prägherr dieser sechs Tamosen Heinrich von Wildenberg, 
Abt von Werden, hat seine Würde von 1360—1382 bekleidet. 
Seine Münzen s. Münzstud. lil, S. 416.) 

33. +Ii'M7\ßDßS DE WL (oben SchUdchen mit 1 Rose) 
Münzstud. III, S. 178, Taf. IV, 9. 

Auf dieser Münze des Dynasten flerrmann von Wildenberg, 
der zwischen 1354 und 1395 erwähnt wird, ist das Wildenberg- 
sche Wappen, das Nr. 27 — 32 vollständig zeigen, in einer Weise 
vereinfacht, wie es im Mittelalter sonst häufig, dann aber selten 
geschieht, wenn das Wappenbild im Rahmen des Schildes er- 
scheint 

34. Ein gleiches Exemplar mit der Contremarke 0. 

♦ 35. +IOHA>I' Krone COMES (Münzstud. III, Taf. IV, 6). 

36. +I0H7\PSS • COMES (v. d. Chijs Holland Taf. IV, unter 
Johann I. 1296—1299). 

37. +IOHHßNeS COMIS (oben ein Löwe). 

Die Herkunft dieser Münzen ist zweifelhaft, Grote (Münz- 
stud. III, 164, Taf. lY, 5) neigt zu Johann III, Grafen von Sayn 
(1359—1403), obgleich das Krönchen auf Nr. 35 besser für Jo- 
hann von Böhmen, als Grafen von Luxemburg (1313 — 1346) 
passen würde. 

38. +JOIlÄßeS.aOMIC6 Katalog ScheUhass 2469. Rev. Beige 
Ser.III, Bd. III, Taf. XIII, 4; Bd. IV, S. 156, Taf. IX, 10. 
Johann (domicellus) vonKuinre kommt i. J. 1359 vor, v.d. 
Chijs (Overijssel Taf. I, II und XX) hat zahlreiche Gepräge 
von ihm, diesen Tumosen aber nicht. 

39. +IVLmCEßSI CIV'^ (oben Löwe). 

♦ 40. +IVLlECEßSI CIVIS (oben Löwe). 



4 



Der Tomoeenfnnd Ton Wittmond. 227 

Gleich den Dülkener und DQrener Münzen, Nr. 19 — 22^ von 
Herzog Wilhelm II. 

41. +RhHROLVS REX. 
Vermuthlich Karl IV. 1322—1828 (Hoffmann m. royales de 
France Taf. XV 6), obgleich dem Zeitalter unseres Fundes Karl V., 
1364—1330 besser entsprechen würde. 

♦ 42. +iiim€nsi civr. 

♦ 43. +IiIttNI6ßSI CIVIS (s. Mader krit. Beit V S. 30). 

Vergleiche oben Nr. 18. 

44. +LODEVICVS DftVS (v. d. Chijs leenen v. Brabant 
Taf. 30, Rev. Beige Ser. III, Bd. IV, S. 153. 

Von Ludwig HL, Herrn von Randerath 1331—1364. 

45. +IiVDOVICV.S-REX, nebst einigen (nicht näher ange- 
gebenen) Verschiedenheiten. 

Solche Turnosen haben geprägt: Ludwig IX 1226—1270 und 
Ludwig X 1314—1316. Ob aber nicht einige auf den deutschen 
Ludwig IV zurückzuführen sind? von dem wir eine solche Münze 
mitLudowicus quartus (Berl. Bl. III, Taf. XXXIV 6, Münzstud. VII, 
S. 23) und andere kennen, die im Bergischen geschlafen sind 
(Münzstud. VII, S. 19 Nr. 16, S. 21 Nr. 17, S. 22 Nr. 18). 

♦ 46. +MOnETÄ FIVL60IE (Rev. Beige Ser. III, Bd. IV, 

155, V. d. Chiis Friesland, Taf. 18, S. 528.) 
Fivelgo oder Fivelingo war eine Grafschaft in Westfriesland, 
mit Appingedam als Hauptort. 

47. + JßdfcTH • CeRlSiTe (Rev. Beige Ser. HI, Bd. IV, S. 154, 
Münzstud. VII, S. 47, Taf. V, 50). 

In Gerresheim von Wilhelm H. von Berg (1360 — 1380) ge- 
schlagen, nicht wie v. d. Chijs (Holland S. 154 (Taf. IV, 3) an- 
nimmt, in Zieriksee durch Graf Wilhelm HI. von Holland. 

48. +MünETH 6R0BI6'(v. d. Ghijs Friesland, Taf. VHI, 6). 

49. +MONETH GRORIG (v. d. Chijs Friesland, Taf.XXH). 

» 50. + MORETä hEÄSBE'« 1 , . - j^ s 

\ (oben ein Lowe). 

♦ 51. +MONETÄ hlSBRG | 

Vgl. Nr. 13, 14, 16 u. 17. 



228 H. Danneaberg: 

♦ 52. +M0HETHRÄTI6ia (MOnzstud. VII, S. 46, Taf. IV 47). 

♦ 53. +MOnETK • RÄTIßG • Rf. + WILK'1 1 VS • COMIS 

(Ebenda S. 45, Tat IV, 45). 
Von WühelmlL, Grafen v. Berg (1360 -- 1380). 

54. tMOßETÄ-SmSIG (Munzstud. VII, S. 199, Taf. X, 6). 
Der Münzherr ist Wilhelm, Graf von Isenburg-Wied 

(1367—1376), als Pfandinhal)er der alten Reichsdomäne Sinzig. 

55. +PI1ILIPPVS • IlEX, tPWIilPV . S • REX und einige 
andere Arten. 

Solche Turnosen haben Philipp IIT. (1270—1285), Philipp IV. 
(1285-1314), Philipp V. (1316-1322) und Philipp VI (1328—1350) 
schlagen lassen (s. Hoffmann a. a. 0. Taf. XI, XII, XIV^ XVII). 

56. +PII1LIP' CONeS • (oben ein Löwe) s. Rev. Beige 
Ser. III, Bd. IV, S. 151. 

Meines Erachtens von Philipp 1.^ Grafen von Nassau- Weilburg 
(1370—1429), worauf auch der Löwe deutet, der ebenso, ohne die 
Schindeln^ auf den Turnosen von Siegen (Mader VI, 20.8, Bl. f. 
Mzkd. III, Taf II, 16) vorkommt. Also nachzutragen zu S. 170 
Bd. VII dieser Zeitschrift. 

♦ 57. +R0BERTV5 DVX 

Von Robert, Grafen (seit 1352) und Herzog (seit 1355) von Bar, 
(bis 1411). 

58. +VRED6RICVS DE. 

Wohl von demselben Friedrich von Berg in Geldern, der 
Nr. 93 geprägt hat. 

♦ 59. t WIBERTVS BOERC 

♦ 60. + WIIiBERTVS . DH« 

♦ 61. +WILBERTVS DE 
62. + WI6IESBERTVS t 

Bei Nr. 15 und 16 sind wir bereits Giesbert von Bronkhorst, 
Herrn von Borculo begegnet. Ein Name Wigiesbertus, wie er 
auf der letzten Münze erscheint, ist ungeheuerlich, und daher 
wohl nicht zu zweifeln, dass er nur einer auf Täuschung des Publi- 
kums gerichteten Absicht seine Entstehung verdankt, es wird mit 



Der TuiDOsenCood toq Wittmnnd. 229 

dem unverstandiicben Wl auf eine Yerwechselimg mit den be- 
liebten Tnmosen des Bergischen und Jülichscben Wilhelm (siehe 
Nr. 67—79) abgesehen gewesen sein. Analogien sind nament- 
lich in dieser Gegend zahlreich, es sei nur erinnert an die Ster- 
Unge mit 61WÄUES DNSZ R6YB (Mader VI, Taf. I, 4, Bl. 
f. Mzkde. IV, Taf. XHI, 293) statt tDW REX Aß6L 
DßS KYB, an QDIWÄßHQS REX B (Chautard, monn. au type 
esterlin Taf. XIV, 9), ja sogar GDWÄRD HUG + RQYB Rf. 
LOaaNBeaNSIS (a. a. 0. S. 385 Nr. 550, nnm. Chron. XVIII 
S. 121), an den Goldgolden vonRnmmenmit-t-§ MOßGTTX 8 ttOVÄ 
8 ROMÄßORVM in Nachahmung der Kaisergulden (Berl. Bl. 
VI Taf. LXXI) und den Rosenobel der Maria von Brimeu als 
Gräfin y. Megen (v. d. Ghijs leenen van Brabant Taf. III Nr. 22) 
JBAR • H • B • PRI . D . Qftl • 00 • D • MM • KD LG— GDWäR 
D-GReß-ÄßG. Die letzten Worte GD WARD 6 RGGHßGgeben 
Aufklärung über die böse Absicht, die bei dieser Nachprägung ob* 
gewaltet hat. — Von Nr. 62 sind aber die 3 vorgehenden Tumosen 
ofiPenbar nicht zu trennen,, auch hier das trügerische WI, WIL 
statt 6IES. 

63. + WILhELHVS COiVEß (Ä/. oben Schildchen mit 

2 Balken). 
♦ 64. + WlhbEhM COMSS (oben und im Rf. oben dasselbe 

Schildchen). 

65. +WIXiIiELMVS COM I 

66. -i-WIXihELM COIIIS f ^^^'^ ^"^^"^^ Schildchen). 

Man sehe diese oder ähnliche Turnosen des Grafen Wilhelm 
von Isenburg - Wied (1367- 1376) bei Grote (Münzstud. Bd. VII 
S. 200), wo er (S. 199) bezeugt, dass sie. nebst den Sinzigem (siehe 
oben Nr. 54) fast sämmtlich aus dem Funde von WMttmund 1858 
herrühren, während die Funde von Berum 1836 und von Weit- 
mar 1848 deren nicht enthalten haben. 

67. ♦WILtELUV COHS- (oben Kreuz). 

68. ♦ WILhELH' C0M6S • (oben Löwe). 

69. +WILI1ELM COMESo 

70. ♦ WILIiELMV COMB $ 



280 B- Dannenberg: 

71. +WILI1ELM C0HI8 

72. + WILIiEIiMV • COMa . 

73. +WILI1ELMV COMES 

74. +WILI1ELMV COMS- 

75. + WILhEIiMVS • COÄGS • 

76. + WILhELMVS COES 

77. + WILhEIiMVS COMES • 

(Nr. 67—77 s. Münzstud. VII S. 42—44). 
»78. +WILKELM COMES Rf. +WILI1ELMVS COMES 
(Münzstud. Vn, S. 45, Taf. IV 44). 

♦ 79. ebenso Rf. + MOßETÄ •.• LCREIß (undeutlich). 

Alle diese Münzen (Nr. 67—78) sind Bergische, wie Nr. 47, 52 n. 63 
vom Grafen Wilhelm II 1360— 1380 Darf man in dem andeadichen 
Stadtnamen des letzten Stückes L€ßFIIl sehen, so haben wir 
Lennep wie auf den Tomosen Münzstad. VII 46 Nr. 48 a— e 
Taf. V 48. 

♦ 80. +WILIÜELM DOnS 

Vermuthlich gleich Nr. 92 von Wilhelm 1 von 's Heerenberg. 

81. +WILI1EMVS DVX 

82. + WILIiEfeMVS • DVX 

83. + WILREIiMV l DVX 

84. + WILhEIiMVS " DVX J (oben ein Löwe). 

85. + WILÄELMVS 5 DVX (oben ein Löwe). 

86. + WILhELMVS % DVX (oben ein Löwe Rf. ebenso). 

87. + WILÄELMVS DVX (oben ein Löwe). 

88. + WILhELHVS DVX (oben ein rechtsgekehrter>) Löwe). 

(Nr. 81—88 vgl. Münzstud. VII S. 431—433) 

89. fWILhELMVS JDVX (oben ein Löwe Rf oben ein 
Adler), Münzstud. VII, S. 433 Nr. 50. 

90. + WILhELMVS % DVX (oben ein Löwe Rf oben ein 

doppelschwänziger Löwe), Münzstad. VII. S. 53 Nr. 54. 

Taf. V 54 und S. 433 Nr. 49. 

Nach Grote's Meinung sind alle diese Münzen Jülicher, Von 
1) Das .rechts* scheint nicht in heraldischem Sinne gemeint. 



Der TanosmifDnd Ton Wltturand. '251 

Wilhelm II. (1361—93) nur die letzte etwa, wegen des doppel- 
geschvänzten Löweo, von Uersog Wilh. von Berg (1380—1408). 
91. tWILIiEM BORCß'VE (obeo Wappenschild. ') 
8. Rev. Beige Ser 111, Bd. IV, S. 153, Taf. VIII, 6, Wiener 
num. ZeitBohr. II, S. 522, Nr. 12. 




Bisher ist diese Münze nicht gedeutet, seitdem wir aber 
Groschen der Burggrafen Ludwig and Wilhelm Hammerstein 
(Bl. f. MQnz&eunde 1880 S. 697) kennen, ist kein Zweifel mehr, 
daas auch sie letzterem Burggrafen zuzuschreiben ist. 

92. tWILtS DRS D Mütt (v. d. Ghijs, steeden t. Gelder- 
hind Taf. XVI). 

Von dem schon bei Nr. 80 erwähnten Wilhelm I. tod'b Hee- 
renberg (1354-87). 

93. + WRIUER . . . a DHg Rf. TVROIIV ... VIS (v. d. 
Chijs a. a. O. S. 193, Taf. XXni). 

Ebenfttlls von 's Heerenberg und zwar von Friedrieb IL 
1312—32, wenn nicht etwa von Friedrich III (1387—1416). 

B. UtwengrMChen. 

Gepräge: Durchgehendes Ereuz Rf. Löwe. 
♦94. nRß — 0" ■ 9V — C'DO — MHI ■ R/. HOReTRf 
RV1(E0' (». d. ChiJB d. m. d. leenen v. Brabant S. 259 
Taf. XXin, 4). 
Prägherr ist Arnold d'Oreilly Herr von Quabeke (1363—70), 
Priget&tte Rummen. 

95. DED — ERI — CDt — ORB R/. MOßETA ♦ VESMI" 
1) Die AbbUdong iet na «hdi udero Exemplare genomnen. 



232 H. Dannenberg: Turaosenfand. 

(oben Schildchen mit 3 Hörnern) v. d. Chijs a. a. O. 
S. 145, Taf. XXX, 4. 
Zu Wessein von Dirk-Loef (1358—90) geschlagen, wie die 
folgende zu Weert. 

96. DI — RIO — Vnn — . . R — Ä/. MOfitTÄ VIERD 
(v. d. Chijs a. a. O. S. 136 Taf. XXX, 2) 

97. I — 0' • DV - C • LO - TBR - 7\B' Rf. M0ß6TÄ 
BRÄBTXß. 

98. I — DV — C'^IiO — TBR — äB« R/. MOUeTÄ« 
FILFD' ., d. h. Vjlvordensis (oben ein Löwe) (v. d. Ühijs, 
ßrabant, Taf. XII, 9). 

BeideGroschen sind von Johanna, die inBrabant von 1392 — 1406 
allein regiert hat, also die sicher jüngsten Stücke des Fundes. 
98. +PeT — RVS — ePO - PVS - Ä/ MO߀TÄ CMACß 
(oben ein Löwe). 
Peter IV. vonAndr^ war von 1349—68, Peter V. v. Ailly von 
1398 — 1411 Bischof von Cambray. An ersteren ist wohl zu denken. 
100. R€I-nAL— DVS-KOV Rj\ I40ßeTÄ* 6R0nm6IiE 
(oben Löwe). Rev. Beige IV. Ser. IV. Bd. S. 161. 
Reinold III. von Kovorden wird 1344 u. 1364, und Reinold IV. 
1382 u. 1402 erwähnt, v. d. Chijs (Friesland, Taf. XXI, XXTT) 
hat verschiedene Münzen von ihnen, diese aber nicht. 
♦101. ThE - O'D • V - Äh'OTEß Rf. MOßfeTH + WIERD' 
(oben ein Löwe), v. d, Chijs leenen v. Brab. S. 136 
Taf. XXX, 3. 
Von dem bei Nr. 95 u. 96 genannten Dirk-Loef. 

C. Andere Arten. 

102. MOß — ETH - S\ PE - TRI Rf. lOh'CP - S • LCOB 
Kopf mit Bischofsmütze, über demselben d. Arkelsche Wappen. 

Geprägt von Johann V. von Arkel, 1364 — 78, B. v. Lüttich. 

103. + lOIiHßH 061 6RÄ ü BRABATIG Kreuz mit DVÄC 
in den Winkeln. Rf. MOIiCTÄ ^. ßOVÄ i FILFORDeßS 
im Sechspasse ein Schild mit 4 Löwen, v. d. Chijs Brabant 
Taf. XII, 12. H. Dannenberg. 



233 



Münzfunde. 



Ausser dem Bd. X, S. 126 d. Z. besprochenen Fände von 
Götz sind neuerdings in der Mark Brandenburg noch zwei Münz- 
funde gemacht worden, nämlich: 

1. 1881 bei Vietsmannsdorf (Kreis Templin). 

Derselbe bestand nur aus 106^ Exemplaren, die sich wie folgt 
vertbeilten : 



Weidhas Taf. VII, 


10 (44J Expl.) 


Weidhas 


VII, 


12 (1 Expl.) 


. VII, 


19 (1 Expl.) 


n 


VII, 


21 (1 Expl.) 


. VIII, 


5 (3 Expl.) 


n 


VIII, 


10 (1 Expl.) 


n -n ^^t 


5 (1 Expl.) 


7) 


IX, 


7 (1 Expl.) 


n n 1^5 


9 (9 Expl.) 


n 


IX, 


12 (17 Expl.) 


n -n l-X., 


IS (1 Expl.) 


j) 


X, 


2 (3 Expl,) 


» >» X, 


10 (1 Expl.) 


r> 


XI, 


17 (3 ExpL) 



Femer 2 Inedita, nämlich der Markgraf mit 2 Vögeln, unter 
jeder Uand ein Helm, (1 Expl.) 

Rf. In einem Vierpasse ein in Lilien auslaufendes Kreuz. 

Ein Denar, die Hf wie die von Wdh! X, 10, die R/, wie 
Wdh. IX, 5. 1 Expl. 

Ausserdem 17 unkenntliche* 

Zur Zeitbestimmung dient namentlich der Denar Ludwigs II., 
1351-1366 Wdh. IV, 12 (LODeVQH) 

IL 1882 bei Herzsprung in der Westpriegnitz, zwischen Kyjritz 

und Wittstock. 
Dieser sehr zahlreiche Fund hat in der Hauptsache nur 



284 H. Dannenberg: 

5 Arten geliefert, nämlich Weidhas VI 3, VI 20, VI 21, VII 9 
und VIII 3. Daneben kamen noch in einzelnen Exemplaren 
vor: Wdh. V 16 (1 Stck.), Wdh. VI, 4 (4 Stck.), Wdh. VI 7 
(3 Stck.), Wdh. VI, 10 (4 Stck.), Wdh. VU 1, (2 Stck.) und 
in einem halben Exemplare Wdh. V, 13. 

Beigemischt waren einige Fremdlinge, der Denar mit einem 
2 Vögel haltenden Grafen und Rosetten unter seinen Händen. 
Ä/. OTTO CO(M8S0, den ich in den Berl. Bl. S. 47 Nr. 1 
beschrieben und dem letzten Grafen von Brena Otto III. (f 1290) 
zugetheilt habe. Die Figur im Felde der Rückseite ist auch auf 
diesem Exemplare nicht deutlich, doch ist sie ein Kreuz sicher 
nicht, vielleicht ein Helm. 

Femer 28 Brakteaten, nämlich ausser 6 unkenntlichen, 10 
Mecklenburgische und 17 Pommersche. 

Unter den Mecklenburgern ist hervorzuheben einer, der den 
Stierkopf in gestrahltem Rand, und einer der ihn — eine seltene Er- 
scheinung — im punktirten Rande zeigt. Man betrachtete diese 
dicken Kugeln auf dem Rande früher als eine Eigenthömlichkeit 
des südwestlichen Deutschlands, neuere Funde haben uns aber 
doch einzelne so verzierte Brakteaten aus dem nordwestlichen 
Deutschland geliefert. 

Die Pommern sind folgende: 

1. Anklam? Flagge in Gestalt eines K, theil weise von Sternen 
begleitet (ähnlich Bd. IV, Tat IV 33 d. Z.) 6 Stck. 

2. Greiföwald (oder Lübeck) Gekrönter Kopf (ähnlich a. a. O. 
Nr. 22 und Dannenberg Pommern Taf. IV A. 11). 5 Stck. 

3. PasewaJk, Vogelklaue, (Dannenberg, Taf. U 86). 1 Stck. 

4. Stargard, Sechsstrahliger Stern. 2 Stck. 

5. Stralsund, Strahl, (ähnlich Bd. IV, Taf. IV, 37 u. 38 
d. Z.) 3 Stck. 

Bemerk enswerth war die grosse Anzahl zerschnittener Exem- 
plare, die etwa den achten Theil des ganzen Schatzes ausmachten, 
sie waren wohl bestimmt, dem Mangel an Obolen abzuhelfen, der 
hier auff&Uig zu Tage tritt. 



Möazfande. 235 

Die Niederlegnng des Faodes wird durch Weidhas VI, 3 
(+OTTO ÄLhaR), Wdh. V, 13 (Ä d. h. Albrecht III) und den 
OTTO COMaS ' auf den Sohluss des 13. Jahrhunderts bestimmt. 

III. Auf dem Silberberge bei Wollin 
ist vor nicht langer Zeit ein kleiner, 130Gr. wiegender Schatz in einem 
glasirten Topfe ausgegraben. Die Münzen, aus denen er besteht, sind 
zum überwiegenden Theil Wendenpfennige aus dem Anfange des elften 
Jahrhunderts, wie Dannenberg (Mz. d. s&chs. E.) Nr. 1330 und 
1332 und ähnlich, ein grosser Theil zerbrochen. Auch die übrigen 
Münzen waren grossentheils in grössere oder kleinere Stücke zer- 
theilt. Zu erkennen waren: 

1. Kaiser Heinrich II., Deventer, mit Hand. Dannen- 
berg 563 (1 Expl.) 

2. Deventer, Bischof Bemolf, mit Brustbild. Dannenberg 573. 
(1 Expl.) 

3. Deventer, Bischof Bemolf, Bischofstab zwischen A — (O. 
Dannenberg 568. (1 Expl.) 

4. Kölner Denar von Kaiser Otto III., ähnl. Dannenb. 342. 

5. Worms? Otto lU., ähnlich Dannenberg 842 (von der Um- 
schrift der Rf, nur H des Stadtnamens erhalten und daher 
nicht sicher. (1 Expl.) 

6. Regensburg, Herzog Heinrich VII., mit dessen Brustbild. 
Dannenberg 1102. (1 Expl.) 

7. OttoUI. und Adelheid. Nachahmung von Dannenb. 1167. 

8. Unbekannter deutscher Denar mit rohem Kopfe im Hei- 
ligenscheine. Dannenberg 1310. (1 Expl.) 

Unter den Bruchstücken waren zu identificiren: 

9. Staveren, Bruno III., Markgraf v. Friesland. Dannenb. 503. 

10. Dortmund, Heinrich II , Kopf. Dannenb. 749, 752 oder 753. 

11. Dortmund, Konrad IL, Kopf (ohne Stadtnamen) Dannen- 
berg 754. 

12. Mainz, Erzbischof Bardo (Konrad II. oder Heinrich HI.) 
Dannenberg 804 oder 805. 

13. Speier, Maria mit dem Kinde. Rf. Kirche, Dannenb 838. 



286 H. Danneoberg: Mmizfunde. 

14. Regensbarg^ Bischof Gebhard III., mit Brustbild des 
Apostels Petrus. Danneuberg 1105. 

15. Böhmen, Herzog Bracislaus I. Rj\ Vogel. Voigt böhm. 
Mz. I, S. 243, Nr. 3. 

16. Ungarn^ Stephan I., Stahlweissenburg. 

17. England, Ethelred 11. 

18. England, Eanut d. Grosse. 

So klein dieser Fund ist, so dient er doch einigerma^sen zur 
Bestätigung der Zutheiluüg von Nr. 6 an Heinrich VIL (1039— 1047) 
und von Nr. 14 an Gebhard UI. 

H. Dannenberg. 



Ein Medaillon des Fetms de Domo Fani. 

(Taf. vn.) 

In der EinleituDg zu den Italienischen Schaum unzen hatte ich 
ausgesprochen, dass mir gewiss einzelne Medaillen unbekannt ge- 
blieben sein wurden, obwohl ich seit vierzig Jahren das Material 
zu meiner Arbeit gesammelt hatte. 

Jetzt habe ich denn auch eine Medaille für das Königliche 
Münzkabinet gekauft, die noch unbekannt ist. Es ist eine Arbeit 
des Petrus Domo Fani, von welchem wir bisher nur eine kannten. 

Das identische Brustbild der Dogaressa ist mit dem ihres 
Gemahls, des Dogen Pasquale Malipiero, 1457 — 1462, auf einer 
Medaille zusammengestellt, von welcher ich ein Exemplar in der 
Sammlung Correr gesehen hatte. Ich habe es in meinem Buche 
beschrieben^) und zweifelnd zu den Arbeiten des Venetian^« 
M. Guidizanus gestellte theils weil dieser eine andere Medaille 
desselben Dogen verfertigt und mit seinem Namen bezeichnet 
hat^), theils weil die Medaille im Museum Correr den Arbeiten 
des Guidizanus im Stil verwandt ist. 

Aber jetzt lehrt uns die neue Kehrseite, dass auch jene 
Correr'sche Medaille von Petrus Domo Fani ist. 

Das Latein der Aufschrift VINGIT HONIA BONA VOLON- 
TAS ist nicht ohne Analogien. HONIA für omnia steht auch auf 
dem Gemälde Nr. 95a unserer Gallerie: HONIA BOA IN TEN- 
POR'); und PRVDENTIA EST SVPER ONIA VIRTVS finden wir 

1) S. 85 Nr. 4. Ein zweites Exemplar befindet sich im Monicipal-Masenm 
in Triest, wie dessen Consenrator Herr C. Knnz eben mittheilt 

2^ Ebenda Nr. 3. 

3) Es fplt für ein Werk des Pesellino, ist aber wohl von Victor Pisanns. 
Ich verdanke die Nachweisnng dieser Inischrift Herrn Director Dr. Bode. 



238 J- Eriedlaender: 

auf einer Medaille des Laurana^), VOLONTAS SENATVS auf 
einer des Guidizanus^), und der Sprachfehler im KünsÜemamen 
wiederholt sich in OPVS PETRVS DE MEDIOLANO«). 

Es scheint nicht, dass die seltsame Eopftracht der Johanna 
Malipiero den Do garessen des fünfzehnten Jahrhunderts eigen war. 
Da die Dogen nicht Fürsten, sondern erwählte und streng über- 
wachte Beamte waren, hatten ihre Gemahlinnen keine offizielle 
Bedeutung und Tracht; erst im sechzehnten Jahrhundert scheinen die 
Dogaressen ein kleines Gomo getragen zu haben ^). Es ist Sache 
der Yenetianischen Historiker uns hierüber aufzuklären. 

Das Fehlen aller Haare mag von dem hohen Alter der Dame 
herrühren, aber vielleicht von der Yenetianischen Unsitte, um die 
Stirn höher erscheinen zu lassen, die umgebenden Haare zu 
scheeren. 

Auch die Yorstellung der Kehrseite weiss ich nicht zu deuten, 
die Umschrift giebt keinen Aufschluss, wer die beiden Frauen sind; 
ob die zur Rechten stehende zwei Schlangen hält, ist nicht deut- 
Hch 

Der Werth der Medaille liegt besonders darin, dass sie einigen 
Aufschluss über den Künstler giebt, von welchem wir nichts wussten. 
Seine einzige bisher bekannte Arbeit, die Medaille Ludwigs HI. 
Gonzaga Markgrafen von Mantuä, ist wahrscheinlich um 1452 ver- 
fertigt^); die neue Medaille lehrt uns, dass Petrus in Yenedig unter 
dem Ducat des Pasquale Malipiero, also in den Jahren 1457 bis 
1462, gearbeitet hat, folglich zur Yenetianischen Schule 
gehört, wie ich richtig vermuthet hatte. 

Auf der Medaille des Gonzaga nennt er sich PETRVS DOMO 
FANI, auf der unsrigen PETRVS D DOMO FANI. Es hat in 
Mittelitalien eine Familie de Domo gegeben, Marcus Aurelius 



1) Ital. Schaumünzen S. 199 Nr. 6. 

2) Ebenda S. 84 Nr. 1. 

3) Ebenda S 197 Nr. 1. 

4) Das Buch von Bart. Cecchetti II Doge, Venedig 1864, enthält nichts 
hier&ber. 

ö) Ital. Schaumünzen S. 190, Tafel XXXYH abgebüdet 



Ein Medaillon des Petras de Domo F&ni. 239 

de Domo aus Spoleto war ein berühmter Rechtsgelehrter. Aber 
das FAN! weist doch wohl Dach der Stadt Fano, wenn es auch 
seltsam bleibt, dass er sich nicht Faniensis genannt hat, oder 
de Fano, wie die Maler Bartholomaeus und Pompejus de Fano, 
Vater und Sohn, welche in Venedig in den Jahren 1460 bis 1534 
gearbeitet haben, und Dionysius de Fano, der Verfasser eines 
Lebens des h. Georg, welches 1607 in Venedig erschienen ist. 

Wir kennen also statt bisher eine, nun drei Medaillen von 
Petrus de Domo Fani, welche aber aus nur fünf Seiten combinirt 
sind. 

1. Ludwig III. Gonzaga, Brustbild. Ks. Sitzender Knabe 
und Igel. 

2. Die Dogaressa Johanna Malipiero, Brustbild. Ks. Zwei 
stehende Frauen. 

3. Der Doge Pasquale Malipiero, Brustbild. Ks. Die iden- 
tische Vorderseite der zweiten Medaille, das Brustbild der 
Dogaressa. 

Die Kehrseiten der Medaillen 1 und 2 haben die Eigenheit, 
dass die Umschriften mit einer kleinen Krone beginnen. 

Zum Schlüsse sage ich Herrn C. Kunz, dem Conservator 
des Municipal- Museums in Triest, meinen Dank für die freund- 
liche Auskunft, die er mir jetzt wie früher gegeben hat 

Julius Friedlaender. 



Z«it»€hrift ffir Munltmatik X- j<} 



Znm MUnzfund Ton Saelie. 



(Taf. IX.) 

Unweit des Ortes Daelie, im Kirchspiel Naess der Norwegi- 
schen Provinz Hedemarken, wurde im Jahre 1840 ein bedeutender 
Münzfand ans Tageslicht gebracht, der far die Norwegische, wie 
for die Deutsche Münzkunde Yon Wichtigkeit ist. 

Eine eingehende Bearbeitung erfuhr der Fund zuerst durch 
Holmboe in einem Programm der Universität Christiania vom 
Jahre 1841 unter dem Titel: ^De prisca re monetaria Norvegiae 
et de numis saeculi duodecimi, in Norvegia nuper repertis'', wel- 
ches im Jahre 1854 unter etwas verändertem Titel in zweiter Auf- 
lage erschien. Auch eine Bearbeitung des ersten Theiles dieses 
Programms in Deutscher Sprache erschien von Holmboe 1846 in 
der Köhneschen Zeitschrift YI, S. 65. Die Brandenburgischen 
Münzen des Fundes wurden femer noch kurz beschrieben durch 
Eöhne in seiner Zeitschrift I, S. 351 und endlich bearbeitete Grote, 
Münzstudien III, S. 249 den Fund in seinem ganzen Umfange. 

Nach dieser Zeit ist des Daelietundes nur noch an einigen 
Stellen in der numismatischen Literatur kurz gedacht worden, 
ohne dass näher auf denselben eingegangen worden wäre. 

Wir beschäftigen uns im Nachstehenden nur mit den Bran- 
denburgischen und einigen Sächsischen Münzen des Fundes und 
legen hierbei die 2. Auflage des Holmboeschen Programms zu 
Grunde. 

Köhne und Grote haben in ihren Aufsätzen lediglich auf 
Holmboes Arbeit sich gestützt, ohne in der Lage gewesen zu 
sein, die Münzen selbst einer Prüfung zu unterwerfen. Es ist 



Zum Münzftiod toq Daelie. 241 

daher erklärlich, dass die Irrthümer, welche bei Holmboe anter- 
laufen sind, in den beiden anderen Aufsätzen sich wiederfinden. 

Durch die Freundlichkeit des Herrn Dr. L. B. Stenersen, 
Vorstehers der Universitäts-Münzsammlung zu Christiania, in welche 
der Daelie-Fund seiner Zeit übergegangen ist, sind mir die be- 
treffenden Münzen des Fundes zugänglich gemacht worden. 

Ich gebe hier nun das Resultat meiner Untersuchungen. 



Brandenburg. 

Otto IL, 1184-1205. 

1. Holmboe, Taf. III, 150. 

OTO MARI 

Der Markgraf in Panzer und Sturmhaube, mit Schwert, 

Fahne und Schild. 

23—25 Mm. 0,77— 1 , 10 Gm. 

Taf. IX, 1. 
Eöhne, Zeitschr. I, Taf. XII, 5. Grote, Munzstudien III, 
Taf. IX, 36. y. Graba, Bracteatenfund von Bömenzien, 
Nr. 2. Zeitschrift fQr Numismatik IX, S. 280, 3. 
Dieser Bracteat, der meines Wissens ausser mit dem Daelie- 
fnnde nur noch im Funde von Bömenzien 1878 aufgetaucht ist, 
hat überall richtige Würdigung gefunden; am getreuesten ist er 
bei V. Graba wiedergegeben. 

2. Holmboe, Taf. HI, 151. 

In Folge eines matten Exemplars ist dieser Bracteat bei Holm- 
boe, Eöhne (Taf. XH, 6) und Grote (Tal IX, 37) völlig verkannt 
und seine Abbildung durchaus unzutreffend wiedergegeben worden. 
Ein Bracteat, wie der a a. 0. abgebildete existirt nicht, und die 
betreffende Münze ist lediglich: 

Oinmi » • OTTO Der Markgraf in Panzer und 

Mantel, mit Schwert und Fahne. 

17» 



242 £mü Bahrfeldt: 

Es liegt also nur eine Variante vor zu dem aas dem Seelens- 
dorfer Funde bekannten 

OIäRII = • OTTO mit genau derselben Vorstellung. 
21 Mm. 0,96 Gm. 

Blatter für Münzfreunde, S. 429,6. Zeitschrift für Nu- 
mismatik IV, S. 262, 3 und ibid. IX, Taf. V, 3. 
Die Verschiedenheit liegt also nur in der Form des Ä und 2C. 
3. Holmboe III, 152. 

OTOMÄR = aO Der Markgraf in Panzer und Sturm- 
haube, mit Fahne und Schild. 

23 Mm. 0,97 Gm. 

Taf. IX, 3. 
Eöhne XII, 7. Grote IX, 38. Schlumberger, des bract. 
d'Allemagne PL I, 4. v. Graba 1. Zeitschrift für Nu- 
^ mismatik IX, S. 280, 2. 
Schon y. Graba hat darauf aufmerksam gemacht, dass in den 
früheren Beschreibungen überall irrthümlich OTOMäR = QI stehe. 
Ich kann bestätigen, dass das Original in Christiania OTOMÄR = 
QO hat, und dass daher erstere Lesart auf einem Irrthum beruht 
Es liegt somit nur ein Stempel dieser Art yor. 
4.. Holmboe III, 149. 

+0T0 . MÄRIIOSHLTVaL . Inmitten zweier Kuppel- 
thürme ein schräg gestellter Schlüssel über einem nie- 
drigen Euppelthurm. 

21 Mm. 0,63 Gm. 

Taf. IX, 4. 
Köhne XII, 3. Grote IX, 33. 

Obige Umschrift ist die allein richtige; die ander Orts ge- 
gebenen sind nicht genau zutreffend. 

An dies. Salzwedeler Gepräge schliesst sich wegen der Aehn- 
lichkeit seines Münzbildes, der stumme Bracteat an: 
5. Holmboe V, 211. 

Zwischen zwei Euppelthürmen ein grösserer Zinnenthurm, 



Zam Hnnzfond tod Daelie. 243 

in dessen Bogen unten ein aufreclit stehender Schlüssel. 
Strahlenkreis. 
: 22 Mm. 0,46 Gm. 

Ta£ IX, 5. 
Köhne Xu, 4. Grote IX, 34. 
Es sind drei einzelne Thurme, nicht ein verbundenes Ge- 
bäude, wie man nach den bisher bekannten Beschreibungen und 
Abbildungen annehmen sollte. Auch der Strahlenkreis, welcher der 
Münze nach den Zeichnungen das Aussehen eines nicht Branden- 
burgischen Gepräges verleiht, ist unzutreffend dargestellt. Ich 
habe keinen Zweifel an dem Brandenburgischen Ursprung des 
Stückes, doch könnte es sein, dass dasselbe — und zwar des ge- 
ringeren Gewichtes von 0,46 Gm. wegen — von Heinrich von 
Gardelegen, der bekanntlich ebenfalls in Salzwedel prägen liess, 
ausgegangen ist Jch komme auf Heinrichs Prägungen bei Nr. 10 
zurück. 

Der folgende Bracteat ist durch Angabe des Prägherm be- 
stimmt. 

6. Holmboe V, 202. 

ODD = Ueber einem kleinen Bogen das behelmte 
Brustbild des Markgrafen in Harnisch und mit Schwert, 
Fahne und Schild. 

24 Mm. 0,85 Gm. 

Köhne Taf. XII, 10. Grote Taf. IX, 39. 
Bl. f. Münzfrde. Taf. 49, 22. Zeitschr. f. Numism. IV, 
S. 262, 5; ibid. IX, Tat V, 6. 
Es scheint Varianten dieses Bracteaten zu geben, da die 
Lesarten ODDO, OTDO und OTOO angegeben werden; ich habe 
die erstere, die auf dem Exemplare in Christiania zu stehen 
scheint, beibehalten. 

Otto n. weise ich femer noch zu, den durch deine Aufschrift 
für Brandenburg gesicherten Bracteaten: 

7. Holmboe V, 206. 



244 S°^^l Bahrfoldt: 

Aber aach bei dieser Münze ist überall die Inschrift un- 
genügend gelesen worden, sie lautet nicht BER7\NB€, sondern 
B6RÄN = DtBVR Unter einem mit 3 Thürmen be- 
setzten Dreibogen des Markgrafen behelmtes Brustbild 
mit Schwert und Fahne. 

22 Miii. 0,93 Gm. 

Taf. IX, 7. 
Köhne, Taf. XII, 8. Grote Taf. IX, 40. 
Die letzten Bachstaben der Schrift sind nicht gaxiz deutlich, 
aber doch zweifellos. 

Yon den stummen Bracteaten rechne ich hierher nur die 
beiden folgenden: 

8. Holmboe IV, 200. 

Behelmter und gepanzerter Markgraf mit Schwert imd 
Fahne zwischen zwei Gebäuden mit Euppelthürmen. 
21 Mm. 0,74-1,11 Gm. 

Taf. IX, 8. 
Köhne. S. 354, 13. Grote, Taf.IX, 43/v. Graba, Nr. 5. 
Ztschr. f. Numismat. IX, S. 279, 1. 
Möglicherweise ist dieser Bracteat, wie y. Graba (Boemenzien 
S. 11) will, von Albrecht IL ausgegangen, von dem allerdings 
hauptsächlich Denare geprägt zu sein scheinen, während bis jetzt 
von ihm nur ein sicherer Bracteat (Ztschr. f. Numismat. lY, S. 265 
und YIII, S. 171, 17) bekannt ist. Denn der im Katalog Reichel 
S. 16 Anmerkung oben von Köhne erwähnte mit HLB6RTVS 
ölÄRQhlO ist in^merhin noch zweifelhaft, und den aus dem Funde 
von Letzlingen herrührenden mit MäRCHIO ISeNDÄLE (Boe- 
menzien Taf. lit. c, Ztschr. f. Numismat. YIII^ Taf. III, 16 und 
Bd. IX, S. 284); halte ich jetzt in Uebereinstimmung mit v. Graba 
und eutgegen meiner Annahme in den Blättern für Münzfreunde 
(S. 793, Nr. 16) nicht mehr mit Dannenberg (Ztschr. f. Numism. 
VIII, S. 171) für Albrechts Gepräge, sondern für ein solches 
Ottos n. Wenn der Bracteat ersterem zugehörte, so wäre er, da 
er den Titel MÄRCHIO führt, nach 1205 geschlagen. Diese 



Zum Mänifbnd fon Dtelie. 245 

Bracteaien wiegen aber zwischen 0,77 und 1,02 Gm., die meisten 
melir als 0,96 Gm., nnd das ist ein Gewicht, wie es im drei- 
zehnten Jahrhundert nicht mehr vorkommen kann. Auch der 
Gesammteindruck der Münze, das eckige M, die Form des Thurms, 
die über den Kopf gezogene Gugel, ja der überhängende Bauch 
deuten eher noch auf ein höheres Alter. 

9. Holfflboe, p. 48, 5 oben. 

Zwischen zwei Tfaürmchen der behelmte und gepanzerte 
Markgraf mit Schwert und Fahne; links im Felde ein 
achtstrahliger Stern und der Buchstab 0) 
21 Utß. 0,97 Gm. 

Taf. IX, 9. 
Eöhne, S. 354, 14. Grote, S. 277, 68. 
Der Bracteat hat sehr viel Aehnlichkeit mit dem des Seelens- 
dorfer Fundes Blätter f. Münzfreunde S 429, 9; Ztschr. f. Numismat 
IV, S. 263, 6 und IX, Taf. V, 8. 

Das Zeichen ist nicht DJ, wie sonst angegeben, sondern O) 
und bedeutet vielleicht 07(ÄRCHI0). 

Heinrich von Gardelegen, 1184 — 1192. 

10. Holmboe IV, 182. 
Brandenburgischer Adler. 

Rf. Auf einem kleinen Bogen ein aufrecht gestellter Schlüssel 
zwischen zwei kleinen Thürmen; über dem Granzen ein 
mit drei Thürmcben besetzter Dreibogen. 
14 Mm. 0,46 Gm. 

Tat IX, 10. 
Reichel 91, 92. Eöhne XII, 2. Grote IX, 35. 
Weidhas 11, 3. 
Diese von Holmboe unter die unbestimmten Gepräge gelegte, 
von Eöhne und Grote Otto II. zugetheilte Münze weise ich dem 
jüngsten der Söhne Ottos I., Heinrich von Gardelegen, zu. 

Dass der Denar >) aus der Prägstätte Salzwedel hervor- 
1) Es iat ein Denar» nicht ein Obol, wie Köbne (Katelog R«iohel 91, 98 



246 K>»i^ Bahrfeldt: 

gegangen, ist unbestritten und bezeugt der Schlüssel auf der Rück- 
seite^). Als Prägherren können in Betracht kommen Otto II. und 
Heinrich. Beide haben nach Ausweis der vorhandenen Mftnzen^) 
in Salzwedel geprägt; wenn wir aber berücksichtigen, dass von 
Otto n. nur Bracteaten bekannt sind, er wahrscheinlich also Denare 
nicht geprägt hat, und da wir femer von Heinrich neben Brac- 
teaten auch Denare kennen, so liegt doch wohl Berechtigung vor, 
auch den obigen Denar eher Heinrich zuzusprechen, als Otto II. 

Eine positive Gewissheit ist dies freilich nicht, allein wir 
müssen uns ja in so manchen Punkten der Numismatik nur auf 
Yermutbungen und Annahmen verlassen. — 

Dies sind die Brandenburgischen Münzen des Fundes. Die 
nachstehenden, die von Eöhne eämmtlich f&r Brandenburgisch 
erklärt und von Holmhoe nnd Grote theils unter die Branden- 
burgischen gerechnet, theils unbestimmt gelassen sind, will ich 
versuchen ihrem richtigen Platze zuzuweisen. 

Meissen. 

11. Hohnhoe III, 148. 

Diese merkwürdige Münze ist erst neuerdings (Ztschr. f. 
Numismat. YIII, S. 169) Gegenstand der Untersuchung durch 
Dannenberg gewesen. Während Holmhoe, Eöhne, Grote und 
Yossberg dieselbe dem Brandenburger Otto I. zugesprochen, weist 
sie Dannenberg an Otto II. Ich habe dagegen in der Wiener 
num. Ztschrft. Bd. XTTT, S. 194 mich kurz dahin geäussert, dass 



and Ztschr. III, S. 869 unten) annimmt. — Eine Variante dieses Denars in 
meiner Sammlun^^ hat anf der Rückseite zn jeder Seite des Mitteltharmes noch 
einen achtstrabligen Stero nnd wiegt 0,60 Gm. 

1) lieber den Salzwedeler Schlüssel siehe meine Ansfühmnc^en in der Wiener 
nnm. Ztschr. Bd. XIII, S. 214 - 217, ferner meine ^Branden burgischen St&dte- 
münzen aus der Eipperzeit, 1621—1623'' S. 7 und F. Bardt in «Weyls Berliner 
Künzblättern« S. 278 nnd 809. 

2} Von Otto II. sind die vorstehend nnter Nr. 4 and 5 beschriebenen Brac- 
teaten und Yon Heinrich an Bracteaten: Eöhne, Ztschr. III, Taf. X, 8, 9; 
▼. Graba, Boemenzien Nr. 7; Wiener num. Ztschr. XIII, Taf. VII, 12, 18 und 
an Denaren: y. Oraba, Tf. litt, a nnd b zu nennen« 



Zum ifanzfand toq Daelie. 247 

ich den Denar überhaupt nicht für Brandenborgischen Urspnmgs 
halte. Ich will diese Ansieht näher begründen. 

Zunächst sei bemerkt, dass die Zeichnung der Münze bei 
Holmhoe und danach die bei den anderen Autoren gegebene nicht 
zutreffend ist In Christiania ist nicht nur ein Exemplar vor- 
handen, wie auch Dannenb^rg annimmt, sondern ein yollständiges 
Exemplar und ein halbirtes. Gewissermassen ergänzen beide ein- 
ander, aber sie sind dennoch weder in der Vorstellung noch in 
der Schrift genau übereinstimmend. 

Holmboe hat nun aus beiden Stücken seine Abbildung Nr. 148 
zusammengesetzt; dies erhellt aus den folgenden Beschreibungen 
und den betreffenden Zeichnungen. 
.... OMHRl .... 

Gepanzertes und behelmtes Brustbild von der linken Seite, 
mit der Rechten vor sich eine Lilie, mit der Linken ein 
Schwert haltend. Vor dem Gesicht ein secfasstrahliger 
Stern, neben dem Schwert rechts zwei Punkte. 
Rf, II I-rrrri-rirr Gebäude mit drei Kuppelthurmen; im 
Mauerbogen und neben dem Mitteltburm beiderseits' ein 
sechsstrahliger Stern. 

19 Mm. 0,49 Gm., nicht wie überall irrig angegeben 
0,54 Gm. Taf. IX, 11. 

Köhne XIK 1. Grote IX, 32. Weidhas II, 2. Voss- 
berg, die Siegel der Mark Brandenburg, Taf. A, 2, 
Nr. 8. Ztschr. f. Numism. VIII, S. 168. 

12. +OTTO 

Dies halbirte Stuck weicht in Sf, und Rj, Tom Torigen 
ab. Die Vorstellung im Allgemeinen ist allerdings dieselbe, 
aber auf der Rf. ist die Sturmhaube verändert, der Stern 
Yor dem Gesicht fehlt und die Punkte neben dem Schwerte 
fehlen ebenfalls. Auf der Rf. ist hier das Münzbild 
kleiner und abweichend geformt und dem Gebäude fehlt 
unten der Bogen mit dem Stern. 

Taf. IX, 12. 



248 Kmil Babifeldt: 

Sehr ähnlich Grote, Bl. f. Münzkunde III, Tf/VI, 119; 
Zeitschr. f. Numismat. VIII, Taf. HI, 15. 

Sehr misslich ist, dass auf beiden Münzen gerade der Schluss 
der Umschrift undeutlich ist, und dass trotz sorgfältiger Reinigung 
der Münze die Buchstaben sich nicht sicher entziffern lassen. 

Bei Nr. 11 kann man lesen MÄRIMONS (und noch Raum 
für einen Buchstaben), bei Nr. 12 dagegen scheint der Schluss 
MäRIMONT oder MÄRIOMIS * zu sein, keinenfaUs aber steht 
MARIIOY.., wie sonst angegeben, auch die Vereinigung des 
MäRI mit den folgenden Buchstaben zu einem Wort, giebt keinen 
passenden Sinn. 

Aus der Umschrift allein also, ans der nur OTTO MKRI 
feststeht, l&sst sich auf das Vaterland der Münzen ein sicherer 
Schluss zunächst nicht ziehen; denn wir haben einen zu dem Alter 
der Münzen passenden Otto marchio sowohl in Brandenburg, 
wie in Meissen. Betrachten wir aber die Fabrik der 
Gepräge, jedoch nicht nach den bisherigen Abbildungen sondern 
nach dem Original, oder mindestens nach einem guten Abdruck, 
so können wir unmöglich übersehen, dass dieselbe ganz und gar 
nicht Brandenburgisch ist. Wir finden bei Brandenburgisclien 
Münzen jener Zeit nirgends eine auch nur entfernt ähnliche Fabrik, 
nirgends ein Gepräge, dem wir diese Münzen an die Seite zu 
setzen vermöchten. 

Dannenberg hat (Ztschr. i. Numism. VIU, S. 169) noch die Nach- 
ahmungen dieser beiden Denare hinzugenommen, um auch aus 
diesen den Brandenburgischen Ursprung herzuleiten. Das BIN- 
DVIS6NSIS der beiden von ihm gebrachten Nachahmungen deutet 
er, sich stützend auf die des Lesens und Schreibens unkundigen 
Stempelschneider und auf die Verwechselung sowie das Auslassen 
Yon Buchstaben als BRÄNDeBVRGeNSIS. Mir wiU dieser Be- 
weis aber sehr gezwungen erscheinen, zumal Dannenberg den 
Stempeischneider kurz darauf einen Künstler nennt und er, irre 
ich nicht, auch an anderer Stelle von der Kunstfertigkeit der 
Stempelschneider Ottos U. spricht. 



Zum MünzfQud Ton Daelie. 249 

Die mehrfach vorkommende Yerwechselong der Zeichen S 
und 6 wird zugestanden, unwahrscheinlich aber ist das Ersetzen 
des Buchstabens K durch I. Der Buchstabe R ist nicht schwie- 
riger als 8 und das sehr ähnliche B; wenn der Stempelschneider 
also ein Künstler ist, so kann er, da er ein B zu schneiden ver- 
steht, auch ein R zu Stande bringen. 

Für mich ist Dannenbergs Beweis BINDVIS6NSIS sei 
BRRNDtBVRGeNSIS verfehlt; viel näher Uegt, dass wir die 
ersten vier Buchstaben als die corrumpirte Namensangabe des 
Münzfürsten betrachten und den fünften Buchstaben Y unter Er- 
gänzung zweier Seitenstriche für M nehmen, die folgenden sieben 
Buchstaben aber unverändert lassen und nun ganz zwanglos 
... .MIStNSlS lesen. Hierzu passt auch das OTTO MäRIM... 
der Urstücke sehr wohl, so dass ich nicht anstehe, dieselben als 
Gepräge des Markgrafen Otto von Meissen (1156—1190) anzu- 
sehen. Auch steht dieser Annahme keineswegs stichhaltig ent- 
gegen weder die Verwandtschaft mit den Pommerschen Denaren, 
(Dannenbergs Pommern I, 1) noch auch der Ausspruch Dannen- 
bergs (Ztschr. f. Numism. a. a. 0.), „dass an Markgraf Otto von 
Meissen nicht gedacht werden dürfe; denn aus dortiger Gegend 
gäbe es gar keine Denare.^ Wenn, mit Bezug auf letztere^ bis 
jetzt solche nicht bekannt sind, so ist damit doch immerhin 
noch nicht erwiesen, dass überhaupt keine existiren könnten. 

Ob ich in meinen Ausführungen das Richtige getroffen? — 
Jedenfalls sind die beiden Gepräge interessant genug, um sie einer 
eingehenden Prüfung zu unterwerfen. 

Sachsen. 

13. Holmboe IV, 199. 

BüRNA --= R Der behelmte und gepanzerte Herzog mit 
beiden Händen ein Schwert schräg über die Brust haltend, 
daneben rechts ein Schild. 

21 Mm. 0,77 Gm. 

Taf. IX, 13. 



260 Kmil Bahifeldt: 

Köhne S, 354, 12. Grote IX, 42. 
Elze, die Münzen Bernhards II., Taf. II, 58, wo jedoch 
der Gharacter des Bracteaten nicht genau wiedergegeben 
ist. Ztschr. f. Numism. IX, Taf. V, 15. 
Die Inschrift besagt, dass wir einen Bracteaten Bernhards Toa 
Sachsen, 1180 — 1212, vor uns haben. Bei Holmboe, Köhne und 
Grote ist derselbe der schwachen Ausprägung der Schrift wegen 
yerkannt worden, und auch Dannenberg, der allerdings das R ge- 
lesen, hat (Ztschr. f. Nninismat. IX, 8. 282, 15) das Stück als 
Brandenburgisch unter Otto II. gerechnet und irrthümlich sein 
Vorkommen im Seelensdorfer Funde angegeben. 

Hätte der Bracteat keine Schrift, 30 wäre diese Zutheilung 
der übereinstimmenden Merkmale wegen, die Bernhards Münzen 
mit denen Ottos II. von Brandenburg habeu, nicht ungerecht- 
fertigt. ' 

Aach die nun folgenden Bracteaten Nr. 14 — 18, die von 
Holmboe und Grote unbestimmt gelassen, von Eöhne aber Otto H. 
yon Brandenburg gegeben worden sind, lege ich wegen der Fabrik, 
des Typus und sonstiger characteristischer Uebereinstimmung mit 
sicheren Münzen Bernhards, diesem ebenfalls zu. 
Es sind dies: 

14. Holmboe IV, 148. 

Der behelmte und gepanzerte Herzog mit Schwert, Schild 
und Lanze. Im Felde links eine yierblätterige Rosette 
und ein Hingel. Das Ganze von einem Strahlenkreise 
umgeben. 

21 Mm. 0,51 Gm. 

Taf. IX, 14. 

Köhne S. 354, lÖ, Grote IX, 41. 

15. Hohnboe p. 47, ß, 2. 

Der Herzog behelmt und im Panzer mit Fahne und Schild, 
über letzterem ein ÜLreuz«, neben der Fahnenstange links 
ein Punkt. 



Zorn Mönzfand Ton Daelie. 251 

21 Mra. 0,63 Gm. 

Taf IX, 15. 
Köhne S. 854, 11. Grote S. 277, 65. 

16. Holmboe V, 201. 

Der Herzog im Mantel, anscheinend baarhäuptig mit 
Schwert und Fahne, zwischen zwei grösseren und zwei 
kleineren Thürmen sitzend. 

24 Mm. 0,63 Gm. (ausgebrochen)» 

Taf. IX, 16. 

Hohne XII, 9. Grote IX, 44. 

17. Holmboe p. 48, ß, 7. 

Der Herzog behelmt und gepanzert, mit Schwert und 
Fahne. Links daneben ein Schild, rechts ein Thürmchen. 

20 Mm. 0,86 Gm. 

Taf. IX, 17. 

Köhne S. 354, 16. Grote S. 277, 70. 

18. Holmboe p. 48, ß, 6. 

Der behelmte und gepanzerte Herzog mit Schwert aud 
Kreuzstab zwischen zwei KuppelthSirmchen. 

20 Mm. 0,86 Gm. 

Taf. IX, 18. 

Köhne 354, 15. Grote S. 277, 69. 



Bietzneuendorf. Emil Bahrfeld t. 



Sie lelloT der Stadt ITeisse in Schlesien. 



Die scMesische Numismatik bietet dem Studium eine Menge 
schwieriger Fragen und R&thsel dar, deren Lösung oft nur auf 
grossen Umwegen gesucht und gefunden werden kann. Ein Haupt- 
übelstand ist namentlich das Fehlen ausreichender urkundlicher 
Nachrichten und die Unglaubwürdigkeit der vorhandenen. Die 
vielen Kriege, deren Schauplatz im vierzehnten and fünfzehnten 
Jahrhundert dieses Land war, insbesondere die hussitischen Raub- 
züge und die Kämpfe des Matthias Corvinus, späterhin auch noch 
der dreissigjährige Krfeg, von dem gerade dieser Theil des Vater- 
landes besonders gelitten — sie haben manches Archiv beraubt, 
zerstreut, zerstört. So ist denn leider von Münzverleihungsurkunden 
gegenwärtig nicht mehr viel zu finden, wie ein Blick in jedes be- 
liebige schlesische Urkundenbuch lehren kann. Dahingegen hat 
sich die Tradition gerade auf diesem Grebiete sehr thätig gezeigt, 
sie spricht besonders aus den Chroniken alter und neuer Zeit. 
Wir besitzen in denselben eine nicht unbeträchtliche Menge von 
Nachrichten über das Münzwesen, aber sie sind alle mehr oder 
weniger unzuverlässig und nur mit Vorsicht zu benutzen.*) Es ist 
daher bei Zutheilungen hauptsächlich auf die zuzutheilenden Ge- 
präge selbst Rücksicht zu nehmen und aus diesen der Massstab 
zu finden, inwieweit auf die chronikalischen Nachrichten zu trauen 
ist. Wo die Münze selbst klar spricht, ist auf sie weit mehr zu 

1) Beispiele in meinem AnfiMtze über Schlesiens Mittelaltermünxen, in diesen 
Blättern Bd. IX, S. 308 ff. a. X, S. 20 ff. 



F. Friedenslmig: Die Heller der Btadt Neiise. 253 

geben, als auf jedwede Chromstennachricht Leider aber sprecheo 
unsere MittelaltermfiBzen nicht immer sehr klar, es ist daher eiv 
sichtlich, wie schwer es ist, mit einem Material zu operiren, das 
fast hei jedem Schritt versagt. Dessen angeachtet mnss doch ver- 
sacht werden, anch hier bessere Resultate als bisher geliefert sind 
zu erzielen. 

Die folgenden Blätter sind dem Versuch gewidmet, eine kleine 
Reihe in derselben Stadt geprägter Münzen ins rechte Licht zu 
setzen, indem besonders bei ihnen das oben Gesagte zutrifft. Es 
sind dies die aus der Münzstätte in Neisse hervorgegangenen Heller, 
welche Stadt als die Hauptstadt des bischöflichen Fürstenthums 
Neisse-Grottkau-Ottmacbau naturgemäss eine hervorragendere Rolle 
in der Geschichte Schlesiens gespielt hat. 

Neisse, unzweifelhaft eine sehr alte Stadt ^), wurde von seinem 
Landesherm, Jaroslaus, Herzog von Oppeln, der bis zu seinem 
1201 erfolgten Tode den Bischofssitz in Breslau einnahm, sammt 
dem „Lande Ottmachau^ dem Bisthum vermacht, in dessen Besitz 
es denn auch geblieben ist, bis der Breslaner Friede das Fürsten- 
thum in zwei Theile, den preussischen und den österreichischen, 
trennte. In Folge ihrer günstigen Lage gelangte die Stadt früh- 
zeitig zur Blüthe: 1310 erhielt sie von Bischof Heinrich das „jus 
munidpale Flemmingicum^, nachdem sich das magdeburgische 
Recht, welches bis dahin gegolten, nicht bewährt hatte Bereits 
früher und namentlich auch nachher wurden ihr eine Reihe wich- 
4ger Privilegien ertheilt, deren weiter noch zu gedenken sein 
wird. 

Was nun die Münzverhältnisse Neisses im Mittelalter betriffit, 
so habe ich, wie immer unterstützt von der bewährten Liebens- 
würdigkeit des Breslauer Stadtarchivars Herrn Dr. Markgraf, 
dem ich hiermit meinen besten Dank ausspreche, mich bemüht, 

1} cf. MiDBberif, Geschiebte der Stadt N. Neiese 1884, 8. 4 ff. Der (^leich- 
namige Flnss wird tchon um 1000 erwähnt, gelegentlich der Peldzage Kaiser 
Heinriche II. gegen Boleslaas Chrobry, yielleicht hatten schon dansls die Polen 
ao dem strategisch wichtigen and günstigen Punkte des Znsammenflasse« der 
Neisse and Biela ein befestigtes Dorf angelegt. 



254 F- Friedenabarg: 

alles urkundliche. Material, das irgend zu beschaffen war, kennen 
zu lernen und zu sammeln. Ausser der einschlägigen Literatur 
sind die Archive der Städte Breslau und Neisse, sowie das Dom- 
archiy und das EgI. Provinzialarchiv, beide in Breslau, durchforscht 
worden, um ja nichts ausser Acht zu lassen, was Licht geben 
könnte. Gering aber war leider die Ausbeute, wie die folgenden 
Zeilen zeigen werden. 

Es kann nicht wohl bezweifelt werden, dass die Bischöfe be- 
reits in alter Zeit in Neisse gemünzt haben, wie es ja auch sonst 
üblich war, dass ein Münzherr sein Recht an mehreren Orten 
seines Gebietes ausübte, woraus sich zuweilen auch die augenfällige 
Stylverschiedenheit gleichzeitiger Gepräge desselben Fürsten ei^ 
klärt. Yon den ca. 12 — 15 schlesischen Bracteaten') mit der 
Lilie, die unzweifelhaft dem Bisthum zuzutheilen sind, mag man- 
cher aus der Neisser Fabrik hervorgegangen sein — freilich, wer 
wollte da die Unterscheidung treffen? Bereits 1294 finden wir 
als Zeugen einer in Neisse aufgenommenen Urkunde -) ge- 
nannt Ditricus monetarius und Gerhardus monetarius. Es liegt 
daher die Annahme nicht fern, dass die eine Art der be- 
kannten Denare Bischof Heinrichs I.'), nämlich die rohen mit 
äMVS statt äGNVS, in der Neisser Münzstätte nach dem Muster 
der in der Hauptstadt von den Italienern gefertigten zierlichen 
Stücke geprägt sind. 

Das erste Stück, welches seine Neisser Provenienz selbst aas- 
spricht, ist der von Herrn Direktor J. Friedlaender in dieser 
Zeitschrift Bd. V, S. 288 publicirte Heller, dessen Ablaldung hier 
nochmab gegeben wird. 

Herr Direktor Friedlaender, dem das Verdienst gebührt, dasinter- 
essante Stück zuerst erkannt und entziffert zu haben, sagt: „König 

1) Und zwar derjenigen Art, welche in meiner citirten Abhandlung (Bd. IX 
8. 819 ff.) als die „grosaen^ bezeichnet aind, 

2) Nr. YII der i^on Kastner in dem Neiaser Schalpiogramm 1852 mitgetheilten 
Urkunden. 

8) cl Bd. IX dieser Zeitschrift S. 886 and Bl. f. Mafirde. 18. Jahrgang, 
Nr. 108, Sp. 911, Anm. 2. 



Die Heller der Stadt Neisse. 255 

Wenzel bat also diesen Heller in Neisse prägen lassen^, und er 
bezeichnet dem entsprechend Neisse als „böhmische Prftgestaite^. Es 




kann zunächst sowohl wegen der in der erwähnten Abhandlung um- 
fassend beigebrachten numismatischen Beweisstucke, als auch aus dem 
historischen Grunde, dass nur Wenzel, Karls lY. Sohn, zu Schlesien 
in Beziehung steht, nicht bezweifelt werden, dass unter König 
WenzeU dem romisch-deutschen Kaiser, dies Stuck geprägt worden 
ist. Wer es aber hat prägen lassen, ist zweifelhafter, zumal keine 
Urkunde sich hat finden lassen, die Auskunft gäbe; doch gewähren 
die folgenden historische^ Fakta einigermassen Anhalt. Nach dem 
Tode des Bischöfe Pretislaus (1376) geriethen die Verhältnisse 
des Breslauer Bisthums in grosse Verwirrung, wozu die damals 
herrschende Kirchenspaltung noch beitrug. Es wurden Admini-. 
Stratoren gewählt und zwar im Jahre 1380 der Prinz Wenzel von 
Liegnitz, der spätere Bischo£ Bald nach seiner Erwählung be- 
gannen jene Händel zwischen der Stadt Breslau und den Clerikem, 
die unter dem Namen des „Pfaffenkrieges'^ bekannt sind. Der 
König, als oberster Landesherr, sah dem natürlich nicht massig 
zu, er ergriff die Partei der Breslauer, zog Kirchengfiter ein und 
befahl sogar dem Rath von Neisse, die Geistlichen, welche sich 
dorthin geflüchtet hatten, ihm auszuliefern, was der Rath jedoch 
ablehnte. Im Jahre 1383 verglichen sich endlich die Parteien. 
In diese Periode zwischen 1380 und 1383 muss nun meines Er- 
messens das in Rede stehende Münzchen verlegt werden. Vom 
Capitel, dem Administrator oder sonst einer geistlichen Behörde 
oder Persönlichkeit kann es nicht ausgegangen sein, denn es 
fehlt jedes geistliche Abzeichen und Symbol, was dem Gebrauche 
damaliger Zeit nicht entsprechen würde, der König aber hatte in 

$ Bekannte Sage, die der Styl dieser Monzen zu bestätigen acheint, da er 
an manche italienische Gepräge erinnert. 

Z«lUdirift f&r Namismatik. X. 18 



256 P- Friedensburfir: 

Neisse selbst nicht zu befehlen, auch keine Münzbeamten dort, 
und ein. 8o direkter Eingriff in die Machtsphäre des Bischofs, wie 
die Munzung in der bischöflichen Münze, kann nicht ohne Weiteres 
vermuthet werden. Wäre Neisse damals wirklich böhmische »Präg- 
stätte^ geworden, so würde man wohl auch die gewöhnlichen böh- 
mischen Münzen dort geschlagen, nicht ein yoUstandig neues Ge- 
präge erfunden haben. Einfacher ist die Erklärung: Wenzel be- 
fiahl dem Rathe der Stadt Neisse (oder, wenn man lieber will: 
er verlieh ihm das Recht), diese Heller zu schlagen. Als Motiv 
kann man die Absicht, der Stadt ein beneficium zukommen zu 
lassen, um sie seinen Wünschen geneigter zu machen, oder die 
Geistlichkeit zu drücken, annehmen — denn streng genommen hätte 
die Verleihung nur von dem Landesherm d. i. dem Bischof, aus- 
gehen dürfen^) — man könnte auch vielleicht das Bedürfiniss 
geltend machen, doch ist das Alles ohne wesenüichen Einfluss auf 
die Beurtheilung der numismatischen Frage. Jedenfalls ist hervor- 
zuheben, die diplomatische Schlauheit, mit der das Gepräge ge- 
wählt wurde: des Königs Namen musste das Werk der Stadt 
decken, die ihr Recht, das eigentlich ja kein Recht, nur schüchtern 
durch die Lilie des Stadtwappens und die originelle Bezeichnung 
„Neisser Heller^, die eben nur die Herkunft in geographischem 
Sinn bezeichnet, andeutete. So wahrte sich der Rath nach allen 
Seiten : er hatte sein Recht ausgeübt, den König zufrieden gestellt 
und doch seinen Landesherm nicht direkt beleidigt. Freilich wird 
Bischof Wenzel bald dafür gesorgt haben, dass dies eigenartige 
Denkmal einer vdlden Zeit verschwand. Daher die Seltenheit des 
Stückes und die lange Pause in der Münzthätigkeit der Stadt, 
vielleicht auch das Fehlen von auf dieselbe bezü^ichen Ur- 
kunden. 

War somit die erste Münze nur mit Reservation als städtisches 



1) Das Mnnsrecbt wird auch später noch zuweilen vom Konig Terlieken und 
bestätigt, z. B. den Herzögen Karl Albert und Georg Yoa Münsterberg durch 
Wladislaas, nachdem es ihnen schon vorher eigenthümlicher Weise der Kaiser 
ertbeilt hatte, der später anch das Bisthom Breslau mit dem Rechte der Gold- 
prägung begnadete. 



Die Heller der SUdt Neisse. 257 

Gepräge, vielmehr als eine Art Zwitter zwischen Königsmünze 
und Stadtmünze zu betrachten, so ist das nun zu betrachtende 
Stock ') *) sicher als städtisches anzusprechen. 




Freilich fehlt auch hier eine Urkunde, die die Verleihung oder 
Erneuerung des Münzreehts der Stadt ausspricht, aber es kann 
aus historischen Gründen nicht bezweifelt werden, dass diese Ver- 
leihung etwa um das Jahr 1430 erfolgt sein muss. In den hussi- 
tischen Wirren, namentlich 1428 und 1433, hatte auch die Stadt 
Neisse von den eingefallenen Feinden viel zu leiden, im enteren 
Jahre kam es sogar zu einem grossen Treffen zwischen den Bürgern 
von Neisse und den Böhmen, im letzteren wurden die Vorstädte 
arg verwüstet (cf. Minsberg 1. c. p. 42). In Ansehung der Treue 
der Bürger und des mannigfachen Schadens, den sie erlitten, („haben 
betrachtet, sagt der Bischof, manchveldigen vleiss getrewer dienste 
und veste bestendigkeit strenger haldunge und merglicher bey und 
zasteorun gezu schwerer koste und zerunge die unser und unser 
kirchen erbar Stadt Neyss . . . wider die verdampten ketzer von 
behem gethon und angeleget und mancherlei mergliche schaden und 
vorterbnusse etc. ') übertrug 1432 Bischof Conrad dem Rathe die 
Haaptmannschaft der „Lande und Stete Neyss Ottmachaw Patsch- 
kaw Ziegenhals u. Weidenaw^ und verlieh der Stadt 1434 auch 



1) cf. in Bl. f. Mzfrde. 18. Jahrgang Nr. 103 den Aufsatz ton J. u. A. Erb- 
stein. Ich liugiae nicht, dass mir derselbe bei Abfassung meiner mehr erwähnten 
Abhandloog unbekannt war, was bei der grossen Zersplitterung unserer Literatur 
wohl SU entschuldigen ist, um so mehr, als dieserAuisats zuerst nichtin einer numis- 
matischen Zeitschrift, sondern in der Zeitschrift für Museologie erschienen ist. 
Uebrigens bedaore ich, dass die gelehrten Herrn Verfesser beim Wiederabdruck 
ihrer Abhandlung nicht meine Deutung (Bd. X, S. 26 u. 87 d. Ztschr.) der Buch- 
staben SU Q 61 ihrer werthTollen Kritik unterzogen haben. 

2) Es giebt zwei Arten Ton diesem Heller, mit und ohne zwei Ringel in 
dem Lilienschilde. 

3) Worte der Urkunde von 1431 Minsberg 1. c. Beilagen S. 23. 

18* 



258 F* Friedensburg: 

einen ^Salzmarkt des kleinen Salzes'^, wie ihn andere Städte haben. 
Da nun bekannt ist, in welch engem Zusammenhang Markt- und 
Münzrecht noch in jenen Tagen standen, da femer nicht anzu- 
nehmen i) ist, dass der Rath von Neisse das Münzrecht usurpirt 
haben wird, was von mancher anderen Stadt anzunehmen sein 
dürfte, da schliesslich Heller aus jener Zeit erwähnt werden, welche 
wie gleich bewiesen werden soll, bestimmt städtisch sein müssen, 
so ist die Vermuthung, dass eine Verleihung des Münzrechts an 
die Stadt Neisse in die oben erwähnte Zeit fallt, ein nothwendig 
zu ziehender Schluss. 

Die Funde weisen das vorstehend abgebildete Stück in die Zeit 
um 1430, da es mit „Rempelhellern^, Oelsem und alten Liegnitzem 
zusammen gefunden wird. Femer berichtet Deverdeck nach einer 
handschriftlichen Notiz, es seien im Jahre 1449 mehrere Arten 
Pfennige, (d. h. damals Heller) verrufen, doch ausdrücklich die 
Breslauer, Neisser, Schweidnitzer, Brieger und Oelser zu nehmen 
befohlen worden. Es ist nicht gut angängig, wie die Herren Erb- 
stein thun, unter diesen „Neisser Pfennigen'' in Neisse geprägte 
Bischofsmunzen zu verstehen, denn schon die Gesellschaft in der 
sie genannt werden, als auch die Rücksicht^ dass der Chronist 
fürstbischöfliche Heller etwas umständlicher bezeichnet haben 
würde, nöthigeu, den Ausdruck auf von der Stadt Neisse geprägte 
Heller zu beziehen. Auch die Münze selbst spricht energisch 
gegen ihre Yergeistlichung. Wenn wir sie mit dem Heller Bischof 
Rudolfs vergleichen, so fallt zunächst das Fehlen eines geistlichen 
Symbols auf, indem jener den Schutzheiligen zum Gepräge hat, 
der ja Jahrhunderte lang auf allen Breslauer Bischofsmünzen er- 
scheint und schon auf dem Heinrichsdenar durch den Spruch und 
das Lamm angedeutet wird. Dafür ähnelt unser Stück ganz be- 
deutend den Oelsern und älteren Wohlauem.*) Auch hier das 



1} Wegen der strengeren Ordnung in den Bisthumslanden im Verhältniss 
zu den Herzogthüinern. 

2) Mit Adlerschild und Stierkopf. Diese und die folgenden Münzen sind 
sämmtlich in meiner citirten Abhandlang kurz angefahrt. 



Die Heller der Stadt Neisse. 259 

gleiche Adlerschild von höchster Aehnlichkeit in der Ausführung. 
Dieses Adlerschild ist überhaupt den Stadtmünzen charakteristisch, 
das Lilienschild aber ist ebensogut stadtisch, vrie bischöflich; die 
Siegel, die in damaliger Zeit Stadt Neisse fahrte, zeigen übrigens 
stets 3 Lilien. Spricht nun so das Aeussere der Münze schon für 
ihre Zutheilung an die Stadt, so ist meines Erachtens dies mit ihrer 
Aufschrift in noch höherem Grade der Fall ffl — Q — GL das ist die 
richtige Lesung, die freilich manchmal durch Verschiebung der 
Buchstaben im Stempel nicht ganz deutlich ist. Die Herrn Erb- 
stein lesen mit scharfsinniger Conjectur SQoneta Qonradi Bpiseopi 
und theilen darum den Heller dem Bischof Conrad von Breslau 
1417—47 zu. Diese Deutung für richtig angenommen, müsste es 
befremden, wie sehr dann die Lischrifb von denen der sonstigen 
Bischofs- und Fürstenmünzen absticht. Die sämmtlichen bekannten 
Mittelaltermünzen der Breslauer Bischöfe haben dies Moneta nicht, 
weder Heinrich noch Rudolf, noch Johannes Turzo; alle aber nennen 
sich nicht bloss Bpiscopus, sondern setzen auch den Namen ihres 
Bisthums bei. Die analogen Erscheinungen zeigen auch die be- 
kannten Heller des gleichzeitigen L— D — B und des späteren 
Matthias Corvinus ffl—B — R. Dahingegen, wenn man die von 
mir vorgeschlagene Deutung Sßoneta Qivitatis Bpiscopalis oder 
Bcciesiae acceptiren will, so stimmt dies völlig mit dem üblichen 
Text der Aufschriften der Stadtemünzen überein. Man vergleiche 
nur: SR h (Bolkenhayn) JBOL (Oels) iü d W (Wohlau) etc., 
abgesehen noch davon, dass einzelne oberschlesische Stadteheller 
das Moneta und den Stadtenamen ausgeschrieben zeigen. Dass 
das $ß nicht, wie gewöhnlich, oben steht, darf nicht befremden, 
hat doch sogar der mehr erwähnte Heller Bischof Rudolfs die 
Namensinitiale zur Seite und nicht oben. Das Verschweigen des 
Stadtnamens endlich und die Bezeichnung als Bischofsstadt darf 
nicht Wunder nehmen, sowohl die Bischöfe als auch der Rath 
selbst legen auf diese Bezeichnung Werth, wie sowohl die Worte: 
«unser und unser Kirchen erbar Stadt Neisse^ der oben citirten 



2fi0 ^' Friadensbuiig: 

Urkunde von 1434, als auch die Inschrift eines Neisser Siegels^) 
aas dem 14. Jahrhundert: S. aiVlVSßDaßYZRFIDeLIVÖl. 
QaQIiQSIä beweist. Es mag zijgegeben werden, dass die für 
die hier vorgetragene Ansicht vorgebrachten Argumente einzdn 
nicht allzu bedeutender Starke sich erfreuen, in ihrer Gesammtheit 
aber dürften sie alle Zweifel an derselben bezwingen. 

Das dritte Stück, welches meines Wissens noch nicht publicirt 
ist ^), hat auch für die eben gegebenen Deductionen einen gewissen 
Werth. 




Im Jahre 1514 beschwert sich nämlich der Rath von Breslau 
beim Könige über die Münzverhältnisse des Landes und schreibt') 
u. A.: Als König Matthias in Schlesien eine Münze in Schrot 
und Korn, sowohl von Groschen als Hellem verordnet*), habe er 
selbst Groschen, und einige Fürsten wie auch mehrere königliche 
Städte Heller schlagen lassen. Seitdem hätten diese königlichen 
Städte sich vom Münzen enthalten, aber „in den fürstlichen Städten, 
nämlich Neisse^, Fraukenstein u. A. m. seien Heller mit un- 
gleichem Schrot und Korn und viel geringer denn die verordnete 
Münze des Königs Matthias geprägt worden. Hieraus geht mit 
Sicherheit hervor, dass die Stadt zur Zeit des Matthias das Münz- 
recht besass und auch ausgeübt hatte, auch der Münzbrief dieses 
Königs selbst erwähnt, wieder unter lauter städtischen Hellern, die 
„Neisser^ mit dem Bemerken, dass sie weiter umlaufen sollen. 
Es kann dahingestellt bleiben, ob damit die zweite oder die dritte 
der hier beschriebenen Münzen gemeint ist; im letzteren Falle 

1) cf. y. Sanrma, Wappenbuch der schlesischen Städte, s. ?. Neisse. 

2) Kurze Erwähnun^r in meiner Abhandlung Bd. X, S. 37. 

3) Klose, Dokumentirte Geschichte von Breslau, 154. Brief. 

4) Mönzbrief des Königs Matthias Gonrinus, darin das schlesische Mönzwesen 
geordnet, Ton 1470 beüodet sich im StadtarchiT zu Breslau (cf. Bd. X, S. 42). 
Kr enthält eine Fülle höchst interessanter und belehrender Daten zur schlesischen 
Münzkunde. 



Die Heller der Stadt Neisse. 261 

müssteD sich Schrot und Korn derselben späterhin verschlechtert 
haben, denn König Matthias räumte gat unter den ,,bösen^ Hellem 
auf und hätte auch die Neisser zum Schmelztiogel verdummt, wenn 
sie zu seiner Zeit schlechten Gehalts gewesen wären. Daher wohl 
die zweite Sorte Heller im Münzbriefe gemeint sein wird. Was 
aber die dritte Art betrifift, so lehren die Funde, dass diese Heller 
nach 1470 stark knrsirt und sich bis in den Anfang des 
sechszehnten Jahrhunderts im Umlauf erhalten haben, sie sind 
alle im Wesentlichen gleich, einige von etwas besserem, manche 
von rohem Styl. Hier erscheint der Adler frei und nicht im Schilde, 
ebenso wie auf den späteren Glogauem u. s. w., und auch hier 
ist er das Zeichen des städtischen Münzrechts. Die Rückseite 
zeigt wieder die einzelne Lilie, wie schon der Heller aus der 
Zeit König Wenzels: die oft zu findende Erscheinung, dass die 
mittelalterlichen Stempelschneider es in diesem Punkte mit der 
Heraldik nicht genau nahmen. Auch in jenen Tagen erfreute 
sich die Stadt hoher Blüthe, 1460 erhielt sie von Bischof Jodokus 
die Landvogtei und die Gerichtshoheit in ihrem Gebiete') und 
noch manches andere Privileg reihte sich dem an. Schon darum 
ist es nicht anzunehmen, dass die Stadt nicht auch das Münzrecht 
gehabt haben sollte, das ja so viele unbedeutendere Ortschafiten 
ausübten. In den Urkunden wird um diese Zeit wiederholt von 
Hellern „genger oder ganghaffliger Münz^ gesprochen, während 
vordem immer nach Prager Groschen u. dgl. gerechnet wird. Wenn 
nun auch nach Funden und Urkunden aller Herrn nnd Städte 
Heller mit einander umliefen, so mag doch vielleicht dieser Aus- 
druck auf die Neisser Münze zu beziehen sein, um somehr, als 
die städtischen Abgaben darin fixirt werden 

Alles in Allem genommen dürften die Ansprüche Neisses auf 
autonome Gepräge nun doch in günstigem Lichte und erhaben 
über die Vindicationen der Bischöfe und Könige erscheinen. Die 
Weitläufigkeit vorStehenderMonographie entschuldige das Bestreben, 
über diesen Punkt einmal zum Abschlüsse nnd zu festen Resultaten 

zu gelangen. F. Friedensburg. 

^lyMiDsberg 1. c. Beilagen S. 30. 



262 



Ein numismatisches &emäld6. 



(Taf. VIII.) 

Einmal schon ist in diesen Blättern ein Gemälde besprochen 
worden, und zwar zu dem Zwecke, um durch Vergleichung mit 
einer Medaille über die auf demselben dargestellte Person Klar- 
heit zu gewinnen (Bd. YU S. 108), beut mag mir gestattet sein, 
die Leser von einem andern Gemälde zu unterhalten, weil es die 
Abbildung vieler Münzen bringt, welche für die Frage nach dem 
Meister dieses Kunstwerkes von Bedeutung sind. 

Es handelt sich nämlich um ein Bild der altniederländischen 
Schule in meinem Besitze, das mein sei. Yater vor etwa 45 Jahren 
hier erworben, und dessen Gegenstand öfter, namentlich auch auf 
Nr. 671 der hiesigen Kgl. Gemäldegallerie wiederkehrt. Bezüglich 
desselben sagt Kugler in seiner Kunstgeschichte (Bd. UI S. 108, 
III. Aufl.) unter dem Artikel Quintin Messys (Massys): „Sodann 
werden ihm mehrere Genrebilder in lebensgrossen Ealbfiguren zu- 
geschrieben, wie namentlich das mehrfach wiederholte Bild der 
zwei Geizhälse, dessen angebliches Original zu Windsor* Castle in 
England. Ein Nachfolger des Quintin war sein Sohn Johann 
Messys.^ Demgemäss war dies Bild des Kgl. Museums, soviel 
ich mich besinne, in dessen altem Kataloge auf den Namen des 
Quintin Messys getauft. Als ich aber in den Besitz meines Ge- 
mäldes gelangte, und dasselbe genauer betrachtete, stiegen mir 
Zweifel an Quintins Urheberschaft auf^ imd zwar Zweifel aus 



Ein Dumismatisches Qem&lde. 268 

numismatischen Gründen, welche sich dann auch bei näherem 
Eingehen auf die Sache als vollständig gerechtfertigt erwiesen. 

Bevor wir aber in eine Erörterung dieser Frage eintreten, mag 
zur Erläuterung der beigefugten Abbildung eine kurze Beschrei- 
bung des fraglichen Gemäldes voraufgeschickt werden, zumi^ 
dasselbe nicht bloss im Format, sowie der Zeichnung und den 
Farben vod dem Exemplare des Egl. Museums sich unterscheidet 
Ersteres also, auf Holz gemalt, SS cm breit und 57 cw hoch, stellt 
in einem holzgetäfelten Zimmer zwei Männer in vorgerücktem 
Alter, an einem Tisch sitzend, Geld zählend, wiegend und buchend 
dar. Der, welchen wir zu unserer Rechten erblicken, mit zarten, 
fast weiblichen Gesichtszügen, in ein braunes Wamms gekleidet, 
den Kopf in ein schwarzes Tuch gehüllt, hält iu der Linken eine 
Waage, auf welcher ein Goldthaler von Franz I. durch das ent- 
sprechende Gewicht so bedeutend in die Höhe geschnellt wird, 
dass er seinem Missbehagen darüber durch Verziehen des Gesichts 
und einen begleitenden Gestus der rechten Hand unverhohlenen 
Ausdruck giebt. Darauf beruht wohl auch die Benennung beider 
Männer als Geizhälse, während richtiger vielleicht die Bezeichnung 
als Steuereinnehmer (receveurs de Louvain) ist, welche Andere 
ihm geben; für unseren Zweck kommt es auf eine Untersuchung 
der Frage nicht an, ob dieses oder jenes vorzuziehen, oder ob 
man einfach nur an zwei Geschäftsleute zu denken hat. Mehr 
Gelassenheit zeigt der* Andere, der in einen weissen faltigen lieber- 
wurf gekleidet ist und den Kopf mit einem rothen zottigen Tuche 
bedeckt hat, welches den Kücken herunterreicht und an seiner 
Rechten wieder zum Vorschein kommt. Er zählt mit den Fingern 
der linken Hand Goldmünzen, die er mit der rechten in ein Buch 
einschreibt. Vor beiden Männern liegt, anscheinend noch ungezählt 
ein Haufen Gold- und Silbermünzen, sowie ein Einsatzgewicht 
von der noch jetzt gebräuchlichen Art. Diese Münzen sind, eben- 
so wie das sonstige Beiwerk, ein messingener Leuchter und auf 
dem Gesimse eine Holzschachtel mit Urkunden, so meisterhaft 



264 H. Daanenber^: 

ausgeführt und so Datorgetreu wiedergegeben, wie das eben ein 
Yorzag der alten Malerschule ist. Namentlich sind die Münzen mit 
so grosser Sorgfalt nachgezeichnet, dass sie bis auf die hint^sten, 
neben dem Buche liegenden sich sämmtlich identificiren lassen; 
selbst die zahlreichen, welche durch andere verdeckt, ntir theil- 
weis sichtbar sind, denn der Künstler hat nicht allein hinsichtlich 
der Metallfarben und bei den Bildern des Gepräges, sondern auch 
bei den Buchstaben der Inschriften sich ängstlich an die Originale 
gehalten und sich keineswegs mit der Wiedergabe des allgemeinen 
Eindruckes dieser Geldstücke begnügt. Dies gilt besonders von 
dem goldenen Löwen (lion d'or), der sich dem Beschauer zuerst 
und zwar mit der vollen Hauptseite zeigt, er lässt um das Bild 
des unter einem Baldachin sitzenden, von 2wei Feuereisen mit 
Funken begleiteten Löwen deutlich die Umschrift: PhSS!D6lS 
6RH ; DVX ; BVR6 i BRAB i DHS . ffi erkennen, wie sie auch 
auf einem Exemplare meiner Sammlung erscheint, nur mit dem 
Unterschiede, dass letzteres das Mechliniae vollständiger durch 
SQL ausdrückt. 

Ausser den genannten beiden Stücken nämlich: 

1. Franz L v. Frankreich (1615—1547) Ecud'or. Hofmann 
m. r. de France LV, 18. 

2. Brabant, Philipp d. Gute (1480—1467), v. d. Chijs Bra- 
bant, S. 151, Taf. XV, 3 sind noch folgende Münzen zu 
erkennen: 

3. Brabant, Karl V., minderjährig (1508—1515) Philipps- 
Gulden, V. d. Chijs S. 226, Taf. XXIII 1 & 2. 

4. Brabant, Karl V. Real, v. d. Chijs, S. 237, Taf.XXlV 1, 2. 

5. Kaiser Friedrich III., Goldgulden Rf. Reichsapfel im 
Dreipass. 

Alle diese in Gold. Femer aber folgende Silberrttücke: 

6. Brabant, Philipp der Schöne (1494—1506) 7« Stuiver, 
V. d. Chijs S. 222 Taf. XXli, 13. 

7. Brabant, Philipp der Schöne. Zilveren vliess, v. d. Chijs 
S. 216 Taf. XXII, 8. 



Ein numismatisebet Gemilde. 3S5 

8. BrabaDt, Philipp der Schöne, Doppelter Staiver, v. d. 
Chijs S. 218 Tuf. XXn^ 10. 

9. Brabant, Karl Y., 3 Groote (double Blanc) v. d. Chijs 
S. 263 Taf. XXV, 14/15. 

10. Brabant, Karl V., 4 Stuiver oder Patards (Erabbelaar) 

V. d. Chijs S. 250 Taf. XXV, 12. 
Die letzt genannte Münze ist für unseren Zweck die wichtigste, 
denn sie beweist, dass unser Gemälde nicht auf Qointin Messys 
zurückgeführt werden kann. Nur die Rf. von ihr ist dargestellt, 
sie zeigt das gekrönte 16 feldige Wappen auf schrägem Krenze, 
die mit einer Hand, dem Münzzeichen von Antwerpen beginnende, 
durch ein darüber hegendes Vliess (Nr. 7) zum Theil verdeckte 
Umschrift lautet: DA MICffl VIRTV (COTR HOS TVO) S. 
Die Wichtigkeit dieser Münze nun beruht darauf, dass sie erst 
in Folge einer Ordonnanz vom Jahre 1536 geschlagen ist (v. d. 
Chijs S. 250); da aber Quintin M. schon im Jahre 1530 starb, 
so ergiebt sich, dass nicht er, wohl aber sein Sohn Jan das 
Bild gemalt haben kann, dem dann in der That das Exemplar 
unseres EgI. Museums gegenwärtig zugetheilt ist, wiewohl aus 
anderen als numismatischen Gründen, denn auf ihm sind andere 
Münzen, und bei Weitem nicht mit der Treue') wie auf dem in 
Rede stehenden dargestellt, insbesondere erscheint das Gold nicht 
in jener schönen goldgelben, sondern in hasslicher rother Fär- 
bung. Nicht unerwähnt will ich übrigens lassen, dass die gedachte 
Nr. 10 etwas gross dargestellt ist, 35 statt ZZmm — Serrure cab. 
du pr. de ligne S. 158 Nr. 652 giebt gar nur 31 mm an — , dies 
abor lässt an der Identität um so weniger zweifeln, als auch an- 
dere Stücke, Nr. 7 — 9 eine ähnliche Vergrösserung erfahren haben; 
man mag also das oben ausgesprochene Lob der Treue in dieser 
Beziehung einschränken, wenn man nicht darauf Rücksicht 
nehmen will, dass der Maler beim Beschauer doch einen etwas 

1) Und bisweilen ist auf dem Berliner Maseums-Bild eine Silbermunte 
als Oold münze dargestellt, so ein Testen von llontferrat nnd eine Silber mänze 
Franz I. t. Frankreich. 



266 H. Danneaberg: Ein namumatUehes Gemllde. 

entfernten Standpunkt voraussetzte, desshalb also zu einer ge- 
eigneten Vergrössenmg seine Zuflucht nehmen musste. 

Es wäre interessant, sämmtliche denselben Gegenstand be- 
handelnde Gemälde, auf die betreffenden Münzen hin zu untersuchen, 
wahrscheinlich würden sich dann noch mehrere finden, welche 
man dem älteren Messys absprechen musste. Auffallend ist 
übrigens die öftere Wiederholung dieses Vorwurfes schwerlich, 
der doch wohl jedem reichen Kaufmann jener Zeit willkommen 
sein musste. 

H. Dannenberg. 



i 



267 



Zur Mflnzknnde Eilikiens. 

(Ttf. X). 



i. Die Münzen von Hieropoiis-Kastabaia und Über die geograpfiische 

Lage der verecliiedenen Kaslabala. 

In einer ungefähr gleichzeitig mit diesem Aufsatz erscheinen- 
den Abhandlang der Kgl. Niederländischen Akademie der Wissen- 
schaften, Bd. XIV, „Monnaies grecques" S. 352—354, versuchte ich 
nachzuweisen^ dass die Münzen, welche bisher gewöhnlich zwei 
verschiedenen Lokalitaten, Hieropolis in Kilikien und Kastabala 
in Eappadokien, zugeschrieben wurden, als Prägungen ein und 
derselben Stadt. Hieropoiis-Kastabaia, aufzufassen sind. Dieser 
Versuch soll hier etwas weiter ausgeführt werden, indem ich in 
erster Linie das ganze mir bekannte numismatische Material in 
chronologischer Reihenfolge vorlege, und diesem sodann eine Unter- 
suchung über die wahrscheinliche einstige Lage der Stadt folgen 
lasse. 

Die Münzen. 

1. M. 17 mm — Kopf des Antiochos IV von Syrien, mit 
Diadem und Strahlenkrone, rechtshin. 
RJ. lEPOnOAITHN rechts, THN HPOZ Tn(I)-(nYPAMni) 
links neben einem linkshin stehenden Adler; im Felde 
rechts |f| ; im Abschnitt Pfeil mit der Spitze linkshin. 
München. Abgebildet Taf. X Nr. 1. 



268 Fr. Imhoof-Blnmer: 

Mionnet III, 584, 222 aod Y, 38. 339, nach einer un- 
genauen Beschreibung Cousin^ry's. 
Die in Leake's Num. Hell. As. Greece, S. 67, 2 dem kiliki- 
sehen Hieropolis zugeschriebene Bronzemfinze mit dem Kopfe des 
Antiochos gehört Hieropolis in der Kyrrestike. 

2. M. IS mm — Kopf der Ty che mit Mauerkrone, rechtshin; 

hinten 6, Perlkreis. 

Rf. (lEPonoAi-) Tai nYPAMni 

THN TUN nPOZ "^^'^^ (T)H2: (lEPAI) ^"^^^ "^^ 

KAI AZY 

,A^^^ in^ Abschnitt. Lmkshin stehender Adler. 
(AOY) 

Gr. 4, 20. — M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 2. 

Of. Mionnet m, 584, 220 ^6, nach Cousin^; Suppl 

VII, 215, 250 » Sestini, Mus. Hedervar. U, 286, 2, 

Taf. XXIII, 9, angeblich in München, wo ich das Stück 

nicht vorgefunden habe. 

Ein drittes Exemplar, mit unvollständig erhaltener Aufschrift 

und undeutlichem Monogramm, befindet sich in der Grossherzogl. 

Sammlung in Karlsruhe; ein viertes in Berlin, 21 mm^ mit ItT 

hinter dem Kopfe. 

3. M^ 18 mm — Derselbe Kopf mit langen Locken, rechtshin; 

hinten "ff^. 
Rf. lEPOnOAITriN OYPAMni KAI A 

THN nPOZini '^""^^ TH2 IEPA2 "^""^ ™^ lYAoY 
im Abschnitt Weibliche Figur, den Kalathos auf 
dem Haupte, linkshin auf einem Stuhle mit hoher 
Rücklehne sitzend und in der Linken schief ein langes 
Scepter haltend. Unter dem Sitze, der Adler links- 

hini). 
Kopenhagen. Abgebildet Taf. X Nr. 3. 

4. M. 22 mm — Derselbe Kopf rechtshin; hinten E oder A^ 

vom Adler? oder Capricornus? eingestempelt. 

1) Ueber den Adler 8. GaTedoni, Spicile^o p. 207 und Kenner, Monza. 
St FK>rian, S. 147. 



Zar Mnnilrande Kilikiens. 269 

Rj\ lEPOnOAITHN lIYPAMni 

THN nP02 Tn(0 "^^'^^^ ^°^ (T)H2 I(EPAS) ^"^^^ 
Deben derselben Figur, ohne Scepter noch Adler. Im 
Felde rechts eine grosse Aehre» 
Paris. — Ungenau beschrieben Yon Mionnet III, 584, 
221 und von Sestini, Lett. num. VII, 59^ welch' letzterer 
TH£ lEPAZ in das ihm einleuchtendere KAZTABA . . . 
der Mänzen der späteren Eaiserzeit umwandelte, und 
die £in8tempelung als Löwe oder Wolf, den Tychekopf 
mit Schleier statt mit Locken, und die sitzende Figur 
mit Schale uud Speer angiebt. 
b. M. 22 mm — Derselbe Kopf rechtshiu; hinten ^. 

Ä/. lEPOnOAITHN rechts, THN HPOI ICH})- nYPAMn(I) 
links. Typus und Symbol wie auf Nr. 4. 
Mus. Hunter, t. XXX, 6. 

6. i£. 20 mm — Derselbe Kopf rechtshin; hinten ^. 

Rf, lEPOnOAITHN rechts, THN OPOI THI — OYPA- 
MAI links neben der linkshin sitzenden weiblichen 
Figur mit Ealathos und Scepter; unter dem Throne 
der Adler linkshin. 
. Gr. 7,80. — Abgebildet Taf. X Nr. 4. 

T. Combe, Mus. Brit. p. 186; Smith's Dict. of an- 
cient Geography I, S. 1064 mit Abbildung. 

7. M, 21 mm — Gleich mit |9|. 

Berlin. — Sesüni, Mus. Hedervar. II, 286, 1. 

8. ^. 21 mm — Gleich, mit M- 

Paris; Mionnet lU, 583, 217; Cat. Tb. Thomas, 
Nr. 2381. 

9. M. 20 mm — Gleich mit M- 

Mus. Hunter t. XXX, 7. 

10. M. 22 mm — Gleich mit Bp. 

Wien. 

11. M, iOmm — Derselbe Kopf^ von der den syrischen MOnsen 

eigenen Taenien-Verzierung umgeben. 



270 Fr. Tmhoof-Bliimer: 

/{/. Gleich dem Yorigen. 

Gr. 8,50. — M. S. — Cf. Sestini, Lett. num. VI, 
S. 62, 2. 

12. M. 20 mm, — Derselbe Kopf und Taenien-Kranz; hinter 

ersterem 'p. 
Rf, Gleich dem vorigen; nur scheint die Figur eine Blume 
oder A ehren in der erhobenen Rechten zu halten. 
Kopenhagen. Abgebildet Taf. X Nr. 5. 
Ich lasse hier die Beschreibung einiger Münzen (Nr. 13 — 22) 
folgen, Ton denen nicht mit aller Sicherheit behauptet werden 
kann, dass sie kilikisch seien. 

13. M. 18 »im. — Apollokopf mit Lorbeerkranz und Locken 

rechtsbin. 
Rj\ lEPO— nOAITriN. Roma links auf Schilden sitzend, 
auf der rechten Hand die die Göttin bekränzende Nike, 
in der linken den Speer haltend. 

Kopenhagen. Abgebildet Taf. X Nr. 6. 
Im Katalog Northwick, Nr. 1401, ist eine ähnliche Münze 
beschrieben, mit angeblicher Pallas Nikephoros und der Auf- 
schrift lEPOnOA AOPYKANO. Die Lesung des zweiten Theils 
der Aufschrift beruht ohne Zweifel auf Lrthum und sollte wohl 
Tfl nYFAMXl lauten. In diesem Falle wäre die Zutheilung dieser 
und der folgenden Münzen gesichert, und könnte deren Prägung 
nach dem Siege des LucuUus über Tigranes stattgefunden haben 
(69 V. J. C.) 

14. M. 21 mm, — Gleich der vorigen, mit M links und ^ 

rechts im Felde der Rf. Perlkreis. 

Brit. Museum, T. Combe pl. XII, 18 (Kyrrestike) = 
Mionnet, Suppl. VIII, 109, 31. 

15. M. 20 mm. — Gleich, mit p^ rechts und M links im 

Felde. 
Brit. Museum, cf. Haym-Khell II, t. XV, 2. 

16. ^. 20im7i. — Gleich, mit ^ rechts im Felde. 

Brit. Museum. 



Zur Mntizkande KiKkiens. 271 

17. M. 20 mm. — Gleich, mit 5" rechts im Felde. 

Brit. Museum. 

18. M. 21 mm. — Gleich, mit 4>I rechts im Felde. 

Brit. Museum. 
Die vier letzten Münzen, deren gefallige Mittheilung ich Herrn 
Percy Gardner verdanke, sind in der Sammlung des Brit. Mu- 
seums Kilikien zugetheilt. Gleichzeitig mit diesen ist das fol- 
gende Stück: 

19. JE. 14 mm, — Derselbe Kopf rechtshin. 
Rf, lEPO— nOAITHN. Dreifuss. 

Gr. 2,50. — M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 7. 

20. JE, 20 mm. — Brustbild der Tyche mit Mauerkrone und 

Schleier, rechtshin. 
Rf lEPOnO— (AITHN) in zwei Zeilen links. Nike mit 
Kranz und Palmzweig linkshin stehend. 
K. Bibliothek in Turin. Abgebildet Taf. X, Nr. 8. 

21. M. 20 mm. — Brustbild eines kappadokischen Königs 

(Ariobarzänes II. oder HI.?), mit Schnurrbart, rechts- 
hin. Der Kopf ist mit einer nach hinten zugespitzten 
Mutze oder Lederhelm bedeckt^)) der Hals gewandet. 
R/ Ig links. Artemis im kurzen Chiton rechtshin, das 
linke Knie auf den Rucken eines niedergeworfenen 
Hirsches gestemmt, dessen Hals die Göttin mit der 
Rechten umfasst, während sie mit der Linken das Messer 
zu zücken scheint. 

Kopenhagen. Abgebildet Taf. X, Nr. 9 und in den 
„Monnaies grecques" pl. H, Nr. 7. 

22. JE. \3mm. — Brustbild der Artemis, mit Stephane und 

Gewandung, rechtshin; hinter der Schulter Bogen und 

Köcher. 

Rf. Ig links. VordertheileinesHirschesrechtshin. Perlkreis. 

Gr. 5,32. — M. S. Abgebildet Taf X, Nr. 10 und 

„Monnaies grecques" pl. H, Nr. C. Cf. Prokesch-Osten, 

1) Gf. Friedlaender, Ztechr. f. Nom. IV, S. 269. 

Z«lttckrift f&r NnmiMDatik. X. 19 



272 ^^' Imhoof-Blumer: 

Archäol. Zeitung 1844, S. 844, Taf. XXXTT, 49 
(Phrygien). 
Ich unterlasse hier eine Wiederholung des über die beiden 
letzten Münzen in den „Monnaies grecques" S. 353 und 354 Ge- 
sagten. Gehören sie wirklich Bieropolis-Eastabala und in die 
Zeit nach der Einverleibung der Stadt ins kappadokische König- 
reich (66 V. J. C), so kann der jugendliche Kopf auf Nr. 21 
wohl nur einen der Könige Ariobarzanes II. oder III. darstellen, 
da die Portraits des Ersten dieses Namens stets mehr oder weniger 
gealterte Züge ohne Schnurrbart zeigen. 



Zur Zeit des Königs Archelaos und später mögen die folgen- 
den Münzen geprägt sein'): 

23. M, 22 mm, — Kopf der Tyche mit Mauerkrone und 
Schleier rechtshin. 
Rf, (lEPOnOAIT)nN THN HPOZ TH nYPAMn im Kreise. 
DerPyramos, mit dem Oberkörper über dem Wasser 
und dem Kopfe von voru, linkshin schwimmend. Auf 
seinem linken Arme sitzt der Adler linkshin. Das 
Ganze ist von einem Kranze umgeben. 
Paris. Abgebildet Taf. X, Nr. 11 u. IIa. 
Es ist diese die bei Pellerin, Recueil II pl. LXXIll, 21 ab- 
gebildete und von Mionnet III, 592, 251 und Suppl. VII, 227, 228 
beschriebene Münze mit der angeblichen Aufschrift MEFAPIIXIN. 
Wie die Abbildung Nr. 11 zeigt, so sind von dem Stadtnamen 
nur noch die Endbuchstaben HN deutlich erkennbar und reicht 
der Raum zwischen diesen und dem Schlüsse der Aufschrift ge- 
rade hin, um die beiden Buchstaben in lEPOnOAITHN zu er- 
gänzen. Es liegt also weder Grund noch irgend welche Berechti- 
gung zu der von Pellerin und Mionnet vorgeschlagenen Herstellung 
des Einwohnemamens vor, und kommt die Abbildung in des Er- 

1) Die in Leake's Num. Hell. As. Greece S. 67, 3 beschriebene Hanse mit 
dem Kopfe des Augustus, gehört dem phrygischen Hieropolis. 



Zur Mönzkonde Kilikiens. 273 

steren Werk einer Fälschung gleich. Uebrigens wäre die Form 
MEFAPION eine an und für sich unmögliche, da das Ethnikon 
MeyaQOiog oder MayaQOiog lauten müsste. 

24. iE. 20 mm, — Derselbe Kopf rechtshin; hinten ^? 
R/: lEPO TON nPOZ TO 

noAiTHN ^^"^' nYPAMa "^^^- ^^'^y- 

ramos, mit dem Oberkörper über dem Wasser und 
dem Kopfe von vorn, rechtshin schwimmend, den Adler 
rechtshin auf der rechten Hand. Das Ganze von einem 
Kranze umgeben. 

Wien. Abgebildet Taf. X, Nr. 12. Cf. F. Kenner, 
Münzsammlung des Stiftes St. Florian, S. 147, wo der 
Adler irrig als Nike angegeben ist. 

25. M, 2Smm. — DerselbeKopf rechtshin; hinten Monogranun? 
Rf, lEPO THN nPOS 

nOAITHN ^'^"^^ TH nVPAMO ^"^^- ^"'^^^'^^ 
Typus, ohne Kranz. 

Paris; Mionnet lU, 583, 218 (= Pellerin, Recueil 11, 
pl. LXXII, 11) und 219 (21 mm fruste); Leake, Num. 
Hell. As. Greece p. 67, 1; Haym-KheU 1765, H, tab. XV, 
1, p. 132—137. 

26. M, 21 m7n, — Gleich der vorigen, ohne Monogramm, und 

im Abschnitt der 

Rj\ TON npoc T(n)— nypAM (a) 

Kopenhagen. Abgebildet Taf. X, Nr. 13. 
Brit. Museum. 

27. M. 24 mm. — IGPOnOAI— THN. Derselbe Kopf rechts- 

hin. Perlkreis. 
Rj\ THN nPOC in über und nYPAMO unter dem rechts- 
hin schwimmenden Pyramos, mit dem Kopfe von vom 
und dem Adler auf der Kechten. Perlkreis. 

Gr. 8,35. — M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 14, cf. 
Sestini, Lett. num. VI, p. 62, 3. 

19* 



274 Fr. Imhoof-Blumer: 

28. M, 22 mm, — IGPO— nOAITHN, Derselbe Kopf rechts- 
hin. Perlkreis. 
Rf. THN nPOC TXinYPAMa im Kreise. Der Pyramos, 
mit dem Kopfe von vorn, rechtshin schwimmend. In der 
Rechten hält er eine brennende Fackel. Perlkreis 
Wien. Abgebildet Taf. X, Nr. 15. 
Brit. Museom; München. 



29. M. 22 mm. — AVTOK. — ANTHNeiNO— C. ß&rtiges 

Haupt M. AureTs mit Lorbeerkranz rechtshin. 
RJ. lePOnOAeiTON. Der Pyramos, mit dem Ober- 
körper über dem Wasser und zurückgewendetem Haupte 
rechtshin schwimmend. 

M. S. — Paris (M 20 wm); Mus. Sanclementi III, 
S. 166; Mrlingen, Recueil p. 70, pl. IV, 4. 

30. M. 27 mm. — <^AVCTINA — CGBACTH. Brustbild der 

jüngeren Faustina rechtshin, mit Gewandung und 
der Mondsichel über der Stirn. 
Rj\ lePOnO— AITHN. Helios nackt, mit Strahlenkrone, 
linkshin stehend, die Rechte erhebend und in der Linken 
Geissei und Chlamys haltend. Vor seinen Füssen 
Aehre. 

Victor Langlois, Revue Num. 1854 p. 16, pl. II, 12. 
Brit. Museum, 29 mm. — cf. Leake, Num. Hell. Suppl. 
p. 59. — Berlin: auf der Kopfseite zwei runde Ein- 
stempelungen, Urne(?) und N^e mit Kranz, genau 
wie sie auf einer der Bronzemünzen mit dem Kopfe 
des Caracalla, Nr. 42 vorkommen; im Rs. T in vier- 
eckigem Gegenstempel. 

31. M. 27 mm. — Gleich, nur hält Helios eine Fackel in der 

erhobenen Rechten. Das Brustbild ist in den Beschrei- 
bungen ohne die Mondsichel angegeben^ 

Brit. Museum. C£ Sestini, Mus. Heder var. H, S. 286, 
tav. XXIX, 12. 



Zor MoDskande Kilikiens. 275 

Im Pariser Eabinet ist Eastabala noch eine andere Münze 
mit Faostina's Brustbild zugetheilt: Mionnet III, 585 225 (=« Pel- 
lerin, Sappl. III, p. 131, pl. VI, 7 und Sestini, Lett. num. VII, 59). 
Wie mich ein durch Herrn Muret's Gefälligkeit erhaltener Abdruck 
dieses Stückes belehrt, so liegt auch hier wieder eine Fälschung 
durch Pellerin's Abbildung vor! Die mir Bedenken erregende 
Aufschrift KACTABAAEHN ist in der That nicht vorhanden und 
statt ihrer ist auf dem sehr schlecht erhaltenen Exemplar der 
Münze AFXIAAEnN (= Mionnet Suppl. D, 217, 71) zu lesen. 
32. iE. 23 nrni. — AOYKIAAA — CGBACTH. Brustbild der 
Lucilla, mit Stephane und Gewandung, rechtshin. 
Rf. I€PO— nOAeiTXlN. Weiblicher Kopf mit Kalathos 
und Schleier linkshin; vor ihm, brennende Fackel. 

Brit. Museum — Haym-Khell 1765, II, p. 295, tab. 
XXXVI, 4 (coli. Devonshire) = Sestini, Lett. num. VII, 
pl. 59 « Mionnet, Suppl. VII, 672, 390. 
38. M. 31 Wim. — I£POnOAITnN THN OPOC TH nYPAM 
(n). Brustbild des jugendlicheu, mit Epheu bekränzten 
Dionysos, die Schultern bekleidet und schief darüber 
der Thyrsos. Vor ihm Weintraube mit Zweig. 
Perlkreis. 
Rf. AYT. K. M. AYP. ANTn— N€IN— und im Abschnitt 
OC C€B. Marcus Aurelius bärtig, in Toga und 
Pallium linkshin auf einem Stuhle sitzend und auf der 
Yorgestreckten Rechten den Globus haltend. Hinter ihm 
die linksbin fliegende Nike, den Kaiser bekränzend. 
M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 16. 
Vgl. „Monnaies grecques^ p. 352, 22. — Aehnlich, 
27 mm^ mit unvollständig erhaltenen AufBchriften und 
Typen, in Berlin. 
34. M. SO mm, — Dasselbe Brustbild und Symbol. 

Rf. lePOnOAI— IHN THN und im Abschnitt nPOC TH- 
riYPAMn. Zeus Nikephoros linkshin thronend. 



276 Pr- Imhoof-Blumer: 

Gab. Borrell: A. de Longp^rier, Nout. Annales de 
rinstitut arch^ol. II, 1889, p. 361, pl. E, 2. 

35. JE. 40 mm. — AVT. KAI. M. AV. ANT. KOMMOAOC 

€YTYXH (C). Brustbild des Commodas mit Lorbeer- 
kranz und Gewandung rechtshin. 
Rf. lePOnOAeiTHN THN nPOC rn nYPAM(n). C om- 
ni odus linkshin stehend und von der vor ihm stehen- 
den Tyche einen Kranz empfangend. 
Cf. Cat. Rollin und Feuardent Nr. 5880 bis. 
Eizvxijs ist ein auch in Inschriften vorkommender Beiname 
des Commodns, C. J. 6r. add. Nr, 2264 m, 

36. M. 25 Tww. — AVT. KAI. A. C€n. CeVHPOC. n€P C€. 

Brustbild des Sept. Severus, mit Gewandung und 
Lorbeerkranz rechtshin. 
Rf. lOVAIA AOMNA CGB. lePOnOAITXlN. Brustbild 
der Julia Domna rechtshin. 

A. von Rauch, Berliner Blätter VI (1872) S. 134, 
Taf. TiXTX, 15 (Kyrrestike). Cf. Mionnet IV, 303, 626, 
nach Vaillant (Phrygien). 

37. M. 40 mm. — AVT. K. A. C€n. C 6— OHPOC (sie) n€P. 

C£. Dasselbe Brustbild des Kaisers rechtshin. 
Rf. I€POnOA€IT0JN Tu>N OPOC Tu) HYP— AMU). Sep- 
timius Severus in militärischer Tracht, die Linke 
auf das Scepter gestützt, linkshin stehend und den Kranz 
von der vor ihm stehenden Nike empfangend. 

Berlin. Sestini Lett. num. VI, p. 62, 4, tav. III, 5 « 
Mionnet Suppl. VH, 216, 253. 

38. M. dOmm — I€POnOAITu>N KACTABAA€ö>N. Brustbüd 

des Dionysos mit Thyrsos rechtshin, und Weintraube 
nebst Zweige wie auf Nr. 33. 

s/. AVT. KAI. A. c(en. cev) hpoc nep. ce. Der 

Kaiser linkshin stehend, auf der Rechten eine kleine 
Nikefigur haltend, mit der Linken sich auf das Scepter 
stützend. 



Zur Münzkunde Kilikiens. 277 

Berlin und Waddington^ Cf. »Monnaies grecqoes^ 
p. 352, Nr. 22 c. 

39. M. 30 mm. — Aufschrift und Brustbild wie aaf Nr. 38, 

das Symbol hinter dem letzteren. 
Rf. Aufschrift abgenutzt Dionysos rechtshin thronend, einen 
Kabiren aaf der Rechten und den Thyrsos in der linken 
Hand haltend (?) 

So Sestini, Leit. num. YII, p. 59, 2 (Mus. Ainslie)! 

Das Bild der Rückseite stellte aber ohne Zweifel den 

sitzenden Kaiser mit Nike und Scepter dar. 

Derselbe Dionysostypus, wie ihn die Münzen Nr. 33, 34, 

38 und 39 zeigen, kommt auch auf anderen kilikischen Bronzen 

der Kaiserzeit vor, so in Augusta (Mionnet III, 566, 145 and 

Sappl. YII, 197, Nr. 198 u 199; E. Babelon, Annuaire de la 

Soc. fr. de Num, VH, 1883, Taf. II, 10) und in Aigeai (1. cDI 

543, 41 und Suppl. VU, 160, 44 u. 45). 

40. iE. 30 mm. — AV. KAI. IVIAP. AVPH. ANTu)N€INOC. 

Brustbild des Caracalla mit Lorbeerkranz and Ge- 
wandung rechtshin. In einer Einstempelong Nike auf 
Globus. 
RJ\ lePOnOAITuiN KACTABAA€wN. Caracalla und 
Geta einander gegenüber stehend und sich die Rechte 
reichend. 

Sestini, Mus. Ghandoir p. 110^ 1 » Mionnet, Suppl. VII, 
709, 303. 

41. M. 30 mm. — AVT. KAI. M. AVP. ANTwNQNOC. Brust- 

bild des Caracalla mit Lorbeerkranz und Gewandung 
rechtshin. 
Rf. lePOnOAeiTwN KACTABAAeujN. Ty che mit Mauer- 
kröne, linkshin stehend, in der Rechten Aehren, in der 
Linken das Füllhorn haltend. 

Kopenhagen. Cf. Ramus I, 290, Synnada 2, mit der 
irrigen Lesung CVNN AA€u)N ; Sestini, Lett. num. VI, 
75 und Lett. num. cont. III, 121; Leake, Num. Hell. 
Suppl. p. 36, mit 1 statt £1 in den Aafischriften. 



278 Pr* Imhoof-Blnmer: 

42. iE. 33 mm. — AVT. KAICAP. M. AVPH, AN Das- 

selbe Brustbild rechtshin, mit zwei Einstempeloiigen, 
Nike und Preisurne (?), wie auf Nr. 30. 
Rf. Wie Nr. 41, aber Tyche hält statt der Aehren das 
Steuerruder. 

Berlin. Sestini, Lett. num. VI, p. 74 u. YU, p. 60, 

letztere mit KAIC ' in der Aufschrift der Eop£sei(e. 

Der phrygischen Hierapolis gehört ohne Zweifel die in 

Mionnet III, 584, 223 beschriebene Bronzemünze mit dem Kopfe 

des bärtigen Caracalla und lEPOnOACITHN um die stehende 

Demeter. 

43. M. 21 mm, — AVT. K. M. QU. CG. IVIAKPINOC CGB. 

Kopf des Macrinus mit Lorbeerkranz rechtshin. 
Rj. ICPOn. KACTABAACwN. Nike linkshin schreitend mit 
Kranz und Palmzweig. 

Berlin; Sestini, Lett. num. VI, p. 74 und VII, pJ60. 
Mus. Theupoli U, p. 1007 mit CE * und TABAAETIN 
lEPOn. KAC. = Mionnet IV, 145, 825 und III, 585, 226. 

44. M. 23 mm. — M. OOeAAI. ANTONINOC (sie) AIAAV. 

Brustbild des Diadumenianus mit Lorbeerkranz und 
Gewandung, rechtshin. 
R/. lePOnO. KACTABA. IGPOC. Preisurne zwischen 
zwei brennenden Fackeln. 

Paris. Mionnet III^ 585, 227 und Sestini Lett. num» 
VII, 60; cf. Mionnet 1. c. 228, nach Vaillant, angeblich 
mit Elagabal's Brustbild. 

45. iE. 29 mm. — AY (OVO)— AOVCCIANOC C€B. 

Brustbild der Volusianus mit Strahlenkrone und Ge- 
wandung, rechtshin. 
Rf. KACTABAA — eXlN I€POnOA. Brustbild der Tyche 
mit Mauerkrone und Schleier rechtshin. — M. S. 

46. JE. 26 mm. — AVT. K. OVAAGPIANOC Ce. Brustbild 

des Valerianus, mit Strahlenkrone und Gewandung, 
rechtshin. 
Rf. I€POn. KA— CTABAA€n. Helio s? linkshin schreitend, 



Zur Mänikund« Kilikiens. 279 

die rechte Hand erhoben, am linken Arm die Chlamys. 
Im Felde links <; (Werthzeichen?). 

Berlin. A. v. Rauch, Berliner Bl&tter VI (1872) 
S. 133, 14, Tal LXIX^ 14, mit welcher die Aa&chrift 
im Texte nicht durchgehend übereinstimmt 



Ausser auf den vorstehenden Münzen scheiut von einer kili- 
kischen ^leganokig oder 'hgonokig nirgends die Bede zu sein. 
Zur Erforschung der einstigen Lage und Geschichte dieser Stadt 
ist man somit einzig auf jene numismatischen Quellen und auf 
eine Auswahl der spärlichen Nachrichten angewiesen, welche aus 
dem Alterthume über, zum Theile scheinbar verschiedene Städte 
des Namens Kastabala erhalten sind. Diese Nachrichten sind 
in den folgenden Stellen enthalten: 

Strabo XII, 535: Späterhiu wurde den Königen (von Grosskappa- 
dokien) vor Archelaos von den Römern noch ein Theil 
Eilikiens als eilfte Statthalterschaft zuertheilt, nämlich 
dieGegend YOuKaataßaka und Kybistra bisnacb 
Derbe hin, der Stadt des Räubers Antipater; dem Ar- 
chelaos aber auch noch das rauhe Kilikien um Elaiussa 
her und der ganze zum Seeraub verbündete Landstrich. 
Strabo XII, 537: Nicht weit vonTyana finden sich auch Kasta- 
bala und Kybistra, zwei dem Gebirge noch näher liegende 
Städtchen {nokiafiata). In Kastabala ((at^ hf %oiq Kaata^ 
ßdkoig)^ ist der Tempel der Artemis Perasia (JlBQaoiag 
^AQxi^idog uq6v\ wo die Priesterinnen mit blossen 
Füssen unverletzt Qber glühende Kohlen gehen sollen. 
Auch hierher (wie nach Komana Strab. 535) versetzen 
einige die Geschichte vom Orestes und der Tauropolos 
und behaupten sie heisse Perasia (die jenseitige), weil sie 
nigai^ev (von jenseits) herübeigebracht worden sei. 

In der Statthalterschaft (ptQotfjyiä) Tyanitis, einer 
der zehn erwähnten, liegt also die Stadt (nokiofia) ta 



280 Fr Imboof-Blomer : 

Tvava; (denn die später erworbenen rechne ich nicht mit 
dazu, nämlich Eastabala undEybisira and die Orte 
im raahen Kilikien, wo Archelaos die kleine frucht- 
bare Insel Elaiussa stattlich bebaute und sich meistentheils 
daselbst auihielt); in dem sogenannten {xaxovfievTj) Kili- 
kien aber liegt Mazaka, die Hauptstadt des Volkes (der 
Eappadokier). 

Appian, Mithradates 105: Ausser diesen Landstrichen gab Pom- 
peius dem Ariobarzanes, neben anderen Städten, auch 
Eastabala in Eilikien. 

Steph. Byz.: Kaataßaka Kikixiag [xai 0oivixf]g] nokig» Stga^' 
ßiov iß^ * o nolitr^g Kaavaßakeig [iwav^a ^Aq^e^iöog 
iBQ6v\ Tj xai üegaoia ixalelto. 

Jamblichos, de Mysteriis Sect. HI, c. 4: Es giebt solche, welche 
unversehrt über Feuer gehen — wie die Priest^rinnen iv 
Kaataßäkloig. 

Plinius VI, 3: Reliqua sui parte (Cappadociae) Melitam a Se- 
miramide conditam, haud procul Euphrate: Discaesaream, 
Tyana, Gastabala, Magnopolim, Zelam: et sub monte 
Argaeo Mazacam quae nunc Caesarea nominatur. 

Plinius YIII, 61 (40): Propter bella Colophonii, itemque Casta- 
balenses, cohortes canum habuere etc 



Ptolem. Y, 8, 7 : Kaatdßala §&—X^ ist erwähnt unter den kili- 
kischen Städten des Binnenlandes und zwar nach Tarsos, 
Adana, Anazarbos und Mopsuestia und vor Nikopolis, 
Epiphania und den amanischen Pforten. 

Plinius Y, 22 (27): Intus autem dicendi Anazarbeni qui nunc 
Caesarea: Augusta, Castabala, Ephiphania quae ante Oeni- 
andos, Eleusa, Iconium. 

Peutinger's Tafeln (ed. Desjardins IX) zeigen auf dem Wege von 
Mazaca bis Melentenis (Melitene): Comana Capadocia,) dann 



Zar Hänzkunde Kilikiens. 281 

24 röm. M. bis Asarino, 24 bis Castabola, 20 bis 
Pagram, 30 bis Arcilapopoli etc. 

Hierokles p. 706: KaoToßaka. 

Notit. Cilic. See.: Kaasaßakla. 

Chiysostom. £p. 204: (imaxonov) tiSv KaotaßiXtav, 

CoDst. Concil. III, 670: ein Bischof nolBiag zwv Ka0tavX(üv(?) 

Sokrates, bist. eccl. HI, 25: Diejenigen, welche die Bittschrift 
übergaben, waren Basileios von Ankyra, Silvanos von 
Tarsos, Sophronios von Pompeiopolis, Pasinikos Zenon, 
Leontios von Komana, Eallikrates von Elaodiopolis, Theo- 
philos Kaozaßdkwv. 

Sozomenos, bist. eccl. IV, 24: Sie setzten den Silvanos (von 
Tarsos) ab, als den Anstifter der Ketzereien in Seleokia 
und Eonstantinopolis, und den Theophilos, ngoatavta r'eV 
KaoToßakoig, der früher zum Bischof von Eleothero- 
polis in Palästina ernannt war. 

Job. Malalas, Chronogr. Xlll, 9, S. 345 ed. Bonn 1831 : ^ Kaaza- 
ßalfj^ kilikische Stadt, unter Kaiser Theodosius durch 
einen Isaurier zerstört. 
Verschieden von den bisherigen Kastabala ist das folgende 

sicher in der Nähe von Issos gelegene: 

Curtius m, 17: Von Mallos gelangte Alexander durch einen zweiten 
Tagmarsch nach Castabalum. Hier begegnete ihm 
Parmenio, den er vorausgeschickt hatte, den Weg über 
das Gebirge zu erforschen, durch welches man dringen 

musste um nach Issos zu gelangen Hierauf fUirte 

der König das Heer nach Issos. 

Itiner. Antonini Aug. ed. Parthey et Pinder, S. 67 (Wessel 146): 
Von Aegeas nach Catabolo 24 röm. Mil.'). 

1) Die römiBcbe Heile (milia passuum) =kin 1,4785 (Haltsch, Metrolofl[i6 
2. Aasg. S. 700 nnd 702, oder nach E. Desjardins Tables PeatiDger 1,4815} = 
0,1996 deaUcbe geogr. Meil. sa km 7,420488. Demnteh ergeben 56 röm. HeileD, 
▼on Aigeti Dich Alezandrit km 82,807 = 11,179 d. geogr. Meilen = ca. 17 Weg- 
stiiDdeD. 



282 Fr. Imboof-Blumer: 

Von Aegeas nach Bais (Bajai) . 16 röm. MiL 

„ „ „ Alexandria . 16 „ ^ 

Itiner. Hierosolym. ed. Parthey et Finder S. 274 (Wessel 580): 

Von Adana nach civitas Mansista . 

(Mopsuestia) 18 röm. MiL 

Yen Adana nach matatio Tardeqaeia 15 „ „ 

„ j, „ mansio Catavolo 16 „ „ 

it y, V mansio Baiae . . 17 „ ^ 

n „ ^ mansio Alexandria- 
Scabiosa 16 „ ^ 

Peutinger's Tafeln: Von Alexandria nach 

Issos ..... (1)6 röm. Mil. 
Catabolo . . . (1)5 „ „ 
Aregea (Aigeai) . 28 „ „ 

Mallo 25 „ „ 

Ravenn. anon. cosmogr. ed. Finder et Farthey S. 93 (11, 16): 

Isson, Catavolon, Aedis, Malion etc. Und S. 358 

(V, 8): 
Jossen, Cabulon, Hire, Egis, Malion etc. 
Guidonis Geogr. ed. Farthey et Finder S. 525 (95): 

Civitates Alexandria minor cata Isson, Catabalon, Hyre^ 
Egis etc. 
Diesen Auszügen, welche, so viel mir bekannt, Alles ent- 
halten, was über Städte des Namens Kastabala berichtet wird, 
lasse ich noch eine Anzahl Stellen aas Werken neuerer Geo- 
graphen und Reisender folgen, welche sich über die einstige Lage 
dieser Ortschaften ausgesprochen haben. 

a) Ueber die Stadt bei Issos« 

Mannert, Geogr. der Griechen und Römer VI, 2, S.55 — 57: Ungefthr 
2 geogr. Meilen n. ö. (d. k n. w.!) von Issos lag der un- 
bedeutende Flecken Katabo Ion, an der Küste, nicht zu ver- 
wechseln mit dem nördlichen Kastabala im Innern, wel- 
chen Namen Curtius III, 17 irrthümlich zu gebrauchen 



Znr Mfinzkunde Kilikiens. 283 

scheint Drei geogr. Meilen weiter n. w. kommt man aen 
die nördlichste Spitze des Issischen Meerbusens, nnd nahe 
dabei an die Amanischen Päese, Demir Eapo. Katabolon 
ist das Karabolat bei Pococke U, 255, das Castell 
Canamella bei WiUebrandi de Oldenburg Itin. und 
das Cramela bei Sanutus II, pars IV, c. 26. 

Forbiger, Handbuch II, 290 kk meint, das Eastabala des Ptole* 
maios sei vielleicht das Katabolon der Itinerarien! 

Ainsworth, Travels and researches in Asia Minor etc. 1842, II, 
S. 90: Eurd*Eulak «s Tardequia; Demir-Kapn = Amani- 
sche Pforten; dann unter diesen, östlich, an der Küste, 
Kara Kaya— Kastabala. und ö. davon, in der Ebene, 
Issos. Cf. George Long in Smith's Dict. of ancient Geogr. 
n, 561, mit Citaten aus anderen Schriften Ainsworth's. 

lütter's Erdkunde, Syrien IV, 2, S. 1834—1839; Zwischen diesen 
Ruinen (Favre und Mandrot's Issos) und den Morästen 
des Pinaros und näher zum Meere hin, sind andere Ruinen 
um einen künstlichen Hügel, der Kara Kaya oder Teil 
Arakli heisst, zerstreut, mit einem Castell auf dessen Spitze. 
Dies scheut Kastabala der Alten zu sein.^) 

Von Kara Kaya hat Lt. Murphy die Distanz bis 
Bayas auf 13 engl. Meilen gemessen, was derjenigen des 
Itiner. Antonini ziemlich nahe konimt (16 röm. Meilen 
von Gatabolo bis Bais). 

Comm. Mansell, Golf of Jskanderun (engl. Admiraütätskarte 
Nr.2632) setzt Castabolum etwas n. ö. von Ayas (Aigeai), 
aaf ein drittel Distanz der Küstenstrecke von Ayas bis 
Kara Kaya, was im höchsten Grade unwahrscheinlich ist, 
da Alexander auf seinem Marsche von Mallos nach Issos 



1) Cf. Ritter*8 Kleinisien II, 268: «Dies wird dnrch Cicero bestltigt, der 
sich nach Beltgerang Ton KaetabtU und Zerstörung der Ranbbuigen im 

Amanos-Qebirge in seine Winterquartiere an den Nordfbss des Tanros, 

Kybistra zurnckzog.* Von Kastabala ist jedoch in Cicero^s Briefen 
nirgends die Rede. 



^ 



284 Pr. Imhoof-Blnmer: 

nicht hier durchpassiren konnte. Eine ähnliche Conjectur 
findet sich in Mfiller's Anmerkongen zu den 
Geographi gr. min. I, Anonymi Stadiasmas mari magni S. 479, 
§ 157, jedoch ohne des Herausgebers Zustimmung: Die 
HiofiTi ^!Akrj oder ^^cr, zwischen den l^^iavixai nvlai und 
Aiyaiai ^ Kastabala. 

b) Kastabala im Innern. 

Mannert, 1. c. VI, 110; Das Kastabala des Ptolemaios, öst- 
lich von Anazarbos, ist verschieden von Katabalon an der 
Küste. Vielleicht das Bergschloss Chamdnn oder Tal 
Chamdum^) des Abolfeda, Tab. Sjr. S. 136, eine Tagreise 
östl. von Anazarbos und eine nördl. von Aigeai. 

f orbiger 1. c. 11, 290 folgt Mannert. 

Sestini, Classes generales 1821: Kastabala »« Kalat-Masman. 



Mannert 1. c. VI, 2 S. 237 u. 261 ff.: Kara Hissar = Tyana und 

in dessen Nähe, nach Strabon, Kastabala, etc. 
Leake, Journal of a tour in Asia Minor S. 62: Tyana = Kilissa 

Hissar; S. 63: Kastabala «» Nigdeh und Kybistra = 

Kara Hissar. Gf. Leake's Num. Hell. Suppl. S. 35 u. 36. 
Ainsworth, Asia Minor U, S. 71 : Kilissa Hissar = Tyana. 
Hamilton, Reisen H, 285: Südöstlich von Misli (welches n. von 

Nigdeh) sollen Ruinen sein, wahrscheinlich diejenigen von 

Kybistra oder Kastabala. 
G. Müller, (Strabon S. 768) glaubt, Kastabala könnte das spätere 

Fanstinopolis, jetzt Paschmaktochi, sudlich von Kilissa 

Hissar oder Tyana, sein. 
Forbiger 1. c. II, 308: Kastabala, an der Strasse von Komana 

nach Melitene, 24 röm. Meilen von Asarinum, südöstl. 

von Andabalis und nordöstl. von Tyana, mit Tempel der 
1) Teil HamduD, nach Ritter, Kleinasien II 8. 66. 



Zu Münzkunde Rilikiens. 285 

Artemis Perasia, ist vermuthlich das heutige Nigdeh; 
und a. a. 0: Pagram, 20 röm. Meilen von Eastabala. 
(Höchst confase Angaben und Identifizirungen.) 
Ritter, Klein-Asien 11, S. 245: Eilisse Hissar = Tyana; Eregli « 
Kybistra. S. 258 ist nur vorübergehend Kastabala's 
gedacht, ohne Erwähnung der Schwierigkeiten, welche 
Strabo's Bericht bietet. 
Pauly's Real.-Encyklop. II, 206: Eastabala, unweit Tyana. Ibdi 
Mittelalter Mamista, jetzt Dsjakel oder Chakel ge- 
he issen. (?) 
Aus den Angaben der alten Geographen und Itinerarien zu 
schliessen, müsste es in Eilikien und Eappadokien vier verschie- 
dene Städte des Namens Eastabala gegeben haben. Diejenige 
des Strabo wäre, gleich Eybistra, in der Nähe des zwischen 
Eaisarieh (Mazaka) und Eregli gelegenen alten Tyana (jetzt 
Eilisse Hissar) zu suchen, die zweite, nach Peutinger^s Tafel, 
zwischen Eaisarieh und Malatiah (Melitene), in der Nähe Ton 
Albistan und der grossen Quelle des Dschihan (Pyramos); die 
dritte, diejenige des Ptolemaios, östlich von Anazarbos, am Py- 
ramos öder nicht sehr entfernt von demselben, und die letzte end- 
lich am Meere, zwischen den Amanischen Pforten und Issos, beim 
heutigen Eara Eaya. 

Diese vierte, bei Curtius Castabulum, in den Itinerarien aber 
stets und wohl richtiger Eatabolon genannt, fällt ihrer Lage 
wegen, über welche kein Zweifel mehr walten kann, ausserhalb 
des Bereiches unserer Untersuchung. 

Es fragt sich nun, ob unter den übrigen Eastabala, deren 
Lage so abweichend bezeichnet wird, wirklich zwei oder drei 
verschiedene Städte zu verstehen sind, oder ob der Name nur 
auf ein und denselben Ort zu beziehen ist Als Antwort hierauf 
möchte ich die Vermuthung aussprechen, dass der letztere Fall 
der wahrscheinlichere ist. Der Begründung dieser Annahme ist 
voranzuschicken, dass keine zwingenden Gründe vorhanden sind, 
zwischen einem kilikischen und einem kappadokischen Eastabftla 



286 Fr. Imhoof-BluniBr: 

zu unterscheiden, da Strabo wie Appian ausdrücklich bemerken, 
dass das von Pompeius dem kappadokischen Königreiche ein- 
verleibte Eastabala eine kilikische Stadt gewesen sei. Auch ist 
femer zu beachten, dass Stephanos von Byzanz, der in der Regel 
alle gleichnamigen Städte aufzählt, nur ein Eastabala kannte. 

Wie aus dem vorliegenden MünzTerzeichnisse hervorgeht, hat 
das kilikische Eastabala auch HieropoUs am Pyramos oder 
nur kurzweg Hieropolis geheissen, ein Name, welcher auf das 
Eastabala Strabo's vorzüglich passt. Denn was dieser und seine 
Nachschreiber von dem Heiligthume der Artemis Perasia zu be- 
richten wussten, war ganz dazu angethan, den Ort zu einer ieQa 
TtoXig zu stempeln, und diese Bezeichnung kann Eastabala, wie 
Bambyke in der Eyrrestike, lange Zeit als ausschliesslichen Eigen- 
namen geführt haben. Auch die Aufschrift THI lEPAZ KAI 
AXYAOY der autonomen Münzen Nr. 2 — 4 muss uns in der An- 
nahme bestärken, dass Hieropolis-Eastabala eine berühmte Cultus- 
statte gewesen; und die Typen der beiden Bronzen Nr. 21 u. 22, 
insofern diese wirklich hierher gehören, weisen sogar auf einen 
Artemiscult hin, welcher mit dem von Sträbo erwähnten iden- 
tisch sein könnte. Der Identifizirung der Hieropolis am Pyramos 
mit dem früher kilikischen, zu Strabo's Zeit kappadokischen Easta- 
bala steht demnach weiter nichts entgegen, als die, vielleicht irrige, 
Angabe der Geographen, dass Eastabala nicht weit von Tyana 
entfernt gewesen sei. 

Durch die Münzen wird die Lage von Hieropolis-Eastabala 
als am Pyramos befindlich fixirt, und es ist daraufhin auch bereits 
versucht worden, Hieropolis am Pyramos mit anderen an diesem 
Flusse gelegenen Städten zu identifiziren, so z. B. mit Magarsos^ 
und mit Mopsuestia ^). Es hat auch nicht an Yersuchen gefehlt, 

1) Cf. Eckhel, D. N. III, 57, 60 und E. Muret, Annuaire de la Soc. firan^. 
de Num. I, 1866, p. 47. Die Müii7^, welche za dieser irrigen VorauseetzuQg die 
VeranlafisanK gab, ist unter Nr. 23 beschrieben und besprocheu. 

2) Cf. y. LaDglois, Re\ue Num. 1854 S. 16. Der SUdt Mopsuestia ge- 
hören aber die Münzen mit zEAEYKEnN TfiN npoz tqi riYPAMni, wie Wad- 
dihgtoD, Vog. arch^ol. Bzplie. des.inscr. T. III, S. d52 nachgewiesen hat. 



ZoT Mänskiiiide KiliUens. 287 

die Aufschrift mit beiden Stadtnamen aaf eine Homonoia zwischen 
zwei verschiedenen Städten za beziehen nnd Kastabala in dem 
IsflOB benachbarten Kastabala oderEatabolon za Sachen.*) Wie die 
Münzen aber zar Evidenz beweisen, so handelt es sich hier nur am 
einen Doppelnamen der prägenden Stadt, and diese mass am Pyra- 
mos gelegen haben und zwar an dessen mittlerem oder oberem 
Laafe. 

Dem Ptolemaios zufolge wäre nun Hieropolis einen halben 
Grad östlich von Anazarbos zu suchen, also gerade an der Strecke, 
wo der Fluss eine nahezu östliche Richtung . bis gegen Marasch 
hinauf hat'). Dieser Lage entspricht auch ungefähr das Kasta- 
bala des Plioius (Y, 22), welcher dasselbe unter den Städten des 
kilikischen Binnenlandes, zwischen Anazarbos und Augusta und 
Epiphania aufzählt. 

Das Castabola der Peutinger'schen Tafeln kann ebenfalls 
und ohne besondere Schwierigkeiten an den Pyramos, und zwai* 
in die Gegend von Albistan oder El Bostan verlegt werden, wo 
die grosse Quelle des Dschiban oder Pyramos entspringt*). Von 
hier aus würde, nach derselben Karte, in nord-westlicher Richtung 
im oberen Sarosthaie und nur S5km entfernt, das einst berühmte 
Komana liegen, mit welchem Kastabala gemeinschaftliche Tradi- 
tionen gehabt zu haben scheint.^) 

Ohne Zweifel haben wir es hier mit ein und derselben Stadt 
zu thun. Aber ungewiss bleibt es auch ferner, welcher Punkt 
am Pyramos für das einstige Hieropolis-Kastabala zu gelten hat. 
EBerfür geben uns leider auch die noch übrigen Textatellen nicht 



1) Cf. Mionnet, Suppl. VII, 216, note: G« sont deux Tilles distioctes et 
DOD )a mdme. A. de Longperier, Nouv. Annales de rinst arch^ol. de Rome, 11, 
1889, M^daJUes inMiti^s de la Gilicie. 

Gegen diese Aosicht war acbno Seetini, Lett. num. VI, p. GO. Vgl. aueh 
mein ,Munxkabinet im U»ag* S. 76, Zephyrion-HadriaDopolia. 

2) Marasch wird geKohnlich mit Antiocbeia am Taoros ideiitiflzirt Ritter, 
Klein* A»ieD II, 8. 46 ff. 

8) Ritter, 1. e. 8. 19 und 25. Hierher Terlegt KssUbalt aach Smith im 
Aneieot Atlas 1874, Taf. 29. 
4) Strsbo, 687. 

Z«ltMhHII fii- Na«tMB«tlk X. 2Q 



288 Fr. Imhoof-BluiMr: 

den leisesten Anhaltspunkt. So fahrt z. B. Plinius (VI, 3) in ge- 
waltigem Sprunge von den Euphratufern nach dem im Westen 
des Argaios befindlichen Diokaisareia, dann nach Tyana und Kasta- 
bala, and von da plötzlich bis nahe an das pontische Gestade 
nach Magnopolis and wieder zurück nach Zela! Aehnlicb ver- 
hält es sich mit der Aufzählung der Bischofssitze bei Sokrates: 
Ankyra, Tarsos, Pompeiopolis, Komana, Klaudiopolis und Käst a- 
bala. 

Angenommen, dass sich Strabo in der Bezeichnung der Lage 
Eastabala's geirrt habe, so gelangt man zu dem Schlüsse, dass, 
abgesehen vonEatabolon beilssos, es nur ein Eastabala gegeben 
habe, und dass dieses am oberen Laufe des Pyramos, vielleicht 
in Kataonien, das froher zu Kilikien gerechnet wurde, zu suchen 
sei. Aus solcher Lage wurden sich dann auch die unter sich ab- 
weichenden Berichte der Alten über ein kilikisches and ein 
kappadokisches Eastabala erklären lassen. 



Die frühesten bekannten Prägungen von Hieropolis-Eastabala, 
ausschliesslich Eupfermünzen, datiren aus der Zeit der Seleukiden. 
Ohne Ausnahme tragen diese und die späteren Bronzen bis gegen 
£nde des zweiten Jahrhunderts nach J. C. den alleinigen Namen 
Hieropolis. £rst unter Septimius Severus wurde die den Stadtnamen 
fast immer begleitende örtliche Bezeichnung icSp nQog ttp UvQaf.ii^ 
durch den ohne Zweifel älteren einheimischen Namen Eastabala 
verdrängt und der Doppelname Hieropolis-Eastabala bildet fortan 
die ständige Aufschrift aller späteren Münzen bis zum Schlüsse 
der Prägungen nach Valerianus. Selbstständig als Münzaufschrift 
wird der Name Eastabala niemals getroffen. 

Da aus der Reihenfolge der Münzen und ihrer Typen und 
Aufschriften der Uebergang des Namens Hieropolis am Pyramos 
zu der Namensverbindung Hieropolis-Eastabala von selbst in die 
Augen springt, so erübrigt nur noch, die Zutheilung derjenigen 
Münzen nach Eilikien zu rechtfertigen, deren alleinige Aufschrift 



Zur Mönzkonde Kilikiens. 289 

lEPOnOAITÜN ist und zugleich zu prüfen, in wiefern und wo- 
durch die syrischen und phrygischen Münzen, welche diesen 
Namen als Aufschrift tragen, sich von denjenigen der Hieropolis 
am Pyramos unterscheiden lassen. 

Die autonome Prägung von Hieropolis in der Kyrrestike 
(Bambyke) beschränkt sich auf Kupfermünzen mit den Bildnissen 
der syrischen Könige Ant iochos IV. (175 — 164) und Alexander 
Bala (152 — 144)^), auf welche erst dreihundert Jahre später 
Münzen desselben Metalls zu folgen scheinen, mit den Jahren 457 
bis 471 der Seleukiden-Aera (145 — 159 n. J. C.) bezeichnet*), 
und somit in die Regierungszeit des Antoninus Pius (188—161) 
fallend. Die Aufschrift dieser Münzen ist lEFOnOAITHN oder 
IGPOnOA€ITaiN, während die übrigen, alle der Kaiserzeit an- 
gehörenden Münzen, mit den Bildnissen Trajans bis Philipps con- 
stant eGAC CYPIAC lePOnOAITHN (— AGITuiN) haben»). 
Auf einigen der jüngsten Prägungen (Julia Domna? und Philippus 
Vater und Sohn) trifft man auch I€PAnOAITnN als Form des Ein- 
wohnemamens. 

Während diese letztere Form von den Aufschriften der Münzen 
des kiliki sehen Hieropolis ganz ausgeschlossen ist, zeigen sie 
diejenigen des phrygischen Hierapolis in der Regel und ohne 
jede andere Bezeichnung. Nur in seltenen Fällen wird hier 
lePOnOAeiTHN als Ethnikon getroffen*) Wegen dieses, wenn 
auch nur seltenen Vorkommens der Form in O auf den phrygi- 

1) Mionnet V, 39, 340; 138, 36; 66, 480; Cat. Brit. Mus. 8.40, 69 ood 
60. Dass diese Zutbeilung die unbedingt richtige ist, beweist die Ueberein* 
Stimmung ibrer Fabrik und Typen mit den Münzen Alexander Bala's mit der 
Aufschrift kypphztqn (Mionnet V, 64, 477/479; Suppl. VIII, 103, 1, wohl mit 
AZP; Cat. Brit. Mus. p. 66,69— 62). Dass es daneben auch kilikiscbe Münzen 
mit dem Portrait des Antiocbus IV. giebt, zeigt unsere Bronze Nr. 1 und ferner 
Münzen von Mopsuestia, Antiocbia am Saros und vielleicht Epipbania. 
Das vou Miunnet III, 689, 240 und V, 89, 341 Laerte zugeschriebene Stück 
ist von Mopsuestia. 

2) Die Daten 447 und 473 (Gousin^ry und Sestini) sind höchst zweifelhaft 

3) Mionnet V, p. 138—142 und Suppl. VIII, p. 109-114. 

4) Cf. Waddington, Revue Num. 1867, p. 110. Mioonet Suppl. VII, 668, 

Nr, 872; 672, Nr. 390 ist unsere Nr. 82. 

20^ 



290 Fr* Ittboof-Blumer r 

sehen Prägungen, bleibt nooh zu unterBuchen, ob die Zotheilnng 
der einzig mit lEPOnOAITÜN bezeichneten Bronzen unseres 
Verzeichnisses eine unanfechtbare sei. Von den aatonomen 
Nr. 13 — 22 v^age ich dies, wie schon uigedeutet, . nicht zu be- 
haupten. . Die Wiederauffindung des nach Nr. 13 besprochenen 
Northwick'schen Stückes allein könnte für die Gruppe Nr. 13 — 19 
endgültig entscheiden. Die Münze Nr. "29 mit dem Bildnisse Marc 
Aureis ist dagegen sicher kilikisch: darüber lässt die DarsteUungs- 
weise des Flussgottes keinen Zweifel. Da diesem Stücke die* 
jenigen mit den Brustbildern der Faustina undLucilla, Nr. 3Ö— 32^ 
gleichzeitig sind, so steht deren Attribution nach Hieropolis am 
Pyramos ebenfalls nichts entgegen, um so weniger als das Bei- 
zeichen der Aehre von autonomen Münzen (Nr. 4 u. 5) her bekannt 
ist, die Einstempelungen auf der Faustinunünze identisch mit 
denjenigen auf einer Bronze mit Caracallas Bildniss (Nr. 42) sind 
und der Heliostypus sich später wieder auf einer Münze mit 
der Aufschrift von Hieropolis-Eastabala (Nr. 46) findet. Was 
schliesslich die Nr. 36, mit den Portraits des Septimius Sevems 
uud der Julia- Domna anbelangt, so kann dieselbe ihrer Aufschrift 
wegen schwerlich der Eyrrestike angehören; ihrem Stil nach 
scheint sie aber eher kilikisch als phrygisch zu sein. 



II. MUnzen und Zeitrechnung 

der kilikischen Städte Augusta, Mopsuestia und Pomp^polis. 



Augusta 

Ueber die Stadt Augusta besitzen wir bloss folgende kurze 
Angaben: 

Plinius Y, 22. (27): Intus autem dicendi Anazarbeni qui nunc 
Caesarea: Augusta, Castabala etc. 



Zur Manzktinde Kilikiens. 291 

Ptolem. V, 8, 6: Avyovatay imDistrict B^vmIUij oder BQvijlikij. 
Steph. Byz.: uivyovatai noleig h Kilixif* Mai *l%izUq oi no* 
litai jivyovatavoL 
8. u^Xai: ioxi xai [Atlixog ntr^tiMov [c^g] KiXiitiag, ttai 
AXixrj.^ XtüQa, xai xtoQiovldXixov ngog ttj uivyovattf 
xai OQog ofiavofiov, (?) 
Zweifelhaft ist ob ^Ayovaid bei Hierokles, p. 704, eine Ver- 
schreibong für Avyolota^ und AvyovattmoXtg in den Not. Imp. 
gleichbedeatend mit dem kilikischen Aagu8ta ist. 

Mannert^), Ptolemaios folgend, setzt Augusta nicht weit 
Ton der Stelle, wo der Pyramos den Tauros darchbricht, und 
glaabt die Stadt gleichzeitig mit Caesarea (Anazarbos) gegrOndet. 
Forbiger sagt dasselbe*). Leake sehlägt dafür das heutige 
Sis, etwas nördlich von Anazarbos, zwischen dem Saros und Py- 
ramos gelegen, yor'). Victor Langlois endlich spricht die Ver- 
muthung aus, Augusta sei, wie Caesarea, ein Nietme yon Anazarbos 
gewesen*), eine Vermutbung, welche in Anbetracht der Münzen, 
welche Augusta von Augustns bei Yalerians Zeit aufweist, durch- 
aus unzul&ssig ist 

Eine der ersten dieser Münzen ist die folgende: 
1. M. 20 nm — lOYAIA ZEBArTH. Brustbild der Liyia 
rechtshin. 
Ä/. AYrOYZTA - NnN. Tyche mit Mauerkrone und 
Schleier, rechtshin auf einem verzierten Throne sitzend, 
und Aehren in der rechten Hand haltend. Zu ihren 
Füssen ein rechtsbin schwimmender Flussgott 
M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 17. 
Welcher der Fluss, an welchem Augusta lag, gewesen sei, 
ob der Pyramos oder einer seiner westlichen Zuflüsse, wie der 

1) Geo|n'. der Griechen und Römer, VI, 2, S. 92 und 106. 
2} Handbuch II, 290. 

8) Num. Hell. As. Gr. S. 81. üeber Sis, das man auch für Flavias ge- 
halten, s. Ritter's Erdkunde, Klein- Asien II, S. 67—96. 
4) Bevua Nom. 1864, S. 18. 



292 Pr. Imboof-Blnmer : 

Bach von Sis, yennögen ^r nicht zu entscheiden. Könnte der 
Pyramos angenommen werden, so masste Aagusta zwischen Ana- 
zarbos und Hieropolis-Eastabala gelegen haben, und hätte in 
diesem Falle Plinius die richtige Reihenfolge der drei Städte ge- 
geben. 

Die autonome Aera Augusta's scheint mit dem Jahre 20 n. 
Chr. zu beginnen, wenn nicht im Jahre vorher. Mehrere Daten 
der bisher veröffentlichten Münzen sind offenbar falsch geles^i, 
und vor deren Berichtigung oder der Entdeckung neuer Daten 
ist eine genaue Fixirung der Zeitrechnung nicht möglich^). 

Mit dem Portrait der Li via giebt es auch eine Bronze ohne 
Beischrift um den Kopf und dem Capricomus im Revers: Mion- 
net III, 566, Ul, Langlois Rev. Num. 1854 Taf. I, 8 und m. S. — 
Mionnets Nr. 144, nach YaiUant, könnte ein gering erhaltenes 
Exemplar der Bronze von Ephesos, welche Mionnet III, 93, 251 
beschreibt, gewesen, und deren Aufschrift KOYZI (NI02) für (AY) 
rOYZT (ANnN) verlesen sein. 

Wie die meisten Beschreibungen Webster's im Num Chronicle 
1873, so scheinen auch diejenigen zweier Münzen von Augusta, 
mit den Bildnissen des Tiberius und der Lucilla (1. c. S. 33) recht 
ungenau zu sein. Das Datum der letzteren kann nicht wohlANP 
(151) sein; wahrscheinlich steht AMP (141), in welches Jahr der 
Regierungsantritt des Lucius Verus, 161 n. Chr. fallt. 

Ein neues Datum bietet eine Bronze Yolusians. 

2. iE. 27 ww» — AVT. K. F. OVOAOVCCIANOC CGB. 

Brustbild des Volusianus rechtshin, mit Strahlenkrone 

und Gewandung. 

Rf. AVrOVCTANnN, und im Abschnitte €T. TAG (233). 

Nike, eine Biga im Galopp linkshin lenkend. 

1} Wahrend des Druckes dieser Zeilen erscheint im AdDuaire de la Soe. 
fran^. de Nam. VII, S. 17 ff. ein interessanter Aufsatz Herrn E. Babelon*8 über 
„Monnaies de la Gilicie*, ivelrher S. 27/28 die Beschreibnn^ir und Tafel II 10 u. 
11 die Abbildunf^en von zwei Bronzen von Augnsta giebt. Die eine, mit Tra- 
jans Bildniss zeigt das Datum n (80), welches dem 2. oder 3. Regierungsjahre 
des Kaisers entspricht. Die Attribution der anderen, mit dem Brustbilde Ha- 
drians und einer Qaleere, ohne Datum, scheint mir nicht als yöllig gesichert 
gelten zu können. 



Zar Monzkandtt K11iUen8. 293 

NtopsuMUa. 

1. M, 26 mm Gr. 13,62. — AVT. KAI. 0. TP. HAP VI. 0. 

NEP. VI. TP. AAPIANOE EE. Brustbild Hadrian's 
recbtshin, mit Lorbeerkranz und Gewandung; vor ihm 

n. n.») 

Rf. EABEINA EEBA. MOihEATujNnOAEuiE. Brustbild der 
Sabina, als Artemis, rechts, mit Stephane und Ge- 
wandung; über der Schulter Köcher. 
M. S. Abgebildet Taf. X, Nr. 18 
Diese Münze, deren und der folgenden Beschreibung ich in 
den „Monnaies grecqnes^ S. 361 ohne Abbildun^^ und nur mit 
Hinweis auf ein ähnliches Stuck mit dem Brustbilde Hadrians 
und dem Adler'), gegeben habe, ist, abgesehen von der grossen 
Seltenheit mopsuestischer Silbermünzen auch insofern interessant, 
als Sabina darauf nicht als Selen e, wie auf ähnlichen Münzen 
von Tarsos, sondern als Artemis erscheint. Der Artemiscult io 
Mopsuestia ist auch durch andere Münzen der Stadt, sowohl durch 
autonome als solche der Kaiserzeit, bezeugt. 

2. M, 26 mm. Gr. 1 3,20. — AVT. KAIE. T. AIA. AA. ANTui- 

NEINOE EV n. n. Brustbild des Antonnius Pins 
rechtshin, mit Lorbeerkranz und Gewandung. 
Rf. AAPIANuüN MOihEATuiN Adler, mit erhobenen Fit- 
tigen linkshin schreitend und den Kopf zurückwendend. 
Zwischen seinen Füssen der brennende Altar, Motpov 

M. S, Abgebildet Taf. X, Nr. 19. 
Ausser von Mopsuestia sind kilikische Silbermünzen aus 
der Kaiserzeit nur noch von Tarsos, Seleukia am Kalykadnos*) und 

yjuuveqy TpcüoLviq 'AJftavo^ IScßoitf'ro'^, narfip nArptioq. 

2) A. Löbbecke, Zeitschr. f. Num. X, S. 80, 40, wo et statt »Urne'' Altar 
heu»en sollte. 

3) Cf. BoTae Num. 1869. Taf. IX. 



294 ?r. Imhoof-Blumer: 

Aigeai*) bekannt. Daten zeigen nur diejenigen der letztgenannten 
Stadt 

Eine.datirte Bronzemünze von Mopsaestia mit den Portraits 
Philipps undOtacilias ermöglichte mir, die autonome Aera der 
Stadt endgültig festzustellen^) und deren erstes Jahr aut Ende 686 
bis Ende 687 der römischen Zeitrechnung, oder Herbst 68 bis 
Herbst 67 der unserigen zu verlegen. Bis jetzt kennt man von 
dieser Aera die folgenden Daten auf Bronzemünzen: 

H(P 118 = Serbst 60 -- Herbst 51 n.Chr., autonom, zor Zeit des Claudius*) 

77 , n a »1» Vespasian^s. 

mit dem Kopfe Domitiaos and 
95 a , mit deo Köpfßo Domitian*8 und Do- 

mitia's. 
121 , , mit dem Kopfe Hadrian^s. 

139 ,. ] 

140 »>>-»« «des Aotoninus Pius. 

, 141 . , J 

n 9 «des M.. Anrelius. 

AC 280 ^ , 162— „ 168 , , , , , Faustinas. 

, • „ . des L. Veras. 

, , » M. Aarelias. 

autonom z. Zeit des M. Aarelius. 

mit dem Kepfe des Sept Severus. 

9 9» Caracallas. 

, , des Marinus und 
, , Diadumenian's. 

den Köpfen Philipp's und Ota- 
clHa*s. 

mit dem Kopfe des Her. Btrus- 
cus. 

mit dem Kopfe Valerian^s. 



PMAf 


144 = 


, 76- 


BIP 


162 = 


. 94- 


HOF 


188 = 


, 120- 


«c? 


206 = 


, 138- 


zc 


207^ 


9 189- 


HC 


208 = 


. 140- 



ZAC 


237 = 


, 169- 


9 


170 


AMC 


241 = 


. 173- 


* 


174 


BSC 


262 = 


. 194— 


• 


195 


esc 


265 = 


9 197- 


9 


198 


eic 


285 = 


. 217- 


9 


218 


AIT 


811 = 


, 243- 


9 


244 


Hir 


818 s 


,250- 


9 


251 


HCT 


323 = 


,255- 


9 


256 



» 



9 



1) Cf. Mionnet III, 540, 19: Cat Northwick Nr. 1176; Cat. Ivanoff Nr. 502 
und meine .Monoaies (^recques* S. 348, 7. 

2) Uonnaie» grecques, S. 362. 

8) Es giebt Bronzen mit dem Namen des Claudius (Mionnet Sappl. TU, 
281,300 und Kenner, Mötizsamml. St. Florian. Taf. V, 8), welche offenbar Fäl- 
schungen sind. Ss scheint dies auch von Kenner 1. c. Nr. 9 zu gelten. 



Znr Mönzknnde KiliUaod. 295 

Daes unter der Seleokidenheirschaft Mopsaestia Torübergebend 
den Namen Selenkia amPyramos gefQhrt hat, habe ich bereits 
erwähnt (S.286 Anm.2). Es scheint dies, aas Münzen der Samm- 
lang Leake') und des MuDchener Cabinets ) zu schliessen, zur 
Zeit des Antiochus IV. der Fall gewesen zu sein (175 — 164 y. Chr.), 
als auch Ädana Antiochia am Saros und Tarsos Antioehia am 
Eydnos hiessen.') 

Die Münze der letztgenannten Sammlung liegt zwar noch, der 
Cousin^ry'schen Attribution gemäss, bei den Münzen vonLaSrtes, 
einer kilikischen Stadt, die nahe der phamphylischen Grenze und 
folglich weit entfernt vom Pyramos lag. Das Original dieser 
Bronze zeigt in Wirklichkeit keine Spur des Namens La€rtes; 
vom Einwohnemamen ist überhaupt nichts mehr erkennbar, wäh- 
rend der Rest der Aufschrift und die Typen von guter Erhaltung 
und identisch mit denjenigen des Leake'schen Exemplars sind. 
Die Rückseite zeigt den nämlichen Artemistypus wie andere 
Münzen von Mopsuestia. Die Beschreibung des ehemals Coosin^- 
schen Stückes ist demnach folgendermassen zu berichtigen: 

3. M. 17 mm — Kopf des Antiochos IV. von Syrien rechts* 
hin, mit Diadem. 
RJ\ (ZEAEYKEnN) IHN nPOZ im nYPAMni im Kreise. 
Artemis im Jagdkleide von vom, in der gesenkten 
Linken den Bogen haltend und mit der Rechten einen 
Pfeil aus dem Kocher ziehend. Im Felde links und 
rechts je ein Monogramm. 
Die nicht mehr ganz deutlich erhaltenen Monogramme haben 
grosse Aehnlichkeit mit denjenigen einer Bronzemünze mit der 
gleichen Aufschrift und den mopsuestischen Typen Zeuskopf und 
Altar, abgebildet in der Revue Num. 1834, Taf. IV, 24. Dies 
lässt auf die Gleichzeitigkeit dieser Prägungen schliessen. 

Mit denselben Typen wie Nr. 3 sind auch kleine Bronzen be- 



1) Nnm. Hell. As. Gr. S. 110. 

2) Mlonoet III, 589, 240, oich Coasin^ry. 

3) Monnaiet grecqiMS, p. 866, 54. 



\ 



296 Pr Imhoof-Blomcr. 

kaimt, deren Anfschrift einfach MO^EATUN ist, nebst MIT im 
Felde 0- Andere, mit MO^^EATXIN TH2 lEPAZ KAI AVTONO 
MOY, haben MH unter dem Artemistypns and statt des Portraits 
einen Apollokopf. ^) 



Pompeiopolis. 

In den „Moonaies grecqaes" S. 362 habe ich, ohne Beweise 
dafür beizubringen, das Jahr 65 v. Chr. oder 689 der römischen 
Zeitrechnung, als das erste der autonomen Aera von Pompeio- 
polis bezeichnet. Die bisher auf den Münzen dieser Stadt beob- 
achteten Daten bestätigen diese Annahme, wie das Verzeichniss 
derselben zeigt. 

15 16 = Herbst 50— Herbst 49 ▼. Chr., autonom. 

M€ 45= n 21^ , 20 „ 9 , 7.UT Zeit des ADgustos. 

GMP 149 = , 83— , 84 n. Chr. mit dem Kopfe Domitian's. 

ec 209- , 143— , 144 , „ , « »des Antoninus. 

SKC 229= , 163 — - 164 „ . autonom n. mit dem Kopfe d. L. Veras. 

BNC?2ö2:= „ 186— ^ 187 „ . mit dem Kopfe des Oommodns. 

rac 263= , 197— , 198 , , „ , „ • Caracalla. 

roc 273= „ 207- , 208 . , „ , 

Bnc 282= y, 216- , 217 , , , , 

mc 283= , 217— „ 218 , , , , , , Macrinus. 

ST 806= „ 240— , 241 , , , „ , , Gordianus III. 

©T? 809= , 243- « 244 , . , , 

Die den Anfang der Aera bestimmenden Daten sind die 
Jahre 263, 282 und 283. Auf der Bronzemünze des Jahres 263 
trägt der jugendliche Caracalla bereits den Augustustitel und den 
Lorbeerkranz, woraus folgt, dass die Prägung dieses Stückes nicht 
vor dem Sommer 951 der Stadt Rom oder 198 n. Chr. hat 
stattfinden können. Dass dies aber auch nicht nach 198 der 



1) Mionnet III, 593, 257 and Suppl. VII, 280, 298; Brit. Museum, Cat. 
SelenidciDgs S. 40, 58, pl. XXVIII, 5. 

2) Eckbel, Num. vet. anecdoti S. 230, Taf. XIII, 14; Mionoet SappL VII, 
229, Nr. 293, 294 uDd 299; EUmus, Mus. Dan. 1, 271, 1. 



Zw Manskunde Kiliktens. 297 

Fall sein konnte, beweist dfe Jahreszahl 282, welche mit dem 
Todesjahre Caracallas, 970 der Stadt Rom oder 217 n. Chr. zu- 
sammenfallt. Im April dieses Jahres folgte ihm Macrinos auf den 
Thron, bis Jani 218. Die 283 datirte Münze dieses Kaisers moss 
also Ende 217 oder im ersten Halbjahre 218 geprägt worden 
sein. 

Die älteste der bekannten datirten Münzen von Pompeiopolis, 
aus der Reihe der autonomen Bronzen mit dem Portrait des 
Wiederherstellers des alten Soloi, ist aus dem Jahre 16 (49 t. Chr.) 
und folglich noch zu Lebzeiten des Pompeius geprägt, welcher 
den 29. September 706 Roms oder 48 v. Chr. ermordet wurde. 
Aus dem in der Regel geringerem Stile der übrigen, unsicher oder 
nicht datirten, autonomen Münzen dieser Gattung ist zu schliessen, 
dass diese nach des Pompeius Tode geschlagen worden sind. 

Münzen mit der angeblichen Aufschrift CO AOnOAlTHN*) sind 
mir keine vorgekommen und wird es deren auch schwerlich 
geben. 

Zum Schlüsse lasse ich noch die Beschreibung einiger der 
wichtigsten datirten Münzen folgen.') 

1. M. 24 mm — Kopf des Pompeius, ohne Schmuck rechts- 

hin; hinten Parazonium; Tom Stern mit acht Strahlen 
und Lituus. Das Ganze von einem Tänien kran ze um- 
schlossen. 
Rf, nONnHIOnOAITHN (sie) ETOYC Itf. Pallas Nike- 

phoros. Rechts im Felde ^I > 

eE nj 
NA X 

Brit. Museum. Nach einer gefälligen Mittheilung Herrn 
Head's. 

2. M. 23 mm — Derselbe Kopf rechtshin; vor ihm, Stern, 

Perlkreis. 
Ä/. nOMOHIOnOAimN N . . . . M€. Pallas Nikephoros 

1) Mionnet III, 612, 3öO u. Sappl. VII, 248, 361. 

2) S. meine .Monnaies grecquet* S. 365, 60 n. 60». 



298 Pr* Imhoof-Blumer: Zar MfinzkoDde KilÜdent. 

linkshin stehend and die linke Hand auf den Schild 

AIO 
stützend. Vor ihr AC 

OA 
M. S. and Paris. 

8. M. 24 mm — AOMETIANOE— KAItAP EEBAETOE. Kopf 

des Domitian mit Lorbeerkranz rechtshin. 

Rf. nOMHHIOnOAEITujN eMP. Derselbe Typns linkshin 

^^^^ und MH. NE. 
Ma 

Im Handel. 

4. ^. 32 mm — M. AVPHAIOC ANTnNGINOC CG. Brast- 

bild des jagendlichen Caracalla rechtshin, mit Lorbeer- 
kranz und Panzer. 
Rf, nOMOHIOn-- OAGITwN. Zeus Nikephoros linkshin 
Bitzend zwischen FH— C. 

Wien. Froelich^ Tentamina S. 272 mit Abbildung; 
Eokhel, Cat. Mus. Gaes. S. 187 (wo mC ein Druck- 
fehler) und Doctr. num. vet. III, S. 69. Gl Mionnet, 
Suppl. VII, 250, 371, mit A im Abschnitt 
Die Bronzemunze mit dem Datum 273, in der Sammlung 
Waddington, zeigt im Revers die DHEH COYNIAC. 

5. iE. 35 mm — AVT. KAI. M. AVP. CGYHPOC ANTnNCI- 

NOC CCB. n. n. Brustbild des Garacalla, bärtig rechts- 
hin^ mit Lorbeerkranz und Panzer. 
Rf. nOMHHIOnOAeiTwN BnC. Pallas Nikephores, die 
Mondsichel ah den Schultern, linkshin stehend^ und den 
Speer in der Linken haltend. Hinter ihr am Boden 
der Schild. 

Paris. Mionnet Suppl. VII, 250, 272 und 273; UI, 
613, 360, nach Vaillant. Gf. Havercamp, Num. reg. 
Christ. S. 202, Taf. XXVIII, 18, wo irrig enc steht. 

Winterthur. Fr. Imhoof-Blumer. 



299 



Sie Denare des Markgrafen Otto H. von Brandenburg. 

Id dem Aufsatz von E. Bahrfeldt (Zeitschrift far Namismatik 
Vol. X p. 240) ist von des Denaren eines Markgrafen Otto die 
Rede, welche man Otto I. oder II. von Brandenburg zuschrieb, 
die aber Herr Bahrfeldt wieder Otto dem Reichen von Meissen 
zuweisen will; ich komme auf die Frage her zurück, weil ich 
weiteres Matrrial dazu beibringen kann. 

Holmboe hat in seiner 1841 erschienenen Arbeit: de prisca re 
monetaria Norvegiae etc. die im Funde von Daelie in Norwegen 
in grosser Anzahl enthaltenen Münzen des Markgrafen Otto (II.) 
Ton Brandenburg nicht sicher als brandenburgisch erkannt 
und trotz der Aufschrift des einen Brakteaten : „oto mariio zaltyel^, 
d. i. Salzwedel, der also das, wie Holmboe selbst sagt, branden- 
bnrgische Salzwedel ausdrücklich nennt, sie unter der Ueber- 
schrifb „Otto Dives (Misniae marchio 1 157 — 89)*^ yereinigt, jedoch 
allerdings, dem richtigen ganz nahe kommend, folgendes als An- 
merkung hinzusetzt: „dubitari potest, an sint quidam numomm, 
qnic hie recensentar, Ottoni, Brandenburgi marchioni 
(1170^1198) assignandi . . .'^ Den uns hier n&her angehenden 
Denar mit OTTO MARI . . . und gepanzertem Brustbild mit 
Schwert, Rückseite: Geb&ude, setzt Holmboe, wie die andern 
Münzen Oito's U. von ^nuidenburg, mit in diese „Misniae mar- 
ohio^ überschriebene Reihe >)• 

1) Diese glänze Thattache wird nberall unrichtig dari^ellt. Koehoe, 
Danneoberif und Bahrfbldt sagen irrig, dm Holmboe diese Denare bereits Otto 
(L) TOS Brandenburg tagesehriebeQ habe. 



800 A. von StM: 

Eoehne hat (Zeitecfarift für Münz-, Siegel- und Wappen- 
kunde I p. 351 f ) den iär jene Zeit, 1841, sehr Terzeihlichen Irr- 
thnm Holniboe's berichtigt, die Brakteaten sämmüich richtig ab 
Otto (II.) von Brandenburg zagehfirend erklärt und auch den 
Deoar einem brandenbargischen Markgrafen Otto (1.) zu- 
getheilt. 

Dannenberg hat in seinen Pommerschen Münzen (Pommerns 
MQnzen im Mittelalter, 1864, p. 3) ebenfalls über diesen Denar 
gesprochen, sich aber noch nicht sicher Ür Brandenburg oder 
Meissen entschieden, aber bereits an derselben Stelle auf die grosse 
Aehnlichkeit dieses Denars eines Otto mit einem gleichzeitigen 
pommerschen Denar von Casimir und Bognslaus aufmerksam ge- 
macht. Als Dannenberg dann später zwei dem Holmhoe'schen 
genau gleiche Denare, aber mit BINDVISeNSIS statt des OTTO 
MARI., fand, erkl&rt« er beide Denar-Sorten für unzweifelhaft 
Brandenbnrgieche, das BINDV1S6NSIS für verderbt aus 
BRNDVRG€NSIS oder dgL d i BRANDeBVRG€NSIS; „denn", 
sagt Dannenberg „die grosse Verwandtschaft des Denars aus dem 
Daeliefund (und dieser beiden neu entdeckten, im Gepriige ganz 
gleichen) mit einem pommerschen von Bog^slaw und Kasimir 
sichert ihm seinen Platz in der Mark" 



' ->3 c - ^'] 

^ VI. _- 

Ebenso hat auch bereits 1863 Grote (Münzstud. III, p. 274) 
die Bestimmung Brandenburg als die richtige uigenommen '). 

Also Dannenberg's Beweisführung ist auf folgende Thatsachen 
gestützt: 

1. Holmboe hat den Denar und alle andern sicher Branden- 
burgischen MQnzen des Daelie-Fnndes zwar Otto dem 

1] Orale giebt duelbBt eteoblU «D Utto (I.) tod Brandenborg «io« Nacb* 
prlgüDK nach DenareD Btrbsrowa'« (1. e. p. 271). 



"V 



Die Denare des Markgrafen Otto too Brandenbarg. 801 

Reichen von Meissen gegeben, aber aasdrücklich be- 
merkt, die Münzen könnten auch einem Brandenbargischen 
Otto geboren. 

2. Koehne (und später Grote), bat alle, auch den Denar, 
nach Brandenbarg gegeben. 

3. Nunmehr taucht eine neue Münze auf, der Denar, in 
den Typen dem des Daeliefundes genau gleich, aber 
mit: 

BINDVJS6NSIS ' Diess muss höchst wahrscheinlich 
BKNDYRGeNSIS (brandeburgensis) bedeuten, 
denn: 

4. die märkische Heimath für den Denar ist durch das 
fast völlig gleiche Gepräge der nächsten Nachbarn von 
Pommern gesichert. 

Herr Bahrfeldt sagt nun aber von den Otto-Denaren des 
Daeliefundes: 

1. Sie gehören nach Meissen, man kann sogar hinter dem 
Markgrafentitel Spuren des Namens von Meissen er- 
kennen. 

2. BINDVIS^NSIS bedeutet nicht „brandenburgensis^ oder 
dgl. sondern: . . . MIS6NSIS, also Meissen. 

3. Dass man bis jetzt keine Denare von Otto d. Reichen 
von Meissen kennt, ist kein Gegenbeweis. 

Hierauf bemerke ich zunächst, dass die weiteren Schriftspuren 
hinter dem Namen und Titel des Markgrafen Otto auf den scharfen 
Abdrücken so undeutlich und offenbar so schlecht ausgeprägt sind, 
dass hier nicht das geringste sicher zu erkennen ist; man muss 
sich jedes Schlusses aus diesen so leicht irre führenden Spuren 
enthalten). 

Dass man noch keinen Denar von Otto dem Reichen von 



1) Dia Enden der Omschrift auf den swei Denareo des Daeliefundes sehen 
meiner Ansieht nach etwa so aus: MARI ..0^/.. und: Il^B'D — man könnte 
dies wirklich fa^t HO (Ende Ton mariio) B*D lesen. Aber alles ist unsieher, 
nur Ton Meissen vermag ich keine Spnr zn entdecken 



302 A. Sailett 

Meissea hat, wäre allerdings kein Gegenbeweis. — Dass BIN- 
DYISeNSIS die Bedeutung von .. MIS6NSIS haben soll, ist 
sonderbar; es soll gleich mehr über diese Umschrift gesagt 
werden. . — 

Herr Babrfeldt widmet aber in seiner Deduction dem Haupt- 
argumente Dannenberg's für die Zutheilung an Otto von Branden- 
burg, nämlich der Aehnlichkeit, ja fast absoluten Gleichheit des 
gleichzeitigen po mm ersehen Denars von Boguslaw und Kasimir, 
keine weitere Widerlegung als eine Kurze abfallige Bemerkung 
ohne jeden Beweis: ^ weder die Verwandtschaft mit den pommer- 
schen Denaren'' etc. bewiese es. So kurz kann man aber einen 
Schritt für Schritt vorsichtig sich entwickelnden, auf wissenschaft- 
liche Begründung gestützten Beweis nicht wegleugnen^ o^er doch 
nur ohne Aussicht auf Zustimmung. 

Es ist jedenfalls viel gezwungener, anzunehmen, dass der 
weiter entfernte Markgraf von Meissen fast genau mit den Typen 
der Pommern-Herzoge prägt, als die ganz einfache Thatsache, 
dass die beiden Nachbarn, Brandenburg und Pommern, um die- 
selbe Zeit fast ganz gleiche Münzen schlugen. 

Und bringt Herr Babrfeldt irgend einen neuen Beweis 
für seine Deutung? Nein, er giebt nur die Wiederholung einer 
unbegründeten, beweislosen Ueberschrift Holmboe's, aus dem Jahr 
1841, vonHolmboe selbst sofort durch seine Anmerkung in Zweifel 
gezogen, in welcher er die Wahl zwischen Brandenburg und 
Meissen offen hält, — einer veralteten, bei den Brakteaten des 
Fundes und auch bei dem Denar längst aufgegebenen und be- 
seitigten, vom ursprünglichen Autor der Deutung „Meissen^ iselbst 
gleich an Ort und Stelle bezweifelten YermuthungJ 

Was nun die Bedeutung der Umschrift BINDVIS6NSIS an- 
langt, so weiss jeder, der sich mit dem Mittelalter beschäftigt, wie 
verderbt oft und namentlich im 12. Jahrhundert die Münzumschriften 
sind und wie leicht aus einem 

BRNDVRG6NSIS das sehr ähnUche 
BINDVIS6NSIS 



Die Deiiare des Markgrafen Otto Braiidenbui^. 303 

werden kaon^) währeod an „Meissen^ gar keine Spur von An- 
klingen in dieser Umschrift zu finden ist« 

Ich habe nun aber ausnerdem bald nachdem mir Dannenberg 
seine neuen Denare zeigte und mir seine Erklärung der Auf- 
schleiften nuttheilte, unter den unbestimmten Denaren der Berliner 
Sammlung ein Stück gefunden (Sammlung Rühle v. Lilienstem), 
welches Dannenberg's Lesung noch mehr sichert. 




Hf. f BNQEBREI'SPISNS Brustbild links, gepanzert und 
behelmt, mit Reichsapfel (nicht Lilienscepter) und 
Schwert. 
Rf. I und ähnliche Zeichen um ein Gebäude« 

Fast völlig gleich dem Otto-Denar des Daeliefundes 
und den Denaren Dannenbergs.] 

Gewicht 0,5. 
Also in der Umschrift der Vorderseite zuerst fast alle Buch- 
staben so, dass sie noch weit sicherer als Dannenberg's Denare 
fär Brandenburg sprechen: BNQEBU..., bndebn^). — Dass 
das Ende: EI* SPISNS nur ein verderbtes ENSIS und zugesetzte 
sinnlose Buchstaben enthalten muss, beweisen wieder Dannenberg's 
Denare, deren Endung deutlich und correct 6NSIS ist. 



1) Bahrfildt sagt, diese Vefderbnita der Umschrift sei sehr gezwungöo, itt- 
mal Daonenberg den Stempelschneider einen «Künstler' nenne. — Aber knnst- 
leriscbe Gescbicklichkeit und Bildung in literis haben doch nichts mit einander 
zn schsfien. Herr Bahrfeldt weiss doch selbst gewiss, wie nnx&htifre äusserst 
knnstlerisch ansgeführte Hittelaltermnnxen völlig Terderbte, barbarische Um- 
Schriften haben. Vgl. t. B. im Funde Ton Freckleben (Stenzel) Nr. 4äa, 78, 
88, 97, yiele der schonen Mählbausener Brakteaten, Odenwalder ßrakteaten von 
Heinrich VL Aachener Denare Tom Kaiser Friedrich!. (Berl. Bl. III, p. 42 Nr. S) 
Cölner Denare desselben Kaisers and viele andere Mausen jener Zeit. 

2) Sowohl mir als dem mit Anfertigung der Abbildung betrauten Kun9tler 
scheint der dritte Buchstabe kein G, sondern ein umgekehrtes D su sein, worauf 
auch die Dannenbeig'scbea Denare weiten. 

«•teehrift Ar NmiUiutUL X. 21 



304 A. Ton 8all«t: Die Denan des Mari^gfrafen Otto ton Brandenburg. 

Ich glaube also, die seit Eoehne's Aufsatz ganz allgemein an- 
genommene Ansicht, die Denare des Dtfelie-Fundes gehorten einem 
Markgrafen Otto von Brandenburg, nicht einem Otto von Meissen, 
und die ähnlichen Denare mit: 

BINDVIS6NSIS und 
BNaEBHEISPISNS 
seien ebenfalls von einem Otto von Brandenburg geprägt, ist 
die einzig mögliche. 

Eine andere Frage ist, ob diese Münze Otto 1. oder Otto II. 
von Brandenburg augehören. 

Die Gründe, welche Dannenberg bewogen, die Denare mit 
dem Namen eines Albrecht von Brandenburg (^die übrigens 
eine ganz ähnliche Fabrik und fast genau dieselben Bachstaben- 
formen, wie die besprochenen Denare Otto's zeigen), Albrecht dem 
zweiten zuzuweisen, sind bekannt (S. Zeitschrift für Numis- 
matik VIII, p. 171 £F.). Diese wohl unwiderlegliche Zutheilung 
bedingt nun auch die Zuweisung der Denare mit Otto's Namen 
oder dem Namen von Brandenburg an Otto den zweiten. Wenn 
wir diese Zutheilung an den zweiten Otto als sicher annehmen, 
dann sind unsere brandenburgischen Denare Nachahmungen 
der pommerschen Münze des Casimir und Boguslaw, denn diese 
Herzoge regierten 1152—1181, während Otto II. 1184—1205 
herrschte. 

Endlich noch eine letzte, die Zutheilung bestätigende That- 
sache: auch von dem dritten Sohne Otto's I. von Brandenburg, 
dem Grafen Heinrich von Gardelegen, besitzen wir Denare 
mit Brustbild und Gebäude, im Gepräge und Styl den beschriebenen 
Otto's IIL sehr ähnlich (s. v. GrabaFund von Bömenzien Taf. a 
und b.) — Also sämmtliche drei Brüder: Otto U., Albrecht IL 
und Heinrich v. Gardelegen prägen Brakteaten und Denare. 

A. V. Sallet. 



Beiielitiguiigen zu den Beiträgen zur antiken Mftnz* nnd 

Alterthumskunde (Tgl. S. 148 fl.) 



Von mebreren Seiten, namentlich von W. Froeliner, F. Lnhoof- 
Blumer und J. P. Six gehen mir aasfOhrliche und äusserst dankens- 
werthe Berichtigungen zu meinem letzten Aufsatz zu, welche ich 
hier in möglichster Kürze und mit Weglassung alles noch nicht 
völlig Sicheren wiedergebe. 

Die Pallas des Phidias auf cilicischen Silbermünzen, eine 
in der Pariser Sammlung (Luynes), die andere in der Egl. Samm- 
lung in Turin, stützt wirklich den rechten Arm auf ein Bäumchen, 
nicht wie das Original es wahrscheinlich that (denn ich glaube 
nicht, dass diese Stütze spaterer Zusatz war), auf eine Säule* 
Die Abbildung, welche ich nach Blau's Publikation gab, ist also 
im wesentlichen richtig, das Bäumchen zeigt jedoch auf den Münzen 
selbst an dem kleinen Ast links Blätter; die nackte Brust ist, wie 
ich vermuthete, irrige Pallas trägt die Aegis* 

Die beiden metrischen Inschriften auf byzantinischen 
Bleisiegeln er£Eiiiren durch W. Froehner, den Meister in L^ung 
nnd Deutung dieser Gedichtchen, bedeutende, wohl nicht zu be- 
zweifelnde Aenderungen; ich glaubte in der ersten Inschrift: 
tpvx^ ifi'^^ (pQovfov oe ttai ygagtaiv yffagxo ^ ei jcai uat 
ifAfpta nl^v aXla gwx^g nliov so constroiren müssen: yfdipta a% 

nat* afiqxo (als Genitiv des bisweilen in declinabeln afiqxü) nl^ 

21* 



806 A. Ton SaHet: 

iUia (xatä) tpvx^£ und übersetzte demgemäss. Herr Froehner 
construirt und übersetzte so: ygafpw ob q)QovQov ipvj[ijs ifi^g xüi 
yQaqxSvy nX'^y äXla ipvxrg nXiov^ d i. »dich, meiner Seele und 
meiner Schreibereien YP ächter, gravire ich auf mein Siegel; i^enn 
du aucli der Wächter von beiden bist (xax' afi^io), so bist du es 
doch am meisten der meiner Seele. ^ 

Die zweite Inschrift auf der Bulle mit dem heiligen Nikolaus, 
welche in Majuskeln so lautet: 

NIKOAA« rPAMMATA KYPOI rAAYKEOC FAYKVaC CN 
FAYKC NIKOAAw 
liest Froehner abweichend von meinen Yermuthungeni 

NixoXaov ygafifiäta xvgoi yXvxiiog 
yXvxlg *If]aovg, iv yXvn^ij] ^^^oXatfi. 

Zun&chst das Omega in yXvttiwg: ich las yXvxioCy als fehlerhafte 
Form, vielleicht hat aber der Graveur des Siegels doch ein Omega, 
das am Ende der Inschrift allerdings cursiv ist: cc;, gemeint, denn 
das O hat oben einen kleinen Querstrich, sieht überhaupt ein 

wenig anders. aus als die übrigen Omikronzeichen. Das IC, Strich 
nur über dem kleineren Sigma, welches ich {yXvxva)i. xai las, 

liest Fröhner ^Irjaorc. Allerdings würde daf&r besser IC, Strich 
über beiden Lettern sein, doch kommt das auf Münzen häufige 
C .«« xai auf Bleisiegeln sonst nie vor, und die Bedeutung der 
Inschrift ist nach Fröhner' s Lesung klarer und dem Styl der. an- 
dern ähnlichen Inschriften angemessen. Fröhner schreibt: n^vQw hat 
stets die Bedeutung von fteßaiß.^ Der von mir irrig als neu an- 
geführte Yers aus Neopatras steht bereits in Fröhner's erwähnter 
Arbeit unter Nr. 87. 

Endlich ist zu Seite 172 nachzutragen, dass das ayefiw 
nicht auf einem Relief, sondern einer Statue steht, sich also 
nur auf diese beziehen kann, von weggebroohen sein einer andern 
Figur ist keine Rede. Was die Deutung des Wortes anlangt, 
so wird mir entgegen gehalten, dass sich die bedeutendsten philo- 



Barichtifcnngen. 307 

logischen and epigraphisclien Aatoritäten f&r die voUe Berechti- 
gang und Möglichkeit eines Fraaennamens 'Aysfiw ausgesprochen 
hätten; meine Aeusserung, dieser Namie y,häbe schwerlich existirt^, 
ist also za streichen, wenn auch bestehen bleibt, dass dieser 
an ayBiiwv, ^yefiiiiv anklingende Name bisher YöUig unbe- 
kannt ist 



A. von Sallet. 



Literatur. 



Hess, Adolf, Yerzeichniss verkäuflicher Münzen 
aus der Fürstlich MontenuoYo^schen Münzsammlung. — 
Italien (Venetien-Lombardei). 1883. — Diese Abtheilung 
der grossen MontenuoYO-SammluDg ist, wie alle Publikationen des 
Herrn Ad. Hess, durch Sorgfalt und Genauigkeit ausgezeichnet 
und verspricht ein äusserst nützliches Handbuch für Sammler und 
Käufer italienischer Mittelaltermünzen zu werden, schon durch die 
angegebenen Preise. Man hat durch den Montenuovo-Gatalog bei 
einer ganzen Reihe mittelalterlicher Seltenheiten jetzt eine feste 
BasiS; ähnlich wie sie uns Herrn Hoffmann's Werke über die 
französischen und Hoffmann^s und Rollins Cataloge für die Caro- 
linger-Münzen gewähren. Unter den zahlreichen mittelalterlichen 
Seltenheiten in Herrn Hess^ Catalog seien hier hervorgehoben: 
Venedig, Denar des 9. Jahrhunderts mit * DS 

CVNSERVA ROMANO IMP . . 160 Mk. 

„ Marino Falier, Soldino 32 „ 

„ Marcantonio Trevisan, Zecchino . . 100 „ 
Treviso, Karl d. Gr., mit dem Königsnamen in 

2 Zeilen 160 ^ 

„ desgl., mit dem Namen um das Kreuz 40 „ 
Triest, Bischof Bernhard Cles, Thaler 1530 . 120 „ 
Mailand, Kaiser Lambert 894—897 .... 80 „ 
„ Giov. Galeazzo Maria, Doppelter Gold- 

teston mit dem Brustbild .... 120 „ 



Literator. 309 

(Pavia) Liatprand, König der Longobarden, 
Goldmünze mit deuüichem Namen, 
Brustbild und dem Engel Michael . 100 Mk. 
Bergamo, grosso d'oro mit Kaiser Friedrich II. 

Brustbild 100 ,, 

Auch unter den neueren Münzen sind viele Seltenheiten. — 
Für den Freund der Kunst des 15. Jahrhunderts ist eine reiche 
Fülle der schönen Bildnissmünzen bemerkenswerth: die Sforza 
von Mailand in grosser Zahl, Franz I. Sforza in Gold (40 Mk.), 
Galeazzo in Gold und Silber, seine Wittwe Bona in Silber, ihr 
Sohn Graleazzo Maria u. s. s. w., femer Franz 11. von Mantua 
(1484 — 1518) in Gold und Silber und andere mehr. 

A. V. S. 



In der numismatischen sogenannten „Literatur^ stösst man 
bisweilen auf sonderbare Erzeugnisse. So ist im Jahre 1881 bei 
der berühmten Firma Firmin Didot in Paris ein schon ausge- 
stattetes Bändchen von 154 Seiten erschienen: „Numismatique 
desScythes et des Sarmates Kerkinitis et Tannais (sie) par Poly- 
dore Yacquier^. Abgebildet sind auf der beigegebenen Tafel 
einige Münzen (gewiss von Chersonesus Taurica, oder doch auf 
Grundlage solcher gemacht) mit der unsinnigen Aufschrift EXZEM 
XEPX; das XEPX hält der Schreiber des Buches für den Stadtnamen 
von Kerkine, „EXZEM^ aber für denNamen der Quelle „Exemp^e^, d. 
i. nämlich'£b^ju;raZo^bei Herod. ! Dann bildet der Schreiber des Buches 
zwei ganz gewohnliche Münzen der Insel Ceos mit halbem Hund 
mit Strahlenkranz und KE^) als Münzen von Kerkine ab und 
liest KEP und XEPX; überhaupt ist grosse Vorliebe für das X 
stau K in Text und Abbildungen, z. B. SUAOYPOZ; endlich 
folgt eioe Münze mit „TANNA^, was Stadtinschrift von Tanais 
sein solL Den Beamtennamen Herma(goras) auf den zuerst von 



1) Die eine ist Tielieicht Garthaea auf Ceos mit KAPeA oder ähnlich. 



310 Literrtnr. 

Friedlander bekannt gemachten Münzen von Eerkine moss man 
nach Herrn Vacquier nicht EPMA, sondern AMEP lesen; dieses 
sei = ANEP und deute auf die ^Göttin ANEPFEI^.O — 

Femer wird fortwährend von der Stadt „Olbio**, den Ruinen 
von „Olbio", den Archonten von „Olbio** geredet. — 

Dftnn findet sich S. 54 eine längere Abhandlung über den 
Affen und die Deutschen: ^d'apr^s un dicton populaire rosse 
TAllemand a invent^ le singe.^ In der Anmerkung wird dann 
weiter von den deutschen Affen erzählt: ^tout r^cemment, on a 
f(6tö . . ä Berlin, le jubil^ du doyen des singes allemands'^, worauf 
Erzählung eines scherzhaften Festes in Broeckmann's Afteütheater 
folgt, dessen acta et res gestas der Schreiber des Buches zu stu- 
diren scheint Dann folgen einige weitere witzlose höhnische 
Bemerkungen über die Deutschen, z. B. die geographische Gesell- 
schaft in Berlin habe die Elsässer für Deutsche erklärt, die Deut- 
schen hätten ein „faible^ für das „classement* von Eidechsen, 
Menschenrassen (womit der alte Scheuchzer aus dem vorigen 
Jahrhundert mit seinem „homo diluvii testis*', dem Salamander 
Scheuchzeri, verhöhnt werden soll) und die „poterie", nämlich die 
falschen Moabiter Thonsachen. — Dies ist nur eine kleine Blumen- 
lese aus den 154 Seiten. A. v. S. 



S Bergsöe: nogle danske mönter fra middelalderen i frem- 
mede samlinger. Ejöbenhavn 1882. 8° 14 S. (Sonderabdruck 
aus den Jahrbüchern f. nord. Alterth. u. Gesch. 1882.) 

Es sind Reisefröchte, welche uns hier geboten werden, ge- 
sammelt auf einem Ausfluge, welchen der Herr Verfasser 1878 
nach Petersburg, Berlin und Stockholm unternommen hat; meist 
betheiligt ist das durch Funde des XI. Jahrhunderts so unglaub- 
lich berühmte Stockholmer Eabinet. Unter den nicht sehr zahl-* 
reichen, die Zeit von Knut dem Grossen bis Knut dem Hei- 
ligen umfassenden Münzen, die uns mitgetheilt werden, sind 
1) Das i>t D&mlich: ta^vgip »titp Sa^t^ytiM (C. J. &. Nr. 2119). 



!k 



- Ltteratar. 311 

einige, welche ein weit grösseres and allgemeines Interesse in An- 
sprucli nehmen, als die meisten Inedita sonst, die nur den Reiz 
der Neuheit bieten. So sind namentlich Nr. 2 und 9 wegen ihrer 
Inschriften zu nennen. Jene, Knut d. Gr. zugewiesen, hat auf 
der HJ. um des Königs Brustbild: +m PRINCIPIO ERAD 
FABVIII Ä/. um die l)ekannte Schleife (baandslygning) +ED 
FARBVM ERAD APVDM, also der Anfang des Evangeliums 
Johannis: in principio erat verbum, et verbum erat apud denm, 
Inschriften, für die es an jeder Analogie fehlt, nur ist dadurch 
die JR/ des von Köhn ein der M^m. St. Pet Bd. III, Taf. XVII 10 
(Bd. IV, S 233) bekannt gemachten Denars mit flN NOMIINE 
DEl PATRI Ä/. +E©FARPVM FRAD APADII und dem- 
selboi Gepräge erklärt und die Annahme, es sei auf der RJ. der 
Münzmeister und die Prägstatte genannt, widerlegt. Und Nr. 9, 
nach der zum Vergleich herangezogenen Nr. 9871 des Thom- 
sen*schen Katalogs gewiss von Harthakunt, hat auf der Rf, zwar 
eine entstellte Umschrift und auf der BJ. den Namen des Münz- 
meisters Ulf in Slagelse, ist aber höchst beachtenswerth wegen 
der Aufschrift im Felde der J?/:, wo die V^orte REX, LEX, LVX, 
PAX in KreuzesCmrm so zusammengestellt sind, dass der allen 
gemeinsame Endbuchstabe X die Mitte einnimmt; zur Erläuterung 
f&hrt Hr. B. nach Didron eine Inschrift auf der Kirchenmauer von 
St Pierre in Dorat an: 

REX requiem Angilberto da, Pater atque Pius REX, 
LEX legum, vitam aetemam illi da qüia tu LEX, 
LVX lucem semper concede illi, bona qui es LYX, 
PAX pacem illi perpetuam dona, es quoniam PAX. 
Ihrerseits diene diese Münze zur Erklärung der erwähnten 
Nr. 9871 des Thomsen'schen Katalogs, welche von demselben Ulf 
in Stagelse ausgegangen, auf der IT/. Harthaknuts Namen und im 
Felde am ein Kreuz die Buchstaben R, L, L, P zeigt; hier sind 
also nur die Vokale weggelassen. Auch Nr. 8, demselben Könige 
zugetheilt und von Othencar in Lund geprägt, zeigt auf der Uj, 
einö eigenthömliche, leider nur in dem letzten Theile erhaltene 



312 Liienttnr. 

Inschrift: .«.-NOBI DEI, die sehr ansprechend zu facta (FCA?) 
HONOKI DEI ergänzt wird. Wichtig ist auch Nr. 3 (Knut d. 
Gr.), welche um eine Haad IN OMINE DIPATRIAIIO lesen lässt; 
eine ganz ähnliche ist schon von Köhne (Mus, Pet. lY, S. 233, 
Nr. 555 b) beschrieben. Bei Nr. 4 (Knut? mit barbarischer Um- 
schrift) will H. B. den Typus der jB/., die Hand mit einem 
Kreuzchen in der Handfläche, auf Gott Yater und Gott den Sohn 
beziehen; mir scheint die Annahme bekräftigt zu werden durch 
die auf deri^. erscheinende Schleife^ und diese wiederum gerade 
in Verbindung mit der EJ, zur Bestätigung meiner S. 21 meines 
Werkes über die deutschen Münzen d. sächs. und frank. Kaiser 
entwickelten Ansicht zu gereichen, dass diese bisher nicht befrie- 
digend erklärte Vorstellung als ein Sinnbild der heil. Dreieinigkeit 
aufzufassen ist Das Heftchen schliesst mit einem ganz neuen und 
interessanten Gepräge von Knut d. Heiligen (CNVT REX sitzender 
König mit Schwert und Schild. RJ, + SEBIBN • ALEBVßH 
doppelleiniges Kreuz mit S im zweiten Winkel) und der an- 
geschlossenen Mittheilung, dass der Herr Verfasser mit einer 
Münzgeschichte des dänischen Mittelalters beschäftigt ist. Wir 
begrussen die darin enthaltene Verheissung mit froher HofiBiung. 

H. Dannenberg. 



Register. 



1. 

Abu Amr Osman t. TaoU 7. 
P. Accoleius Larisolus, Denar 18. 
Adaiofl 73. 

Adlersobild a. Stadtmänzen 259. 
Adolf VIII., Graf ▼. Berg 224. 
Adolf XIII. y. Schanenburg 94. 
L. Aeliua, Cäsar 4. 
Ahmed I., Samanide ▼. Samarkand 6. 
Clodiua Albinu8,aas Hadrometam 167.220. 
Albrecht IV. ▼. Baiem 97. 
Albrecht VI. v. Mecklenburg 88. 
Albrecht, Herzog v. Monate rberg-Oels 40. 
Albrecht ▼. Sachsen, Kf. ▼. Mainz 104. 
Alezander I. Ton Makedonien 74. 
Alezandria 219. 
Ali67 68. 
Amaatria 76. 

T. Amplna, a. Cist ▼. Ephesos 77. 
Anchiale 275. 
Anhalt 184 ff. 
Aotiochia 219. 

Antiochia am Kydnos = Taraoa 295. 
Antiochia am Sarno8 = Adana 295. 
AntioehuB I. ▼. Syrien 2. 
Antiochoa II. t. Syrien 2. 
Antiocboa IV. ▼. Syrien, a. M. t. Hiero- 
polis Cilie. 267, Ton Mopaueatia 295. 
Antoninas Piu 4. 
Aphrodidaa 2. 

Apollo auf Schwan, M. v. Kalchedon 76. 
Apollodotot, K. 2. 



AnOAAnNOZ ZIAHTOY NeQKOPOY 8 f. 

Apollopbanes K. 2. 

Areathanaa a. M. v. Epidaurus 75. 

Argentinien, Republik 5. 

Ariobarzanea II. (III.) t. Kappadokien 

(Hierapolia CiL) 271. 
APIXO) Marken ▼. Olhia 144. 
Arnold IIL, H. y. Randeroth 224. 
Arnold, H. y. Stein und Limprecht224. 
Arpachan 8. 

Artemia, ephesiscbe, auf M. 121 f. 
Artemis Perasia, (Kaatabala) 276 ff. 

APTEMIAOZ nEPFAlAZ 3. 

Asklepios auf altlakonischen Reliefs 171 f. 
Aspendos 8. 
Atergates 166. 
Athen, Bleimarke 152. 
Atbena-Nike a. M. y. Tarent 125. 
Athena Parthenoa des Phidias, a. atben. 

Bleimarke copirt 152 f. a. ciUeischem 

Sm. 152. 805. 
Augsburg, stidt. 97. 
AuguaU Cilic. 290 iL Aera 292. 
Aurelian 219 f. 
Auschwitz 84. 

B. 

Baden-Dnrlach 109. 

Baden- Rodemachern 109. 

S. Bahrfeldt, die brandenburgi- 
schen Städtern, aus der Kipper- 
zeit, Ans. 128. 



314 



Register. 



Baktrien 2. 156 ff. 

Bar (Robert Gr. v.)j Turn. 228. 

Bareilly, MänEfund 1. 

F. Baumbach, Die Duisburger 

Münzen Anz. 67. 
Becker'sche Sammlung (Odessa). 66. 
Pietro Bembo, a. Med. 194. 
S. Bergsoe, nogle danske mönter 

fra middelalderen, Anz. 310. 
Berlin, Münzkabinet; neue Erwerbungen 

1 ff. Dablettenauction 142. 217. 
Bernhard II. ▼ Sachsen 260. 
Beutben 29. 34. 
BiNViseNSis Den. 248. 800 f. 
Bleibullen, byzantin. 168. 306. 
Bleimarke mit Athena Partbenos 152. 
Böhmen (Mi^x. IL, Rnd. II.) 99. 
Bogislaw und Casimir ▼. Pommern Den. 

302. 
Bogislaw ^., tferz. ▼. Pommern 64. 
Bolkenhain 34. 

Bolko IL, Herz., t. Münsterberg-Oels 48. 
BUüPANA€YC, M. V. Stratonikeia 78. 
BrabaAt 224. 
Breslau 24* 29 f. 31 f. llünzstempel 

das. 32 f. 42. Hünzbrief des Matthias 

Gorvinus 42 f. Goldgulden 50 ff. 
Brandenburg, Denare 126. (Otto IL) 244. 

299ff. 
Braunschwetg 93. 
Brohkborst, Oiesbert v. 225. 
Bnllenwinkel bei Golberg, Manzf. 64 f. 
OctaT. Burger, Dresden, Med. 213. 

C. 

(Die griMbisotaan Naneil meist xuktK fc.) 

Cadi Phryg. 82. 

Cäior die, Rs M. Anton imp., De- 
nar 18. 
Cajazzo, M.-f. 19. 
Calixtus III. (Papst) 5. 
Raban von Canstein, Med. 215. 
Canusium Apul. 71. 
Caradosso, Medailleur 6. 
Carl V. y. Brabant 264. 265. 
Carl IL, K. v. England, 208. 



Carl Herz. ▼. Munstejberg-Oels 40. 

Casimir IV., Herz. (Teschen) 29. 

Chersonesus Taur. 66. Aera 143. 

Choerau b. Dessau, Münzf. 138. 

Christian HL K. t. Dänemark 89. 

Christoph, Ml^. T. Baden-Baden 98. 

Chur, Bisth. 110 

C. (Claudius) Pulcher proc. Cist. t. Ephe- 
sos 77 f. 

P. Clodius M. f., Denar la 

Coela Tbrac. (Commod.) 148. 

n. Cohen, Description des mon- 
naies s. l'empire rom. Ans. 128 ff. 

Conrad II. y. Oldenburg "224. 

Conrad IL Gr. y. Ritberg, B. ▼. Osna- 
brück 201. 

Conrad v. -Weinsberg, s. M.-project 139. 

Constans, Goldmedaillon 4. 

ConstantiniB 7. 

Contorniat 166. 

Cornelius Valerianus, Gallienns älterer 
Sohn 60. 

D. 

1 

Daelie, Kirehsp. Naess, Norwegen Mnnzf. 

240 ff. 
Dänemark 65. 
Danzig 65. 100. 
Dareikos, doppelter 2. 
Deue frugwny deus Jrugifer ^ auf namid. 

Inschriften 167. 
Diana Daufeha, a. M. y. Coela 148 f. 
Joh. Mich. Dilher, Nurnb., Med. 209 ff. 
bisibodenberg, Mnnzf. 137 f. 
Petrus de Domo Fani, Medailleur 287. 
Dorpat 65. 

H. Droysen s. Schlickeysen. 
Dschangala auf Jaya 8. 
Dulken 225. 
DAren 224. 



Eberhard y. Diest, B. ?. Munster 200. 
Eberhard Gr. y. Mark 202. 
Eibeck, erster Mamelukensultan 6. 
Elains, im Thrac. Chersonnes 150. 
Elbing 65 



Register. 



815 



Tb. Elze, die M. Bemliar-ds Orafen 

T. Anhalt, Anz. 184 f. 
^besoe, Cistoph. 77 f. 
Rpidanros (Ant. Piua) 75: 
Krbacb 104. 
Erica (Karien) 55 f. 
Ernst, Herz. v. Batem (Glatc) 5. 
Ernst V Scbauenb^rg 94. 
Essen (Aebt. Elisabetb t. {Nassau} 225. 
Enkratides ▼. Baktrien 157. 



F. 

C. Pabius proc., Cistoph. t, Porgamos 77. 
Fischgestalt |. Marken (Olbia) 144 f. 
FiYelg<^, Fi?elingo, Grfsch. in West-Fries« 

land 237. 
FraDkiart a. M. %. 187 ff. 
Franz L, K. t.. Frankreich 264. 
Freibnrg i. U. 110. 
Freistadt 24. 84. 
Burg-Friedberg 96. 104w 
J. Friedlaender, die italienischen 

Schanmänsen, Apz. 186. 
Friedrich. IV. t. Karpftilz 97. 
Friedrich Wilhelm, der grosse Kurfarst, 

Stafaette von Leigebe 203, Medaillen 

von L. 211 ff. 
Folda, Bisth. 96. 104. 



«. 

Gallion as,Bronsemed. 58 ff. 

Garz 64. 

Gattilnsio, Donnas, H. t. Lesbos 5. 

Oem&lde, Duinisin. 262 ff. . 

Georg Friedrich TOn Brandenburg- An- 

spach 97. 
Gerhard ▼. d. Mark, Bisch, v. Münster 

20O. 
Qerresheim (Wilhelm II. t. Jülich) 227. 
»Glasmünzen*, ägyptische Gewichte 7. 
GUtz aO. 48. 
Glogau 25. 84. 41. 
Görlitz 80. 
Göttingen 98. 
Götz i. d. Mark, Münsf. 126. 



OoUnow 64. 

H. Goltz 141. 

Ludovicus III., GoDzaga v^ Mantua 288. 

Gordianas I., AbstammungsTerh. za den 

Graccben 168, za Traian 168 ff 
Gortyna (Kreta) und Metellus Creticos 

119 ff 
Andr- Greiff, Kupferstecher io Nürnberg 

202. 
Greifswald 64. 

Groningen (Reinbold III.) 280. 
Hier. Gntth&ter, MedaUle 209. . 



Hadrian 4. Reisemünze 4. 
Hadrumetum 84. Heimath des Albinus 

167. 
Hagenau 110. 
Halberstadt 92. 
H. Halke, Einleitung in d. Nnmis- 

matik, Anz 141. 
Hamburg 91. 
Hameln 94. 

Hammerstein, Wilh. Burggraf v. 281. 
Hanau-Lichtenberg 109. 
Hanau-Münzenberg 105. 
Harthknut, M.-Aufschr. 811. 
Heinrich d. jung. ▼. Braanschweig 98. 
Heioricb Julius ▼. Brauoschweig 98. 
Heinrich t. Gardelegen (Salzwedel) 245. 
Heinsberg, Dietrich III., Gr. ▼. Looz 

224. 
Uelios reitend, auf M. t. Erizu 56. 
Henneberg 108. 
Herakleia (Lukanien) 71. 
Herakleia Siot. 78. 
Herculi DeuameMt ( Postum ns) 192. 
Hermann v. Scliaaenburg, Bischof Ton 

Minden 94. 
Herrmann v. Wied, Bischof ▼. Goln 101. 
Hero u Leander, M. ▼. Sestos 78. 
Herzsprong (West-Priegoitz) Müozf. 288. 
Ad.Hess, Verseichniss der Moote- 

nnovo'schenMünzsammlungjAns. 

808 f. 
Hieropelis, H. am Pyranot (Kilikien) = 



316 



Register. 



Kastabala 267 if. Kaiserin. 274 ff. Lage 

der Stadt 279 ff. 286 f. 
Hieropoiis in Kyrrbestis = Bambyke 268. 

289. 
Hildesheim 98 f. 
Holmboe, de prisca re monetaria Nor- 

vegiae (1854) 240 ff. 
Homer-Kopf a. M. y. Ämastris 76. 
Hyndopherres, ind.- baktr. König 168 f. 

I. 

Jägerodorf 43. 

Jaroslaw, Grossf. v. Kiew 113. 178 f. 

Janer 36. 

Ilchan Arpa Gban 7. 

In prmcipio erat verbum etc. anf H. 

Knnts d. Gr. 311. 
Indien, Gopta- und Senadynastie 8. 
Inschriften : 

griechisch: eingeritzt 86, metrisch auf 
byzantinischen Bleisiegeln 168. 306. 

römisch: YotiT anf Aescalap 173. 

mittelalterlich: auf M. Knuts d. Gr. 
311, Hartknuts ib. 
Joachim I. t. Brandenburg 65. 
Joachim II. ▼. Brandenburg 87. 
Joachim Friedrich v. Brandenburg 88. 
Johann II., Herzog v. Brabant 224. 
Jobann Cicero t. Brandenburg 66. 
Johann Georg y. Brandenburg 88. 
Johannes V. Turzo, Bisch, t. Breslau 42. 
Johann Adolf v. Holstein Gottorp 89 f. 
Johann Ernst y. Regenstein 92 f. 
Johannes I. y. Sagan 30. 34. 
Johannes II. y. Sagan 41. 
Johanna Herzogin y. Brabant 230. 
Paul Joseph, Beiträge z. phalz- 

grlfl. und mainz. Münzkunde 

Anz. 67. 
Joseph, Goldm. des XIV. und XV. 

Jahrb. Anz. 137. 
Jotape Gilic. (AI. Sey.) 80. 
Isindos (Jul. llaesa) 79. 
Jülich (H. Wilhelm 11.) 227. 
Jnlich-CIeye-Berg 94. 
Julius IL, Med. y. Garadosso 6. 
Juyeotas a. ital. Med. 195. 



Kärnthen 111. 
Kalchedon (Verus) 76. 

KAMOHNON 83. 

Kanerki m. Buddha-Typus 162. 

Kastabala Gil. bei Issos richtiger Kata- 
balon 281 ff. 

Kastabala, Eappadok. 267. 

Kastabala (Hieropoiis) Cil. 276 ff. a. H. 
gegen Ende des 2. Jahrb. 288. 

Baltb. Kauffmann, Arzt und Alchymist, 
Nümb., Med. 210. 

Kelenderis 80. 

Keltische Goldm. 2 f. 

Kempten, städt. 97. 

Kerkine irrig f. Keos 309. 

Kibyra (Phryg.) 2. (Jul. Paula) 82. 

Kidramos Phryg. (Aug.) 82. 

Kiew 112 ff. grossfürstl. Pr&gung n. By- 
zantiner 114 ff. 179 ff. Fälschungen 
181 f. ygl. 116. 

Kilikien 267 ff. 

Knut der Grosse 311. 

Knut der Heilige 312. 

Köln 1. 102. 197. 

Korbach 101. 

Korinth (M. Aur.) 75. 

Kos 2 (Agrippina sen.) 79. 

Kosel 35. 

Jodoc. Christoph. Kres, Nürnb., Med. 
211. 

Kreuzform, a. altruss. M. 180. 

Krossen 35 f. 41 f. 

Kurpfalz 106. 

Kyaneas (Lykien), Gordianus 79. 

Kybele auf Gontorniaten 166 f. 

KyzikoB 76. 219. 



Larissa Thess. 74. 

Lautem 106. 

Gotttfr. Leigebe (f 1693), Kupferstiche 
204. Eisenschn. und Medailleur 202 ff., 
seine Eisenstatnetten 203, Medaillen 
206 f. 



Register. 



317 



Leopold L, Kaiser, 20B. 

Lieflaod 65. 

Liegnitz 29. 36. 39. 47 f. 

Limprecht 224. 

Lippe 202. 

L. Livioeios ^egulos, Denar 18. 

Loewenberg 36. 

Löwengroschen im Fund v. Wittmund 

229 f. 
London 1. 
Lübeck 88. 
Lübben 36. 

Ludwig IL, Herzog ▼. Brieg 29. 
Lndwig IL, Lgr t. Hessen, Bisch, v. 

MäDSter 200. 
Lndwig IL, t. Nassan- Weilbarg 95 
Ludwig II , der Strenge, Pfalzgraf 68. 
Ludwig, Graf t. Kavensberg, Bisch, v. 

Osnabrfick 201. 
Lnttich 1. 



Magdeburg 91 f. 

Mainz 5. 104 f. 

Makedonien 121. 

Pasquale Malipiero, Doge, u. Dogaressa 

Med. 237. 
Margaretha Herzogin t. Sagan 41. 
Mariniana, Valeriana L zweite Gemahlin, 

auf M. 58 ff. 
Marinianns, yermnthl. S. des jung. Va- 

lerian, Enkel des Valerian I. 59 fT., 

Consul (268 p. G.) 59 f. 
Matthias Gorvinus (Schlesien) 28 f. 32. 42. 

260 f. 
Maues K. 159. 

Mecklenburg 64. Denare 284. 
Medaillen, gegossen 207. geprftgt 207. f. 
Meissen 246. 299 ff. 
Melitaa Thessal. 75. 
Mende (Chalkidike) 78. 
Meppen, Denarf. 197. 
Merowinger (Mainz) 5. 
Quintin Messys, sogen. 262 f. 
Metapont 71 f. Nike 125. 
Metellus Creticus 119 ff. 
Metz, Denarf. 5. 



Midaion Phryg. (Garacalla) 83. 

Milchling s. Schutzper. 

Minden 94. 

Mohammed XII. t. Granada 7. 

Mopsuestia Oilic, Sm.: Hadr. 80. 293, An- 
ton. Pitts 293; Km. datirt (Aera 
686—87) 294; nnter den Selenkiden 
295. 

Moritz von Hessen 96. 

Mfihlheim 189. 

Munster, Bisth. 200. 

Münsterberg 24. 26. 36. 48. 

Mänsterberg-Oels, Hzth. (Groschen) 39. 
48 f. 

Mnnzfunde: römisch: Cajazzo 19. Metz 
5. Pieve Quinta 9 ff. Pisa 190. Ta- 
rent 186 ff. Vigatto 18. rhein. Fände 
193. 

mittelalterlich: Bareilly 1. Bullen- 
winkel 64 f. Ghoerau 138. Daelie in 
Norwegen 240 ff. Disibodenberg 137 ff. 
Dombrowo5. Gotsl26. Herzsprung 233. 
Meppen 197 ff. Njeschin 112 ff. 177 ff. 
Seelensdorf 217. 260. Silberberg bei 
Wollin 235. Vietsmannsdorf 233. 
Walternienburg 86 ff. Wittmnnd 223 ff. 

Mnnzmeisternamen a. schles. Hellern 26. 

L. Mnssidius Longus, Den. 18. 

Mytilene (Gattilusi) 5. 

F. 

Nasr IL, Samauide t. Samarkand 6. 

Nassau 102. 

Neapolis Jon. (Gordian) 78. 

Neisse 36 f. bischofl. M.-st&tte 254 f. 
Heller nnter König Wenzel 255. vom 
Bischof erneutes M.-Recht 257. 

NEOnTOAEMOY (Bpiros), irrige Lesnng f. 
EVnOAEMOY 151 f. 

Neu-Brandenburg 64. 

Njeschin, M.f. 112 ff. 177 ff. 

Nordlingen 109. 

Nordheim 98. 

Numonia g., restituirt 191. 

Nürnberg 106. 

Nymphaion 140. 



318 



Register. 



0. 

Ober-Glogau 35. 

Ober-Oesterreich 111. 

Oberpfalz- Amberg 109. 

Öel» 37. 

Oettingeo 109. 

Olba Cilic. 81. (Aug. Tib). 81 

Oibia 66. 72. Br.-Marken in Fiachgestalt 

144 f. in Mänzform 145 f. 
OAYMniA, Pnua 76. . 
Oppeln 23. 24. 
Oanabrack, Bisth. 201. 
Otto n.i Markgr.. t. Brandenburg 241 f. 

304. 
Otto III., Gr. T. Brena 284. 

P. 

R. P all mann s. Schlickeyaen. 

Pantikap&on 140. 

Parisartbeil, H. t. Skepsis 159 t 

Pasewalk 234. 

Paul 11. (Papst) 5. 

Pergamos 77. 

Perge (Pamphylien) 3. 

Perseus, a. M. v. Larissa 75. 

Phanagoria 140. 

Philipp d. Gute, t. firabant 264. 

Philipp d. Schone t. Brabant 264. 

Philipp III— VI. T. Frankreich, Turnosen 

228. 
Philipp von Hessen 95. 103. 
Philipp I. TOD Nassau - Weilbuig, Tom. 

228. 
Pieve Quinta, Denarf. 9 ff. 
Pisa, Victoriatenf. 190. 
Pisano, Yittore, Medailleur 137. 
Pins II. (Papst) 5- 
Piui Felix ^ als Beinamen der Kaiser 

164. vgl. 276. 
Podschiwalow, Beschr. d. M. von 

Sarmatia, Aoz. 139 f. . 
Pölchen-Halbgroschen, Schweidnitx 44. 
Polemon I. 139. 
Polemon (Olba) 8l. 
Polen 100. 
Pommern (Bogislaw}^;.) 64. Denare 234. 



Pompeiopolis Gilic, Aera (65 a. C.) 296 ff. 
Pompeiopolis Paphlag. 83. 
Pompeiua Portr. in Pompeiopolis 297- . 
Portraitkopfe auf M. amerik. Republiken 

5 f. 
Postumus, K., Den. 191 f. • 
Prenzlow 65. 
Preussen 65. 

Prusa am Olymp (Gallien) 76. 
Przemislaus I. v. Troppau 24. 
nveiA, Prusa 76. 
Pyritz 64. 
pyramos, a. M. v. Hieropolis 273 ff. 



B. 

Randerath 224. ^. 

Thom. Rangone (t 1577) von Ravenna, 
Arzt^ a. Med. 195. 

Rappold, Dan., Synd. v. Breslau, a. Med. 
174. 

Ratibor 22. 37. 

Regensburg 97. 

Regenstein 92. 

Reichenstein 53 

Rempelbeller, sog. (Breslau) 32. 

RnUtutQrigentis y a. M. Anrelians 220. 

Rex lex lux pax, M.-Aafechr. in Kreuz- 
form 311. 

Rhegion 72. 

Rheskuparis I 140. 

Rhode, Die Münzen des Kaisers 

. AnrelianuB Anz. 219 f. 

Rietbeiig 101. 

Roma-Kopf a. M. v. Gortyna 119. 

Roma a. M. v. Hieropolis Cü. 270. 

Rosas, Gen. 5. 

Rostock 64. 89 . 

Rudolf V. Rndesheim (Breslau) 30. 

Rummen (Arn. d'Oreilly) 229. 

Ruprecht, König, s. M.-projekte 139.. 



Sabina als Artemis (Mopsuestia) 293. 

Sachsen, Knrf. 91. 100. 

Saec%Uo frugifero a. M. des Albinas 167. 




Register 



319 



Saf^n 80. 40. 

es Salih Aijnb 6. 

Salm-Dhaon 106. 

Salm-Kyrbnrg 96 106. 

Salzt, Jac. T., 6. ▼. Brealau 52. 

Salzburg, Bisth. 111. 

Salzwedel 248. 

Samos 78. 

St. Gallen 110. 

SaDtarelli, Antonio, Notizie di uo 

ripoatiglio 9 ff. 
Satrapenmiinze, armenisch 166 f. 
Saturn a. Albinas-H. 167. 
Sauromatea III. 139. 
Schaffbausen 98. 110. 
Sebauenbnrg 94. 

Schlesien 20 ff. Hohlpfennige 22 ff. Zwei- 
seitige Heller 25 ff., lediglich städtische 
Pr&gung 26. deutsche Aufsehriften 27. 
herzogliche Heller 27. Groschen 88 ff. 
Nachprfigangen 45. Goldgnlden 46 ff. 
Medaillen 52 ff.— 99. 111. 
Schlickeysen, Abkäriungen a. M. 

2. Aufl. 70. 
Schottland 65. 

Schutiper, Wilh., Medaille 174. 
Schwarzburg 98. 
Sehweidnitz 22. 25. 87. 44. Polchen 44 f. 

48. 99. 
Schwänzer, Medaillenr 1. 
Seelensdorf, M.f. 217. 250. 
Seleukeia am P7ramos=Mop8oestia, unter 

Antiochoe IV. 295. 
Selim n. Sultan 7. 
Serdica (Caracalla) 72.— 219. 
Sestos (Seyerus) 66. 78. 
8ide 8 f. (Alex. SeY.) 80. 
Siegfried t. Westerburg, Ersb. ?. Köln 

197. 
Sigismund, Kaiser 188. 
Sigismand I., K. ▼. Polen (Glogan) 41. 
Simmem 107. 
Simon v. Lippe 202. 
Sinzig 228. 
Siscia 219. 

Skepsis (Caracalla) 158. 
Soest 197. 

ae«lticlirlft ftr lla«lnMtlk X. 



Solms 104. 

Solms-Lich 96. 

Solopolis, angebL M. 297. 

Sophytes, fi. im Pendschab 2. 

Speier, Bisth. 96. 106. 

Sperandio, Medailleur 187. 

Stargard 64. 284. 

Steiermark 111. 

Stendal 126. 

Stettin 64. 

Süala Sicil. 70. 

Stockholm, Munzkabinet 810. 

Stolberg- Rönigsteio 95. 106. 

Stolberg-Ortenberg 103. 

Strassburg, Bisth. 98. 109. 

Strassburg, St. 110. 

SratoQ I. y. Baktrien 157. 

Stratonikeia (Karlen) 98. 109. 

Stralsund 64 88 234. 

Swiatopolk, Grossf. t. Kiew 113. 178. 

Syrien I Königsm. 2. 

T. 

Tarent 125. M.-f. das. 186 f. 

Tarraco 219. 

Tarsos 81 

Taschen 25. 29 88. 

Tetricus 221. 

Thessalien 74 (SoTerus ond Geta) 74. 

ev a. Marken t. Olbia 144. 

Tirol 98 111. 

Traian auf Erinnern ngm. d. Gordian I. 

164 f. 
Traianopolis (Thracien), Gallienns 73. 
Tralles (Ant. Pius) 82. 
Trebnitz 24. 
Trebonianos Gallus 4 
Trier 102. 

Tripolis Car. (Faustina jun.) 79. 
Troppan 24. 88. 48. 
Tunis 7. 
Tumosen-Fand tor Wittmnnd 228 ff. 

Nachprftgongen 228 f. 



U. 

Ulrich Ton Hardeck (GlaU) 80. 48. 
Ulrich von Regenatain 92. 

22 



320 



Register. 



Dllich Yon Wörtemberg 97. 
Ungarische Denare in Schleeien nachge- 
prägt 45 ff. 

V. 

Vaballath 220. 

Polyd. Yacqaier, Namiamatlque 

des Scythes Anz. 309 f. 
Yalerianns, Kaiser 58 ff. 
Valerianus jun. 59 f. 
Yeidenz 107. 

G. Yibias Yarns, Den. 18. 
Vibo Yalentia 72 

Victoriak, schwerer 189 f. reducirter 189 f. 
Yictoriatenfiind 186 ff. 
YieUmannsdorf (Kr. Templin) M.-f. 233. 
Yigatto, Hönzf. 18. 

Waldeck 94. 100. 

Waltemienburg b. Barby s. Elbe, Bf.-f. 

86 ff. 
Wenzel, E. t. Böhmen (Neisse) 255 f. 
Wenzel I , Herz. t. Liegnits 47. 



Werden (Heinr. v. Wildenberg» Abt) 226. 
Werthzeichen a M. Aurelians 219 f. 
Wessen! (Dirk-Loef) 232. 
Wildenberg, Hermann t. 26. 
Wilhelm Y. ?. Henneberg 108. 
Wilhelm t. Isenbnrg-Wied 229 f. 
Wilhelm IL, H. ▼. Jülich 244 ff. 
Wismar 89 
Wittmnnd in Ostfriesland, Turnoseniund 

228. 
Wladimir S wiatoslaTwitsch, der HeiLGrossf. 

V. Kiew 113. 178. 
Wohlan 25. 29. 38 45. 
Tob. Wolff, Medaillenr 175 f. 
Wollin, M.-f. 235. 
Worms 95. 
Wurzburg 97. 

Z. 

Zeionises K. 160. 

Zeus m. Helios gruppirt (Maues) 159. 
Heinr. Zipfel, Arzt, Dresden, Med. 214. 
Zweibrncken 107. 



VERHANDLUNGEN 



DER 



NUMISMATISCHEN aESELLSCHAFT 



ZU 



BERLIN. 



1882. 



Sitzung Tom 2. Janaar. 

Herr Freiberrr von Eöhne besprach die älteren wissen- 
schafüich angelegten Privat-Mönzsammlungen von Berlin. In 
erster Linie ist hier die gegenwärtig im Kgl. Munzkabinet befind- 
liche, mit grösster Sachkenntniss und geläutertstem Geschmack 
angelegte grossartige Sammlung des verstorbenen B. Fried- 
laender zu nennen, des Vaters des Direktors der königlichen 
Sammlung, welche namentlich an italienischen lienaissancemedaillen, 
an griechischen und an italienischen Mittelaltermünzen ihres Glei- 
chen suchte. Abgesehen von anderen Sammlungen, z. B. Cappe's 
Mittelaltermünzen, war von besonderer Wichtigkeit die grosse 
Sammlung griechischer Autonommünzen, welche der verstorbene 
hochverdiente Vorsitzende der Gesellschaft Kammerherr von Rauch, / 
in wahrhaft wissenschaftlichem Sinne angelegt und literarisch ver- 
werthet hat. In letzter Zeit sammelte Rauch ausser griechischen 
Autonommünzen auch mit Glück und Eifer seltene, namentlicli 
goldene römische Familienmünzen. Auch diese Schätze sind in 
die königliche Sammlung übergegangen. — Herr v. Sallet be- 
sprach die numismatischen Fingerzeige des Verkehrsverhältnisses 
der Colonien griechischer Städte zu ihren Mutterstädten. Einige 
Münzfnnde, namentlich der von Auriol in Südfrankreich, sowie 
andere an der italienischen Westküste und in Spanien haben die 
Vermuthung hervorgerufen, dass in ältester Zeit die Mutterstädte 
(vorzugsweise Phokaea) ihre Colonien (Hyele, Massalia, Rhode, 
Emporiae) mit Geld versorgt hätten. Ein vom Vortragenden früher 
ausführlich besprochener Fund in Messina in Sicilien scheint auch 
für den Beginn des 5. Jahrhunderts vor Christi ein ähnliches 
Factum zu beweisen ; der Fund enthielt ein ihrem Gepräge nach un- 
zweifelhaft in Samos geschlagenes Vierdrachmenstück attischen 
Fusses, neben einer grösseren Anzahl der bekannten ebenCalls 
nach attischem Fusse geschlagenen Tetradrachmen der mittelbaren 
Colonien von Samos, Rhegium und Messana, beide mit Geprägen, 



i^elcbe von Samos hergenommen sind: Lowenkopf und Ealbskopf. 
Die im Funde enthaltene samiscbe Tetradrachme ist, wie bemerkt 
wurde, nach attischem Münzfuss ausgeprägt, gleich den Münzen 
von Rhegium und Messana, während sonst Samos nur nach klein- 
asiatischem Fusse prägte. Der Fund scheint also wirklich den 
Beweis zu liefern, dass man einmal in Samos selbst für die Colo- 
nien Khegiam und Messana nach dortigem Gewicht Münzen 
prägte und dieselben nach jenen Städten exportirte. Die in dem- 
selben Funde in grosser Anzahl vorhandenen Tetradrachmen von 
Athen und wenige von Acanthus auf der Halbinsel Chalcidice in 
Macedonien lassen vielleicht den Weg erkennen, welchen das 
Schiff von Samos nach Messina genommen hat. — Herr Halke 
sprach über einen vor mehreren Jahren in Lauban gemachten 
Fund mittelalterlicher Goldmünzen, über den sich leider nichts 
Genaueres mehr ermitteln liess. Die Münzen gehörten wahr- 
scheinlich dem 14. und 15. Jahrhundert an; es befanden sich Du- 
katen von Ludwig I. von Ungarn und Goldgulden von Erzbischof 
Dietrich IL von Köln (geprägt in Bonn) darunter. — Herr 
Dannenberg besprach die Gepräge des Kurfürsten Joachim U. 
von Brandenburg. Dieselben zeigen eine wunderbare Mannig- 
faltigkeit: Dukaten und Goldgulden, Thaler und Guldenthaler (zu 
60 statt 72 Kreuzer), halbe Thaler und halbe Guldenthaler, Sechstel- 
Thaler (12-Kreuzerstücke), Dreigröscher, Groschen, halbe Groschen, 
3, 2 und 1-Kreuzerstücke, Dreier nebst Piedforts derselben in Ge- 
stalt von doppelten und dreifachen Dreiern, (einseitige) Pfennige 
und Heller, ausserdem auch Zehndukatenstücke (Portugalöser) 
und doppelte Goldgulden, Doppelthaler (allerdings Medaillenartig, 
und theils zu schwer, theils nur im Gewichte von IVa Thaler- 
stücken, Stacke zu 17,6 Gramm (also zu schwer für halbe, zu 
leicht für */i Thaler) von 1553 (mit Scepter- und Adlerschild, 
Rückseite: der Pommersche, Nürnbergische und ZoUersche Schild: 
Zeitschr. f. Numism. Bd. VHI, Taf. V, 9), Engelsgroschen (oder 
Schreckenberger) zu 10 Kreuzern, von 1568, und endlich Vier- 
groschenstücke (?) 1569 auf die Mitbelehnung mit Pieussen ge- 
(schlagen (nur 1 Exemplar in der k. Eremitage zu Petersburg, 
und ein zweites im Thurmknopfe der hiesigen Nicplaikirche be- 
kannt): ÄMONETA*NOVA*ELECTOR gespaltener Schild mit 
Scepter und Adler, daneben 6—9. | Rf. ÄBRANDEM*DyCIS* 
PRVSSIE Adler mit gekrönter Chiffer SA. Da nun diese 



k 
A 



Münzen vielfach im Typns die bedeutendsten Abweichangen zeigen, 
80 erbellt daraus, wie reich nnd interessant die Reihe der Gepräge 
dieses Eurf&rsten in die ErscheiDung tritt. Veranschaulicht wurde 
das Mitgetheilte durch Vorlegung einer betrachtlichen Anzahl 
dieser Münzen, unter denen namentlich hervorzuheben sind der 
halbe Thaler von 1551, der halbe Gulden thaler von 1560 und 
ein Piedfort (Doppeldreier) eines Dreiers von 1538, von einem 
Gepräge (behelmter Scepterschild, daneben 1538, Rückseite be- 
helmter Adlerschild), von welchem einfache Dreier noch nicht be- 
kannt sind, also muthmasslich ein Probestück. — Herr Brink- 
mann besprach im Anschlüsse an den Vortrag des Herrn Dannen- 
berg mehrere Seltenheiten der Sammlung der Egl. Münze, darunter 
besonders hervorzuheben ein halber Tbaler Joachim U. vom Jahre 
1538, welcher mit den Stempeln des ganzen Thalers ausgeprägt 
ist. — Herr Pfeiffer legte aus seiner Sammlung einen sächsischen 
Thaler mit auffallendem Stempelfehler in der Umschrift vor. 



Sitzung vom 6. Febmar« 

Herr Weil besprach die Inselmünzen des aegeischen Meeres 
und gab dabei Auskunft über die von ihm an Ort und Stelle ge- 
machten Beobachtungen über die Fundorte dieser Münzen, wo- 
durch unter Anderem die von P. Lambros herrührende Zutheilung 
der Münzen von Arkesine auf Amorgos eine Bestätigung gefunden 
hat. — Herr Di Dio sprach über die Zweitälteste bis in späte 
Zeit fortgeprägte Art der Denare der römischen Republik, die 
bigati und quadrigati, deren Rückseiten ein Viergespann oder ein 
Zweigespann zeigt, äusserst selten einen von drei Pferden ge- 
zogenen Wagen. Als Wagenlenker erscheinen verschiedene Gott- 
heiten: Victoria, Mars u. a., besonders anmuthig sind die Dar- 
stellungen der Venus auf einem von zwei Amoren gezogenen 
Wagen (L. Julius Cäsar), Hercules auf einem Zweigespann von 
Centauren (M. Aurelius Cotta), Neptun von Seepferden gezogen 
(Q. Crepereius Rocus). Als Erläuterung diente eine grosse An- 
zM dieser Denare aus der reichen Sammlung des Vortragenden, 
welcher zum Schluss seine in A. Weyl's Berliner Münzblättem 
erschienene Abhandlung über diesen Gegenstand an die Anwesen- 
den vertheilte. — Herr von Sallet sprach über einige zwar 



schon zum Theil seit dem vorigen Jahrhundert bekannte, aber in 
ihrer Bedeutung noch nie erkannte Munzdenkmäler der Gordiane, 
i^elche den Kaiser Trajan als Ahnherrn feiern und flomit die Nach- 
richt des Capitolinus bestätigen, welche erzählt, dass Gordian des 
Ersten Mutter Ulpia Gordiana von Trajan, dessen Gentilname 
ülpius war, abstammte. — Femer besprach derselbe, veranlasst 
durch eine vortreffliche Abhandlung W. Fröhner's, die in jam- 
bischen Trimetern abgefassten Inschriften byzantinischer Bleisiegel, 
welche unter vielem Unbedeutenden auch einige wenige Perlen 
spätgriechischer Poesie enthalten, denen der Vortragende ein in 
Form und Gedanken anmuthiges Gedichtchen der Art zufügen 
, konnte. — Herr Brak enhausen als Gast besprach die Brakteaten 
des deutschen Ritter- Ordens und legte eine in seinem Besitz be- 
findliche Sammlung dieser Münzen vor. Darunter zwei in Voss- 
berg's so vollständigem Werk noch nicht beschriebene Varietäten. — 
Herr Dann enberg knöpfte an die in letzter Sitzung beleuchteten 
Münzen unseres Kurfürsten Joachim H. die Besprechung der Ge- 
präge an, welche uns die ihm durch nächste Blutsbande ver- 
bundenen Fürsten hinterlassen haben, nämlich: 1. sein Vatersbruder 
Albrecht, der, nachdem er (1513) der Regierung über die Mark 
entsagt hatte, die Bisthümer Mainz, Magdeburg und Halberstadt 
mit der Cardinais würde in seiner Hand vereinigte, 2. sein Bruder 
Johann, der mit der Neumark, Kressen und den lausitzischen Be- 
sitzungen abgefunden wurde, und 3. sein Sohn Sigismund, Erz- 
bischof von Magdeburg. Von Albrecht wurde eine Reihe Münzen 
und Medaillen vorgeführt, namentlich der höchst seltene Doppel- 
thaler von 1524 mit dem Virgilischen Spruche SIC OCVLOS 
SIC ILLE GENAS, SIC ORA FEREßAT; der Piedfort eines 
Magdeburger Groschens, von 1532, und zwei Medaillen, von 1526 
und 1537, die %u dem Herrlichsten zählen, was in diesem Kunst- 
gebiete jemals und selbst in damaliger Blüthezeit geleistet ist 
Johann von der Neumark erschien vertreten durch seinen Thaler, 
der ihn in eigenthümlicher Weise mit dem Fichtenkranze ge- 
schmückt darstellt, sowie durch zwei Medaillen, von denen die 
eine mit seinem Profilkopfe noch unedirt ist, Sigismund aber durch 
seinen äusserst seltenen Thaler. Eine Medaille, die Herr Alexi 
vorlegte, vervollständigte das hierauf beschränkte numismatische 
Andenken dieses Fürsten. — Herr Fieweger berichtete über die 
vor Kurzem in Paris zur Versteigerung gelangte ausgezeichnete 



Sammlaog griechischer Mflnzen des hochverdienten Gelehrten 
Ferd. Bompois, n^elche an schönen und seltenen Stücken reich 
war, die zum Theil überraschend hohe Preise erzielten. So wurde 
das äusserst seltene alterthümliche Zehndrachmenstück von Syracus, 
welches um 480 v. Chr. unter der ersten Hieronischen Dynastie 
geprägt wurde, mit 3000 Frcs. bezahlt. Ein vom verstorbenen 
Besitzer selbst verfasster, von H. HofiFmann herausgegebener Cata- 
log mit vielen Abbildungen sichert das Andenken der nunmehr 
zerstreuten Sammlung. 

Sitzung vom 6. März. 

Der Vorsitzende Herr Dannenberg widmete dem verstorbenen 
langjährigen Mitgliede, Herrn Jonas, einen warm empfundenen 
Nachruf. Der Verstorbene war ein eifriger Sammler, namentlich 
brandenburgischer Münzen, und hat sich als thätiges Mitglied um 
die Gesellschaft verdient gemacht. Die Anwesenden ehrten das 
Andenken des Verstorbenen durch Erheben von ihren Sitzen. — 
Herr West ermann als Gast berichtete über die reichen Sanun- 
lungen seines verstorbenen Vaters: Thaler, Nothmünzen, west- 
fUische Mittelaltermünzen. Eine der wissenschaftlich bedeutend- 
sten Abtheilungen der Sanunlung, eine ausgezeichnete Reihe 
Aachener Mittelaltermünzen, hatte der Verstorbeue vor mehreren 
Jahren dem königlichen Museum in Berlin geschenkt. — Herr 
von Sallet sprach über die auf römischen Münzen vorkommenden 
Darstellungen aus der sagenhaften Vorgeschichte Roms, welche 
sich mehrfach roh ausgeführt auf republikanischen Denaren, in 
hoher künstlerischer Vollendung aber auf Bronzemedaillons und 
kleineren Bronzestücken des Antoninus Pius finden, in dessen Re- 
gierungszeit das Jahr 900 der Stadt fiel Wir sehen auf diesen 
Münzen in meisterhafter Ausführung den mit seinem Sohn Jolus 
landenden Aeneas, welcher die Sau mit 30 Ferkeln findet, femer 
Mars zur schlummernden Rhea Silvia herabschwebend, die zum 
Kampf gerüsteten Heere der Römer und Sabiner, versöhnt durch 
der ersteren sabiuischen Frauen und ihre Kinder, den wunder- 
thätigen Priester Navius vor dem Könige Tarquinius Priscus, 
endlich den von den feindlichen Pfeilen verfolgten schwimmenden 
Horatios Cooles und die von dem römischen Heere abgebrochene 
Brücke, — alles Darstellungen von einer jener Zeit eigenen 



8 

schlichten Grossartigkeit, die wir ähnlich an den Reliefs des 
Trajan bewundern, welche Constantin in seinen Triumphbogen 
einsetzte. Zur Erläuterung dienten Gypsabgusse aus der Pariser 
und der Berliner Sammlung. — Herr Weil wies auf die üeber- 
einstimmung hin, welche zwischen dem Münztypus der Stadt 
Akanthos in Macedonien: Löwe, einen Stier erlegend, und dem 
an der Stelle des alten Akanthos aufgefundenen, heut im Louvre 
befindlichen Relief besteht, welcher nach Ansicht der französi* 
sehen Gelehrten als Schmuck des Stadtthors gedient hat. — Herr 
Dannenberg legte zum Abschluss seiner Vorträge über die 
brandenburgischen Münzen der HohenzoUem-Zeit Zeichnungen un- 
bekannter Stücke von Joachim II., Vs Guldenthaler mit Adler 
und Doppeladler, sowie 12-Groschen stücke und einige seltene Ge- 
präge seiner Nachfolger vor, namentlich einen Dukaten, halben 
und Yiertelthaler von Johann Georg, Doppelthaler von Joachim 
Friedrich und Johann Sigismund und einen Viertelthaler von 
Letzterem sowie einen halben Thaler von Ersterem. Er über- 
reichte auch, als Geschenk des Herrn Ch. Robert, dessen 6tude 
sur les mödaillons contomiates (Bruxelles 1882), in welcher er 
unter anderen bemerkenswerthen Ansichten auch die begründet, 
dass bei den auf diesen Medaillons dargestellten Göttern und 
Heroen nur an die Schauspieler zu denken sei, welche darin 
Rollen gaben. — Herr Di Dio legte Probeabschläge preussischer 
Kupfermünzen nach dem projectirten Decimalsystem von 1812 vor. 

Sitznng vom 3. April. 

Herr von Sallet sprach über die Bildnisse italienischer 
Dichter auf Medaillen des 15. und 16. Jahrhunderts. Dante's 
Portrait, wie fast alle seine Bildnisse auf die Todtenmaske zurück- 
gehend, erscheint über hundert Jahre nach seinem Tode auf kleinen, 
dem Vittore Pisano zugeschriebenen Medaillen und auf grösseren 
eines guten Florentiner Künstlers. Aus dem 16. Jahrhundert be- 
sitzen wir schöne Bildnissmedaillen auf den Cardinal Pietro Bembo, 
den Freund Leo^s X. und der Lucrezia Borgia. Eine dieser Me- 
daillen, etwa um 1520, zeigt sein unbärtiges Bildniss, auf der 
Rückseite eine bisher irrig als der Flussgott des Arno gedeutete 
Darstellung; es ist vielmehr der Dichter Bembo selbst, in antikem 
Costüm, mit dem GrifFel in der Hand am Saume eines dichten 



Waldes an der Quelle liegend, also die genaue Darstellung der 
Schilderung des Horaz: 

sed qaae Tibur aqaae fertile praeflount, 

et spissae nemornm comae, 

fin^nt Aeolio carmiDe nobilem. 

Bembo lebte seit 1512 als Sekretär des Papstes in Rom, so 
dass Yerse und Darstellung auch örtlich sehr passend sind. Unter 
den übrigen Medaillen Bembo's ist die schönste die von Benvenuto 
Cellini, mit dem Pegasus auf der Ruckseite — neben ihm die 
Quelle, ganz ahnlich dargestellt wie auf der zuerst erwähnten 
Medaille — das Brustbild in Cardinalstracht mit lang herabwallen- 
dem Barte. Von anderen Dichter-Bildnissen ist zu erwähnen eine 
schöne kleine Medaille auf Ariost von dem geschickten Pastorino 
von Siena und mehrere gute Medaillen auf Pietro Aretino, eine 
von A(lessandro) V(ittoria). — Uerr Dannenberg hatte die 
hauptsächlich wohl ihrer Seltenheit halber noch nirgends im Zu- 
sammenhange bebandelten, überhaupt wenig bekannten ältesten 
Medaillen unserer brandenburgischen^Eürfürsten zum Thema seines 
Vortrages gemacht, und denselben begrenzt durch das Aufhören 
der älteren, dem Prägen in künstlerischer Hinsicht weit vorzu- 
ziehenden Technik des Giessens und Ciselirens, welche unter dem 
Grossen Kurfürsten definitiv aufgegeben wurde. Die Reihe dieser 
Denkmäler, von denen allerdings einige unter Jobann Georg und 
Joachim Friedrich ausnahmsweise schon durch die Prägung hervor- 
gebracht sind, beginnt wie die Medaillenkunst in Deutschland 
überhaupt mit dem Anfange des 16. Jahrhunderts, nämlich mit 
einer grossen einseitigen Bildnissroünze von Joachim I., die ihn 
im 35. Jahre (1519) darstellt (s. S. 10); nur eine zweite, eine 
Arbeit des berühmten Augsburger Künstlers Ilagenauer, von 1530, 
ist ausserdem noch von ihm bekannt. Etwas reicher ist sein Nach- 
folger Joachim 11. ausgestattet; ausser 4 silbernen konnte der Vor- 
tragende noch 2 herrliche Medaillen in Speckstein mit dieses 
Fürsten Bildnisse vorführen, welche das hiesige Kgl. Münzkabinet 
bewahrt. Von seinem Bruder Johann von der Neumark sind zwei 
Medaillen auf uns gelangt. Zahlreicher sind die Denkmünzen von 
Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg 
Wilhelm, während 4 von Friedrich Wilhelm, sämmtlich, wie 
schon die seiner beiden letzten Vorgänger, dem damaligen Ge- 
schmacke entsprechend, von ovaler Form, die spätesten Ausläufer 
dieser Kunst darstellen. Besonderes Interesse nehmen in dieser 



sich etwa auf ein halbes Hundert belautenden Reihe ein StQck 
von Johann Georg und 2 von Johann SigiBmund in ADSpruch^ 
welche in der reichsten mit Edelsteinen und Perlen besetzten Um- 




f von kostbarster Goldichmiedearbeit erscheinen und theil- 
weise emaiUirt sind, sie bilden eine Zierde unseres Egl Museums. 
Ihnen schbesseD sich 2 ebenfalls emaillirte, aber nicht emgefasste 
Medaillen von Georg Wilhelm in derselben Sammlung, sowie eine 
Medaille von Joachim Friedrich in ähnlicher, jedoch des Juwelen- 
schmuckes entbehrender Ein fas sang an, welche sich in der Samm- 
lang des Vortr^endeu beficdet der in der I'Bge war, noch 10 
andere der besprochenen StQcke in Ongint^en und von den abrigen 
Skizzm vorzulegen 

Sitzung vom 1. Mai. 

Herr V, Sallet sprach über die in der heraldischen Aus- 
stellung vereinigten Münzen and Medaillen, zu welchen auch fünf 
Mitglieder der Gesellschaft Beiträge geliefert haben, die Herren 
Dannenberg (heraldisch wichtige Münzen und deutsche und italie- 
nische Medaillen meist ans dem 16. und 15. Jahrhundert), v. ProlUos 
(Mecklenburgische Münzen) t. d. Heyden (die vollständige Reihe 
Bntndenburgischer Thaler von Joachim I. an und einige Medaillen), 



11 

Brakenhausen (deutsche Ordensmünzen and preussische Stadtemün- 
zen) und der Vortragende (deutsche Münzen aus der Bluthezeit des 
Mittelalters, von Kaiser Friedrich Barbarossa, Heinrich VT., Otto IV., 
und Herzog Heinrich dem Löwen). Von grosser numismatischen 
Wichtigkeit ist auch ein prächtiger, mit Wappen, biblischen Dar- 
stellungen, Engelsköpfen und schönen Arabesken geschmückter 
silberner Bucheinband (Eigenthum der Universität Königsberg), 
von Herzog Albrecht von Preussen herrührend, aus dem Jahre 
1555. Dieses ausgezeichnete Kunstwerk enthält in je vier Exem- 
plaren zwei gegossene Schaumünzen, eine mit dem Bildniss des 
Herzogs, die andere mit dem Bilde seiner zweiten Gemahlin Anna 
Maria von Braunschweig. Medaillen mit dem Bildniss dieser 
Fürstin waren bis jetzt völlig unbekannt, während uns mehrere 
mit dem Kopfe von Albrechts erster Gemahlin, Dorothea von 
Dänemark, erhalten sind, welche Vossberg und J. Erbstein be- 
schrieben und abgebildet haben. — Herr Daunen berg brachte 
2 unedirte Niederländische Denare aus dem Ende des XII. Jahr- 
hunderts zur Besprechung. Der erste ist, obwohl er den Namen 
des Regenten sowohl als der Münzstätte verschweigt, ohne Zweifel 
in Mastricht und wahrscheinlich von Heinrich VI. peprägt, hat 
aber nur bei dessen vorwärts gekehrtem Kopfe den Titel REX. 
Prägweise wie Darstellung der Rückseite, Schlüssel und Heiligen- 
schrein, bringen diese Münze in Beziehung mit einer ähnlichen 
(von Friedrich Barbarossa?) mit IPE =- imperator, welche blos 
den Schlüssel mit der Beischrift CLAVIS zeigt. Diese naive 
Art, die dargestellten Dinge in der Beischrift zu benennen, ist 
den gegen Ende des XII. Jahrhunderts in Lüttich geprägten De- 
naren eigen; wir kennen solche mit beigesetzten CATEDRALIS, 
AQVILA, SCVT. IPEAT (imperatoris), MVTV (mouton), FACVN 
(faucon), EQVS VENAT (venaticus) etc. Noch interessanter 
ist ein der Zeit und Oertlichkeit nach demselben Bereiche ange- 
hörender Denar, denn seine Rückseite trägt die seltene (auf 
wenig älteren Halberstädter Bracteaten vorkommende) Darstellung 
eines Bischofs, der auf den ausgebreiteten Armen die herab- 
hängende Stola hält, übrigens durch den Nimbus wohl als der 
heilige Lambert charakterisirt wird. Ganz neu und ohne Gleichen 
ist hingegen das Bild der Hauptseite, welche einen Engel mit 
einem Bischo&stabe in der Hand zeigt. Man wird kaom fehl- 
gehen, wenn man hier eines der wenigen Beispiele mittelalter- 
licher Denkmünzen erblickt und die Bachstaben 3H0V neben 



12 

dem Engel durch ecdesia Hoyensis (fiay war eine bedeutende 
Münzstätte im Lütticher Sprengel) erklärt. — Herr Halke sprach 
über die sogenannten Rcisemünzen des Kaisers Hadrian und ver- 
theilte zur Erläuterung seines Yortrages unter die anwesenden 
Mitglieder der Gesellschaft typographische Skizzen, welche 
einem Aufsatze von Kiehn über die Reisen des genannten Kaisers 
beigefügt sind. Derselbe hat bekanntlich während seiner 21jäh- 
rigen Regierungszeit mehr als 13 Jahre auf Reisen zugebracht 
und die zum Andenken an seinen Aufenthalt in den verschiedenen 
Provinzen und Städten des römischen Reiches geprägten, mit be- 
züglichen Aufschriften versehenen Münzen sind, wenn sie uns 
auch hinsichtlich der Zeit ihrer Entstehung oft in Zweifel lassen, 
doch die Hauptquellen für die Kenntniss der Reisen des Kaisers. 
Bekannt sind nicht weniger als 59 Reisemünzen Hadrians mit 
verschiedenen Typen und Aufschriften in Grold, Silber und 
Kupfer, welche sich auf 28 verschiedene Provinzen und Städte 
beziehen. Es sind dies nach der muthmasslichen Reihenfolge, 
in welcher Hadrian dieselben besucht hat: Moesien, Dacien, 
Italien, Gallien, Germanien, Rhätien, Noricüm, Britannien, Spanien, 
Africa, Libyen, Asia, Phrygien^ Cappadocien, die Quartiere der 
an der Parthischen Grenze stationirten Legionen (exercitus Par- 
thicus), Bithynien, Nicomedia, Thracien, Macedonien, Achaja, Si- 
cilien, Mauretanien, Cilicien, Syrien, Judäa, Arabien, Alexandrien 
und Aegypten. 

Sitzung vom 5. Juni 

Herr Weil sprach über griechische Bleigewichte und die auf 
denselben vorkommenden Darstellungen, welche zur Biezeichnung 
des Ausgabeorts und des Nominals dienen. Ein neuerdings zum 
Vorschein gekommenes Yiertelminenstück gelangt dabei zur Vor- 
lage. Weiterhin giebt der Vortragende Auskunft über die reiche 
Sammlung von Bronzegewichten, welche bei den Ausgrabungen 
von Olympia gefunden worden und welche, wie aus ihren Auf- 
schriften hervorgeht, von Seiten der Tempelbehörde ausgegeben 
und bei dem Heiligthume benutzt worden sind. Einige Proben 
davon befinden sich auch unter den Dubletten, welche von 
Seiten der griechischen Regierung dem Reiche überlassen worden 
sind« / 

Herr v. S allet sprach über eine merkwürdige Münzdarstellung, 



welche gleich der vor Eurüem in Athen gefandenen kleinen Mar- 
morfiKnr bJs eine genane Copie der Pallae des Phidias zu betrachten 
ist. Bisher kanole mao keine einzige jener Marmorfigar gleichende 
Darstellung anf MAnzen, nnr die Eigenthamlichkeit der Figur: 




der anf eine stfitsende S&ole gelegte Arm war anf MOnzen von 
SmTnia bei der Äphrodite'Tyohe beobachtet worden. Jetzt ge- 
lang es dem Vortragenden, ausser einer ähnlichen Darstellung anf 
einer kleinen Bleimarke von Athen eine wahrscheinlich in Tarane, 
etwa am 400 — 370 t. Chr. geprägte Silbermünze au&afinden, 
welche eine Pallasfigar trägt, die der atheniichen Statuett« in allen 
Details fast völlig Reicht und also die ältesteWiederho lang jener 
berfihmten Athene des Phidias ist Dase das weit entlegene, 
von persischen Satrapen beherrschte Tarsus die Pallas des grossen 
atheoiscben Bildhaaers aof ihre Münzen setzt, ist nicht auffallend, 
denn eine grosse Rdhe jener tarsischen Silbennflozen zeigt Götter- 
darslellaogen im edebten griechischen Styl, oft den Pallaskopf; 
und Copien der im Altertfanm hochber&hmten Figor des Phidias 
mögen wohl viele Tempel der hellenischen Welt geschmAckt haben, 
wenn uns auch nur dieses eine Beispiel dieser scböneo Darstellong 
auf einer MOnse erhalten zn sein scheint. 

HerrDannenberg gab eine korze Uebersicht über die mittel- 



14 

alterlichen Gepräge der fränkischen Linie des Hohenzollernhanses, 
und belegte dieselbe durch einige Muster, unter denen namentlich 
einige im Verein mit den Bischöfen von Würzburg und Bamberg 
geprägte Groschen und die seltenen Goldgulden der Burggrafen 
Friedrich V. (1361—1396) und Friedrich VT., der in der Mark als 
erster seines Hauses regierte, hervorzuheben sind. Daran schloss er, 
die Originale vorlegend, einige Thalergepräge dieses Fürstenhauses, 
unter denen derschöne undseltepeDickthalerdesMarkgrafenAlbrecht 
Alcibiades von 1549 genannt zu werden verdient, sowie eine 
interessante Folge gegossener und ciselirter Portraitmedaillen, ins- 
besondere des Hochmeisters Albrecht, späteren ersten Herzogs von 
Preussen, vom Jahre 1523, seines Bruders Georgs des Frommen, 
von 1534, seines Neffen Georg Friedrich von 1579 (eine treffliche 
Arbeit von Tobias Wolff), von Markgraf Friedrich (Bruder Casi- 
mir's und Georgs des Frommen, fl536) 1533, von Christian 1624 
(ein Werk von Christian Maler), eine bemerkenswerth saubere und 
lebensvolle von Albrecht (1625 — 1667) und eine mit Albrecht 
Alcibiades vorwärts gekehrtem Brustbilde und einem Landsknecht 
mit der Umschrift: MANS REICHER MVT DVT SELDEN 
GVT 1552. 

Sitzung vom 3. Jnli. 

Herr Hat eher als Gast legte einige neue Publicationen 
vor, darunter das schön ausgestattete Werk von S. AmbrosoU, 
zecche Italiane (Como 1882) mit vielen photographischen Tafeln. 

— Herr Lawerenz besprach die auf Universitäten bezüglichen 
Medaillen seiner Sammlung, meistens im 17. Jahrhundert in 
Holland geprägt, namentlich in Leyden (mehrere auf Jubiläen 
der Universität bezüglich), Franecker, Utrecht (auf die Aufaahme 
der Hugenotten nach dem Widderrnf des Edicts von Nantes) u. a. 

— Herr Weil sprach über eine durch alterthümliche Aufschrift 
im ionischen Dialect interessante Electron-Münze des Britischen 
Museums, deren Prägestätte man bisher nach ihrem Fundorte 
bald in Halicamass, bald in Ephesus gesucht hat. — Herr Fie- 
weger besprach eine Spottmedaille auf der im Jahre 1708 als 
Betrüger in Cüstrin gehenkten angeblichen Grafen Gaetani und 
gab biographische Notizen über diesen merkwürdigen Abenteurer, 
welcher als vorgeblicher Goldmacher beim König Friedrich I, von 



15 

Preussen In grosser Guost stand und sogar zum General ernannt 
wurde, endlich aber, als seine alchymistischen Eönste den ge- 
wünschten Erfolg nicht hatten, gehenkt wurde. — Die Medaille 
stellt die Hinrichtung dar und trägt auf der Rückseite eine nach 
der geschmacklosen Weise jener Zeit absichtlich in verkehrter 
Orthographie geschriebenen lateinische Inschrift. — Herr 
V. Sallet sprach über deutsche Portraitmedaillen der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts, welche uns die Bildnisse geistig her- 
vorragender Männer der Reformationszeit zeigen. Abgesehen von 
den ziemlich spärlichen Bildnissen der Reformatoren selbst, 
welche in einem späteren Yortrag betrachtet werden sollen, ist 
hervorzuheben eine Reihe von Medaillen auf Wilibald Pirck- 
heimer, den berühmten Nürnberger Humanisten und Freund 
Dürer's; besonders schön und lebenswahr ist ein kleines, in einem 
vortrefflichen, wohl sicher gleichzeitigen Zinnabguss vorgelegtes 
Stück vom Jahre 1530 mit drei Aehren auf der Rückseite. — Es 
ist zu bedauern, dass wir von Ulrich von Hütten keine gleich- 
zeitige Medaille besitzen; seinen mächtigen Beschützer Sickingen 
zeigt uns ein prächtiges Silbermedaillon des Berliner Museums, 
von eigen thümlicher Technik, gegossen und inwendig hohl, vom 
Jahre 1521. Einer der geringsten Genossen Hutten*s, der als 
angeblicher Unterhändler Hutten's mit Erasmus eine wenig ehren- 
hafte Rolle spielte, Heinrich v. Eppendorf, hat uns mehrere 
schöne Portraitmedaillen hinterlassen, darunter ein vorzügliches 
Stück mit einer allegorischen Kinderfigur auf der Rückseite, im 
Berliner Museum. — Erwähnung verdienen femer die Medaillen 
auf den gelehrten Propst Melchior Pfinzing, den Gehilfen Kaiser 
Maximilian's bei seinen Dichtungen (Tbeuerdank), endlich die 
nach Dürer's Atelier-Holzschnitt v. J. 1527 gearbeiteten Medaillen 
mit Dürer's Bildniss und das vorzügliche Steinmodell des Berliner 
Museums mit Hans Sobald Beham, des berühmten Kupferstechers 
Bildniss; auch H. S. Beham's Bruder, Barthel B., ist auf einer 
schönen Nürnberger Medaille dargestellt. — Herr Dannenberg 
unterwarf der Betrachtung ein Gemälde der altniederländischen 
Schule, welches den öfter behandelten Vorwurf zweier geld- 
wägender und buchender Geizhälse (les receveurs de Louvain?) 
zum Gegenstande hat, und gewöhnlich auf Quintin Messys 
zurückgeführt wird. Eine Prüfung der auf ihm mit grösster 
Genauigkeit und Treue dargestellten Münzen, von denen sich zehn 

Zvltochrifi r&r NamUauUk. X. 33 



1(5 

Arten in Gold und Silber bestimmt unterscheiden lassen, lehrt 
aber die Unrichtigkeit dieser Zutheilnng. Denn es findet sich 
anter ihnen ein 4-Stiiiterstück (sog. Krabbelaar) Karls V., eine 
•Münzsorte, welche zufolge einer Ordonnanz von 1586 in diesem 
Jahre zuerst geprägt wurde. Da aber Quintin Messys schon 
1829 starb, so kann das fragliche Gemälde nicht von ihm, wohl 
aber von seinem Sohn Jan M. herrühren. Es würde sich eine 
eingehende Untersuchung der übri^n ähnlichen Gemälde auf 
diese Münzen hin empfehlen, die schwerlich schon -vorgenommen 
worden ist. 

« 

Sitzung vom 4. September. 

Herr Halke besprach den bereits früher kurz erwähnten 
Münzfund von Lauban, über welchen jetzt nähere Nachrichten 
vorliegen. Der Fund enthielt nur Goldmünzen und- zwar: 10 Stück 
Rosenobel von Edward IIL von England*(1327— 1377\ mehrere 
hundert ungarische Dukaten von Ludwig (1342—1382) und Sigis- 
mund (1 387— 1437X Goldgulden der Kölner Erzbischöfe Friedrich III. 
(1370—1414), Dietrich IL (1414— 1442), des Trierer Erzbischof 
Werner (1388 — 1418), endlich eine Anzahl Zechinen von folgenden 
Dogen von Venedig: Andrea Dandulö (1343 — 1354), Antonio 
Contarini (1367—1382), ^Antonio Venier (1382—1400), Michele 
Steno (1400—1414), Toipmaso Mocenigo (1414—1423). Sämmtliche 
Münzen des Fundes waren von guter Erhaltung. Herr v. Sali et 
sprach über eine mit Hülfe der Münzen zu deutende Marm.orfigur 
aus Pergamum. Unter den kleineren pergainenischen Funden, welche 
mit der Gigantomachie an das Berliner Museum gelangten, erregte 
ein schöner, völlig erhaltener weiblicher Kopf, von ernsten, ^strengen 
Zügen Bewunderung. Friedlaender und der Vortragende erkannten 
unabhängig von einander in diesem Kopfe eine Nike, denn in 
allen Details der Haartracht, auch des Ausdrucks gleicht derselbe 
bekannten Kupfermünzen von Metapont mit der Aufschrift NIEA 
sowie vielen Silbermünzen von Terina. Jetzt ist der zu dem 
Marmorkopf gehörige Körper gefunden; es ist nicht Nifae, sondern 
eine unbehelmte Pallas, mit der Aegis, eine schöne Nachbildung 
dnes jedenfalls aus bester Zeit, vielleicht der des Phidias, stammen* 
den Originals. Einen ähnlichen Pallaskopf, unbehelmt und in der 
Haartracht der Nike ähnlich, zeigen seltene kleine Sflbermünzen 
von Tarent;* der Kopf dieser Münzen ruht auf der Aegis. Nach 



17 

der Ansicht des Vortragenden ist nun aber die frühere Deatnng 
des Kopfes auf Nike nicht, wie gesagt worden ist, ein Irrthum, 
sondern die schöne pergamenische Marmoi-figur ist Athena- Nike, 
jene dem Aiterthume so gelaufige, für PergaiaujjjQ besonders passende 
Vereinigung der Kriegs- und Siegesgöttin, welche in Athen be- 
kanntlich einen berühmten Tempel hatte. «. 

Ferner besprach Herr v. Sallet die bisher noch nirgends er- 
klärte Rückseite einer italienischen Medaille vom Jahre 15ß2, mit 
dem Brustbilde des Arztes und Humanisten Thomas (Rangone) 
aus Ravenna. Die Rückseite zeigt eine liegende weibliche Figur, 
welcher ein Adler ein Kind an die Brust legt. Die Cmschrifi; 
ist: A. lOVE. ET. SOROEE- GENITA. Abgesehea von einer 
gedankenlosen „Erklärung" Mazzuchellis, es sei die Geburt des 
Herakles dargestellt, hat man die Bedäiitung dieser mythologischen 
Darstellung noch nicht gefunden, obgleich sie mit Händen zu 
greifen ist: a Jove et sorore genita bezieht sich natürlich nur 
auf die^ Tochter des Jupiter und seiner Gemahlin und Sch^este^ 
Juno; die Tochter dieses Göttefpaares ist ab^r Heb6,. römisch 
Juventus, die Göttin der Jugend, der Verjüngung. Die Darstellung 
bedeutet also die Geburt der Hebe und ist für den Dargestellten 
sehr passend gewählt: Thomas von Ravenna >var ein berühmter 
Arzt, der den Grafen Rangone von schwerer Krankheit geheilt 
hat, die Geburt der Göttin der Verjüngung ist, also eine schöne 
und geschmackvolle Rückseite zur Medaille des gefeierten Arztes. 

Zur Erläuterung diente ein vorzügliches Exemplar der ge- 
gossenen und ciselirten, nicht seltenen Medaille, als deren Künstler 
man vielfach ganz img Pomedello genannt hat, welcher 1562 
schwerlich , noch gelebt hat. 

Sitzang vom 2. October. 

Herr Friedensburg als Gast besprach einige seltene 
Mittelaltermünzen seiner Samnjung, darunter besonders hervor- • 
zuheben ein {^akteat des Bischofs^ Heinrich von Constaius 
1233—1248), ein Gbol von Freiburg im Breisgau aus dem 
13. Jahrhundert und ein schöner Brakteat vom Bischof Udalrich 
von Halberstadt. — Herr Weil sprach über die ältesten 'griechi- 
sclien Münzprägungen, insbesondere über die Münzordnung des 
argivischen Kö]iic:s Plioidbn und erörterte an der Hand der 
Münzen die für Plieidon in Betracht kommenden chronologischen 



18 

Fragen. — Herr Brinkmann besprach zwei in der könig- 
lichen Münze aufbewahrte Stempel von Medaillen auf Kurfürst 
Joachim I. und IL, welche, wie A. v. Sa 11 et in seiner Schrift 
über die Medailleu Joachim's I. gezeigt hat, schlechte Machwerke 
des vorigen Jahrhunderts sind, und zwar ist die eine derselben 
(Joachim I.) eine rohe Copie einer schönen, gleichzeitigen, ge- 
gossenen Medaille von Friedrich Hagenauer und ist nicht, wie 
früher behauptet wurde, „nach einer alten Zeichnung" gemacht. 
Interessant ist, dass diese rohen Arbeiten des vorigen Jahrhunderts 
officiell angeordnete Stempel zu sein scheinen, ein Beweis, dass 
man (wahrscheinlich unter Friedrich I.) durch derartige Denk- 
münzen das Andenken bedeutender verstorbener Herrscher feiern 
wollte. — Herr Dannenberg gab eine kurze üebersicht über 
die Münzen der Kreuzfahrer, welche, vor 50 Jahren fast un- 
bekannt, wir jetzt in stattlicher Anzahl besitzen. Sie lassen sich 
sondern in 1. die der Fürsten, deren Herrschaft dem ersten 
Kreuzzuge ihre Entstehung verdankt, also ausser dem Königreiche 
Jerusalem selbst mit seinen Lehen (Fürstenthum Tyrus, Graf- 
schaft Joppe und den Herrschaften Sidon, Beirut und Toron) na- 
mentlich die Grafschaft Edessa, die Herrschaft Marach, das 
Fürstenthum Antiochia, das Königreich Cypern und Rhodus als 
Sitz des Johanniter-Ordens, und 2. die Reiche, welche in Folge 
des Kreuzzuges von 1204 auf dem Boden der byzantinischen 
Herrschaft, also in Griechenland nebst dem Archipel und dem 
vorderen Theile von Kleinasien entstanden. Besonders interessant 
ist an ihnen die grosse Mannigfaltigkeit in der äusseren Erschei- 
nung und den auf ihnen angewandten Sprachen (ausser lateinisch 
auch griechisch, arabisch und französisch), wodurch uns das 
Yölkergemisch, dessen Verkehr zu vermitteln sie bestimmt waren, 
veranschaulicht wird. Zur Erläuterung dienten eine Anzahl vor- 
gelegter Originale, unter denen besonders zu erwähnen ein Aspro 
(Gigliato) des Grossmeisters Elion de Yilleneuve, unter welchem 
der von Schiller besungene Drachenkampf des Deodat von Gozo, 
seines Nachfolgers, vor sich ging, und ein zu Accon 1251 ge- 
prägtes Silberstück, welches im Gegensatze zu den von dem 
päpstlichen Legaten Endes de Ch&teauroux verdammten Nach- 
prägungen arabischer Goldstücke mit muhamedanischen Sprüchen, 
welche sie in Accon, Tripolis und Tyrus geschlagen wurden, nur 
echt christliche Glaubensformeln aufweist. 






19 



Sitzung vom 6. November. 

Herr Neubaaer legte als Beweise für die groi>se Mannig- 
faltigkeit der Münzgepräge noch zu Anfange dieses Jahrhunderts, 
im Gegensatz zu der jetzigen Einheit des Münzwesens in unserem 
Vaterlande einige für einzehie Provinzen besonders geprägte 
Münzen vor. Für die Provinz Posen: 3- und 1 -Groschenstücke, 
aus Kupfer geprägt, von den Jahren 1816 und 1817, mit den 
Münzzeichen A und B, von denen 60 und bezuglich 180 Stücke 
einen Thaler galten. — Für die Provinz Preu.ssen: 1- und 
Vf-Groschenstücke aus Kupfer, von den Jahren 1810 und 1811, 
mit dem Münzzeichen A, von denen 90 und 180 Stück auf den 
Reichsthaler gingen. — 3 aus Eisen gegossene Münzen mit der vertieften 
Inschrift 1 Lit., 6 Pf. und 1 Pf., sowie eine Hohlmünze aus 
Messingblech mit 1 Sgl. 1806, welche aus Breslau herrühren, sind 
vermuthlich in jenem Kriegsjahre hergestellte Nothmünzen. 

Herr Fieweger legte eine Halbthalerklippe des Administra- 
tors Christian Wilhelm von Magdeburg aus schlechtem Metall vor, 
ein äusserst seltenes, vielleicht einziges Stück, mit dem Brustbild 
auf der einen und Wappen auf der anderen Seite. — Herr Alexi 
legte aus seiner Sammlung einen Doppelthaler desselben Fürsten, 
des Administrators Chr. Wilhelm von Magdeburg, vor, vom Jahre 
1614. Dies Stück ist deshalb besonders merkwürdig, weil der 
neben dem heiligen Moritz klein dargestellte Magdeburger 
Dom den einen Thurm ohne Kreuzblume zeigt, woraus sich er- 
giebt, dass der Yerlust der Kreuzblume nicht mit TiUy's Zer- 
störung der Stadt, 1632, zusammenhängt Femer besprach Herr 
Alexi einen fragmentarisch erhaltenen, emaillirten Orden, etwa um 
1700 angefertigt, mit der Figur des heiligen Moritz: wahrschein- 
lich das Kreuz des Magdeburger Domherrn. 

Herr Dannenberg berichtete über einen unlängst bei 
Meppen gemachten beträchtlichen Fund westfälischer Denare aus 
dem Ende des XHL und Anfang des XIY. Jahrhunderts Liefert 
derselbe auch keine Ausbeute an numismatischen Seltenheiten, so 
giebt er doch ein interessantes Bild des damaligen Geldumlaufes 
in der münzlosen Gegend des Fundortes. Es sondern sich aber 
die aufgefundenen Münzen nach dem Aussehen sehr scharf in 
zwei Klassen, nämlich grosse und dünne Denare einerseits und 



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20 



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kleine dicke (sog. Wewelinghöfer) andererseits, jene von Soest, 

Iserlohn und Lippstadt, diese von Munster und Osnabrück. Die • 

* MuDzherren sind Erzbischof Siegfried von Köln als Herzog von 

\ ' Westfalen, Eberhard, Graf v. d. Mark, Simon L, Edelherr von 

«• Lippe, die Bischöfe Gerhard,. Eberhard und Ludwig von Münster, 

«,. sowie die Osnabrücker Bischöfe Konrad und Ludwig. 

Herr Friedensburg zeigte an einer grösseren Anzahl schlesi-, 
scher Hohlpfennige von Schweidnit^ und Oppeln das allmähliche 
Sinken des Stiels dieser Münzen, legte die Zusammengehörigkeit 
der fälschlich von Vossberg nach Preussen verwiesenen Stücke 
mit halbem Adler und halbem Kreuz mit denjenigen, welche nur 
\ * einen Adler zeigen, dar; erwies deren schlesischen Ursprung' aus 

den Funden und legte schliesslich noch ein eben erst aufgefundenes, 
bis jetzt* unbekanntes Stück gleicher Art mit zwei halben Adlern, , 
also das Bindeglied vorstehender beider Sorten, vor. Ausserdem \ 
i ^ I ' zeigte und erläuterte er eine Anzahl seltener Brajcteaten aus ^ 

' * seiner Sammlung: von Schlesien, darunter die der Funde von 

f * * Fil^hne und Prausnitz, nach ^seiner Ansicht .das jämmerlichste 

und schlechteste Geld, das je cursirt; aber auch spätere von 

schönem Stil,, ferner Goslarer, Thüringer, Hessen etc. /Zum 

Schluss wies er hoch auf ein bisher unbeachtetes Analogen des 

, bekannten Moritzpfennigs, der den Kopf des Heiligen auf der 

Rückseite erhaben zeigt, hin^ nämlich einen kl^en Stralsunder 

^ I., *' • Bracteaten, auf dem ^n S in die Flagge so eingeprägt ist, dass 

"'0 * ,es auf der Rückseite richtig hervortritt. . 

Sitzung vom 4. Dezember. 

"f * . ' . .. 

f * Herr v: Winterfeld legte einige schöne Grossbronzen vor, 

I» ' -^ "^ namentlich eine in dieser Weise noch nicht beschriebene Vespasianus 

i ' . , * mit vollständig ausgeschriebenem Namen und Titel, auf der Rück- 

> Seite eine Victoria ohne Umschrift, und eine andere desselben 

^' \ ! Kaisers mit IVDAEA CAPTA, auf welchem das SC ausgekratzt 

't ; ' ; ist, um dieser auf einem sehr breiten Schrötling ausgeprägten 

\j ' Münze das Ansehen eines Medaillons zu geben, ausserdem einige 

, »\^ vollkommen erhaltene schöne Gepräge der Kaiser Macrinus' und 

Balbinns. Herr Bahrfei dt sprach über einen seltenen Kupfer^ 

. * - pfennig (48 auf einen Mariengrosöhen) der Stadt Gelle von 1576 

. .f und trug die uns erhaltenen bezüglichen Urkunden vor; man habe 

• bisher dies Gepräge mit Unrecht für ein landesherrliches gehalten. 






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^ 4 



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21 



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Herr Weil besprach in seLr anerkennender Weise '(las neu er* 
schienene Bach von Adolf Bötücher, Olympia, in welchem zum 
ersten Mal ein Gesammtbild über die reichen Ergebnisse der olym- 
pisdien Ausgrabungen gegeben wird. Auch die Münzen haben 
darin, so weit sie hier in Betracht kommen, Berücksichtigung er- 
fahren. Hinsichtlich der elischen Kupfermünzen aus der Eaiserzeit 
mit der Darstellung des Zeusbildes ist, wie der Vortragende' aus- 
führt, jetzt durch die Erweiterung des Materials eine gewisse Un- 
sicherheit darüber entstanden, welcher der auf der Münze vor- 
haudenen Typen detujenigen der Phidias'schen Goldelfenbeinstatue 
näher steht, da diese Münzen hinsichtlich*' der Wiedergabe der 
Gewandung des Zeusbildes sehr erhebliche Verschiedenheiten zeigen. 
Ausserdem wurden vorgelegt durch Herrn v. d. Hey den eine 
schöne goldene Gussmedaille des böhmischen Magnaten Bubna 
(1572) mit ^kunstvoll emaillirter Einfassung, durch den als Gast 
anwesenden Herrn Max Schmidt eine silberne Medaille Karls Y. 
von 1541 mit der unerklärten Namenschiffre eines Medailleurs 
W S oder S W, endlich durch Jlerrn Dannenberg eine Bionze- 
münze mit dem Kopfe der Liviaäls IVSTITIA, welche sich von 
den bekannten wesentlich dadurch tinterscheidet^ dass die 24. tri- 
bunicia potestas des Tiberius hier' iiicht .durch XXIIII, sondern, 
auffallender Weise durch TTTTXX* ausgedruekt ist.. • 



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Druck Ton G«br. Ung«r (Tb. Grimm) in B«r!in SW., iJobSneberger StrMS« 17a. 




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lii'rlui.U'fKimajuisiJii' fiuchhiunllimä. 



Zeilscfirifl für KumlsmaÜk X. 



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ßprlin. \\>iilrii;innsrhp RurhhiillillDnf. 



/-■ilMiri» für Xiiuii-iiiatik. X. 




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ZeiLschrift für Numi-smatili 




Berlin.VeidmRiiusc;heBuchhaii(llimi 

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Zeitschrift für Numiamaiik. X. 



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Berlin, Weldmannsche Buchhandlung. 



Zeil-dirifi l'ur \iimi-ii...tiK X 




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Zeii-clmfi für Numismdtik X . 


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Berlin.Weidmaiinsrhe Buchhandlung. 

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Zeitschrift für ]^umlsnuilik X. 



Taf . X. 






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Berlin, Weidmannsche Buchhandlung 

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